Vor Höllen-Jubiläum gibt‘s Chaos-Events

„Legendäre Rennstrecke, einzigartiges Ausflugsziel und moderne Business-Location – der Nürburgring verbindet Motorsport-Mythos mit vielfältigsten Event- und Unterhaltungsmöglichkeiten für Fans, Familien und Geschäftskunden.“ Das entnehme ich einer aktuellen Beilage der „Rhein-Zeitung“, aus einer Anzeige für den Nürburgring. Einen Tag vorher war bereits im „Mitteilungsblatt“ der Verbandsgemeinde Vordereifel zu lesen: „...informiert die capricorn NÜRBURGRING GmbH zu nachfolgenden Einschränkungen und bittet um Ihre Unterstützung und Kenntnisnahme.“ - Motor-KRITIK hatte in einem „Lieben Leser“ am 20. März 2017 schon angedeutet, welche Fehler man beim Pächter des Nürburgrings gemacht hatte, indem man den Terminkalender „einfach zuklatschte“. - Volles Programm! - Es geht voran! - Dass es zwischen 20. Mai und 5. Juni 2017 nicht unbedingt voran geht, hatte Motor-KRITIK schon vermutet, weil man praktisch drei Großveranstaltungen hintereinander in den Terminkalender eingetragen hat und z.B. die Nordschleife nicht zum Beparken und Camping bei Rock am Ring freigegeben ist. - So ist in der letzten Dekade Mai ds. Jrs., bis in den Juni hinein, ein wenig (Verkehrs-)Chaos im Nürburgring-Umfeld zu erwarten. Auch Lidl wird – wie von Motor-KRITIK – im März schon angekündigt - dort oben „sein Zelt aufschlagen“, was die Stimmung bei der Geschäftsführerin eines REWE-Marktes in Adenau z.B. nicht gerade verbessert. - Davon – und warum der Nürburgring-Pächter um „Unterstützung und Kenntnisnahme“ bittet, wird nachstehend zu lesen sein, damit die Leser von Motor-KRITIK ein wenig vorgewarnt sind.

Vor Höllen-Jubiläum gibt‘s Chaos-Events

Das „Höllen-Jubiläum“ - die Wortkonstruktion stammt aus einer Anzeige des Nürburgring-Pächters – findet erst vom 16. - 18. Juni 2017 statt und interessiert in dem angedachten Zusammenhang weniger.

Werfen wir doch mal einen Blick auf eine andere Anzeige, in der die „2017 Event Highlights“ vorgestellt werden. Wir haben hier die ersten drei genannten Termine zu „Event-Highlights“ einmal gelb unterlegt. Da geht es dann Schlag auf Schlag. - Das sind dann so genannte „Großveranstaltungen“, die -zigtausende Besucher an den Nürburgring bringen sollen. Der ADAC Nordrhein träumt bei seinem 24h-Rennen alleine von mehr als 200.000 Besuchern.

Auch mit der Freihaltung der Nordschleife für so erwartete Zusatzeinnahmen durch den Touristenverkehr hat sich der Nürburgring-Pächter keinen Gefallen getan. - Ihm geht es um Mehreinnahmen!

Und „Rock am Ring“ ist wieder zurück. Mendig war gestern! - Die Zukunft der Veranstaltung liegt am Nürburgring! - Wirklich? - Soweit Motor-KRITIK die aktuellen Zahlen kennt, ist davon auszugehen, dass dieses Highlight in diesem Jahr nicht ausverkauft sein wird. - Was natürlich auch die Verkehrsströme mindert.

Für das 24-Stunden-Rennen werden die Veranstalter – wie immer in den letzten Jahren – um 200.000 Besucher vermelden. - Die zum Glück nicht kommen werden. Was so vielleicht das Verkehrs-Chaos auch etwas kleiner ausfallen lässt.

Aber dem Nürburgring-Pächter ist durchaus klar, dass er sich mit der dichten Folge von Großveranstaltungen eine Menge Probleme geschaffen hat. Zusammen mit der Polizei hat man nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, mit denen man die erwarteten Verkehrsströme ein wenig lenken kann. Darum gibt es im erwähnten „Mitteilungsblatt Vordereifel“:

„Hinweise auf eine geänderte Verkehrsführung und Flächenvorbereitung rund um den Nürburgring“

Weil dieses „Blatt“ nur regional verteilt wird, möchte Motor-KRITIK die aus anderen Gegenden Deutschlands anreisenden Fans ebenfalls informieren. Am Ende der hier im Umfeld es Nürburgrings schon zu lesenden Information des Nürburgring-Pächters wird darauf hingewiesen:;

„Als Hotline für Probleme anlässlich Veranstaltungen steht Ihnen die Rufnummer 02691/302-220 (Einsatzleitung Nürburgring) zur Verfügung.“

Auch der Veranstalter des 24-Stunden-Rennens hat den Termin-Zwängen ein wenig Rechnung getragen, indem man den Start um 30 Minuten – auf 15:30 Uhr – vorverlegt, womit dieses Rennen dann auch schon am Sonntag um 15:30 endet. - Denn: Wegen der kurz darauf folgenden Veranstaltung „Rock am Ring“ sind eine Menge Aufbauten im Bereich des Fahrerlagers – denken Sie nur an die Bühnen – zu errichten, so dass die Renn-Teams angewiesen wurden, bis Sonntag, Null Uhr, das Fahrerlager geräumt zu haben. - Restlos! - Basta!

Wer jemals in einem Team bei einem 24-Stunden-Rennen im Einsatz war, weiß, dass das von allen Teammitgliedern, die dann praktisch von Samstagmorgen 6 Uhr (Aufstehen) bis Montagfrüh 1 Uhr auf den Beinen sind, eine geradezu unmenschliche Belastung bedeutet. Da ist man dann praktisch 43 Stunden auf den Beinen, wobei der Minuten-Schlaf zwischendurch nur die totale Erschöpfung etwas mindern kann.

Das 24-Stunden-Rennen orientiert sich in seiner terminlichen Platzierung aber schon längst nicht mehr an den Ansprüchen der Aktiven, für die die „Erfinder“ dieses „Tourenwagen-Rennens“ (das war einmal!) "früher" z.B. mit dem 21. Juni jeweils die kürzeste Nacht im Jahr eingeplant hatten.

Die Ansprüche der Marketingabteilungen der Automobilhersteller und der Organisationsabteilung des Veranstalters sind inzwischen wichtiger und bedeutender geworden. - Die Zeiten haben sich geändert! - Die Teilnehmer dürfen nur noch zahlen. - Und das auch inzwischen reichlich!

Zu „Rock am Ring“ wird nicht – wie Motor-KRITIK am 30. März schrieb - „im ‚Bühnenumfeld‘“ ein Lidl-Zelt aufgebaut sein, sondern das ist bereits jetzt gegenüber dem „Lindner Congress & Motorsport Hotel“ aufgebaut – auf der anderen Seite der B 258 – und es wird bis zu „Rock am Ring“ auch eingerichtet und die Regale werden aufgefüllt sein, so dass dann zum Konzertbeginn zwischen 70 und 90 Lidl-Mitarbeiter die Kaufwünsche der Konzertbesucher erfüllen können. -

Diese Lidl-Mitarbeiter werden aus vielen Lidl-Filialen in Deutschland rekrutiert, aber – aus verständlichen Gründen – nicht aus denen des direkten Nürburgring-Umfeldes. - Hier ein paar Ansichten von der „vorübergehenden“ Lidl-Station am Nürburgring:

Bei Lidl hat man sich auf den mit dem Veranstalter geschlossenen Fünf-Jahres-Vertrag berufen, der eben für „Rock am Ring“ Gültigkeit hat und nicht vom Ort der Veranstaltung – Mendig oder Nürburgring – abhängig ist. Und da man am Nürburgring „um jeden Preis“ die Veranstaltung zurück haben wollte, um die man auch schon vor Gericht gerungen hatte, hat man das Lidl-Zelt – wie auch andere Auflagen – akzeptieren müssen, zumal man den Weggang durch – nennen wir es – arrogantes Verhalten selbst verschuldet hatte.

Man sollte bei allem Ringen um ein „Mehr“ niemals eine alte – menschliche - Regel vergessen, die da lautet:

  • „Leben und leben lassen!“

Lidl ist inzwischen wohl auch zu der Ansicht gelangt, nachdem man sich einmal vor Ort umgesehen hat, dass es sich wahrscheinlich lohnen würde, der schon bestehenden Adenauer Filiale ein anderes Format, eine andere Größe zu geben. - Man darf gespannt sein! - Ein Konzern „hat Blut geleckt“!

Nun zu den Sperrungen und Umleitungen während der drei o.g. Termine:

  • 20. Mai. 2017Fisherman‘s Friend Strongman Run: K73 und L94 gesperrt.
  • 27./28 Mai 2017 - ADAC 24-Stunden-Rennen: B412 ab „Hohe Acht“ (Kreuzung L10) bis B 258 gesperrt. L93 am 27. Mai halbseitig gesperrt.
  • 02. - 04. Juni 2017Rock am Ring: K72 vom 02. - 05. Mai, K73 und L93 vom 30.Mai - 05. Juni. gesperrt. L94 und K20/K89 vom 01. - 05. Juni gesperrt. B258 vom 02. - 05. Juni gesperrt.

Zur Ergänzung für die Besucher des 24-Stunden-Rennens:

  • Die B412 wird wegen des hohen Zuschaueraufkommens während der Veranstaltung von Samstag, 27. Mai, 9:00 Uhr bis Sonntag, 28. Mai, 7:00 Uhr vom Abzweig „Hohe Acht“ (Kreuzung L10) bis zur Einmündung auf die B258 für den Durchgangsverkehr gesperrt.
  • Die Umleitungen erfolgen in Fahrtrichtung Nürburg über die L10 Richtung Adenau, dann weiter über die B257 bis „Potsdamer Platz“ über die B258 zur Rennstrecke.
  • Eine andere Umleitung zum Nürburgring führt ab Kreuzung „Hohe Acht“ nach links über die K3 nach Siebenbach, weiter über die K2 nach Herresbach, von dort über die B258 zum Nürburgring.

Die Besucher – die Motor-KRITIK-Leser sind - wird sicherlich weniger interessieren, dass die vorhandenen „Waldschranken“ an der Nordschleife auf eine spezielle „Veranstaltungsschließung“ umgerüstet wurden und dass die Eigentümer von Grundstücken, mit denen eine entsprechende Vereinbarung besteht, u.a. gebeten werden, im Hinblick „auf die knappe Übergangszeit zwischen den Veranstaltungen 24h-Rennen und Rock am Ring“ bei der Planung der notwendigen Reinigungs- und Mulcharbeiten („je nach Vereinbarung“) zu berücksichtigen.

Darum kann ich den Motor-KRITIK-Hinweis auf die ab nächstem Wochenende ablaufenden „Chaos-Events“ am Nürburgring hier enden lassen.

  • „Sind Sie zufrieden, sagen Sie es Anderen; sind Sie es nicht – sagen Sie es mir!“
MK/Wilhelm Hahne

PS: Wenn Sie gleich diese Geschichte aufgerufen haben, haben Sie den Hinweis auf eine Übersichtskarte zu obiger Geschichte verpasst, die ich leider erst mit Verspätung - es war F1 in Barcelona - eingestellt habe. - Schauen Sie bitte dann also noch mal in der Gesamtübersicht von Motor-KRITIK unter "Aktuell" nach dieser Karte. - Ein Leser-Service von Motor-KRITIK!

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1 Kommentar

24h Rennen

Wie "stark" das 24h Rennen dieses Jahr gefragt ist (gerade einmal 160 Starter) sieht man daran, dass man vom Lindner nun aktiv freie Zimmer im Haupthaus angeboten bekommt...

Und 4 (!) Starter in der Klasse V6, die einmal deutlich 2-stellig war sagt auch schon einiges aus.

Übrigens war ich letztes Jahr aufgrund einer sehr späten Anreise an genau dieser Straßensperre gestanden. Ich konnte den "Wärter" nicht davon überzeugen dass ich Teilnehmer am Rennen bin und musste also einen Riesenumweg über die Dörfer nehmen... :(

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