28. Juni 2017: Lieber Leser!

Ich habe vor Tagen mal eine alte Geschichte heraus gekramt, mit der ich daran erinnert habe, was hier bereits vor sieben Jahren in einem „fiktiven Gespräch“ - für und gegen (!) - E-Automobile zu lesen war. Das hat nicht allen Leser gefallen. Aber hier in Motor-KRITIK wird nicht geschrieben was Lesern gefällt, sondern das – und das wäre der Idealfall – die Basis zu einer eigenen Meinungsbildung verbreitert. - Es ist kein Wunder, sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass ich in den Jahren, die sich auch in meinem Alter ausdrücken, mehr erlebt und erfahren habe als jüngere Leser. - Ich bin auch nicht ungehalten, wenn die aufgrund ihrer aktuellen Erfahrungen im Beruf annehmen müssen – ich zitiere hier einen Leser: „Der Erkenntnisgewinn bezieht sich da eher auf die Eitelkeiten des Autors, der es immer schon besser gewusst hat.“ - Nein, ich weiß es nicht besser: Ich weiß es! - Und zwar aufgrund meiner Erfahrung in der Branche. - Wegen bestehender, gewachsener Kontakte zu Menschen dann manchmal auch schon etwas früher. - Ich nehme es niemandem übel, wenn man das – aufgrund persönlicher Erfahrungen und Eindrücke – anders empfindet. - Ich pflege meine Eindrücke, Recherche-Ergebnisse, Meinungen, Erfahrungen, stets ungefiltert widerzugeben. - Natürlich kann ich mich irren, zumindest stelle ich meine begründete Meinung zur Diskussion. - Um zu überprüfen, ob mein erwähnter Leser mit seiner „Zuordnung“ bei meiner Wiederholung der „alten E-Geschichte“ richtig liegt, habe ich noch mal in andere 2010er-Geschichten geschaut. - Ich habe an deren Inhalt meine Grundeinstellung bestätigt erhalten, dass man – wenn man schon eine Meinung hat – die immer klar zum Ausdruck bringen sollte. - Dafür gibt es in 2010 weitere Beispiele, die ich hier mal folgen lasse. - Nicht aus Eitelkeit, sondern damit es meinen Lesern leichter fällt zu begreifen: Motor-KRITIK ist ein Abo wert! - Weil hier „ungefiltert“ Fakten und Meinungen präsentiert werden, unabhängig von der Überlegung, ob sie dem Schreibenden vielleicht schaden könnten. Sie sollen informieren, eine Anregung sein, zu einer eigenen Meinungsbildung anregen. - Mehr nicht! - Ich bin Journalist, kein gut bezahlter Lobbyist! - Motor-KRITIK ist ein Informationsdienst, kein Anzeigenblatt!

28. Juni 2017: Lieber Leser!

Ich habe die Meinung des oben schon zitierten Lesers noch einmal zum Anlass genommen, in sieben Jahre alten Geschichten herum zu klicken. Die müssen ja nicht immer von E-Automobilen gehandelt haben.

Da habe ich eine vom 12. Februar 2010 gefunden, die sich – auch vor sieben Jahren (!) - schon mit dem Problem befasste, dass sich die jeweiligen Marken selber geschaffen haben. - Und weiter schaffen - um die Kosten zu senken. - Da war z.B. am 12. Februar 2010 schon bei mir zu lesen:

„Bei Mercedes ist man noch konsequenter. Man übernimmt nicht Motorenkonzepte, sondern gleich ganz Modellentwürfe von einem französischem Hersteller: Renault. Natürlich wird man die dann als Mercedes verkleiden, wird den "Stern" strahlen lassen. Schließlich war das schon einmal für den Smart vorgesehen. Ein zukünftiges Modell könnte vielleicht der Startpunkt für die Umsetzung sein. Man scheint aber einen Trend übersehen zu haben, der sich an den steigenden Umsätzen von Aldi, Lidl und Co. absehen lässt: Der Kunde (Verbraucher) fällt immer weniger auf die Verpackung herein, sondern achtet neben "inneren Werte" besonders auf den Preis. - Der "Verpackungs-Wirrwarr" trägt nicht nur im Lebensmittelhandel dazu bei, dass sich die Kunden auf ein bestimmtes Merkmal konzentrieren. Da die technischen "Vorlagen" beim kommenden "kleinen Mercedes" dann - nach meinen Informationen (die gerade auktuell von "ams" bestätigt werden) - von Renault herüber gereicht werden, wird es so zu einer Aufwertung von Renault-Automobilen kommen. Da wird dann wohl der Preis zu einer Kaufentscheidung führen müssen. Da in Zukunft "das Original" mit hoher Wahrscheinlichkeit preiswerter zu erstehen sein wird, als die geklonte Version "mit Stern", könnte es schnell zu der Situation kommen, dass es auf dem Auto-Marktplatz schallt: "Vorteil Renault. - Spiel Renault." - Oder was würden Sie unter diesen Voraussetzungen kaufen?“

So konnte es dazu kommen, dass es einen Renault Twingo mit Heckmotor gibt, weil Mercedes zur Weiterentwicklung seines „Smart“ nur einen Heckmotor gebrauchen konnte.

Tatsächlich ist aktuell im Smart der gleiche Motor verbaut, der auch im neuen Twingo (Heckmotor!) seinen Dienst tut. - Leider kann ich den nicht als gelungen empfinden. - Dazu war auch schon – ziemlich aktuell – meine Meinung zu lesen. -

Aber von der Idee zu einem gemeinsamen Motor berichtete ich vor sieben Jahren!

Dass der neue Motor nicht perfekt wurde, führt man bei Renault auf die Anforderungen zurück, die Mercedes an den Motor stellte. Dummerweise wird Mercedes diesen Motor aber wahrscheinlich nach Ablauf des Liefervertrages mit Renault diesen Motor nicht weiter verbauen, den Vertrag nicht verlängern. - Wie aus Stuttgart zu hören, soll es den Smart dann nur noch als E-Version geben.

Das wäre sicherlich eine sehr gut überlegte Entscheidung. Aber nicht im Interesse der Käufer eines Smarts, sondern im Interesse der Firma Daimler-Benz – oder Mercedes – weil der Smart zum „Mix“ beitragen muss, der es der Firma erlaubt, auch in Zukunft unsinnige SUV‘s zu bauen. - Weil die vom Käufer verlangt werden! - Argumentiert man!

Soll ich nun noch durch Angaben ergänzen, wer alles schon derzeit mit wem zusammen arbeitet und damit das eigentliche „Markenbild“ verfälscht? - Kauft man sich z.B. einen Opel, wenn man sich bei den Rüsselsheimern einen Transporter kauft? - Nein! - Das ist eigentlich ein kompletter Renault, einschließlich Renault-Motor! - Aber bei Opel – mit dem Opel-Zeichen – etwas günstiger zu haben!

Aber nun weiter, zum nächsten Thema:

Im März 2010 hat hier in Motor-Kritik eine Geschichte gestanden – also auch sieben Jahre alt (!) – aus der ich hier zitieren möchte:

„An ganz bestimmten Merkmalen lässt sich ablesen, ob ein Unternehmen dabei ist auf die schiefe Bahn zu geraten. Wie bereits erwähnt: Visionen des Mannes an der Spitze sind immer ein starkes Indiz. "Nichts ist unmöglich." "Wir sind die Nr. 1." "Wir sind die Besten, die Rentabelsten, die Effizientesten."

Vermeintlich starke Männer (die großen Schwachen!) umgeben sich gerne mit einem Hofstaat, der ihre Visionen opportunistisch teilt. Eine einmal beschlossene Strategie wird durchgezogen, auch wenn die Firma dabei vor die Hunde geht. Das lernt man aus der Causa DaimlerChrysler. Trotz allergrößtem Einsatz von Ressourcen und Geld bis an die Grenzen der Belastbarkeit geriet es zur Katastrophe. Die Reißleine hätte schon viel früher gezogen werden müssen. Von Kritiken an Schrempp aus den eigenen Reihen wurde nichts publik. Erst gegen Ende der Ära Schrempp erdreistete sich ein Wolfgang Bernhard, "den Daimler" als Sanierungsfall zu bezeichnen. - Was ihn natürlich sofort den Kopf kostete. Als Vorbild nicht nachahmenswert.

Fatalerweise herrscht in lange erfolgreichen Unternehmen die Meinung vor, dass der Erfolg planbar ist. Dies führt zu einer wahren Flut an Strategiegremien, Marktforschungsprojekten, Konzeptaktivitäten und Zukunftsstudien. Bei diesem Aktionismus wird gerne übersehen, dass in der Vergangenheit sehr oft das Glück die Hauptrolle auf dem Wege zum Erfolg spielte. Oder wie das Sprichwort sagt: "Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum". Andererseits, wenn es schief geht, dann waren niemals die Entscheidungen der Vorstände schuld, sondern immer unvorhersehbare Umstände. Ob Wechselkurse oder Börsencrashs, eine Ausrede findet sich immer. - Bei Opel evtl. andere als bei GM.

Es leuchtet ein, dass in einem stromlinienförmig auf Erfolg getrimmten Unternehmen für Eigeninitiative und Kreativität kein Platz ist. Eher schon für Durchsetzungsvermögen, Selbstdarstellung und Wichtigtuerei. Diese Charaktereigenschaften sind unumgänglich, wenn man im Konzert der Alphatiere nicht untergehen will. Politik ersetzt Sachkunde. Erst wenn es richtig knallt, ändert sich vielleicht etwas, wenn die Firma nicht gleich gänzlich von der Bildfläche verschwindet.

Wen erwischt es als Nächsten? Winterkorn greift nach den Sternen (Verschätzt er sich in der Höhe?), Reithofer empfindet sich als Nr.1 im Premiumsegment (Hat er Unsicherheiten im Zahlenraum 1 - 5?), Stadler's Marke ist die begehrenswerteste (Zu viel von Gleichem kann zu Magenverstimmungen führen!) – das kann ein spannendes Kopf an Kopf-Rennen werden. - Nach unten! - Die Richtung ist vorgegeben.

Wettbewerbsvorteil wird so schnell dann ein gravierender Nachteil, wenn man auf das falsche Pferd setzt - gesetzt hat.“

Auch diese Zeilen oben wurden vor sieben Jahren geschrieben. - Waren sie so falsch?

Heute schreibe ich:

Der Einfluss des Marketing ist bei allen Automobilherstellern zu stark geworden. Im Vertrieb müsste man eigentlich wissen wo‘s hakt. - Aber wer traut sich heute dort noch eine eigene Meinung zu haben? - Man schwimmt gerne im Mainstream mit!

Und schließlich ist dann irgendwer der Dumme! - Schließlich kann man nicht alle Statistiken so aufhängen, dass die Kurve nach oben zeigt.

Dann zeigt schon mal der Daumen nach unten! Und man blickt in Richtung eines Verantwortlichen. Auf der „unteren Ebene“ natürlich! - Denn: Der Chef macht keine Fehler!

Lassen Sie mich, lieber Leser, doch nur einmal daran erinnern, was bei VW in Sachen Diesel-Skandal personell so alles passierte. Winterkorn, Neußer, Hackenberg, und – und – und… - Wolfsburg macht daraus eine „unendliche Geschichte“, die man – irgendwie – aussitzen möchte. - Und hofft auf Vergessen!

Und die Presse neigt dazu, die Dinge die dort passiert sind und noch passieren, zu verharmlosen. - Man muss nach vorne schauen! - Auto-BILD stellt heute schon den neuen Golf von 2019 vor! - Was hat der Leser davon, der heute seinen alten Golf-Diesel verkaufen möchte?

Ich weiß: Auch diese Geschichte ist nicht die, mit der man sich Freunde macht. Aber vielleicht Leser ahnen lässt, dass man vielleicht doch Abo-Kosten – oder ist es eine Spende? - aufwenden sollte, um einen „Journalisten alten Stils“ zu unterstützen, der mit seinen aktuell veröffentlichten Recherche-Ergebnissen und Informationen schon mal für Ärger – hier und da – sorgt. - Und in der Vergangenheit immer wieder gesorgt hat.

Und dessen aktuelle Meinung dann – auch in sieben Jahren – immer noch als richtig empfunden werden kann.

MK/Wilhelm Hahne
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