Motorsport: Vorbilder dringend benötigt!

Was macht Menschen zu Vorbildern? - Ihre Erfolge? - Ihr Können? - Ihre menschlichen Qualitäten? - Vielleicht ist es eine Mischung von allem. - Aber wer hat die richtige Mischung? Und wer will beurteilen was richtig ist? - Diese Fragen stellen sich nicht nur im Motorsport. Aber da der Motorsport zu der Thematik dieser Internetseiten gehört, soll folgende Geschichte sich  mit diesem Thema beschäftigen. Zumal am Wochende den Fans wieder eine Menge Motorsport-Veranstaltungen geboten werden. Die Palette reicht von der Formel 1 in Spielberg (Österreich), über die TCR in Oschersleben, bis hin zur VLN am Nürburgring. Und in allen Serien gibt es Fahrer, die sich – irgendwie – aus der Masse der Fahrer herausheben. - Manche werden allerdings heraus gehoben. Dafür sorgen Manager und Agenturen. - Dabei hat es zu allen Zeiten auch Motorsportler gegeben, die „unter Wert“ gehandelt wurden, weil sie sich „nicht verkaufen konnten“. Andere wurden „über den grünen Klee gelobt“, ohne dass sie das in dieser Form wirklich verdient hätten. - Der moderne Motorsport, inzwischen mehr Marketing und Geschäft als Sport, leidet unter dem überzogenen Ausbau der Reglementierungen durch „Profil-Neurotiker“ bei den „Sportbehörden“, braucht daher „menschliche Aushängeschilder“, wenn man ihn als erstrebenswert verkaufen will. Aber braucht man dazu „rundgelutschte Vorzeige-Helden“?

Motorsport: Vorbilder dringend benötigt!

Ich persönlich habe keine Vorbilder gehabt. Es gab Menschen, die mir ob ihrer Leistungen und menschlicher Eigenschaften mehr oder weniger gefielen, sympathisch waren. Aber noch nicht einmal mein Bruder Hubert war für mich ein Vorbild. - Dafür kannte ich ihn zu gut!

Ich habe auch nicht verstanden, wenn man einem Michael Schumacher eine Vorbild-Funktion zuordnete. Er war ein erfolgreicher Rennfahrer. - Na und? - Ich habe ihn „heranwachsen sehen“, habe schon sein Talent empfunden, mochte aber nicht seine Art von „Durchsetzungsvermögen“ und seine „politischen Spielereien“ im Team.

Zu dieser Zeit empfand ich z.B. einen Heinz-Harald Frentzen als den talentierteren Motorsportler! Der aber – außer der Formel 1 – eigentlich auf seinem Weg dahin wenig ernst genommen hat. Er war kein Politiker, Taktiker – einfach nur Rennfahrer, wollte seinen persönlichen Spaß!

Und damit sind wir eigentlich schon bei einer öffentlichen Bewertung, die wohl niemals wirklich objektiv ist. Wir begeistern uns an Teilaspekten! - Wir kennen aber nur die, die öffentlich sind – oder werden!

Im Moment geht Sebastian Vettel durch ein öffentliches Fegefeuer. Er ist – eigentlich ein guter Rennfahrer – dem Lewis Hamilton mit einem „Wut-Rempler“ ans Auto gefahren. - Absichtlich! - Das ist keine Frage. - Und Vettels menschliches Verhalten – in diesem Fall und direkt danach - zeigt eigentlich, wer er wirklich ist: Kein Vorbild! - Aber ein erfolgreicher und guter Formel 1-Fahrer!

Aus meiner ganz persönlichen Sicht, ist Sebastian Vettel ein deutscher Rennfahrer, der sich auch einer Rennstrecke evtl. auch mal so artig benimmt, wie das andere Deutsche am „Ballermann“ auf Mallorca tun. - Vettel steht aber unter „Fernseh-Aufsicht“! - Er hat sich bei Lewis Hamilton und den Motorsport-Fans für sein Handeln in Baku entschuldigt! - Aber warum tut er das?

Weil er merkt, dass die öffentliche Meinung gegen ihn ist. Alle seine Berater scheinen ihm zu einer öffentlichen Entschuldigung zu raten. Aber hat Sebastian Vettel eigentlich selbst begriffen, dass er einen Fehler gemacht hat?

Motor-KRITIK meint: Nicht wirklich!

Sebastian Vettel zeigt „nach außen“ Reue, weil er sich einsichtig geben muss, wenn er z.B. dem Motorsport-Verband FIA gefallen will. Dabei ist dessen Präsident auch nicht unbedingt den Vorbildern zuzurechnen.

„Sportler müssen sich dessen bewusst sein, welchen Einfluss ihr Verhalten auf jene haben kann, die ihnen zuschauen.“

Das sagte Jean Todt. Und streicht Sebastian Vettel aus der FIA-Kampagne für Straßensicherheit. - Gut,  dass Jean Todt kein wirklicher Sportler war. Er war zwar im Motorsport erfolgreich, aber wurde er damit auch zu einem Vorbild? - Für wen? - Warum?

Muss Sebastian Vettel ein Vorbild sein? - Nein! - Es würde genügen, wenn er ein guter Rennfahrer wäre. - Er ist schnell! - Aber nicht immer der Schnellste. Ein Vorbild-Rennfahrer ist er eigentlich nicht. Das beweist auch sein „Ausraster“ in Baku. - Er ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Talenten und „Macken“, ein Mensch eben, der trotz seiner motorsportlichen Erfahrung offensichtlich dann bestimmte Dinge nicht begreift, wenn er den Sturzhelm auf hat.

Es ist für mich unvorstellbar, dass man einem Lewis Hamilton böse sein kann, weil der am Ende einer Safetycar-Phase nach der letzten Linkskurve vor der Start- und Ziellinie in Baku nicht voll beschleunigte, sondern „vom Gas ging“.

Für jeden normalen Rennfahrer war das eine „normale Reaktion“, wenn er die folgende lange Gerade kennt. - Meint Motor-KRITIK! - Ich persönlich wäre Lewis Hamilton in dieser Situation nicht (fast) ins Heck gefahren. Weil das Verhalten von Lewis Hamilton einfach vorhersehbar war.

Hätte Hamilton „voll beschleunigt“, wovon Sebastin Vettel in falscher Einschätzung der Situation wohl ausging, dann hätte er – bei der Länge der vor ihm liegenden Geraden – wohl das Safety-Car „vor der Linie – die das Sportgesetz vorgibt – überholt. Als ein Rennfahrer, der in gewisser Weise „komplett ist“, musste er das übersehen und entsprechend handeln.

Aber Sebastian Vettel war (mit Helm!) einfach zu kurzsichtig, hat sein Handeln, seine Reaktion zum Maßstab genommen. Er hat reagiert wie ein Rennfahrer mit „Kurzschluss“!.

Und wenn er nun, in der öffentlichen Situation klein beigibt, dann nicht etwa, weil er seinen Fehler einsehen würde, sondern weil er begriffen hat, dass dieser Fehler ihm nachhaltig schaden könnte.

Angela Merkel würde auch nicht anders handeln! - Sie war für Atomkraft. Sie war gegen Atomkraft. - Sie ist für – oder gegen – etwas. Es darf ihr nur nicht schaden. - Ehe für Alle? - Na klar, bitte! (Und sie stimmt mit Nein!)

In gleicher Weise ist auch Sebastian Vettel jetzt beraten. Und er verhält sich entsprechend. Das ist eigentlich verlogen. Denn er glaubt sicherlich immer noch daran, dass Lewis Hamilton ihn bewusst zu einem Fehler verführt hat.

Dabei war dessen Verhalten einwandfrei und vorhersehbar. - Wenn man denn wirklich ein „kompletter Rennfahrer“ ist. - Sebastian Vettel ist es (noch) nicht!

Er sollte die besseren Voraussetzungen eines Lewis Hamilton anerkennen, sich entsprechend verhalten. Auch ein Lewis Hamilton ist ein Mensch, macht Fehler - in seiner Freizeit. - Wirklich? - Wenn das so wäre, dann müsste Sebastian Vettel genau diese „Fehler“ ausnutzen.

Aber es sind nur „Fehler“, die die Öffentlichkeit Hamilton ankreidet, weil sich so kein Sportler „mit Vorbildfunktion“ verhalten sollte. - Wer bestimmt eigentlich was richtig ist?

Hamilton ist jemand, der als Mensch von einer breiten Öffentlichkeit nicht begriffen wird. Er ist nicht nur ein Ausnahme-Talent, sondern verhält sich aus Sicht der „normalen Menschen“ auch sonst ungewöhnlich.

Sebastian Vettel ist dagegen ein liebenswerter „Normalo“. War ihm derzeit fehlt, ist die Souveränität, die faktische Überlegenheit Hamiltons anzuerkennen, auf seine Chance zu warten – und sie „eiskalt“ zu nutzen. Wir kennen nur eine Seite des Sebastian Vettel, er lebt ein „öffentliches“ und ein „privates“ Leben. Er verbirgt zu viel von sich, so dass so ein Verhalten wie sein „Ausraster“ in Baku dann erschreckt und erstaunt.

Lewis Hamilton ist „immer öffentlich“ Um es klar und unmissverständlich zu sagen:

  • Lewis Hamilton ist der „komplettere Rennfahrer“ und hat „Persönlichkeit“, wenn man ihn mit Sebastian Vettel vergleicht. Seine Art kommt in der heutigen Zeit, in der man gerne Abhängigkeit demonstriert – um belohnt zu werden - nicht gut an. - Selbst bei seinen „Chefs“ nicht, die eigentlich von ihm abhängig sind!

Trotzdem: Weltmeister in der Formel 1 wird nicht immer der bessere, sondern – schon mal – der glücklichere Rennfahrer.

Nur darauf kann ein Sebastian Vettel hoffen. - Er ist nicht der Bessere! - Wenn man es realistisch betrachtet, noch nicht einmal in seinem Team!

Und er sollte auch nicht so tun! - Wenn er schon Vorbild sein möchte, dann sollte seine Darstellung von „Vorbild“ schon in allen Teilen echt sein.

Aber was ist im modernen Motorsport noch echt?

Vielleicht wird darum Lewis Hamilton als ein Fremdkörper empfunden!

MK/Wilhelm Hahne
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