„Tatort“: „Babbeldasch“ ./. Nürburgring

Gestern Abend konnte man sich als Fernsehzuschauer in 90 min ein Bild machen und mit den Vorab-Kritiken professioneller Kritiker großer Zeitungen vergleichen. Das war oftmals – aber nicht immer – ein Verriss gewesen, der nach dem Erleben auf der Mattscheibe auch manchmal noch ein wenig korrigiert wurde. - Wie in der „Süddeutschen“ zum Beispiel. In einer Fernsehzeitschrift lautete die Beschreibung: „Die Darsteller spielen steif, die Story stockt“. In „Spiegel Online“ liest man: „Dieses Agatha-Christie-Szenario mit einem Dutzend Verdächtiger geht einfach nicht auf, weil die Spannung über den präzise gebauten und ebenso gespielten Plot erzielt werden müsste.“ - In der „Neue Osnabrücker Zeitung“ fragte man: „War der Tatort „Babbeldasch“ nun ein Grund zum Anstoßen oder lieber zum Betrinken?“ und versuchte mit einem Zitat aus den Sozialen Medien der „Stimme des Volkes“ Raum zu geben: „Oh nee..furchtbar! Schon abgeschaltet, das geht gar nicht. Amateurhaft und langweilig!“, um dann selbst durch einen „Tatort-Spezialisten“ festzustellen zu lassen: „So einen Tatort wie heute Abend hat’s noch nie gegeben: Die Folge „Babbeldasch“ mit Ulrike Folkerts hat Regisseur Axel Ranisch ohne Drehbuch, ohne Proben, mit mehr Laiendarstellern als Profis und mehr Mundart denn je gedreht.“ - Wir bei Motor-KRITIK haben beim Zuschauen gedacht: „Alles so wie im wirklichen Leben. - Also so, wie im „Abgas-Skandal bei VW“ oder dem „Nürburgring-Skandal“ in der Eifel. - Alles mit Laiendarstellern und mit Texten, die der Einzelne nicht exakt vorgegeben bekommt, sondern selbst, entsprechend seinem Niveau, im Rahmen seiner vorgegebenen Rolle entwickelt. Das wirkt dann schon mal steif, manchmal lächerlich; aber: So ist das Leben!

„Tatort“: „Babbeldasch“ ./. Nürburgring

Im Fall des „Tatort Babbeldasch“ gestern Abend, hatte der Regisseur die Spannung beim Spiel der Laien-Spielschar dadurch zu erhalten gesucht, dass er den Mörder vor allen Darstellern geheim hielt. Aber er hatte das „Team“ in einer Reihe von Sitzungen und Treffen – bei der Automobilindustrie würde man von „Meetings“ sprechen – auf ihre Aufgabe beim „Spiel“ vorbereitet.

Eigentlich alles so, wie wir es täglich erleben. Also ein wenig amateurhaft. Vor dem Fernseher sitzend erwarten wir aber als Zuschauer Perfektion.

Wenn im „Tatort Nürburgring“ der Laiendarsteller Kurt Beck schon mal sagte:

„Ich habe das verstanden!“

...was sich dann auf die offizielle Darstellung einer Finanzierung bezog, die es eigentlich nicht gab, dann hat niemand seine Qualifikation als Schauspieler angezweifelt. - Es muss aber in Frage gestellt sein, ob eine solche Aussage als Regierungschef eines Landes verantwortbar war.

Aber im normalen Leben gibt es gegenüber „öffentlichen Darstellern“ weniger Kritik, als gegenüber Darstellungen im Fernsehen, von denen man weiß, dass sie eigentlich „nur Theater“ sind. - Da macht man sich Gedanken, denkt und argumentiert in alle Richtungen.

Die Denkrichtung im Fall Nürburgring war überwiegend:

  • Alles wird gut!

Und um eine Äußerung gestern Abend zum „aktuellen Tatort“ im Fernsehen zu verwenden: Auch beim „Tatort Nürburgring“ reagiert nicht nur ein Einzelner, sondern die gesamte Öffentlichkeit so, wie das gestern bei „facebook“ zu lesen war:

„Oh nee..furchtbar! Schon abgeschaltet, das geht gar nicht. Amateurhaft und langweilig!“

Dabei könnte man dem „Tatort Nürburgring“ durchaus noch mal ein wenig Spannung einhauchen, wenn man, wie man es aktuell bei „Spiegel Online“ sieht, das Geschehen ein wenig straffen sollte, ...

„...weil die Spannung über den präzise gebauten und ebenso gespielten Plot erzielt werden müsste.“

Entschlacken wir also mal den „Tatort Nürburgring“, lassen alle amateurhaften Wendungen und einschläfernde Längen weg. Dann stellt sich dieses Trauerspiel plötzlich als ein „Thriller“ heraus, mit einem „präzise gebauten … Plot“, wie es von „Spiegel Online“ gefordert wird:

Grundsätzliches:
Natürlich sind Ähnlichkeiten mit realen Abläufen rein zufällig und nicht beabsichtigt!
Der Film sollte vom SWR gedreht werden, da hier genügend „Basismaterial“ aus den „normalen Abläufen“ vorhanden ist, das man in passenden Passagen als „Alpträume“ - dann in SW aufbereitet - „einschneiden“ kann.

Alle Darsteller können geeignete Laien sein, da sie ihre Rolle in der Realität schon oft gespielt haben. Im Film sollte nur „Rotkäppchen“-Sekt getrunken werden, um das Märchenhafte dieses Films zu betonen und dem SWR die Finanzierung zu erleichtern. Die für den Film benötigten Automobile werden sicherlich gerne von Mercedes (Daimler) zur Verfügung gestellt.

Zur Basis-Story – in Farbe gedreht – werden folgende Laiendarsteller benötigt:

  • 2 Ministerpräsidenten. (Wegen der Frauenquote 1 Mann und 1 Frau.)
  • 1 Minister (Nahe beim Volk, etwas naiv wirkend.)
  • 1 Staatssekretär (Ausländischer Herkunft, um die Chancen von Flüchtlingen zu verdeutlichen.)
  • 1 Geschäftsführer einer (anderen) landeseigenen Firma. (Bundesverdienstkreuzträger)
  • 3 Rechtsanwälte (Um real zu wirken: 1 ohne Titel, 1 Justizrat, 1 Prof. Dr. Dr.)
  • 1 EU-Kommissarin (Vielleicht Dänin, um auch kleine Länder nicht zu übergehen.)
  • 1 Eifeler Landwirt (Normal denkend und empfindend; ein Mann aus dem Volke.)
  • 3 Richterinnen (Um die Bedeutung der Frau in unserem Rechtsstaat zu unterstreichen)
  • + viele Statisten, die aber günstig zu bekommen sind.

Handlung:
Eine „Privatfirma“, die überwiegend einem Bundesland gehört, ist seit Jahren einem Konkurs nahe und wird jeweils mit „Investitionen“ unterschiedlicher Art angefüttert, die als „nachrangig“ deklariert werden, um einen Konkurs zu vermeiden. (Die entsprechenden Bilanzauszüge erscheinen dem Ministerpräsidenten – männlich – im Traum.)

Man bestellt einen Berater (Justizrat) um die Alpträume des Ministerpräsidenten zu beenden. Der rät im Beisein des (Innen-)Ministers zum Konkurs in Eigenverwaltung als endgültige Lösung. Man einigt sich darauf, den Grund dafür im Unvermögen der EU darzustellen.

Der Berater beruft einen aus jahrelanger Zusammenarbeit bekannten Kollegen im Auftrag des Landes zum Geschäftsführer, der wiederum eng mit seinem Kollegen (ohne Titel) zusammenarbeitet. Die auch nun bald im Bild erscheinende Ministerpräsidentin gibt sich uninformiert, führt aber im Hintergrund die Zügel. (Im Film.)

Der Staatssekretär lässt beim Insolvenz-Sachwalter die Forderungen (Investitionen) des Landes zweimal in die Insolvenz-Liste eintragen; einmal „nachrangig“, einmal „normal“. Der Sachverwalter wehrt sich öffentlich heftig. Aber „intern“ ist längst klar: Man wird die Forderung im dreistelligen Millionenbereich anerkennen.

Die EU wird mit ihren Gesetzen für diesen Versuch des Landes, „zwanghaft“ an „sein Geld“ zu kommen, verantwortlich gemacht, weil man versucht, das „nationale Insolvenzrecht“ außen vor zu lassen.

Ein pfiffiger Eifeler Landwirt, der aus Grundstücksverkäufen hohe Forderungen an die in Konkurs gegangene landeseigene GmbH hat, versucht mit einer Feststellungsklage gegenüber dem Land seine Ansprüche zu sichern. Das erscheint in der Gerichtsverhandlung dazu (mit Richterin 1 – 3) in der Tendenz nicht möglich. (Wegen der Spannung beim Zuschauer!)

Doch bei der Urteilsverkündung wird klar, dass das OLG - als 2. Instanz - die Übersicht hatte. Man hat – auch aus den Bilanzen der landeseigenen GmbH den Versuch der Insolvenzverschleppung erkannt und sich an das Insolvenzrecht erinnert.

Dort gibt es den § 133 und die Richterin „erkennt für Recht“. - „Im Namen des Volkes“! - Und die Gewinner trinken „Rotkäppchen“-Sekt. (Erleichterung beim Zuschauer!)

Da in der Handlung kein Toter vorgesehen ist, aber das Fernsehpublikum zur besten Sendezeit schon einen Toten erwarten darf, wird der dem Fernsehpublikum in einer „Traumszene“ zum Schluss der Fernsehfilms geboten, wo sich die Richterin (ohne Robe) dann gestresst ins Bett begibt, um in einem Alptraum zu erleben – natürlich in SW:

Der Ministerpräsident versucht sich das Leben zu nehmen. Doch selbst das gelingt ihm nur mit Hilfe der Ministerpräsidentin, die dabei auf ihre Erfahrung – beim Besuch einer Nero-Ausstellung gewonnen – zurück greifen darf. - Die anschließende Beerdigung (auch geträumt) hat ihren Höhepunkt darin, dass ein alter Freund des Ministerpräsidenten, ehemals Geschäftsführer einer GmbH mit hoher Landesbeteiligung, am offenen Grab unter Tränen, sein ihm von seinem Freund verliehenes Bundesverdienstkreuz an Stelle der bereit liegenden weißen Rosen ins Grab wirft.

Die Schlussszene des Films zeigt dann (wieder in Farbe) die Auflösung der aktuellen Landesregierung unter tumultartigen Reaktionen auf der Besuchertribüne.

Ende!

Dieser Vorschlag zu einem Beitrag der Sonntagabend-Fernsehunterhaltung bei der ARD (im ERSTEN) entstand unter dem Druck, mindestens eine Sehbeteiligung von 24,9 Prozent erzielen zu wollen. Der Inhalt dürfte auch alle Kritiker zufrieden stellen, da hier auch keine Ansätze zu einer Verurteilung der Abläufe nach ethisch-moralischen Grundsätzen zu finden sind. (Freigabe FSK)

MK/Wilhelm Hahne

PS: Die Vorlage zu obigem Skript entstand - passend – zum Rosenmontag 2017. - Helau! - "Kriminaloperette ohne Gesang" nannte Filmemacher Axel Ranisch sein „Babbeldasch“. Motor-KRITIK würde das oben skizzierte „kriminelle Drama“, mit dem Titel „Wir machen es einfach!“ (Vorschlag) gerne dezent mit Musik aus „Mainz, wie es sinkt und lacht“ (oder so ähnlich) unterlegt sehen. - Das würde die Sehbeteiligung über die ganzen 90 Sendeminuten sicherlich stabil halten.

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