Gerhard Berger zur DTM: „Schaun‘ wir mal.“

In der „Rhein-Zeitung“ habe ich heute ein Interview mit Gerhard Berger gelesen, in dem er – wie im Untertitel zu lesen – sagt, wie er „als neuer Chef die DTM aufpolieren will“. Das geht auch schon aus dem Titel zum Interview hervor, der lautet: „Berger: Mehr Autos, mehr Spektakel“. - Was bedeuten würde: Gerhard Berger hat nichts begriffen. - Wenn „Spektakel“ die DTM retten soll, wäre das der falsche Ansatz. - Meint Motor-KRITIK. - Nun hat Gerhard Berger eine Menge Erfahrung im Motorsport. Aber wohl mehr auf der Seite der Aktiven. - Oder hat er schon mal den Motorsport, bzw. deren einzelne Kategorien, aus Zuschauersicht zu bewerten versucht? - Er fuhr immerhin – das entnehme ich der „Rhein-Zeitung“ - 210 Grand-Prix-Rennen und feierte zehn Siege. Das allerdings qualifiziert ihn noch nicht zum „neuen Macher der DTM“. Auch nicht, dass er mal – wie zu lesen - „Motorsportchef bei BMW Williams“ war. Er hatte allerdings – das sagt jetzt Motor-KRITIK – einen interessanten Vertrag in dieser Zeit mit BMW, wo er sein „Büro“ in Monaco hatte und mit seinem eigenen Flugzeug für BMW unterwegs war. - Wie auch seinem damaligen Vertrag zu entnehmen ist. - Aber wer kennt den schon in allen Details? - Man kennt auch nicht den neuen Vertrag, der ihn – wie die „Rhein-Zeitung“ das formuliert, zum „neuen Chef der DTM“ macht. - Der wesentliche Inhalt in deren Interview ist eigentlich:

Gerhard Berger zur DTM: „Schaun‘ wir mal.“

Einen Plan scheint Gerhard Berger also noch nicht zu haben. Aber ein guter und ehrlicher Satz in diesem Interview ist:

„Ich würde mich sehr wohl fühlen, wenn wir mit der ARD einen guten Weg in die Zukunft finden könnten.“

Das sagt dann auch schon alles über die Problematik aus, die die Zukunft der DTM insgesamt gefährdet. Und über ihre Abhängigkeit von Marketingvorgaben.

Gerhard Berger sagt auch noch etwas anderes, was eigentlich ein guter Ansatz ist:

„Deutschland ist ein extrem starkes Tourenwagenland. Das ist eine Stärke der DTM, dass sie diese Fangemeinschaft hinter sich hat.“

Aber diese Fan-Gemeinde spürt mehr und mehr, dass ihr mit dem Titel zu dieser „Tourenwagen-Serie“ etwas vorgegaukelt wird, was es in Wahrheit dahinter nicht gibt.

  • DTM-Fahrzeuge sind keine Tourenwagen, sondern sie sind Prototypen!

Tourenwagen-Rennen haben in Deutschland zu allen Zeiten die Fans begeistert. Es gab sogar eine Zeit, in der im Titel dieser „Masters“ (die entsprechend den Gesetzmäßigkeiten des DMSB keine „Meisterschaft“ sein darf!) zumindest der Hinweis auf „Tourenwagen“ stimmte. Die Basis, mit denen man auf den Rennstrecken – zu oft – im europäischen Ausland unterwegs war, weil das Marketing der Automobilhersteller das so wollte, waren tatsächlich einmal echte Tourenwagen – zumindest auf deren Basis „verfeinerte“ Rennfahrzeuge.

Dann hat man sich mit einer Abkehr von Tourenwagen und einem Hin zu Prototypen mehr „Spektakel“ versprochen. Aber dieser Prototypen sind einfach ein „Einheitsbrei“, der mit unterschiedlichen Marketten ausgezeichnet, das Tourenwagenprodukt eines bestimmten Herstellers repräsentieren soll. - Das kommt beim Fan nicht gut an. Er ist ob dieser falschen Auszeichnung schon ein wenig verstimmt, obwohl er sein eigentliches Unverständnis zu diesen Vorgängen nicht immer erklären könnte. - Aber es ist unterschwellig vorhanden.

Dazu kommt noch, dass auch das Reglement im Laufe der Zeit zu unübersichtlich – oder besser – für den Zuschauer, der nicht immer ein Fachmann ist, unverständlich geworden ist.

Das soll nun Gerhard Berger richten?

Das wird nicht gehen! - Wie er – und auch die anderen „Macher“ der DTM – nun langsam begreifen sollten.

Lassen Sie mich die Zukunft der DTM an einem Beispiel erklären:

Wenn eine Zeitschrift mit einem guten Titel – ganz gleich aus welchem Grund – einmal herunter gewirtschaftet ist, nicht mehr das Interesse der Leser findet, dann wird kein intelligenter Verleger diesen Titel kaufen und übernehmen wollen. - Trotz des guten Titels.

Es ist einfacher, eine neue Zeitschrift, mit einem neuen Titel zu gründen und damit den richtigen Weg einzuschlagen, als aus einem „angeschlagenen Titel“ ein neues und gesundes Leben entstehen zu lassen.

Wenn man das begriffen hat, kann es für Gerhard Berger nur eine Entscheidung geben:

  • Unter den Titel DTM ein Strich ziehen. - Und eine neue Serie – unter neuem Namen – auf der Basis von echten Tourenwagen – die dann auch kostenmäßig günstiger sind – ins Leben rufen!

Natürlich wird ein Gerhard Berger, nachdem er aufgrund seines Vertrages einen anderen Auftrag erhalten hat, einen solchen Vorschlag lächerlich finden. - Offiziell wird er das auch müssen!

Er wird sicherlich erst wieder ernsthaft über einen solchen Vorschlag nachdenken, nachdem ihm die ARD in Sachen aktueller DTM für die nächsten Jahre eine Abfuhr erteilt hat.

Denn auch dort – bei der ARD - sollte man inzwischen begriffen haben, dass es sich in diesem Fall nicht lohnt, eine todkranke Serie mit Fernsehunterstützung, die praktisch die Funktion einer Herz-/Lungen-Maschine hat, am Leben zu erhalten.

Auch bei todkranken Menschen kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man „die Maschinen“, die ein Leben künstlich verlängern können, abschalten sollte.

Dieser Zeitpunkt ist nun bei der DTM gekommen!

Wenn man es so sehen will: In der derzeitigen Situation der DTM entscheidet eigentlich die ARD darüber, ob die DTM in weiteren Saisons weiter dahin siecht oder ob die Hersteller einen Neuanfang wagen.

Gerhard Berger wird dazu dann sicherlich etwas Gescheites einfallen. - Er ist schließlich kein Dummer!

Zu seinen Verträgen in der Vergangenheit sind ihm jedenfalls immer zum richtigen Zeitpunkt die richtigen – und für ihn wichtigen – Passagen eingefallen!

Zur DTM wird das wohl auch bald der Fall sein. 

Schaun‘ wir mal!

MK/Wilhelm Hahne
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