Nürburgring: „Spökenkieker“ unerwünscht?

Es war vor 2010 der damalige Finanzminister des Landes Rheinland-Pfalz, der die Ergebnisse von Recherchen eines Wilhelm Hahne mit einer Handbewegung und der Aussage wegwischte: „Ach! - Der alte Mann aus der Eifel.“ - Aktuell werde ich mit meinen Feststellungen und Anmerkungen in Motor-KRITIK von manchen Lesern als „Miesmacher“ empfunden, der „alles schlecht redet“ - bzw. schreibt. Manchmal erhalte ich auch die Position eines „Spökenkiekers“ zugeordnet. (Das sind Leute mit „zweitem Gesicht“.) Dabei bin ich eigentlich nur Journalist, der Fakten recherchiert und daraus – aufgrund seiner Erfahrungen – für seine Leser die richtigen Schlüsse zu ziehen und aufzuzeigen versucht. Der Versuch ist nicht strafbar und war in der Vergangenheit – gerade auf die Geschehnisse am Nürburgring (und damit auch der Politik) bezogen - überwiegend richtig. Nicht nur die Hausdurchsuchung bei mir, bei Motor-KRITIK im Juni 2009, war der Beweis dafür, dass meine Recherchen und deren Veröffentlichungen für eine bestimmte „politische Gruppe“ unangenehm waren. Aber die Entwicklung am Nürburgring geht weiter. Und ist leider nicht als positiv zu empfinden. - Man kann natürlich das erste Umrunden der Nürburgring-Nordschleife, zum ersten „Probe- und Einstelltag“ am 19. März 2016 als positiv empfinden, weil dort um 90 Fahrzeuge gemeldet wurden. Übersehen wird dabei, dass hier der Veranstalter die CNG ist. Als das noch die VLN war – wie 2014 z.B. - waren bei diesen ersten Einstellfahrten im Jahr auf der Nordschleife noch mehr als 170 Fahrzeuge am Start. - Liegt der „Fortschritt“ nur in der Weiterentwicklung der Kosten? - Lassen Sie mich, liebe Leser, zu diesem Thema noch ein paar Sätze mehr verlieren. - Obwohl mir bekannt ist:

Nürburgring: „Spökenkieker“ unerwünscht!

Am 9. März 2016 hatte ich einer einer zu diesem Datum erschienenen Geschichte geschrieben:

„Aber erst in dieser Woche werden die Verträge mit dem Veranstalter abgeschlossen, der diese Einstellfahrten schon seit vielen Jahren durchführt. - Ist zu hoffen!“

Gemeint waren jene Einstellfahrten, die jeweils am Freitagnachmittag vor den eigentlichen VLN-Läufen zwischen 16:00 und 18:00 Uhr von einem privaten Veranstalter seit Jahrzehnten zu vernünftigen Konditionen durchgeführt wurden.

Das sind jene Stunden, in denen sich die Teams, die in den letzten Jahren immer deutlicher zur Kasse gebeten wurden, sich ein kleines „Zubrot“ durch so genannte „Taxifahrten“ hinzu verdienen konnten.

Aber die Forderungen der in den letzten Jahren schnell wechselnden Besitzer (Betreiber oder Pächter) haben die Situation für den Basis-Motorsport verschärft. Hinzu kommen die Forderungen eines wie eine Behörde agierende Deutschen Motor-Sport-Bundes (DMSB), der ohne einen sachlich zu begrüńdeten Hintergrund „Zwangsmaßnahmen“ verordnet, die vorgeben der Sicherheit zu dienen. - Mit Sicherheit nicht!

Heute, am 18. März 2016 wartet die Öffentlichkeit immer noch auf die Veröffentlichung des Gutachtens, dass etwas zu den Ursachen des „Anlass-Unfalls“ für viele Sicherheits-Maßnahmen vom 28. März 2015 etwas aussagt. - Bis jetzt Funkstille. - Und niemand beanstandet das?

Wenn man jetzt z.B. den „Unfallschwerpunkt Flugplatz“ durch bauliche Maßnahmen angeblich entschärft hat, wird das nur dazu führen, dass man diesen Schwerpunkt nun hin zum „Schwedenkreuz“ verlagert. Und insgesamt – auch mit der Einführung eines DMSB-Nordschleifen-Permit - hat man es vielen Fahrern sehr einfach gemacht, einen Schlussstrich unter das Thema Motorsport am Nürburgring zu ziehen. - Man verabschiedet sich!

Dafür gibt es eine Reihe von bisher schon bekannten Beispielen, aber auch solche, die erst im Laufe der Saison auffallen werden.

Der Einsatz eines GT3, von vielen Nürburgring-Fans begeistert beklatscht, kostet das jeweilige Team um 50.000 Euro. - Pro Rennen! - Das Basis-Einkommen eines versicherungspflichtigen Bundesbürgers lag 2015 – auf das ganze Jahr addiert - bei exakt

  • 34.999 Euro. (Durch die Bundesregierung ermittelt!)

Leider wurde auch der Vertrag zwischen dem privaten Veranstalter und der CNG nicht – wie auf Motor-KRITIK am 9. März vermutet werden konnte – noch in der gleichen, der 10 Kalenderwoche des Jahres abgeschlossen, sondern erst heute, am Freitag dem 18. März 2016 gegen 14:00 Uhr telefonisch fixiert. - Weil sonst der „Knall“ schon aktuell wahrnehmbar wäre. - So hat man ihn verschoben.

Morgen, am Samstag, knapp eine Woche vor der ersten Einstellfahrt am Freitag, dem 1. April 2016, wird der Veranstalter auf seinen Internetseiten dann die auf die Teams zukommenden Nenngeldkosten gekannt geben können. - Knapp kalkuliert! - Das Risiko liegt beim Veranstalter!

Motor-KRITIK schließt in Kenntnis vieler Details nicht aus, dass es so günstige Test-Stunden im Veranstaltungsjahr 2017 nicht mehr geben wird. Oder anders vorhergesagt:

  • Das Ende der VLN-Rennen wird in diesem Jahr eingeläutet!

Die morgen auf den Internetseiten von MH-Sportpromotion vermeldeten Nennkosten (für zwei Stunden Testfahrt) werden sein:

  • 400,-- Euro für die mit nur einem Fahrer besetzten Fahrzeuge
  • 250,-- Euro für die Fahrzeuge zusätzlich, die zum „Taxifahren“ genutzt werden.

Das ist gegenüber 2015 eine Steigerung (insgesamt gerechnet) von 16 Prozent, bezogen nur auf die Kosten für „Taxifahrten“ von 25 Prozent, die sich dadurch ergibt, dass der Vermieter der Rennstrecke – die CNG – zusätzlich zur Streckenmiete und dem zwangsweise verordneten Sicherheitspaket auch einen Anteil an den Gebühren für die „Taxifahrten“ einfordert.

Damit wird auch diese bisher für eine Reihe von Teams dringend notwendige Einnahmequelle zur Minderung der aktuellen Einsatzkosten bei den VLN-Veranstaltungen uninteressant. Was per Saldo bedeutet, dass sich in Zukunft einige Teams die VLN-Rennen nicht mehr leisten können.

Selbst das Vermieten von Fahrerplätzen in „Markenpokal-Rennfahrzeugen“ (eine Benamung, um deren Charakter zu verdeutlichen) ist heute kaum noch möglich. So wird auch die Zahl der am Nürburgring eingesetzten BMW 235i sicherlich eher ab- als zunehmen. Zumal die Einstufung eines solchen 1,5 Tonners als „Renntourenwagen“ wohl kaum zutreffend ist. Und die sich ausweitenden Einengungen durch das Reglement tragen auch nicht dazu bei, diese Fahrzeuge bei den Fahrern attraktiver zu machen. „Gute Fahrer“, die an bestimmten Stellen „einen Gang höher“ unterwegs sind und damit Benzin sparen, müssen z.B. auch wie die Fahrer, die dem „Hochdrehzahl-Konzept“ einiger BMW-Ingenieure folgen, jetzt nach sieben gezeiteten Rennrunden an die Box zum Tanken.

Aber vor den Test- und Einstellfahrten wird es jetzt am Samstag, den 19. März 2016 den oben schon erwähnten „Probe und Einstelltag“ geben.

Veranstalter ist die CNG, die angeregt durch einen „Kenner der Szene“ dann für einen Testtag von acht Stunden auch „sportliche Preise“ aufgerufen hat. Motor-KRITIK hat zur Darstellung der Realität nicht irgendwo abgeschrieben, sondern wird um jedwede Zweifel auszuschließen, in diesem Fall nur Screenshots von den Internetseiten der CNG veröffentlichen.

Wenn man sich die „Bedingungen“ anschaut, fragt man sich, ob es tatsächlich – soweit bis jetzt feststeht – 90 Teams gibt, die das unterschrieben und damit anerkannt haben.

Um es nicht zu vergessen: Zu dem Nenngeld + „Leitplankenpauschale“ (zu denen dann evtl. noch die tatsächlichen Kosten für einen evtl. Leitplankenschaden kommen) müssen noch die Boxen separat angemietet werden. Und natürlich verkauft die CNG auch das notwendige Superbenzin zu „Sonderpreisen“.

Gehört da Motor-KRITIK wirklich zu den „Spökenkiekerasis, wenn man dem Basis-Motorsport am Nürburgring eine unsichere Zukunft vorhersagt?

Eine Leserin war mit den „Ankündigungen“ in Motor-KRITIK vom 9. März 2016 z.B. gar nicht einverstanden und fragte:

„Was macht Sie bei der Ankündigung der Funktion des neuen Geschäftsführers eigentlich so sicher?“

Ich konnte sie zum Zeitpunkt ihres Anrufs da schon auf die Anmeldung dieses neuen Mitarbeiters durch die CNG (capricorn NÜRBURGRING GmbH) im Handelsregister Koblenz verweisen. Am 11. März erfolgte die offizielle Ankündigung seiner Arbeit bei der CNG. Die erfolgte tatsächlich – wie angekündigt - am 14. März. Und am 15. März erfolgte dann – s. Screenshot“ - die Eintragung ins Handelsregister.

Das lässt doch darauf schließen, dass auch diese Einstellung eine gewisse „Vorlaufzeit“ hatte, in der der „neue Mann“ auf seine von ihm erwarteten Leistungen exakt eingestimmt wurde.

Darum gab – und gibt – es meine „Vorhersagen“. - Aber deswegen werde ich nicht zum „Spökenkieker“, sondern bin und bleibe Journalist, der nicht die Ergebnisse seiner Recherche unterschlägt, weil sie vielleicht dem einen oder anderen Leser nicht gefallen.

Auch ich freue mich als Zuschauer auf interessante Fahrer und Automobile auf der Nürburgring-Nordschleife in 2016. - Aber einige, die wir als gut und interessant gekannt haben, wird es dann schon nicht mehr zu sehen (und zu hören) geben.

Wir sollten der Realität ins Auge schauen und nicht von Wundern träumen, die auch nicht durch ein Gesetz hergestellt werden können, das den freien Zugang zum Nürburgring garantiert.

  • „Augenwischerei“ wohin man schaut.

Und der Wähler bei den Wahlen zum Landtag in Rheinland-Pfalz am letzten Sonntag hat nichts begriffen! - Beweis: Das Wahlergebnis.

Das ist die Realität!

MK/Wilhelm Hahne
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