„24h-Rennen verspricht Rennsport-Krimi“

Wer Motor-KRITIK-Beiträge regelmäßig liest, der wird diesen Titel bestätigen können. Auch die Kollegen anderer Medien werden diesen Titel gerne übernehmen. - Natürlich ohne ihn wörtlich nehmen zu wollen. Schließlich wurde er ihnen vom ADAC Nordrhein vorgegeben. - Dann darf man auch solche Aussage treffen, kann man dieser Meinung sein. - Genauso wie man der Meinung ist, dass Motor-KRITIK „von gestern“ sein muss, wenn man unter Titeln wie „DNP: DMSB-Willkür mit ADAC-Segen?“, „Einheits-Reifen-Prozedre: Ein Geschäft?“, „Gefühl- + geschmack- + ahnungslos =?“ Recherche-Ergebnisse verkündet, die dem Ansehen bedeutender gesellschaftlicher Gruppen – oder gar einem ganzen Sport – schaden könnten. - Da liest man dann vorsichtshalber „Nürburgring-Fahrerlager-Geflüster!“ erst gar nicht mehr. - Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß! - Schließlich ist in der heutigen Zeit der Redakteur aus Sicht seines Verlagsleiters bzw. Verlages dann ein guter Redakteur, wenn er sich aufgrund seiner Aquisationsleistungen (nicht Recherche-!) mit dem Titel „Hybrid-Redakteur“ schmücken lässt. „Auto-BILD“ zeigt, wie man das einer Öffentlichkeit verkauft, die gegenüber „pragmatischem Verhalten“ - wie das heute nun mal so ist – Verständnis zeigt. In Hamburg setzt man das „Hamer-hart“ durch. - Da möchte dann der ADAC Nordrhein schon ein Zeichen setzen, dass man sich selbst gegenüber – und auch gegenüber der Öffentlichkeit – immer aufrichtig und ehrlich ist und überschreibt eine Presseinformation vom 26. April 2016 (natürlich ein „Tippfehler“!) tatsächlich mit:

„24h-Rennen verspricht Rennsport-Krimi!“

Motor-KRITIK kann das nur unterstreichen, hat das auch schon in einer Reihe von Geschichten vorher zu verdeutlichen gesucht. Der ADAC Nordrhein spricht in Verbindung mit dem ADAC Zurich 24h-Rennen 2017 von einem „Himmelfahrtswochenende“ - und hat auch mit dieser Wortwahl ein Stück vor uns liegender Realität beschrieben.

Noch ein Zitat aus der ADAC-Info:

„Für Furore sorgte beim 24h-Quali-Wochenende etwa die Mannschaft um US-Milliardär James Glickenhaus, die mit ihrem bildschönen SCG003C wie der sichere Sieger aussah, dann aber nach einem unglücklichen Defekt in der Schlussphase ausfiel und den Weg für einen Audi-Doppelsieg ebnete.“

Als Motorsportler mit ein klein wenig Gefühl für Unterschiede fragt man sich zwar, was ein Prototyp bei einem Rennen mit ordentlich homologierten Touren- und Sportwagen zu suchen hat, aber immerhin ist dieser Prototyp eines Milliardärs durch die Einstufung „SP-X“ beim Blättern in Ergebnislisten für den normalen Motorsport-Fan getarnt.

Und man sollte auch – ist man wohl beim ADAC Nordrhein der Meinung – einfachen Milliardären auf dem Nürburgring eine Chance geben, nachdem wichtige Leute dieses Veranstalters bei einem Besuch des Genfer Salons – wo James Glickenhaus die käufliche Version dieses Sportwagens vorstellte – einen guten Eindruck (von der Zahlungsfähigkeit des Milliardärs) gewonnen hatten.

Nein, der ADAC Nordrhein ist kein Spaßverderber! - Weder bei Milliardären, noch bei erfolgreichen Teams und Fahrern!

Dazu passt dann auch Frage und Antwort aus einem Intervieẃ, das die Sportpresse des ADAC Nordrhein unter dem Datum 22. April 2016 (noch ein toller „Tippfehler!“) veröffentlichte, wo es dann u.a. heißt:

???: Braucht man auf der Nordschleife mehr Glück als bei anderen Rennen?

Maro Engel: „Zum großen Teil ist man natürlich für sein eigenes Glück verantwortlich. Man muss im Verkehr und bei der Strategie die richtigen Entscheidungen treffen. Doch hin und wieder kommt man in eine Situation, in der man nicht mehr die Kontrolle hat. Das sind dann so Sachen wie Reifenschäden oder Code 60 zum falschen Zeitpunkt. Wenn der Konkurrent in dem Moment noch freie Fahrt hat, kann er auf einen Schlag 30 sec aufholen. So eine Situation erlebst du mindestens einmal im Rennen. Da muss man dann ruhig bleiben.“

Das ist praktisch eine wunderbare Schilderung einer Situation aus dem Qualirennen (22./23. April 2017), die Maro Engel lt. Veröffentlichungstermin – wie ausgedruckt zu lesen – am 22. April 2016 (!) exakt vorhergesehen hatte.

Da war – 2017 (um Missverständnisse auszuschließen!) - die Start-Nummer 3 z.B. in der 38. Runde des Rennens exakt um 31,205 sec im Streckenabschnitt „S3“ auf der Nordschleife schneller, als das „Schwesterfahrzeug“ mit der Startnummer 4. - Und hat dann am Rennende, nach 41 Runden, Platz 5 im Gesamtklassement belegt; exakt 1,027 sec vor einem Rowe BMW M6 GT3, der in der 38. Runde in der „S3“ um 17,076 sec langsamer war.

Wenn das kein Glück ist! - Für das man als Fahrer, wie wir durch Maro Engel in seinem Interview (s.o.) erfahren haben, „zum großen Teil … verantwortlich“ ist.

Manchmal helfen auch Engel, die nicht immer unbedingt blütenweiß sein müssen. Wie wäre es mit einem kräftigen Gelb?

Bruno Spengler, der sympathische BMW-DTM-Pilot, auf der Nürburgring-Nordschleife ein Neuling, hat – obwohl Kanadier – in einem auch für mich verständlichen Deutsch im Hinblick auf das vor uns liegende 24h-Rennen erklärt:

„Unser M6 GT3 ist grundsätzlich gut, in der VLN gab es aber bei den ersten beiden VLN-Rennen einige Faktoren, die unser wahres Potential verschleiert haben.“

Schöner hätte ich es auch nicht sagen können. Aber nicht alle waren mit der „Verschleierung“ einverstanden. So lehnte es z.B. der Besitzer eines BMW GT3-Privatteams ab, sich an die vorgegebenen Rundenzeiten der BMW-Sportabteilung zu halten:

„Ich vertrete ein Privatteam, habe alles selbst bezahlt und lasse mir von niemandem vorschreiben, wie schnell meine Fahrer zu fahren haben.“

Die ADAC Nordrhein Sportpresse hat die Aussage des Bruno Spengler unter den Zwischentitel gestellt:

„Die Gentlemen stapeln tief...“

Jedenfall gibt es sie noch, die Gentlemen beim 24h-Rennen. Sie stapeln auch deshalb tief, weil nicht jeder ein Hochstapler sein kann.

Hoch gestapelt wird mit großer Sicherheit bestimmt wieder bei den Zuschauerzahlen nach dem 24h-Rennen. Aber man bemüht sich real wirklich um jeden Besucher, stellt sogar „interessierten Redaktionen“ Eintrittskarten im Wert von 66,-- Euro (im Vorverkauf) zur Verfügung,

„...die im Rahmen von Verlosungs- und Gewinnspielaktionen genutzt werden können.“

Da müssen „interessierte Redaktionen“ nur ankreuzen:

„Wir planen eine Verlosungs- / Gewinnspielaktion und wollen unter unseren Lesern / Hörern Gastkarten für das ADAC Zurich 24h-Rennen verlosen. Bitte senden Sie uns die Tickets zu, nach Erscheinen bzw. Ausstrahlung senden wir Belege schnellstmöglich an die ADAC Nordrhein Sportpresse.“

Da habe ich dann mal – weil ich so neugierig bin – auch unter der in der Pressemitteilung angegebenen Internetadresse, www.adac.de/ticketshop, nachgeschaut, wo man Tickets kaufen kann:

Man wird dann dort – wie man meinen screenshots (übrigens alle von heute!) - entnehmen kann, zu www.eventime.de weitergeleitet. Man landet dann aber nicht etwa auf der Seite, in der Tickets für das 24-Stunden-Rennen angeboten werden. - Auch dann nicht, wenn man es unter „Sport“ versucht. Also habe ich in die Suchfunktion „24h-Rennen Nürburgring“ eingegeben.

Ich war schon ein wenig enttäuscht, weil ich dort das neue Logo zum 24h-Rennen vermisst habe, das ich so „schön-schrecklich“ finde.

Also habe ich es mal beim langjährigen Partner (Sponsor) des ADAC Nordrhein, bei der Zurich Versicherung versucht:

Volltreffer! - Eigentlich ist die Seite – wie man sehen kann – nur für Mitarbeiter der Zurich-Versicherung“ gedacht, aber die können sich auch noch am 30. April 2017 am alten Logo für das 24h-Rennen am Nürburgring erfreuen, das in diesem Jahr – 2017 - zum 45. Male stattfindet.

Viel Spaß am „Himmelfahrtswochenende“!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Damit meine Leser auch zum „Tag der Arbeit“, am 1. Mai, genügend Lesestoff haben, finden Sie im Anhang die pdf-Datei, die ich auch für die vorstehende Geschichte genutzt habe. - Vielleicht fällt Ihnen noch etwas auf, das ich übersehen habe! - Einem alten Mann darf so etwas schon mal passieren. - Oder?

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