MM 166: Ein „Gedankenbericht“ aus 1988!

Nein, ich gehöre nicht zu den Menschen die darauf aus sind, bei anderen Fehler zu suchen. Ich akzeptieren alle Menschen, jeder Art und Hautfarbe, gleich welche „Macken“ sie auch haben sollten. Ich akzeptiere aber nicht, wenn sie an dem Platz, an den sie von der „Gesellschaft“ gestellt wurden, nicht funktionieren. Oder eine Position ausnutzen, in der sie eigentlich – verantwortungsvoll – die Interessen einer bestimmten Gruppe wahrzunehmen haben, aber eigentlich nur persönliche Interessen zum Maßstab ihres Handelns machen. - Aber das ist eigentlich für einen Journalisten normal. - Sollte es jedenfalls sein, ist darum auch nichts Besonderes. Darum sind auch meine Feststellungen zu Organisationen, die sicherlich oft kritische Anmerkungen enthalten, nichts Besonderes. Mit dem gleichen Verantwortungsbewusstsein als Journalist beschäftige ich mich auch mit Automobilen. Es müssen nicht immer Fahrberichte sein. Oder – wie es heute üblich geworden ist – Geschichten, die dann einen ähnlichen Titel tragen wie: „Wir saßen als Erste drin!“. - Marketinggeschichten! - Darum schreibe ich heute mal einen „Gedankenbericht“. Es müssen nicht immer Fahrberichte sein. Warum nicht einmal ein Bericht über jene Gedanken, die mir beim Fahren - beim Genießen - eines alten Automobils kamen. Vor 29 Jahren, im Jahre 1988. Warum also nicht mal ein "Gedanken-Bericht? - Sie finden ihn nachstehend. Natürlich ist es auch ein Erlebnisbericht, die Erinnerung an ein Automobil, das ich vor fast 30 Jahren hier in der Eifel gefahren habe; ein Automobil das heute fast 65 Jahre als ist und inzwischen einen „Wert“ von vielen Millionen Euro – oder auch Dollar darstellt. - Und ich orientiere meine Eindrücke und Gedanken an den Automobilen jener Zeit und der Neuesten – um und nach 1988 – weil die nicht nur inzwischen Vergangenheit sind, sondern man an diesen Hinweisen auch die Weiterentwicklung der Automobile über die Zeit besser verfolgen und werten kann. - Ist nun heute alles besser? - Oder hat die Entwicklung eine Richtung eingeschlagen… - Sie sollten sich solche Gedanken erst am Ende dieser Geschichte machen, die meine Fahrt in einem alten Ferrari schildert, mit dem ich - hier in der Eifel - auf den Spuren der Automobile von morgen war.

MM 166: Ein „Gedankenbericht“ aus 1988!

Es ist einer jener wunderschönen Spätsommertage in der Eifel, die man nicht gegen einen Hochsommertag in der Toscana eintauschen möchte. Eigentlich ein Tag zum Motorradfahren. Auf den kurvenreichen, schmalen, zum Teil wirklich noch verkehrsarmen Eifelstraßen macht das an einem solchen Tag richtig Spaß.

Aber auch mit dem Automobil, mit dem ich jetzt - so um 3.000 Umdrehungen im 5. Gang - durch die Gegend bummle. Der Fahrtwind kann zwar meine wenigen Haare nicht durcheinander bringen, aber er lässt - trotz normaler Brille – meine Augen tränen. Dabei tut die kleine Scheibe vor mir tatsächlich ihre Pflicht, wie man aus den bunten Flecken, die von zerschlagenen Insektenkörpern stammen, unschwer schließen kann. - Aber es ist halt nur eine kleine Scheibe.

Nein - es ist kein Cabrio, dessen Offenheit ich nun genieße. Man könnte es eher einen Roadster nennen. Obwohl es für diesen Wagen noch nicht einmal ein Verdeck gibt. Er ist so offen wie ein Automobil nur sein kann. Er ist so rot, wie es ein Ferrari nur sein kann. Er ist ein automobiles Meisterwerk, wie es nur aus Italien kommen kann. Und dieses Automobil ist im besten Mannesalter.

35 Jahre war es – damals, 1988 - alt und hatte nichts hinzu gelernt. Menschen wären beleidigt, wenn man derartiges von ihnen sagen würde.. Dieses Automobil kann stolz darauf sein, dass es durch die Strömungen der Zeit nicht verfälscht wurde, einfach die Technik pur des Jahres 1953 verkörpert.

Das Fahren mit ihm bereitet mir Spaß, vermittelt Fahrfreude, einen Genuss, den das Fahren so mancher der modernen High-Tech-Super-Turbo-GT-Fortbewegungsmittel gar nicht aufkommen lassen könnte.

Dieser Ferrari MM 166 gehörte einem meiner Brüder, der damit, zusammen mit seiner heutigen Frau, im Jahre 1993 dann z.B. die Mille Miglia gefahren ist. Er ist damals mit diesem Ferrari von Krefeld aus nach Brescia gefahren, hat die Mille Miglia erlebt und ist mit diesem „Rennwagen“ dann wieder ganz normal nach Deutschland zurück gefahren. Es ging ihm mit einer Teilnahme an der Mille Miglia nicht darum, irgendeinen Sieg zu erringen, sondern es ging ihm um den Genuss, mit diesem Fahrzeug in einem Umfeld von ähnlich interessanten Automobilen und „verrückten“ Fahrern und Besitzern unterwegs zu sein.

Ich kann das nachempfinden, da ich 1977 auch mal bei der Mille Miglia - der 50. - unterwegs war, weiß wie das ist, wenn man – wie es z.B. mein Bruder Bernd erlebte – von einer Polizei-Escorte begleitetet, eine Stadt wie Bologna mit 160 km/h durchfährt, während tausende Zuschauer am Straßenrand anfeuernd Beifall klatschen. In diesem Fall hinter Stirling Moss, der eine Startnummer vor der meines Bruders hatte.

Aber zurück, fünf Jahre vorher in der Eifel. Da kam ich in den Genuss, diesen Ferrari, der offiziell auch mit „Barchetta“ (italienisch für „kleines Boot“) benannt, in der Eifel unterwegs zu sein.

Das große Nardi-Holzlenkrad zittert leicht in meinen Händen. Die Ursache sind wohl ein paar kleine Unwuchten an der Vorderachse. Natürlich gibt es keine Servolenkung. - Zum Glück! - Ich spüre noch die Straße. Ich spüre sie, empfinde die gefahrene Geschwindigkeit körperlich, atme den Duft der Landschaft, die ich durchfahre; die Technik des Wagens teilt sich mir nicht nur über den Drehzahlmesser mit.

Wenn ich vom vierten Gang in den fünften schalte, gibt es vielleicht einen Drehzahlsprung von 328 Umdrehungen. - Es können auch 397 sein. - Wenn ich da an so einige "Economy-Abstufungen" moderner Getriebe denke...-

Ich muss überhaupt an vieles denken. Viele Dinge werden mir beim Fahren mit diesem Automobil viel klarer, deutlicher. Und ich bedaure, dass die Entwicklungschefs deutscher Automobilhersteller immer nur die neuesten Modelle ihrer direkten Konkurrenz fahren. Manchmal wäre es besser, sie würden alte Automobile bewegen.

Die neuesten Automobile sind nicht unbedingt der Maßstab für das, was der Autokäufer eigentlich will, sondern zeigen nur die Absicht der Hersteller auf, was sie unter Einsatz welcher technischen Argumente verkaufen wollen. Der so genannte "technische Fortschritt" ist doch heute - leider - manchmal in der Praxis nur ein technischer Gag, der aus Marketinggründen durch die Werbeabteilungen der einzelnen Hersteller zum technischen Fortschritt hochstilisiert wird.

In den nächsten Wochen werde ich den neuen BMW Roadster Z1 fahren dürfen. Ich bin gespannt, welchen Eindruck er mir gegenüber diesem 35 Jahre alten Automobil vermitteln wird, das ich gerade fahre.

Der BMW Z1 wird überall als eine besondere Leistung gefeiert. - Warum eigentlich? Weil er sich durch seine technische Konzeption vom automobilen Einerlei abhebt?

Ich habe den Z1 vor vielen Monaten bei seiner Erprobung am Nürburgring beobachtet und kann mich erinnern, dass ich ihn - weil ich nicht darauf eingestellt war ihn hier schon zu sehen - im allerersten Augenblick für einen Lotus Elan gehalten habe. Was war an dem anders als beim Z1?

Natürlich unterscheiden sich die Fahrzeuge in vielen Details, aber nicht von der Grundkonzeption: gerade nur so viel Automobil wie man braucht, um die Aggregate und zwei Personen unterzubringen.

Der BMW Z1 ist so betrachtet sicherlich keine neue Erfindung. Entscheidend ist bei dieser Art von Automobil auch nicht, wie neu oder alt Konzeption oder Technik sind, sondern ob sie in ihrer Zusammensetzung harmonieren, insgesamt den Charakter eindeutig erscheinen lassen. Das Fahrzeug muss in seiner Gesamtheit in der Lage sein, Emotionen zu wecken, beim Fahren Freude, ein gewisses Glücksgefühl empfinden zu lassen.

Wenn solche Automobile - wie z.B. der neue BMW Z1 - heute als besonderes Ereignis gelten müssen, dann liegt das leider nur daran, dass es in der Automobilindustrie zu wenig Leute gibt, die das Automobil wirklich begriffen haben, von ihm erfüllt sind, die "mit dem Bauch" in Sachen Automobil die richtigen Entscheidungen zu treffen vermögen.

Anmerkung von heute: Der Erfolg des BMW Z1 wurde übrigens vom Marketing „kaputt gemacht“, weil der Verkaufspreis aufgrund einer Marketing-Einschätzung „gestaltet“, aber nicht „kalkuliert“ war. Die Vorhersage des Marketings: Der Markt würde das schon hergeben! - Das hat er dann nur kurze Zeit!

Es gibt bei uns leider immer mehr "Leiter", die zwar von ihrem Fachgebiet eine Menge verstehen, aber nicht in Bezug auf das Automobil. Sonst gäbe es mehr solcher Automobile wie einen Lotus oder den BMW Z1. - Auch in anderen Preislagen.

Während ich jetzt beim Ferrari - nur so zum Spaß - ein paar Mal zwischen viertem und fünftem Gang wechsle (Achtung! Alle Gänge sind unsynchronisiert!), um zufrieden den klitzekleinen Drehzahlsprung zu registrieren, fällt mir ein, dass ich schon 1982 - vor BMW - die Idee zu einem, allerdings relativ preiswerten, Roadster hatte.

Im September 1982, bei der Vorstellung des neuen "Wasserboxer" für den VW Transporter konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass dieser Motor allein für den Einbau in diesen Wagen entwickelt worden war. Herr Konrad („damals“ Pressechef bei VW) wird sich sicherlich noch erinnern, dass ich ihn "ganz unter uns" fragte, was man denn bei VW sonst noch mit dem Motor machen wolle.

Und Herr Konrad versicherte mir:

"Der Wasserboxer ist wirklich ausschließlich zum Einbau in den Transporter bestimmt."

Das hat mich in den Wochen danach nicht ruhen lassen und ich habe die Idee zu einem VW-Roadster mit eben diesem Wasserboxer-Motor in Mittelmotoranordnung entwickelt. Natürlich habe ich auch Marketinggesichtspunkte berücksichtigt und selbst so Kleinigkeiten wie einen zu diesem Roadster passenden Namen nicht vergessen.

Und dann habe ich dem Herrn Konrad einen Brief geschrieben. Und seine Sekretärin hat geantwortet, dass Herr Konrad sich auf einer Reise befinden und sich sofort nach Rückkehr mit mir in Verbindung setzen würde. - Herr Konrad muss sich 1988 immer noch auf dieser Reise befunden haben. -

Vor mir, unter der Kühlerhaube des Ferrari, arbeitet ein Zwölfzylindermotor, wie er in einem modernen Automobil der Neuzeit nicht mehr denkbar ist. Jedem der zwölf Zylinder stehen nur 166 Kubikzentimeter Hubraum zur Verfügung. (Daher übrigens auch die Typenbezeichnung "Ferrari MM 166") Die Leistung dieses kleinen Uhrwerks: 118 kW (160 PS) bei 7.200 Umdrehungen/min.

Dieser Ferrari-Motor ist nicht leise, man spürt und hört - man muss es nicht ahnen - dass hier grundsolide Mechanik zu der Leistung führt. Die Kurbelwelle ist z.B. siebenmal gelagert. Dieser Motor ist einfach ein Erlebnis. Obwohl man ihn hört, obwohl er nicht so seidenweich läuft wie man denken sollte. Dieser Motor bestimmt den Charakter des ganzen Fahrzeugs mit.

Und der Motor passt zum Fahrzeug. Nichts dürfte hier anders sein. Mich stört auch nicht die Einzelradaufhängung an Dreiecksquerlenkern mit Querblattfeder oder die hintere Starrachse. Aber nun sagen Sie doch bitte mal dem Vorstandsvorsitzenden eines deutschen Automobilwerks, dass ein Zweiliter Zwölfzylinder... - Er wird Sie unterbrechen und erklären, dass nach den Untersuchungen seiner volkswirtschaftlichen Abteilung und dem Ergebnis von mehreren Meinungsumfragen... -

Bei Porsche versucht man aktuell der Öffentlichkeit klar zu machen, dass ein mit Turbo aufgeladener Vierzylinder eigentlich für den Käufer eines „kleinen Porsche“, den „718 Cayman“ , besser ist, als der Sechszylindermotor im Cayman vorher. - Auch bei Porsche hat „die Vernunft Einzug gehalten“ - so würde man heute sagen – während ich feststellen muss: Wer mit „Vernunftgründen“ den Sinn einer Sportwagen-Entwicklung argumentiert, findet sicherlich auch eine Argumentation dafür, regelmäßig bei McDonalds zu essen.

  • Nur zur Erinnerung: Es gibt sie immer noch, die automobilen Feinschmecker!

Und mit einem Blick in Richtung Genfer Automobilsalon, der in den nächsten Tagen eröffnet wird:

  • Wer verlangt eigentlich nach den dort in Vielzahl angepriesenen PS-Monstern?

Wer so etwas braucht, schwärmt vielleicht auch von großen Busen schöner Frauen, die erst mit Silikonimplantaten zu ihrer aktuellen Größe gefunden haben. - Das ist so „geil“, wie „aufgeblasene“ Motoren!

Während ich jetzt an diesem schönen September-Nachmittag des Jahres 1988 in der Eifel einen 1953er Ferrari genieße, wird mir klar, dass die Entwicklung des modernen Automobilmotors - zwar nur einer gewissen Klasse von Automobilen (!) - eindeutig in Zukunft in Richtung hubraumkleiner Mehr-als-Vierzylinder gehen sollte.

Ich konnte mir z.B. in 1988 durchaus einen Mercedes 190 mit einem 2.0 Liter V6 vorstellen. Und ich hätte zu diesem Zeitpunkt gerne in Richtung Untertürkheim gesagt: Man kann doch nicht die bei einer V6er-Motorenreihe anfallenden höheren Bearbeitungskosten (Zylinderabstände) gegenüber Reihenmotoren zur Basis für eine Ablehnung einer solchen Reihe machen. - Kosten sind sicherlich ein Faktor der berücksichtigt werden muss, aber hat man schon einmal etwas davon gehört, dass es so etwas wie Faszination geben kann, die von einem Motor ausgeht, sich auf das ganze Automobil, eine ganze Modellreihe überträgt?

Wäre nicht ein Mercedes 190 mit einem kleinen V6-Motor ein überzeugender Mercedes als der jetzige mit seinem Reihenvierzylinder?

Da fällt mir ein, dass ich in diesen Tagen einen sehr modernen kleinen (2.0 l-) Sechszylinder-V-Motor unter der Motorhaube einer schon bekannten Karosse gehört habe. Ein geschmeidig, weich laufender V6. - Als ich nach schwierigen Recherchen schließlich etwas mehr von ihm wusste, habe ich zunächst gedacht, dass man ihn vielleicht im Hinblick auf einen möglichen Einsatz in Italien ausgerichtet hat. - Aber wegen der paar Stück?

Ich nenne hier einmal keine Firma, weil dieser Motor eigentlich zu dem Geheimsten gehört, was dort gemacht wird. Am Versuchsfahrzeug – damals 1988 - ist die Motorhaube z.B. mit einem Zählwerk ausgerüstet das exakt zählt, wie oft die Haube geöffnet wurde. Und die Versuchsfahrer müssen jede Haubenöffnung - abseits des Firmengeländes - mit einem "wesentlichen Ereignis" schriftlich begründen.

Zurück zum Ferrari: Der wiegt weniger als eine Tonne, exakt 950 Kilogramm, hat dafür auch keine elektrischen Fensteröffner, keine Zentralverriegelung, keine Armstützen, keinen Aschenbecher, kein ESP, kein „Touchscreen“-Bildschirm im Großformat und was die "wesentlich Zutaten" bei einem modernen Automobil der Neuzeit – angeblich – verkaufsfördernd sind.

Obwohl nicht im Windkanal gestylt und nur mit natürlichem Empfinden geformt, rennt dieser Ferrari MM 166 auch heute noch 220 km/h. Natürlich spielen da die kleine Stirnfläche und die relativ schmalen Reifen eine Rolle.

So eine Ferrari „Barchetta“, eine MM 166, wurde eigentlich für den sportlichen Einsatz gebaut. Damit waren schon, als die Mille Migglia noch ein richtiges Rennen war, gute Rennfahrer mit dem Gedanken an einen Sieg unterwegs. 1949 hat eine solche „Barchetta“ z.B. das 24-Stunden-Rennen in Franchorchamps als Gesamtsieger beendet. Dabei spielte natürlich auch immer der Fahrer eine Rolle, dessen Einfluss man bei „modernen Automobilen“ immer weiter minimiert.

Seit langer Zeit fahre ich übrigens jetzt – 1988 - zum ersten Male nicht angeschnallt in einem Automobil. Es gibt also gegenüber einem 1953er Automobil bei den heutigen Automobilen schon einen Fortschritt. Aber mit so einem Automobil wie dem Ferrari MM 166 kann ich gut auf den meisten "Fortschritt" moderner Automobile verzichten.

Wenn ich diesen Ferrari gefahren bin weiß ich, warum es für eine Firma wie Ferrari trotz weltweit großer Produktions-Überkapazitäten auch in Zukunft niemals Überlebensschwierigkeiten geben wird. - Es wurden davon auch nur 46 Stück gebaut! - Wenn nicht zukünftig Manager, gute Manager, die aber vielleicht wenig vom Automobil verstehen, dem Ferrari jenen Reiz nehmen, der bisherige Käufer geradezu süchtig machte.

  • Wären Sie z.B. 1988 nach einem VW-"Corrado" süchtig gewesen?

Ich lasse meinen MM 166 langsam ausrollen, bin auch an einer Tankstelle gleich von Auto-Fans mit glänzenden Augen umringt. Keiner empfindet diesen Wagen als alt. Das beweisen die Fragen.

Doch dann kommt ein deutscher "Kenner" von der Dieseltanksäule, an der er gerade seinen Mercedes aufgetankt hat und fragt:

"Und was ist, wenn Ihnen mit diesem Automobil etwas passiert. Das ist doch überhaupt nicht zu bezahlen." -

Und nach einer kleinen - nachdenklichen – Pause hört man die Feststellung:

"Der gehört doch besser ins Museum." -

Kopfschüttelnd registriert er, dass dieser Wagen richtig mit schwarzem Kennzeichen zugelassen ist und richtig - zwar nicht jeden Tag, aber doch häufig - im normalen Straßenverkehr läuft. - Was sollte man sich auch heute kaufen, wenn man eine ähnliche Faszination beim Fahren eines Automobil erleben will?

Gehören Automobile solcher Extraklasse wie der Ferrari MM 166 deshalb ins Museum, weil sie gemessen an den Jahren alt sind? - Oder ihr Wert zu hoch? - Gehören im Beruf erfolgreiche Menschen deshalb ins Altersheim, weil sie eine willkürlich festgesetzte Altersgrenze erreicht haben? - Ist ihre Meinung „zu teuer“?

Und ich denke an Japan, wo man die Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen, die Lebensweisheit der Alten viel konsequenter nutzt; wo die "alten Männer" aber auch eher bereit sind, die Dynamik und Unbekümmertheit der Jugend in Kombination mit ihrer Erfahrung zu nutzen.

Bei "nutzen" denke ich an Nutzfahrzeuge - und daran, dass es eigentlich davon schon zu viele gibt. Und dass man eine neue Gruppe der Spaß-Fahrzeuge schaffen müsste. - Aber muss die eine Eigenschaft eigentlich die andere ausschließen?

Mein Bruder hat seine „Barghetta“, die, die ich 1988 hier in der Eifel genießen durfte, dann später in den 90ern, als er für sich und seine anderen Automobile ein Eigenheim baute, an einen netten Menschen verkauft. Der fährt ihn heute immer noch. Mit einem „schwarzen Kennzeichen“, genießt er diesen Ferrari bei jeder Ausfahrt.

Mein Bruder hat ihn also „richtig verkauft“, denn dieser Käufer besucht meinen Bruder auch heute noch häufig – mit der „Barghetta“ - in einer Zeit, wo einige ehemaligen Freunde meinen Bruder – der seit einiger Zeit schwer krank danieder liegt – lange vergessen haben. - Andere eben nicht. - Auch nicht jener Freund, dem er seinen MM 166 verkaufte. Dieser Mann, der einen alten Ferrari nicht nur wegen seines – heute – Millionenwertes liebt, ist also wohl auch im besten Sinne „ein guter Mensch“.

Ganz in Gedanken bin ich – 1988 – nach dem erwähnten Tankstellen-Erlebnis an die linke Fahrertür des Ferrari getreten, um nach dem Tanken wieder einzusteigen. Doch der ist rechts gelenkt. - Ich stehe auf der falschen Seite!

Wirklich?

MK/Wilhelm Hahne
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