Osterbrief 2012: Lieber Leser!

Keine Angst. Es wird keine Osterbotschaft. Aber ich möchte mich für das steigende Interesse an meiner Berichterstattung mal bedanken. Motor-KRITIK ist sicher ein kleiner, aber sehr engagiert gemachter Informationsdienst. Ich hoffe, dass Sie das auch so empfinden. Und so möchte ich jetzt, kurz vor Ostern einfach mal schreiben; so wie man guten Freunden vor Weihnachten und Neujahr auch mal schreibt. Also:

Osterbrief 2012: Lieber Leser!

Ich habe gestern die längste Geschichte auf diesen Seiten veröffentlicht, die jemals hier bei Motor-KRITIK erschienen ist. Ausgedruckt wären das sicherlich deutlich mehr als 30 DIN-A4-Seiten. Nach Einschätzung moderner Chefredakteure eine „unmögliche“ Geschichte. - Man könnte daraus auch ein kleines, aber feines Buch machen.

Bei dieser Gelegenheit habe ich dann gleich die Grenzen des Systems ausgelotet. So lang sollten kommende Geschichten nicht mehr werden. Es gab technische Grenzen, ich bin an die Grenzen dieses Systems gestoßen. Aber ich habe den Computer (und das System) überlistet. Auch mit Hilfe meiner Computer-Freunde. - Dabei ging dann der Tag gestern drauf.

Es gibt aber auch andere Argumente, die gegen lange Geschichten sprechen.

Kurz muss es heute sein, man darf die Leser, Seher, Hörer nicht überfordern. Die Leute können sich heute nicht mehr so lange konzentrieren. - Höre ich. Von erfahrenen Medienfachleuten. Ein Beitrag im Hörfunk: Bitte nicht über drei Minuten. Ein Fernsehbeitrag von größerer Länge sollte auch schon etwas ganz Besonderes sein. Sonst gilt auch hier: Drei Minuten.

Bei Zeitschriften und Zeitungen ist das ähnlich. Möglich viele Themen, kurz und knackig, auf möglichst wenig Seiten (an die Papierkosten denken!) anreißen. BILD gibt den Ton an. Für Hintergrundgeschichten zu den Schlagzeilen fühlen sich nur wenige Magazine zuständig.

Und bitte die Interessen der Industrie, des Handels, der Anzeigenkunden nicht vergessen! Natürlich gibt es Geschichten, die mit „Vergleichstest“ überschrieben sind. Und es werden auch sachlich die Fakten präsentiert. Einer gewinnt immer. Aber dann gibt es am Ende meist noch ein kurzes „Fazit“, indem dann relativiert wird. Das Ergebnis da: Eigentlich ist jedes Auto gut. Das eine hat die, das andere hat andere Vorzüge.

Warum wurde getestet? - Ich weiß es nicht. Zumal mir (oft) fehlt, dass Zahlen, die man objektiv ermittelt hat, nicht hinterfragt werden; man geht nicht den Dingen auf den – technischen – Grund. Das ist so, als wolle man das nicht. - Oder kann man es nicht? - Offizielle Argumentation: Man möchte den Leser nicht mit technischen Details überlasten. - Interessiert die Technik heute die „Generation der Neuen Zeit“ nicht mehr?

Und so sind sich die Tests – irgendwie – alle ähnlich. Schade. Das sollte z.B. bei einer Fachzeitschrift nicht vorkommen. Aber es ist – zugegeben – auch schwierig, setzt eine Menge Erfahrung im Markt voraus, denn man müsste eigentlich nicht nur das Testobjekt, sondern auch durch die „Beschreibung“ die richtige Darstellung für die angepeilte Käuferschicht finden.

Das kostet Zeit in der Vorbereitung. Da braucht man manchmal auch sicherlich mehr Platz. Im Heft. Aber es gibt noch einen „Anzeigenschlüssel“, der den redaktionellen Umfang einer Ausgabe vom Anzeigenanteil abhängig macht. In diesem Zusammenhang muss man dann auch den Verkaufspreis einer Zeitschrift am Kiosk empfinden.

Motor-KRITIK ist kostenlos, hat keinen Anzeigenteil, ist unabhängig. Das macht meine Seiten für bestimmte Industriekreise unangenehm. Es gibt bei mir auch nicht die berühmte „Schere im Kopf“, die einfach das abschneidet, was irgendwo zu Ärger führen könnte.

Manche Firma wäre überrascht, wenn sie wüsste was ich weiß. Ich beziehe das auf Hintergründe, die mich als Journalisten betreffen. Da wurden hier und da schon mal wirklich große Beträge aufgewendet, um mich als Mitarbeiter bestimmter Objekte ins Abseits zu stellen. Das ist tatsächlich immer gelungen. - Geld ist eben immer noch eine bedeutende Macht. - Und beeindruckt Schwächlinge.

Aber meine Motor-KRITIK-Seiten im Internet, die hat man nicht ausradieren können. Und weil die offenbar von vielen Meinungsbildnern gelesen werden, sind sie für manche Führungskräfte der Industrie unangenehm, da nicht kalkulierbar. - Zum Glück gibt es aber bei der Industrie auch Führungs-Persönlichkeiten! - Deren Qualitäten misst sich nicht an der Höhe ihres Einkommens.

Nun schauen wir mal auf die Zugriffszahlen bei Motor-KRITIK: Ich habe sie jedem Leser zugänglich gemacht. Der kann – wenn er will – sozusagen nachschlagen, welche Geschichte sehr gut beim Leser ankommt. Das sind auf diesen Internetseiten nicht unbedingt die kurzen Geschichten. Die Leser auf meinen Seiten mögen es offensichtlich ausführlich, umfassend, Zusammenhänge herstellend – aber kompetent.

Die seit Oktober 2011 auf diesen Seiten meistgelesene Geschichte ist mit über 11.000 Klicks eine „ellenlange“ und den Leser fordernde Allradgeschichte. Das hat mich – ehrlich! - überrascht. Mich überrascht auch die „Qualität“ der Kommentare. Und bei vielen ihre Länge. - Ich finde das gut und bin froh, dass wir uns im Team – nach einigen Diskussionen – dazu durchgerungen haben Kommentare zuzulassen.

Sehr oft ist das nämlich schon problematisch. Nicht bei Motor-KRITIK und offensichtlich deren kleinen und feinen Leserschaft. - Danke! - Wenn Sie also mal schreiben möchten: Sie befinden sich in guter Gesellschaft.

Sie können bei mir die neuesten Kommentare anklicken, aber auch die von den Lesern bestbewerteten mit einem Klick erreichen. Meine Internet-Seiten sind für meine Leser „durchsichtig“. - Kennen Sie vergleichbare?

Na ja, auf jeden Fall wohl keine, auf denen so lange Geschichten veröffentlicht werden wie z.B. den seit gestern auch für Sie anklickbaren Vergleich: „Strom oder Benzin – eine Glaubensfrage?“

Trotz der Länge kann die nicht vollkommen sein. Wenn Ihnen etwas nicht klar ist: Schreiben Sie, fragen Sie. Wir – und ich meine jetzt alle die, die an diesem Thema über Monate (!) mitgearbeitet haben – antworten gerne. Denn diese Geschichte ist natürlich eine Teamarbeit, deren Details auch intern vor der Veröffentlichung diskutiert wurden. Vieles ist nämlich tatsächlich – gerade bei diesem Thema – eine Glaubensfrage, wie wir an uns feststellen mussten. - Auch ich musste mich z.B. von einigen Vorurteilen – über Jahre gewachsen - frei machen.

Ich habe aber noch – für die nächsten Tage – eine kürzere Geschichte  in Vorbereitung. Ich hoffe, dass ich sie (kurz vor?) Ostern fertigstellen kann. Es wird für Sie – die Mehrheit meiner Leser - sicherlich eine kleine Oster-Überraschung sein. Andere werden finden, dass ich da aber einigen Leuten ein „Ei ins Nest gelegt“ habe.

Diese Geschichte wird aber hoffentlich auch meinen Freunden in der Region wieder ein wenig Hoffnung geben, sie in ihrer Grundeinstellung stärken, sie aus der Resignation reißen. - Bitte durchhalten!

Schauen Sie also auch über Ostern ab und zu mal rein. (Wenn Sie nicht das RSS-Feed nutzen, das Ihnen automatisch zeigt, wenn's was Neues gibt!)

Ich wünsche Ihnen allen ein Frohes Osterfest!

Und seien Sie versichert:

Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne

Natürlich kennen Sie schon meine Feststellung und Meinung:
Nero hat Selbstmord begangen. - Kurt Beck sollte einfach zurücktreten.

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7 Kommentare

von Thomas erstellt am 5 April, 2012 - 11:57

Aber Herr Hahne, natürlich sind sie für die Industrie kalkulierbar. Wenn Sie einen Mangel finden, nennen sie ihn schonungslos beim Namen. Ohne Rücksicht auf Anzeigenkunden.

von Marc Schmitz erstellt am 5 April, 2012 - 13:27

Sehr geehrter Herr Hahne,

ich lese Ihre Artikel gerade weil sie tiefgründiger und dadurch bedingt auch länger sind.

Motor Kritik lesen ist wie einen guten Rotwein trinken oder eine Zigarre rauchen. Das Fast Food Feld können Sie auch gerne weiterhin anderen überlassen.

Ich wünsche Ihnen frohe Osterfeiertag!

von T.Fahrt erstellt am 5 April, 2012 - 16:10

Frohes Osterfest!
Vielleicht eine Anregung: Toll wäre, wenn die "Geschichten" als PDF erhältlich wären. Nicht nur ich könnte sie dann offline auf meinem E-Book Reader lesen. Als sehr schön empfinde ich, dass wieder Automobile Themen einen Platz bekommen. In unserer Demokratie reicht es alle vier Jahre sein Kreuz zu machen, damit die Parteien zu Ihrem Geld kommen.

von Markus erstellt am 5 April, 2012 - 18:02

hallo Herr Hahne,
das bedanken ist ja heutzutage eher eine ungewöhnliche Geste.
aber wenn Sie sich schon für das gelesen werden bedanken, bedanke ich mich bei Ihnen für die vielen gut recherchierten Artikel die Sie uns, Ihren Lesern, zur Verfügung stellen und die es in dieser Form, wohl aus den von Ihnen genannten Gründen, eigentlich nirgends anders so zu lesen gibt.
und auch von mir ein schönes Osterwochenende.
viele Grüße

von Eugen erstellt am 5 April, 2012 - 18:30

Lieber Herr Hahne,
haben Sie vielen Dank für Ihre Arbeit und Ihren Einsatz. Bitte geniessen Sie die Feiertage,
der Alltag kommt rasch genug wieder..
Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern frohe Ostern
Viele Grüsse E.T.

von Stephan Koch erstellt am 5 April, 2012 - 21:03

Lieber Herr Hahne,

ich kann ihnen das eine versichern, dass auch die junge Generation an technischen Zusammenhängen interessiert sind. Ich bin grad ein solches Beispiel, das die immer zunehmende techische Entwicklung kritisch begutachtet und somit deutsche Hersteller aus dem Ranking fallen.

Daher: Machen Sie und Ihr Team weiter so! Es ist ein Hochgenuss Ihre Geschichten und Kolumnen zu lesen, die die Marke Qualitätsjournalismus verdienen.

In diesem Sinne, auch für Sie ein erholsames und schönes Osterfest!

Viele Grüße aus dem Nürnberger Land,

Stephan Koch

von Ulli erstellt am 5 April, 2012 - 22:46

Vom Guten nur das Allerbeste
das wünsch ich Ihnen zum Osterfeste!
Möge es vor allen Dingen
Freude und Entspannung bringen.

Demokratie ist die Freiheit, wählen zu dürfen wer einen diktiert!

Weiterhin beste Gesundheit damit wir alle noch sehr lange von Ihnen lernen dürfen.

Ulli

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