11. November 2015: Lieber Leser!

Beim Blick in den Kalender heute wurde mir klar, was mir in den Tagen davor auch schon nicht unklar war: Wir befinden uns in einer „Närrischen Zeit“! - Ab 11 Uhr 11, lese ich irgendwo im Internet. Das ist auch – nach dem Kalender – der Martinstag. Aber jede Gemeinde in Deutschland feiert den so, wie es – irgendwie in dieser Woche – in den Kram passt. - Das wird inzwischen nicht nur mit dem Martinsfest so gehalten. Jeder sagt auch gerne, was ihm – irgendwie, irgendwann – in den Kram passt. Und argumentiert entsprechend. Manchmal auch – wie beim DFB – hoffend, dass alles gut geht. - Ich persönlich finde es geradezu lustig, dass der DFB – wie übrigens auch der ADAC – ein „gemeinnütziger Verein“ ist. Wo dann, wie wir gerade erfahren müssen, evtl. Millionen von Euro hin und her geschoben werden, um nicht nur Jahre später ein „Sommermärchen“ zu erleben, sondern noch mal Jahre später „eine kalte Dusche“, die dann alle wieder auf den Boden der Realität zurück holt. - Aber Grund für diesen „Lieber Leser“ waren weder Datum, Karnveval, noch Martinstag. Dass der „Liebe Leser“ gerade an diesem Tag ins Internet gestellt wird, ist Zufall. Kein Zufall war dagegen ein Leseranruf vor wenigen Tagen, von dem ich Ihnen erzählen möchte und der von mir als so skurril empfunden wurde, wie die derzeitigen „Erlebnisse“ beim DFB, bei VW oder bei der Moto GP-Weltmeisterschaft. - So passt dann wieder das Datum und damit der Titel:

11. November 2015: Lieber Leser!

Bei dem Telefonanruf des Lesers ging es eigentlich um die Motor-KRITIK-Geschichte zur aktuellen Situation der VLN – und wie sie so von Aktiven und Zuschauern empfunden wird.

Der Anrufer: „Also die Stimmung ist schon mieß!“ - Und er kam dann auf einige unerfreuliche Geschehnisse bei der VLN in diesem Jahr zu sprechen. - Und ich dachte mir: Warum ruft dieser Mann denn eigentlich an? - Das habe ich doch alles geschrieben.

Und genau deshalb rief dieser Mann an. Um mir gegen Ende des Gesprächs den guten Rat zu geben:

„Aber so etwas schreibt man doch nicht, Herr Hahne!“

Das sind dann die Momente, die mich an Helene Fischer und ihr „Atemlos durch die Nacht“ erinnern. Ich fühle mich dann wie „Fall in meine Arme und der Fallschirm geht auf.“ - Aber es gibt keinen Fallschirm. Und ich verstehe auch nicht. - Und ich falle noch nicht einmal. Mir fällt dazu auch nichts ein, außer...:

„Aber Sie haben doch selbst eben gesagt, dass...“ - Und ich lasse mir sagen, dass das doch das alles nichts bringt, nur Ärger macht und ich sollte doch auf den guten Rat eines Kollegen hören – von dem ich vor kurzem geschrieben hatte – der mir empfahl, doch die letzten Jahre meines Lebens noch entspannt zu genießen.

Ich frage: „Und was ändert sich dann?“ - Antwort: „Mit Ihrer Schreiberei verändern Sie doch die Welt auch nicht.“ - Und ich erfahre: „Die heutige Welt ist nun mal so!“

Dabei fällt mir dann der Mann ein, der mir mein Nürburgring-Buch für eine Widmung hin hielt, um dann – nachdem ich meinen Füller gezogen hatte – zu sagen:

„Da sieht man gleich, dass Sie aus einer anderen Zeit kommen!“

Nun habe ich das sozusagen auf zweierlei Art erfahren. Und mir fällt dazu wieder Pippi Langstrumpf ein: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

VW handelt danach; die Spanier machen so einen Motorrad-Weltmeister; die SPD-Landesregierung in Mainz schuf so „Adrenalin für 365 Tage. Und Nächte.“

Mit solchen Geschichten – und ähnlichen – aber auch manchen erfreulichen, habe ich in den letzten Jahrzehnten Jahr um Jahr verbracht, habe mir den Ärger von Politikern und eine Hausdurchsuchung von der Staatsanwaltschaft zugezogen. Und den Unwillen der Industrie.

Warum? - Weil ich immer davon ausging – und noch davon ausgehe – dass es zu den Aufgaben eines Journalisten gehört, schon mal die Fassaden ein wenig zu verschieben – oder auch nieder zu reißen - die diese Pippi Langstrumpf-Typen errichten, um dahinter – von der Öffentlichkeit unbemerkt - „ihr Ding zu machen“.

Manchmal kommen diese Herren auch ohne Fassade aus. Wenn man es geschickt macht. Wie es z.B. die Spanier beim Gewinn der Moto GP-Weltmeisterschaft 2015 machten. Dazu hörte ich in diesen Tagen schon mal:

„Nun ja, das war vielleicht nicht alles ganz richtig. Aber eigentlich ist doch mit Jorge Lorenzo der Richtige Weltmeister geworden. Er war doch eindeutig der Schnellste.“

Natürlich kann man das auch so sehen. - Ich sehe das anders:

  • Marc Marques hat seinen in Australien ihm zugefallenen Job perfekt zu Ende gebracht.
  • Lorenzo hat sicherlich manche Auszeichnung verdient, aber nicht diese Weltmeisterschaft.
  • Weltmeister sollte nicht der schnellste, sondern der beste, weil kompletteste Rennfahrer werden.
  • Ein wirklicher Motorrad-Weltmeister ist nicht nur im Trockenen, sondern auch im Regen schnell.
  • Bei 18 WM-Läufen entscheidet kaum das Glück über den Gewinn der WM.
  • Wer nach 17 Läufen mit 7 Punkten in der WM in Führung liegt, ist um 7 Punkte besser.
  • Oder aber man bringt das Glück „auf moderne spanische Art“ unter Kontrolle.

Es gibt aus meiner Sicht keine Entschuldigung für das, was derzeit das Bild unserer Gesellschaft bestimmt:

  • Kurt Beck erfindet den Nürburgring auf Kosten des Steuerzahlers neu.
  • Ein Insolvenz-Sachwalter macht Capricorn zum solventen Nürburgring-Käufer.
  • Der ADAC macht Autohersteller nach „Gutsherrenart“ zu Siegern.
  • Der DFB „organisiert“ gemeinnützig (!) „Sommermärchen“.
  • VW gestaltet „Das Auto“ mit hervorragenden Abgaswerten auf dem Papier.
  • Ein (Ex-)VW-Chef hält sich für einen Manager mit guten Führungseigenschaften.
  • Marc Marquez macht mit Sponsor-Unterstützung einen spanischen Weltmeister.

Und die Öffentlichkeit, die Millionen von Bürgern und Menschen die sie darstellen, die schauen staunend zu, finden das alles gar nicht gut, aber sagen dann (evtl.):

„Aber so etwas schreibt man doch nicht, Herr Hahne!“

Diese Feststellung mag inzwischen von einer Vielzahl von Medien beherzigt werden, auch solchen, die als Fassaden Redaktionsstatute vor sich hertragen, oder wie VW seine „Verhaltensgrundsätze“. Da hilft dann auch nicht die Einrichtung einer neuen Vorstandsposition „Compliance“. - Ein neues Stück Fassade?

Motor-KRITIK macht so weiter wie bisher, als würde tatsächlich in der Welt nach den Grundsätzen verfahren, die von Moral und Ethik verkünden. Dass diese Werte oft nur als Worte begriffen, nicht gelebt werden, weil es „das Geschäft stört“, das wird von Motor-KRITIK aber auch in Zukunft nicht übersehen werden.

Darum folgt hier – wie immer - ein:

Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne

Noch ein Hinweis: Auch heute am 11.11. gibt’s bei „Eurosport“ von 10:00-13:00 Uhr und 14:00-17:00 Uhr die Übertragung der ersten Testsessions der Moto GP mit den neuen Einheitsreifen von Michelin aus Valencia im TV.

Am 11.11. - um 22:11 Uhr - eine dringende Korrektur: Ein Rechtsanwalt, Namen und Anschrift und sein Verhältnis zum ADAC bekannt, schreibt mir per E-mail: "nur zur Information: Der ADAC ist kein gemeinnütziger Verein, war es auch nie und hat dies auch nie behauptet. Der ADAC ist ein ganz normaler eingetragener Verein. Ein Verein ist nicht per se gemeinnützig. Die Gemeinnützigkeit hat auch nichts mit der Eintragung des Vereins zu tun. Vielmehr ist die Gemeinnützigkeit (genauer: Steuerbegünstigung) ein rein steuerlicher Tatbestand. Die Gemeinnützigkeit wird auf Antrag vom Finanzamt gewährt und bescheinigt. Vielleicht sollten Sie das korrigieren."  - Was ich hiermit getan habe. - Warum der ADAC denn ein Verein ist, der alle gewinnbringende Geschäfte auf eigene "Profitcenter" (richtige Firmen) ausgelagert hat, wurde - leider - nicht erklärt. - Aber das erklärt sich dann dadurch, dass "der ADAC kein gemeinnütziger Verein" ist. - Und darum sollte der ADAC vielleicht überprüfen, ob sein Vereins-Status aktuell noch angemessen ist. -  Womit man sich "von Amts wegen" wohl inzwischen in München auch beschäftigt. - Wilhelm Hahne

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1 Kommentar

von robertdubler_mac_com erstellt am 11 November, 2015 - 11:12

Sehr geehrter Herr Hahne,

Vielen Dank fürs Weitermachen. Ich schätze Ihre Kommentare, fühle mich bestätigt in einiger meiner Ansichten.

Herzliche Grüsse aus der Schweiz,

Robert Dubler

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