F1: Welches Mapping hätten‘s denn gerne?

Lewis Hamilton hatte vor Wochen angedeutet, nun auch die Deutsche Sprache erlernen zu wollen, um sich intern besser verständlich machen zu können. Er hat dabei übersehen, dass die Sprache das Eine ist, dass man dabei aber auch berücksichtigen sollte wer spricht. Österreicher sprechen z.B. auch Deutsch, denken aber anders. Das hat sich auch dadurch nicht verändert, dass Österreich mal dem Großdeutschen Reich zugeordnet wurde. Jean-Claude Junker hat sich z.B. in seiner Einstellung zu Luxemburg auch dadurch nicht verändert, dass Luxemburg nun Europa zugerechnet wird und er sogar Präsident der Europäischen Kommission ist. Er ist und bleibt Luxemburger, wird so dann zum Verteidiger von „Steuer-Oasen“. - Lewis Hamilton ist Engländer und Nico Rosberg ist Deutscher, was sich auch dadurch nicht verändert, dass beide in Monaco (Montecarlo) ihren Wohnsitz haben. Beide sind allerdings gute Rennfahrer, die – wenn man sie vergleicht – sich trotzdem dadurch unterscheiden, dass Lewis Hamilton ein wenig besser ist. Wenn Nico Rosberg ihn in Singapur praktisch disqualifizierte, lag das sicherlich nicht daran, dass Lewis Hamilton schlecht geschlafen hatte. Am letzten Wochenende in Malaysia hatte dann wieder Lewis Hamilton Oberwasser, hatte seinen Teamkollegen bei Mercedes, Nico Rosberg, jederzeit fahrerisch unter Kontrolle, war immer deutlich schneller. - Manchmal muss man den Eindruck haben, dass hier die bisher eindeutige Überlegenheit der Mercedes-F1-Renner insgesamt, die Mercedes-Strategen etwas übermütig gemacht hat. - Liegt manchmal auf den richtigen Knöpfen an den Lenkrädern der F1-Boliden ein unterschiedliches Mapping, mit denen man Zusatz-Power abrufen kann? - „Toto“ Wolff wird aber sicherlich nicht die Frage stellen, die hier zum Titel wurde. Aber er ist nun mal Österreicher und versucht – obwohl er in der Schweiz seinen Wohnsitz hat – seinem deutschen Arbeitgeber eine Hilfe im Formel 1-Geschäft zu sein. Da stört es auch niemanden, dass Wolff eigentlich – als mehrhundertfacher Millionär – eigentlich unabhängig ist. Er weiß was er will und versucht sich durchzusetzen.

F1: Welches Mapping hätten‘s denn gerne?

Sicherlich ist „Toto“ Wolff eine „höhere Macht“ im Mercedes-Team. Er stellt schon die Weichen. Natürlich immer im Interesse des Teams. - Lauda ist da mehr der „Mitläufer“, aber mit einer stillen Anerkennung der Hamilton‘schen Leistung.

Es könnte sein, dass sich das Mercedes-Team in Malaysia verschätzt hat. Die F1-WM war nach Singapur wieder „offen“ und die Motor-KRITIK-Vorhersage war auch – ganz im Interesse der neuen Besitzer der „F1-Firma“ - dass Lewis Hamilton dann in Malaysia gewinnen würde. So würde es weiter spannend bleiben.

Das ist es auch jetzt geworden, nachdem Lewis Hamilton mit einem Motorschaden ausgefallen ist und Nico Rosberg „nur“ den dritten Platz nach einer Gewaltaktion von Vettel in der ersten Kurve erreichen konnte. Mercedes ist bei diesem Rennen am vorzeitigen Titelgewinn der Konstruktions-Weltmeisterschaft vorbei geschliddert. Und Red Bull hat nun Ferrari in der Wertung passiert.

Lewis Hamilton hat inzwischen begriffen, was wir bei Motor-KRITIK schon länger so empfunden haben. Er sagte nach seinem Ausfall in Malaysia:

„Wenn mich eine höhere Macht am Ende des Jahres nicht als Weltmeister sehen möchte, dann muss ich dies, nach all dem was ich dafür getan habe, akzeptieren.“

Das klingt schon fast nach Resignation und es wäre fatal, wenn das seine Einstellung zum Motorsport verändern würde.

Was heute nach vielen Vorwürfen an Renault, einen zu schwachen Motor für die Red Bull-Rennen zu liefern, nirgendwo zu hören war:

  • Die Renault-Motoren sind inzwischen in den Red Bull-Fahrwerken (und -Aerodynamik) den Ferrari-Motoren klar überlegen und inzwischen die Motor-Konstruktion, die Mercedes fürchten muss.

Auch Honda macht inzwischen einen immer mehr konkurrenzfähigen Eindruck, der aber in der Berichterstattung – z.B. im Fernsehen am Sonntag – kaum Erwähnung fand. Alonso war um 45 Startplätze nach hinten versetzt worden, weil er einen neuen Motor mit vielen neuen Komponenten nutzte und darum von Startplatz 22 starten musste. (Es gab nicht mehr Teilnehmer.)

Schon in der 4. Runde war Alonso im Rennen auf Platz 10 vorgefahren und landete im Endergebnis vor seinem auf Platz 9 gestarteten und auch dort im Ziel platzierten Teamkollegen Button, auf Platz 7. Das wird ihn dann am nächsten Wochenende in Japan sicherlich nicht schlecht aussehen lassen.

Wie sehr auch der Formel 1-Sport „unter die Räder gekommen“ ist, kann man auch daran erkennen, dass dieses Mal nicht nur drei Slick-Sorten mit unterschiedlichem Gripp zur Verfügung standen, sondern dass der „langsamste“ davon, der „Harte“, in jedem Fall gefahren werden musste.

Bisher mussten vom jeweiligen Pirelli-Angebot immer nur zwei Versionen gefahren werden, es gab aber keine zwanghafte Vorschrift, den „schlechtesten“ aus diesem Angebot in jedem Fall fahren zu müssen.

Dabei möchte ich einmal mit der „Milchmädchen“-Erklärung (auch der Fachleute beim Fernsehen) aufräumen, dass eine „weichere Mischung“ unbedingt einen höheren Verschleiß und eine krass unterschiedliche Laufleistung bedeuteten, weil der weichere Reifen, mit mehr Gripp, auch weniger Schlupf entwickelt und darum auch die Reifentemperaturen nicht so stark ansteigen, wie das bei zu harten Reifen und deutlich mehr Schlupf beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven der Fall ist.

Daraus ergibt sich, dass natürlich auch der Charakter einer Rennstrecke den idealen Härtegrad eines Rennreifens bestimmt und es ist ein „Witz“, dass man bei der Formel 1 auch zwangsweise Reifen nutzen muss, die nicht zur Strecke – in Verbindung mit dem jeweiligen Fahrwerk – passen. - Spannungsmache durch zwangsweise verordnete Reifenwechsel!

Interessant war auch den deutschen F1-Fachleuten im Fernsehen zuzuhören, wenn die die sportliche Auseinandersetzung zwischen den Red Bull-Teamkollegen, Ricciardo und Verstappen kommentierten, als Ricciardo seine Position gegenüber Verstappen klar, aber mit Risiko (für beide) verteidigte. Man glaubte die Marketing-Spezialisten deutscher Werke zu hören, weil die Meinung zu hören war, dass man doch hier als Fahrer das Teaminteresse vor ein Eigeninteresse stellen müsse.

Auch auf das Klagen eines Verstappen, dass man doch nun vom Team aus endlich dem „Vordermann“ die Anweisung geben solle ihn vorbei zu lassen, hat das Team nicht reagiert. - Da war Lewis Hamilton noch im Rennen.

Als der dann ausfiel, war die Meinung der deutschen Fachleute, dass Ricciardo es nun doch wohl richtig gemacht habe und „dass es eigentlich auch sportlicher wäre...bla, bla, bla. - Mit der eigenen Meinung immer auf der richtigen Seite! - Was stört diese Leute ihr Geschwätz von Minuten vorher?

Raikkönen war mit seinem Ferrari mal wieder der, der per Saldo für die Italiener an diesem Wochenende den besten Eindruck hinterließ. Dass er einen Rosberg, bei dessen Leistungsüberlegenheit, nicht vom Podestplatz verdrängen konnte, daraus ist ihm kein Vorwurf zu machen.

Nach so einem Rennen – oder besser: nach so einem Rennwochenende – in Malaysia bleibt wieder mal so ein schaler Geschmack im Mund des Betrachters zurück.

Die Motoren waren hier wirklich mehr gefordert als in Singapur, was man schon an dem geringeren Zeitunterschied zwischen schnellster Qualifying- und Rennrunden-Zeit erkennen kann.

Den neuen Herren der Formel 1 wird das Rennen gefallen haben. Scheinbar hat sich die Spannung erhöht. Aber wenn nun Hamilton in Lethargie verfallen sollte, kann man das „Sportjahr 2016“ für die Formel 1 abhaken.

Nicht nur bei den Olympischen Spielen sollte eigentlich der Spruch gelten:

„Möge der Bessere gewinnen!“

Man hört diesen Spruch im internationalen Sport – gleich welcher Art – nur noch selten. Denn der Bessere im Sport muss nicht unbedingt der sein, den die Sponsoren als den Besseren empfinden.

Der Bessere in der Formel 1 ist derzeit wohl oft der, der das bessere Mapping mit dem Knopf am Lenkrad aktivieren kann, der ihn dann im richtigen Moment in die richtige Position bringt.

Bevor er dann wieder mit dem Benzinsparen beginnen muss!

MK/Wilhelm Hahne
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