„Nocken-Paule“ ist gestern gestorben

Wenn ich an BMW denke, dann denke ich an jene Leute, die BMW erst eine Identität gegeben haben. Dazu gehörte Paul Rosche. Er war einer jener Leute, die durch ihre Leistungen auch mit am sportlichen Image gearbeitet haben, mit dem sich BMW heute noch schmückt. Paul Rosche war ein Mann, der immer genau wusste was er nicht wollte. - So hat er z.B. Wilhelm Hahne nicht gemocht. Natürlich habe ich von seiner Abneigung gewusst, aber ich habe sie akzeptiert. Paul Rosche war immer ein „ehrlicher Gesprächspartner“, der niemals mit dem hinter dem Berg hielt, was ihm nicht gefiel. Er hatte sich bei BMW - durch seine Arbeit - dann auch für seine Arbeit einen Freiraum geschaffen. Und das war der Motorsport, für den er und sein erster – für seine berufliche Weiterentwicklung – bedeutender Vorgesetzter, Alex von Falkenhausen, innerhalb der Münchner Firma immer eine Schneise geschlagen haben. - Auch wenn das nicht so sehr nach draußen gedrungen ist: BMW hat seine Leistungen zu würdigen gewusst. Paul Rosche hatte, nachdem er 1999 – dann 65 Jahre alt – in den Ruhestand entlassen wurde, immer noch – 10 Jahre lang - ein Büro in der Münchner Firma, von dem aus er dann immer noch intern seine Fäden zog.

„Nocken-Paule“ ist gestern gestorben

Paul Rosche ist 82 Jahre alt geworden. - Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich ihm und einem inzwischen auch Verstorbenen, Karl-Heinz Kalbfell, Ende der 90er Jahre im Münchener „Vierzylinder“ gegenüber saß und den beiden Herren zu verkaufen suchte, dass man mit einem Sportwagen mit Dieselmotor auch Le Mans gewinnen könne.

Paul Rosche war kein Diesel-Fan und man hat ihm das deutlich angemerkt. Er war damals gerade aus Südamerika zurück gekommen und erzählte begeistert von seinen Treffen mit Nelson Piquet. Der war es, der mit „seinem Turbomotor“ in der Formel 1 1982 den ersten Sieg einfuhr, der 1983 dann sogar mit diesem BMW-Turbomotor dann auch Weltmeister wurde.

Piquet galt damals als der beste Formel 1-Fahrer der Welt. Dazu passte dann auch, dass Paul Rosche damals für ihn den besten und stärksten Turbomotor baute. Paul Rosche schwärmte bei unserem Treffen in den späten 90ern geradezu von Nelson Piquet, kam immer wieder vom mir am Herzen liegenden Diesel-Thema ab, um sich an diese für BMW – und ihn – so erfolgreiche Formel 1-Zeit zu erinnern.

Ich weiß, dass ich mehrfach versuchen musste, ihn zu unserem eigentlich Thema an diesem Tag zurückzuholen. Paul Rosche wurde etwas „rauher“ und bat – schon ungehalten – darum, wenn schon sonst nichts, dann doch zu akzeptieren, dass er als der Ältere… -

Bei dieser Gelegenheit haben wir dann festgestellt, dass ich tatsächlich der Ältere war. Was aber nichts daran geändert hat, dass es einen BMW-Sportwagen mit Dieselmotor in Le Mans nie gegeben hat. - Viele Jahre später hat dann Audi bewiesen was geht.

Der tiefere Grund für die Diesel-Allergie von Paul Rosche war, dass er einen Diesel nicht als „Motörchen“ eines Automobils akzeptierte, auch nichts davon verstand und dagegen war, dass in Steyr (Österreich) eine Diesel-Rennmotorenentwicklung entstand, die er dann nicht unter Kontrolle gehabt hätte.

Ich mag solche knorrigen Typen wie Paul Rosche, durch deren klare Ansagen immer klar ist was geht – und was nicht. - Und Dieselmotoren im Motorsport: Das ging bei Paul Rosche überhaupt nicht.

Zusammen mit Alex von Falkenhausen, der Paul Rosches Art, ein „Unmöglich“ nicht zu kennen sehr schätzte, hat man dann der Motorenentwicklung bei BMW die Bedeutung gegeben, die dem „MW“ im Kürzel BMW entspricht.

Die Motoren der „neuen Klasse“ waren das Eine, dann später die Motoren für den M3 das Andere. Es waren Motoren, die zu dieser Zeit aus der Masse der Großserienmotoren heraus ragten. - Dahinter stand als Person: Paul Rosche.

Als BMW sich aus dem Motorsport einmal vorübergehend zurückzog, da hat Paul Rosche – unter dem Schutz von Alex von Falkenhausen – an dem Thema weiter gearbeitet. Die Ergebnisse waren dann später immer erfolgreich.

Paul Rosche war bei aller Verbohrtheit, alle Dinge die ihm nicht passten, „gegen die Wand fahren zu lassen“, ein ehrlicher Mensch. So hat er z.B. - nachdem er im Ruhestand war – dem Chef der Dieselmotor-Entwicklung in Steyr, der dann auch im Ruhestand war, schon mit einem Schmunzeln erzählen können, wie Kalbfell ihm „in die Hand“ versprochen hatte, mein, das Hahne-Dieselprojekt „vor die Wand laufen zu lassen“.

Beim Tourenwagen-Projekt ist ihm das nicht gelungen. Da habe ich Karl-Heinz Kalbfell „vor die Wand laufen lassen“. - Mit Hilfe von Wolfgang Reitzle. - Und der Diesel-BMW verstaubte dann nach dem Rennsieg beim 24-Stunden-Rennen im Ausstellungsraum in Nürburg.

Es war für BMW unangenehm, dass ein „stinkender Diesel“ die so tollen BMW M3 geschlagen hatte. Die M3, mit dem so tollen Motor von Paul Rosche. (An denen man übrigens auch mehr verdiente, als an einem Diesel!)

Ich habe Paul Rosche seine Aversionen gegenüber meiner Person niemals übel genommen. Ich habe tatsächlich wirklich teilnahmsvoll registriert, wenn Paul Rosche in letzter Zeit immer wieder hinüber „rechts der Isar“ musste, um an der Lunge punktiert zu werden. - Wasser!

Und dann ist er wohl jetzt in seiner Wohnung gefallen und – mit einem Oberschenkelhalsbruch – hilflos liegen geblieben und schließlich in ein Koma gefallen. Man hat ihm dann auch „rechts der Isar“ nicht mehr helfen können.

Paul Rosche ist so mit 82 Jahren still gestorben. Ein besonderer Techniker, ein besonderer Mensch ist von uns gegangen. Seine Bedeutung für BMW wird seinen Tod überdauern.

Solche Leute wie Paul Rosche hätten in der Industrielandschaft von heute kaum eine Chance. Das ist es, was die aktuelle Industrielandschaft so arm macht.

Es gibt solche Leute wie Paul Rosche nicht mehr. Auch Rennfahrer wie Nelson Piquet sind selten geworden.

Ich bin glücklich, dass ich noch zu denen gehörte, die sich mit ihm reiben durften.

Paul, versprochen! - Ich interessiere mich nicht mehr für Diesel!

Und irgendwann sehen wir uns. – Vielleicht.

MK/Wilhelm Hahne
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