22./23. April: Hinweise durch 6h-Rennen?

Eigentlich hat es ein 6-Stunden-Rennen im Rahmen der VLN-Läufe immer im Herbst eines Jahres gegeben. Inzwischen gibt es zwei 6-Stunden-Rennen, von denen eins der ADAC Nordrhein als einen „Vorlauf“ zum 24-Stunden-Rennen, als ein „Qualifikationsrennen“ deklariert hat. Das hat bisher nicht richtig funktioniert. Im letzten Jahr hat man z.B. Geld dazu getan. Das sollte in diesem Jahr nicht mehr passieren. Darum hat man den Geschäftsführer des Nürburgring-Pächters, Mirco Markfort, unter Druck gesetzt. Der hat dem Druck nachgegeben und der VLN vor dem 24-Stunden-Rennen statt wie bisher drei Läufe, in 2017 dann nur zwei Läufe genehmigt. Der ADAC Nordrhein in Köln hatte damit gedroht, sonst im nächsten Jahr keine „Quali-Rennen“ mehr veranstalten zu wollen, weil ein dritter VLN-Lauf, einem zusätzlich vor dem 24-Stunden-Rennen durchgeführten 6-Stunden-Rennen (Quali-Rennen), eine Menge Starter geraubt hätte. - Mirco Markfort ist „eingeknickt“. Nur darum gibt es in 2017 bei der VLN statt wie bisher 10, nun tatsächlich nur 9 Läufe. Dass gegenüber 2015 inzwischen ein Veranstalter ausgefallen, weil ausgeschieden ist, dient in diesem Falle nur einem Verschleiern von Tatsachen. - Am vor uns liegenden Wochenende wird nun dieses „Quali-Rennen“, als ein 6-Stunden-Rennen, durchgeführt. - Motor-KRITIK möchte dazu dann vorab ein paar Hinweise geben, bzw. darauf aufmerksam machen, dass in der SP9, der Klasse, in der die Werks-GT3 dann beim 24-Stunden-Rennen um den Gesamtsieg ringen werden, alle Rennen vorher eigentlich zu einem „vorsichtigen Abtasten“ genutzt werden. In den ersten beiden VLN-Läufer ist nach Aussagen eines Insiders nur Porsche Rennen gefahren. - Und hat jeweils gewonnen. - Andere nutzten – ganz clever – diese ersten VLN-Läufe zum „Bluffen“. Um zum 24-Stunden-Rennen, nachdem man „alles unter Kontrolle hatte“, dann „abzusahnen“. - Wie in 2016 Mercedes. - In 2017 wird die Rolle des „großen Taktikers“ von BMW übernommen.

22./23. April: Hinweise durch 6h-Rennen?

BMW bereitet den Gesamtsieg, den man in 2017 – koste es was es wolle – in jedem Fall erringen möchte, mit großer Akribie vor. Da ist man so gründlich, dass selbst alten Leute, wie dem Berichterstatter auffällt, dass man schon ein wenig übertreibt. - Auffällig unauffällig!

Das beginnt mit der Anzahl der Starter jetzt beim „Qualifikationsrennen“. Insgesamt werden 25 GT3 aller Fabrikate, entsprechend dem Reglement vorbereitet, am Start sein. Exakt sind es fünf Fabrikate, die sich der Auseinandersetzung stellen. Alphabetisch geordnet sieht das so aus:
        

1) Audi
2) BMW
3) Ferrari
4) Mercedes
5) Porsche

 

Die Rangordnung ist eine andere, wenn man die Fabrikate nach Anzahl der eingesetzten GT3-Fahrzeuge ordnet:
 

9 BMW M6 GT3 = 1.
5 Porsche 911 GT3 R = 2.
4 Audi R 8 LMS = 3.
4 Mercedes AMG GT3 = 4.
2 Ferrari 488 GT3 = 5.

 

Schaut man sich die Silhouetten der Fahrzeuge an, so gehört der Porsche zu den „schlanksten“, stemmt dem Fahrtwind die geringste Fläche entgegen. Der dürfte darum zu den Schnellsten auf der Geraden zählen. Die Heckmotoranordnung macht ihn auch zu einem guten Bremser, da er mehr Bremskraft auf der Hinterachse verträgt, als die Konkurrenten. Das bringt auf der Nürburgring-Nordschleife Vorteile in den Bergab-Passagen.

Gewonnen hat er allerdings die ersten zwei VLN-Läufe auch, weil die, die nur den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen im Auge haben, bei diesen Rennen klug taktierten, um nicht durch eine letzte „BoP“-Korrektur vor dem entscheidenden Rennen eingebremst zu werden.

Nach meinen Beobachtungen war der BMW M6 GT3 das einzige Fahrzeug, dass sich auch schon präzise auf den Einsatz der „Messrolle“ vorbereitete, die beim 24-Stunden-Rennen dann definitiv – wenn man Herrn Christian Schacht glauben kann – zum Einsatz kommen soll.

Da diese Messrolle bisher noch nicht auf diesen Seiten gezeigt wurde, hier ein Foto, in der sie – an der bekannten Stelle, die ich im Rennbericht zu VLN-Lauf 2 zeigte – dann zum Einsatz kommen soll.

Die BMW M6 GT3 waren die einzigen GT3, die schon beim letzten VLN-Lauf den Abstand des Fahrzeugbodens zur Fahrbahn konstant gemessen haben. Die Messung erfolgte mit Hilfe eines Laserstrahls im Bereich der Vorderachse. Dort war – z.B. bei einem Radwechsel - „ein roter Punkt“ auf der Fahrbahn auszumachen. - Bei allen BMW M6 GT3.

Nicht nur dieses Detail macht deutlich, mit welchem Aufwand BMW einen Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen vorbereitet. Bei den ersten VLN-Läufen war auch auffällig, dass man ein Motor-„Mapping“ immer wieder veränderte, anpasste, um auch „angepasste Fahrleistungen“ zu erzielen.

Nach Motor-KRITIK-Beobachtungen gehörte der BMW M6 GT3 bei den VLN-Läufen zu den Fahrzeugen mit dem höchsten Verbrauch. Auch wenn es sich bei diesem Sportwagen um ein gewaltiges Stück Masse handelt, so müsste er eigentlich – meine ich – nicht nur mit weniger Benzin auskommen, sondern dann auch leistungsfähiger sein. - Außerdem sollte so ein „Stint“ dann (vielleicht) um eine Runde länger werden können.

Großserien-Automobile stimmt man gerne im Volllastbereich ein wenig „zu fett“ ab, weil sie so „kühler laufen“, was dann zwar bei Autobahn-Volllastfahrten einen höheren Verbrauch ergibt, aber auch mehr Sicherheit im Hinblick auf die Haltbarkeit des Motors bedeutet.

Bei Rennmotoren muss man im Hinblick an eine Dauerhaltbarkeit über 24 Stunden sicherlich auch an die Temperaturen denken, aber man muss die Motoren nicht „so fett laufen lassen“, wie sie offenbar bei BMW zu den VLN-Rennen eingestellt waren. - Das kostet Leistung!

Ich gehe also davon aus, dass die BMW M6 GT3 spätestens beim 24-Stunden-Rennen so schnell sind, wie sie es eigentlich mit dem richtigen „Mapping“ auch sein könnten.

Betrachtet man einmal das „Qualifikationsrennen“ am Wochenende unter diesem Gesichtspunkt, dann weiß man nicht, was die anderen rd. 75 Rennfahrzeuge dort wollen. Der Gesamtsieger wird in jedem Fall aus der GT3 kommen. Die anderen dürfen die „Karpfen“ spielen, was sicherlich auch Spaß macht, weil genügend davon da sind.

Wenn man aber an die Kosten denkt… - da kann einem dann der Spaß schon vergehen.

Mal sehen, ob sich der ADAC Nordrhein nach den diesjährigen Erfahrungen – die schon unter optimalen Bedingungen liefen (nur 2 VLN-Läufe vor dem 24-Stunden-Rennen) – dann im nächsten Jahr noch mal dazu aufrafft, ein „Qualifikationsrennen“ über 6 Stunden durchzuführen.

Zu den Grundlagen der Veranstaltung am Wochenende gehört übrigens auch der „*Ethikkodex und Verhaltenskodex der FIA“ und der „Ethikkodex des DMSB“. - So steht‘s jedenfalls in der Ausschreibung.

MK/Wilhelm Hahne

*Ein Ethikkodex orientiert sich nicht nur an bewährten moralischen Maßstäben der Vergangenheit, er soll auch als moralischer Kompass bei aktuellen Entscheidungen dienen. - Man darf gespannt sein!

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