Rhein-Zeitung Nr. 75 & 76: Stille Post!

Christian Lindner war lange, lange Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Nun hat es geknallt! - Eigentlich knallt es dort immer auf die gleiche Tour: Man muss in 30 min das Haus verlassen, kann seine Privatsachen später abholen (lassen) und hat - Hausverbot. So läuft das ab, wenn Verleger Walterpeter Twer „den Stecker zieht“. - Und sofort wabern dann Verschwörungstheorien durch die Redaktion und – nach draußen. - Während die Einen erzählen, dass zwischen Christian Lindner und Walterpeter Twer Deutsch gesprochen wurde, hört man von Anderen als passenden Rauswurf-Slogan ein „You're fired!“ - in perfektem Englisch. Christian Lindner war ein „Hausgewächs“ und bereits 37 Jahre für die Rhein-Zeitung tätig. Da hat diese kurzfristige Trennung dann auch die Mediendienste beschäftigt. Aber man kann auch hier nichts zum Grund für diese „explosionsartig“ verlaufene Trennung erfahren. Man spekuliert: Es soll zu Streitigkeiten über die Ausrichtung des Blattes gekommen sein, schreiben die Einen, während die Anderen nur feststellen können, dass der Verleger für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. - Das ist alles so allgemein, dass es schon fast gemein ist. - So wie man den Verleger kennt, der eigentlich – wie die meisten Verleger unserer Zeit – weniger Verleger, sondern mehr Kaufmann ist und deshalb auch gerne ins Redaktionsleben eingreift, könnte Geld, könnten Gewinne oder Verluste eine Rolle gespielt haben. - Weil er weiß wie‘s besser geht? - Nicht immer! - Dafür hat er im Laufe seiner beruflichen Entwicklung selber zu viele Fehler gemacht. - Aber darüber spricht man nicht. - Fehler vom „Chef“ gibt‘s nicht. - Die muss dann wohl Christian Lindner gemacht haben. - Am Dienstag hat‘s geknallt. - Und so blickt man dann als Abonnent mit Interesse in die Rhein-Zeitung – nicht nur - von Mittwoch. - Feststellung:

Rhein-Zeitung Nr. 75 & 76: Stille Post!

Man konnte am Mittwoch dieser Woche so viel in der Rhein-Zeitung hin und her blättern wie man wollte: Nirgendwo gab es auch nur eine Zeile über den Crash. Bis man auf die Idee kam, mal ins Impressum zu schauen.

Ich habe mal hier das Impressum zweier Ausgaben nebeneinander gelegt. Die von Dienstag, dem 28. Und Mittwoch, dem 29. März 2017. - Da fehlt dann eine Zeile. Am Mittwoch gab es im Impressum den Chefredakteur Christian Lindner nicht mehr.

Aber schon am Nachmittag dieses Tages war zu hören – und zu lesen: Es gibt nun einen neuen Chefredakteur. Aber nur kommissarisch. Der war schon vorher einer der Stellvertreter: Peter Burger. - Aber man munkelt, dass der nicht bleiben, nicht Chefredakteur werden wird.

Am Donnerstag bestätigt dann ein Blick ins Impressum die Vorab-Info vom Mittwochnachmittag. Als Abonnent fühlt man sich aber missachtet, weil einem nirgendwo die personelle Veränderung an der Spitze der Rhein-Zeitung erklärt wird. Man wird auch nicht – irgendwie – sachlich darauf hingewiesen.

„Hilfe, der Hund ist weg“,

auf dem Titel angekündigt, erweist sich beim genauen Hinschauen auf Seite 11 wirklich als eine Hundegeschichte.

Der Verleger wird nun seine Angel nach einem neuen Chefredakteur auswerfen müssen. Ob‘s wieder ein „Eigengewächs“ wird? - Was den Umgang mit ihm – weil „angelernt“ und eingestimmt – relativ dann einfach machen würde?

Intim-Kenner der Redaktion gehen nicht davon aus. Weil der Grund für die kurzfristige Trennung wohl in den Bilanzzahlen für das Jahr 2016 der Rhein-Zeitung begründet liegt. Die sollen nicht berauschend sein. Das liegt wohl mehr an der „harten Paywall“, mit der Christian Lindner seit 2014 seine digitale Rhein-Zeitung umgeben hat.

Aus der Sicht der möglichen Käufer: Man weiß nicht was man für sein Geld erhält. „Warum“, fragt mich einer dieser möglichen Leser, „soll ich 50 Cent für eine dpa-Meldung zahlen, von der ich noch einmal weiß, wie lang sie denn ist?“

Auf diesem Gebiet muss bei der Rhein-Zeitung also noch eine „Anpassung“ erfolgen. Denke und meine ich. Man hat die „digitale Situation“ der Zeitung zwar immer wieder idialisiert und scheinbar offen dargestellt, aber die Realität in Euro und Cent wurde wohl erst deutlich, nachdem die Bilanzzahlen für 2016 vorlagen.

Natürlich wird man das nicht so darstellen wollen. Wenn Walterpeter Twer wieder zu erreichen ist, wird er sicherlich unter Zuhilfenahme von gut bezahlten Fachleuten zu einer Sprachregelung gefunden haben, die die Kollegen der Mediendienste zufrieden stellt.

Da wird man sicherlich nicht mit dem Finger auf das Briefzentrum (RZ-Post) zeigen, dass Millionen gekostet hat, aber nichts einbrachte. Auch das Sponsoring eines Koblenzer Fußballklubs war sicherlich nicht mit dem Effekt für die Zeitung verbunden, den man sich davon versprochen hatte.

Aber dafür war nicht Christian Lindner verantwortlich. - Verantwortlich war er sicherlich dafür, dass die Stimmung in der letzten Zeit in der Redaktion besser war als jemals zuvor. In den Jahren zuvor habe ich immer wieder Ex-Mitarbeiter der Rhein-Zeitung getroffen, die mir überzeugend klar machten, dass sie nie, nie mehr für die Rhein-Zeitung arbeiten würden.

Als Abonnent, der sich im direkten Umfeld ein wenig auskennt, nachdem ich jetzt 40 Jahre in der Eifel lebe, finde ich es schon manchmal erheiternd, dass gerade im Lokalteil immer wieder die gleichen Fehler passieren, die darin bestehen, dass man z.B. bei Fotoaufnahmen die Namen der dargestellten Personen falsch zuordnet. Von ähnlicher Art sind auch andere Fehler, die z.T. auch „Flüchtigkeitsfehler“ sind. - Zeitmangel? - Nicht nur.

Fehler sind auch darin begründet, dass die Lokalredaktionen ihre Geschichten nicht selber einfügen, sondern dass das in der Zentrale passiert, wo niemand die Leute kennt, über die berichtet wird. Sie entstehen dadurch, dass man zentralisiert, vereinfacht hat, versucht hat Kosten zu sparen. - Was eben an mancher Stelle auch „Qualität spart“.

Der Leser merkt das schon. So lassen sich auch Auflagenrückgänge erklären. Eine „Flächenzeitung“ wie die Rhein-Zeitung lebt eigentlich von ihrem Lokalteilen. Auch ich habe die Rhein-Zeitung nur (!) wegen des Lokalteils abonniert. Neben anderen Zeitungen, die ich evtl. auch mal zukaufe. Was dann auch insgesamt einen Vergleich möglich macht.

  • Die Rhein-Zeitung ist bisher eben „nur“ eine Lokal-Zeitung!

Blickt man als Abonnent einmal über Jahrzehnte zurück, so war Christian Lindner sicherlich der Chefredakteur, der die Zeitung thematisch nach vorne gebracht hat. Aber das genügt eben nicht. Gerade in Verbindung mit den „digitalen Seiten“ muss man auch auf „Reichweiten“ achten.

Da war die „harte Paywall“, die Christian Lindner eingeführt hat, nicht gerade förderlich. Auch Walterpeter Twer wird da keine fertige Lösung in der Tasche haben, die die Bilanzzahlen besser aussehen lässt. Christian Lindner wäre sicherlich ein Diskussionspartner gewesen, wenn – ja wenn man denn – miteinander „fruchtbare Gespräche“ geführt hätte. - Man hat sich für „furchtbare Gespräche“ entschieden.

Die Stimmung in der Redaktion wird durch diese etwas gewaltsam umgesetzte Entscheidung ihres Verlegers sicherlich nicht besser werden. - Das „Augen zu und durch“, den Eindruck, den man – spätestens - beim Durchblättern der Donnerstag-Ausgabe haben muss, ist kein gutes Zeichen.

Wollen wir hoffen, dass nicht die Qualität der Zeitung darunter leidet. - Ich wäre dann auch betroffen und müsste mir überlegen… -

Gerade am letzten Samstag, am 25.März 2017 konnte ich erleben, dass ein „Offener Brief“ von Christian Lindner in der Öffentlichkeit – z.T. erstaunt – diskutiert wurde. So etwas hatte man von diesem Blatt nicht erwartet.

„Da hat sich aber jemand sehr weit aus dem Fenster gelegt“, sagte mir einer der Leser. Und meinte Christian Lindner. Was aber schon durchklingen ließ, dass man eigentlich von einer klaren, eindeutigen Meinung in der Rhein-Zeitung – ausgerechnet in der Rhein-Zeitung - überrascht war. „Kann der sich das leisten?“, war eine der Fragen, die ich dazu hören musste.

Natürlich wirkte es aus der Sicht der regelmäßigen Leser dieser Zeitung schon überraschend, wenn hier eine klare Meinung ausgesprochen wurde und dazu auch noch „im Namen dieser Zeitung“!

Der letzte Satz dieses Chefredakteurs, der uns in Erinnerung bleiben wird ist:

„Bleiben Sie bei uns. Stimmen Sie mit Hayir.“

Walterpeter Twer bleibt. Und er hat mit „Hayir“ (= Nein) gestimmt.

Aber so war das eigentlich von Christian Lindner nicht gemeint!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Warum ich mir hier über die Rhein-Zeitung und ihren – nun verloren gegangenen – Chefredakteur Gedanken mache? - Die Rhein-Zeitung war mal für ein Jahr Abonnent von Motor-KRITIK. - Und ich nehme nun mal am Schicksal meiner Abonnenten Anteil!

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