„Das rollende Rad des Verfahrens“

Es hinterlässt inzwischen Spuren. Auch bei der „Rhein-Zeitung“, die einen „Offenen Brief“ der Betriebsräte der Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH und der insolventen Nürburgring GmbH veröffentlicht, der aber nicht der Diktion „der Mitarbeiter des Nürburgrings“ entspricht, in deren Namen dieser „Offene Brief“ auch veröffentlicht wird. Hier spürt man die routinierte Arbeit eines PR-Mannes, spürt – wie auch die Formel 1-Fahrer am letzten Wochenende in Silverstone...

„Das rollende Rad des Verfahrens“

In Silverstone flogen die Fetzen. Kann sein, dass aus diesen Vorfällen auch die Formel 1-Veranstaltung am kommenden Wochenende auf dem Nürburgring einen Schaden davonträgt.

„Das rollende Rad des Verfahrens“ stellt aber eine größere Gefahr für den Nürburgring dar, weil diese Art der Darstellung die Ohnmacht der Arbeitnehmer am Nürburgring offenbart, die abhängig von den jeweiligen Betreibern zum Spielball der Mächte (und Mächtigen) werden.

Wenn man der aktuellen Darstellung der „Rhein-Zeitung“ Glauben schenkt, gehört auch die Gewerkschaft „v.erdi“ dazu. Dieser „Offene Brief“ wird nämlich nach Darstellung der größten – weil einzigen Tageszeitung in der Region – von der Gewerkschaft verbreitet.

Die Essenz dieses Briefes:

Der Verkauf des Nürburgrings ist zu akzeptieren.
Kritik gefährdet dessen Zukunft – auch die der Mitarbeiter.

Das kann als Warnung an Otto Flimm und seinen gemeinnützigen Verein „JA zum Nürburgring“ empfunden werden und ist sicherlich auch so gemeint.

Wie es in dem Brief heißt – den meine Leser im Anhang als von Motor-KRITIK gestaltete pdf-Datei finden – sind:

„die Regelungen aus dem Beihilfe-/ und dem Insolvenzrecht als Grundlage des Verkaufsprozesses … definiert und die Erklärungen aus der Politik hierzu … eindeutig.“

Hier werden wieder einmal – der Wirkung wegen – Beihilfe- und Insolvenz-Recht vermischt und die Nürburgring-Mitarbeiter als durch die öffentliche Kritik Geschädigten hingestellt. Exakt von jenen, die die Abhängigkeit von eigentlich Schutzbefohlenen ausnutzen, um z.B. angeblich durch sie diesen „Offenen Brief“ entstehen zu lassen.

Am kommenden Wochenende ist das Interesse der Öffentlichkeit durch die Formel 1-Veranstaltung auf den Nürburgring gelenkt. Es kann sein, dass der Unwillen der Formel 1-Piloten, über die Gefahr die von platzenden Reifen ausgeht in Silverstone ausgeht, jetzt am Nürburgring zu einem Streik führt.

Auch der wird die inzwischen aufgeklärten Fans des Nürburgrings kaum von Aktionen abhalten können, die auf die kritische Situation des „Rings“ - ausgelöst durch politische Fehlentscheidungen – aufmerksam zu machen versuchen. Genauso wenig wie ein „Offener Brief“, der eigentlich nur die Schwäche der Nürburgring-Belegschaft aufzeigt, die vorher zu keiner Zeit auf die Barrikaden gegangen ist, auch wenn die politische Unvernunft zu abenteuerlichen Entscheidungen führte, die eigentlich auch vom Dümmsten erkannt werden mussten.

Nichts ist passiert! - Der „Unsinn“ ist zu einer Affäre, einem Skandal ausgewachsen, der inzwischen von Gerichten durchleuchtet wird. Andere möchten jetzt einfach vergessen. Man möchte quasi ohne die Vergangenheit aufzuarbeiten in eine glückliche Zukunft starten.

Schlafen kann gesund sein – und Träume kann man nicht verbieten!

Die unsinnigen Bauwerke am Nürburgring sind Realität. Auch mögliche neue Käufer werden sie – über kurz oder lang – als Belastung empfinden. Wie passt da das Gefasel von einem positiven Abschluss von momentan geführten Tarifverhandlungen? - Eine zu große Belegschaft ist eine zu große Belegschaft!

Zur Erinnerung:

Warum wurde die Nürburgring GmbH insolvent?
Wer verantwortet diese Insolvenz?

Und jetzt sollen die Kritiker schweigen? - Es geht darum, mit konstruktiver Kritik zu einem normalen Denken und Handeln in dieser Eifel-Region zurück zu finden, nicht darum, offensichtlich einfältige aber clevere Politiker – mit noch pfiffigeren Beratern – aus ihrer Verantwortung zu entlassen.

Das ist aber das Ziel, dem man nun – wer auch immer - mit einem „Offenen Brief“ zuarbeiten möchte. Mit Hilfe einer Belegschaft, die offenbar „das rollende Rad des Verfahrens“ und die Gefahren die daraus erwachsen, nicht mitbekommen hat.

Es wird sie überrollen!

MK/Wilhelm Hahne
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