„ams“: „...haben wochenlang … gesprochen“

Die Verlagsspitze der „Motor Presse Stuttgart“ und Gruner und Jahr, Hamburg (mit 59,9 Prozent-Beteiligung am Stuttgarter Verlag) haben es nicht so gerne wenn man von „ams“ spricht, sondern erwarten schon das Niederschreiben (oder Aussprechen) des Titels in epischer Breite. Nur passte so ein langer Titel nicht in die Titelzeile bei Motor-KRITIK, sei aber hier darum – auch um Missverständnisse auszuschließen - „ausführlich“ notiert: „auto motor und sport“. Aktuell liegt seit Freitag (4.10.) Heft 21 am Kiosk. Nach dem Kauf am Samstag ist mir nicht nur auf Seite 3 im „Editorial“ des 50-Prozent-Chefredakteurs Ralph Alex aufgefallen, was dann hier zum Titel wurde.

„ams“: „...haben wochenlang … gesprochen“

Mir hatte zunächst am Zeitungsstand eine oben über den Heftrand herausragende Beilage mit dem Hinweis „40 Extra-Seiten Audi-Trends in Design und Technik“ ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Beim Herausziehen entpuppte es sich dann auch als „'auto motor und sport'-SPEZIAL – Ein Extra mit Unterstützung von Audi“. Auf dem Titel der „Audi Sport Quattro Concept“, wie er auf der IAA (dieses Mal mit rückläufigen Besucherzahlen gegenüber der letzten) präsentiert wurde.

Der auf dem Titel angekündigte „Report“ („Wie der neue Audi Sport Quattro Concept entstand“) entpuppt sich im Inneren als eine 4-Seiten-Geschichte, die von Fotos beherrscht wird und mit 56 Zeilen Text informiert. Ein moderner Report, in dem man z.B. den Namen Wolfgang Dürrheimer vergeblich sucht. Immerhin war der vom 1. September 2012 bis 30. Juni 2013 Entwicklungsvortand bei Audi.

Der Name findet sich aber auch sonst nicht auf den 40 Extra-Seiten. Dürrheimer, immerhin noch mit dem Titel „Generalbevollmächtigter für den Konzern-Motorsport“ bekleidet, scheint konzernintern dem Vergessen preisgegeben. Eigentlich hatte er nur getan, was man von einem guten Entwickler und Ingenieur erwartet: Er hatte sinnlose Ansätze eingestellt, nicht primär Marketing- und PR-Gedanken in den Vordergrund seiner Entscheidung gestellt.

So waren denn bei Audi die E-Autos aus dem Entwicklungsprogramm verschwunden. - Und bald darauf dann auch Dürrheimer bei Audi als Entwicklungsvorstand. Er hatte das moderne „Automobilgeschäft“ offenbar nicht begriffen.

Diesen Vorwurf kann man den neuen Chefredakteuren bei „auto motor und sport“ nicht machen. Schon auf Seite 3 verkündet Mit-Chefredakteur Ralph Alex zum Thema „Rettet den Ring“:

„...Mein Chefredakteurs-Kollege Jens Katemann und unser Motorsportexperte Claus Mühlberger haben wochenlang mit Verantwortlichen und den Strippenziehern hinter den Kulissen gesprochen. Das Ergebnis ist ein großer Insider-Report...“ -

Da habe ich dann gleich zur Seite 24 weitergeblättert, wo sich dann der „große Report“ als eine 3-Seiten-Geschichte mit weniger als 4 Spalten Lauftext entpuppt.

Man deutet ein „wahrscheinliches Szenario“ an (mit Fragezeichen) und schreibt z.B. schon im zweiten Absatz zum Nürburgring:

„...der im Juli 2012 Insolvenz anmelden musste, und zwar wegen wettbewerbsrechtlicher Vorschriften der EU...“

Da ist man dann erschrocken, weil man das wirklich nicht mitbekommen hatte. Ich hatte bis zum Lesen dieses in wochenlanger Arbeit recherchierten Reports der lt. Visitenkarte ausgewiesenen Fachleute immer gedacht, dass die Insolvenz durch die Zahlungsunfähigkeit der Nürburgring GmbH und ihrer Satelliten-GmbH's begründet war. Man konnte die Zinslast der Kredite nicht mehr stemmen, die durch die visionären Vorstellungen der Regierenden in Rheinland-Pfalz inzwischen aufgelaufen waren. Immerhin gehörte 90 Prozent der Nürburgring GmbH dem Land Rheinland-Pfalz. Die GmbH war also quasi eine „Landestochter“. Chef am Ring (nicht „im Ring“) war deshalb Kurt Beck, der sich durch Mitglieder seiner Regierung im Aufsichtsrat vertreten ließ.

Und Kurt Beck hat sich nach der Insolvenz der GmbH's auch brav vor dem Mainzer Landtag mehrfach entschuldigt. - Es tut ihm ja soooo leid. - Und nun will er vom Nürburgring auch nichts mehr wissen. Er und seine Partei (die SPD) möchten sie für die (Wahl-)Zukunft aus ihrer Erinnerung streichen.

Beck und seine Crew der Ahnungslosen haben sich anwaltlich beraten lassen und nach langem Zögern dann dem Vorschlag – und dem sich daraus ergebenen Drehbuch – zugestimmt: Insolvenz in Eigenverwaltung. Für die NürburgringGmbH u.a.. - Für Kurt Beck wird das Argument „Bauchspeicheldrüse“ genutzt. - Rücktritt!

So kamen dann die Herren Professor Dr. Dr. Schmidt als Insolvenz-Geschäftsführer und Jens Lieser als -Sachwalter ins Spiel, das sie – wie man beobachten kann – perfekt beherrschen. Zur rechten Zeit immer mit den genau passenden Informationen an die Öffentlichkeit. Möglichst über bedeutende Meinungsbildner verbreitet. Zum Beispiel die Heimat-Postille „Rhein-Zeitung“ oder die Auto-Illustrierte „auto motor und sport“. - Oder Deutschlandfunk und SWR.

Eindrucksvoll schildern die „auto motor und sport“-Autoren Katemann und Mühlberger – nach wochenlangen Recherchen – die Art der Eifel-Bewohner:

„In ihrer Widerborstigkeit erinnerten die Eifel-Bewohner ein bisschen an die Bewohner jenes kleinen gallischen Dorfes, das bei Asterix und Obelix den Römern das Leben schwer machte.“

Immerhin haben die Autoren wohl neben „Micky Maus“ (engl. „Mickey Mouse“) auch „Asterix und Obelix“ gelesen und offenbar in den „wochenlangen“ Gesprächen mit „Verantwortlichen und Strippenziehern“ den richtigen Eindruck gewonnen.

Auch den, dass es wohl am besten wäre, wenn eine Stiftung unter Leitung des ADAC den Nürburgring kaufen würde. Dazu gab es schon vor langer Zeit eine „interne Sprachregelung“ unter den Insolvenz-Sachwaltern (und dem PR-Beauftragten Pietro Nuvoloni), die wohl nun zur öffentlichen Anwendung kommt, nachdem auch bei Motor-KRITIK dazu eine klare Richtung zu erkennen sind. In der aktuell noch laufenden Umfrage auf diesen Internetseiten würde gerne von der Leserschaft von Motor-KRITIK:

  • 25 Prozent den ADAC
  • 13 Prozent eine gemeinnützige Stiftung
  •   9 Prozent Industriefirmen

als Käufer sehen. Nur:

  • 1 Prozent würden gerne einen ausländischen Staat
  • 2 Prozent ein anderes deutsches Land (z.B. NRW)
  • 3 Prozent eine private Investorengruppe
  • 3 Prozent einen einzelnen Privat-Investor
  • 3 Prozent eine andere (konkurrierende) Rennstrecke

von insgesamt bisher 514 abgebenen Stimmen würden gerne o.g. Käufergruppen bevorzugen. Immerhin

  • 42 Prozent der abstimmenden Leser sind gegen einen Verkauf

des Nürburgrings. Der auch keinen Sinn macht, selbst wenn einer der damaligen Minister (Hering) aus dem Kabinet von Kurt Beck, aktuell im Landtag als Fraktionsvorsitzender der SPD in Verbindung mit den neuen Haushaltsberatungen auf die durch den Verkauf des Nürburgrings zu erwartende Millionensumme positiv verweist.

Im „großen Insider-Report“ von „auto motor und Sport“ wird auf ein Gutachten verwiesen, nachdem der Verkehrswert des Gesamtangebots Nürburgring auf

98 – 126 Millionen Euro

geschätzt wird. „auto motor und sport“ nennt als realitischen Kurs allerdings auf Seite 26 dann

40 – 75 Millionen Euro.

Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser hat dem Koblenzer Landgericht als Zeuge in einer Verhandlung gegen „Verdächtige“ in Sachen Nürburgring ein Gutachten präsentiert, dass den Verkehrswert mit

77 Millionen Euro

ermittelte. Versucht man einmal zu addieren, was die Gesamtanlage in ihrer Entstehung zu ihrer heutigen Größe gekostet hat, dann erhält man rechnerisch einen Betrag

von mehr als 700 Millionen Euro.

Dieser Meinung ist man übrigens auch im „Teaser“ der KPMG, wo man auf Seite 24 zum „Projekt RING“ lesen kann:

„Der Wiederbeschaffungswert der Infrastruktur (ohne Marken- und andere IP-Rechte) erreicht einen Betrag von € 700 Mio. unter Berücksichtigung der heute zu erwartenden Kosten für die Errichtung der Nordschleife (analog der Kosten eines Kilometers Autobahn), der indextierten Kosten für die Grand-Prix Strecke und des Projekts 'Nürburgring 2009'.“

Was soll also der Verkauf? - Und was soll ein neu geschaffenes Gesetz, das einen neuen Besitzer des Projekts Nürburgring dazu verpflichtet, die

„diskriminierungsfreie Benutzung zum Zwecke des Sports, von Touristenfahrten und von Testfahrten gegen angemessenes Entgelt zu gewähren“?

Man erinnere sich doch nur der streitbaren Auseinandersetzungen zwischen Privatunternehmern und der ehemaligen Landesgesellschaft zu diesem Gesamtthema. Man will nun andere dazu zwingen, wozu man selbst nicht bereit war. - Ein bezeichnendes Licht wirft doch die „Ring-Taxi“-Lösung in ihrer aktuellen Form auf die Grundeinstellung der Mainzer Politiker.

Wie man überhaupt jetzt alle jemals vorhandenen – und entstandenen – Schwachpunkte zu Lasten der evtl. Kaufinteressenten zu beseitigen hofft. Da denkt man sogar daran – lt. „auto motor und sport“ - eine Privatstraße – die der Nürburgring nach dem Kauf eines Privatkäufers wäre - „im weitesten Sinne“ zu einer „öffentlichen Straße“ zu erklären und

„die Einhaltung der Verkehrsregeln auf der Nordschleife“ durch die Polizei „ganz besonders pingelig“ (schreibt man in „auto motor und sport“) überwachen zu lassen.

Bei „auto motor und sport“ erwähnt man sogar, dass die Inbetriebnahme der Achterbahn „ring°racer“, die natürlich (nach „auto motor und sport“-Recherchen) „nun bald in Betrieb gehen wird“, die Heizkosten im „Boulevard“ beeinflussen würde, weil doch dann die Tore zur Durchfahrt der Bahn geöffnet werden müssten. - Bei Winterfahrten mit dem „ring°racer“?

Interessanter wäre es gewesen, einmal die Wirtschaftlichkeit des von einer Tochterfirma der RWE am Nürburgring gebauten Heizkraftwerks zu hinterfragen. Das läuft nämlich nur ab einer gewissen Auslastung wirklich wirtschaftlich. - Und wann ist das? (Die Stuttgarter Kollegen können sich damit ja noch einmal wochenlang beschäftigen.)

Bis das Ergebnis vorliegt, wird die „Nürburgring-Zukunft“ sicherlich noch nicht geklärt sein. Vielleicht steht dann aber oben im Eingangsbereich ein anderer Aufsteller als derzeit am 6. Oktober 2013.

 

 

Die Presserklärung der Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH vom 4. Oktober 2013 ist vielversprechend:

„Nach intensiven Bemühungen und Gesprächen der Ringsanierer mit der zuständigen Kreisverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler hat die Nürburgring GmbH heute die Anhörung zur Betriebsgenehmigung für den ring°racer erhalten.“

Und man zitiert auch Prof. Dr. Dr. Thomas B. Schmidt, Sanierungsgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, der klar macht:

„Seitdem wir für den Nürburgring verantwortlich sind, haben wir alle Anstrengungen unternommen, um erforderliche Nachweise und Unterlagen zu beschaffen, die es letztlich der Kreisverwaltung als Aufsichtsbehörde möglich gemacht haben, uns die langersehnte Betriebserlaubnis zu erteilen.“

Diese Aussage klingt gut, geht aber knapp an der Realität vorbei. In der Presseerklärung der Kreisverwaltung ist immer von „Baugenehmigung“, nicht von „Betriebsgenehmigung“ die Rede. Und es heißt in dieser Mitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler – übrigens auch vom 4. Oktober – am Ende:

„Die Baugenehmigung sei der Nürburgring GmbH wegen der Auflagen zur Anhörung zugestellt worden, die jetzt vier Wochen Zeit habe, dazu Stellung zu beziehen.“

Wenn man die Auflagen dann anerkennt und z.B. die Lieferzeiten für die längste Gelenkarmleiter der Welt (mit 4-Personen-Rettungskorb) berücksichtigt, dann weiß man, dass auch hier die Zusatz-Kosten auf einen zukünftigen Käufer des Nürburgring-Komplexes zukommen. Auch die für das verlangte Fachpersonal. - Und auch das Betreiberrisiko.

Die beschleunigt nach Darstellung in der Pressemitteilung der NBG von Null bis 170 km/h „in etwa zwei Sekunden“, was dann einer Belastung des menschlichen Körpers von etwa 5,6 g entspricht. Die Beschleunigung eines Space-Shuttle liegt in der Startphase bei 4 g, belastet allerdings auch den Körper in einer anderen Richtung, wo der Körper etwas empfindlicher reagiert, weil die Durchblutung des Kopfes gestört werden kann.

Aber der TÜV SÜD hat alles geprüft und der Nürburgring GmbH bestätigt,

„dass es beim Betrieb des ring°racer zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung der Fahrgäste kommt.“

Und zunächst kommt nun mal Weihnachten. Und dann ist Karneval. Und dann wird man auch langsam wissen, wer denn den Nürburgring – und zu welchem Preis – kaufen will.

So lange können wird uns dann mit anderen „schnellen Dingen“, sozusagen mit „Alles was schnell macht“ beschäftigen. Mit „sport auto“ zum Beispiel. Die verkünden auf der letzten Seite der „40 Extra-Seiten“, der Beilage zur aktuellen „auto motor und sport“ (...mit Untersützung von Audi):

„Rundenrekord geknackt!
Die ganze Story im neuen Heft
Jetzt im Handel“

Glauben Sie, lieber Leser, auch hier bitte Motor-KRITIK: Ein Rundenrekord – auch von einem Porsche 918 Spyder – kann nur im Rennen geknackt werden. Und lt. Porsche-Pressemitteilung wurde er auf einer Nürburgring-Nordschleife mit einer Länge von 20,6 Kilometern aufgestellt. Nach mir bekannten Daten ist die aber 20,832 Kilometer lang. (Im Film „Rush“ übrigens 20,835 km.)

Aber vielleicht sollte man das alles nicht so genau nehmen. Dann sind vielleicht auch Erlöse für den Komplex Nürburgring von um 50 Millionen Euro insgesamt ein großer Gewinn. - Mehr wird der ADAC wohl auch kaum zu zahlen bereit sein. - Natürlich mit Industrieunterstützung.

Man darf ja eine 10prozentige Verzinsung des Kapitals nicht aus dem Auge verlieren.

MK/Wilhelm Hahne

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