Von „Kleinigkeiten“ und dem ADAC

Die Geschichte hier in Motor-KRITIK von der Handlungsarmut eines Ortsbürgermeister in dem kleinen Dorf Drees in der Eifel, einem Ort mit um 150 Einwohnern, hat nur wenige interessiert. Die Geschichte in BILD vom ADAC, einem Club mit 18.000.000 Mitgliedern, der jetzt im Bieterverfahren um den Nürburgring von den Insolvenz-Sachwaltern ausgeschieden wurde, stößt auf großes Interesse. - Warum? - Meine Geschichte zum Einstieg des ADAC in das Bieterverfahren trug schon ein Fragezeichen, und der erste Satz lautete: „Die Medien sind auf den Propagandazug aufgesprungen.“ - Während die großen Zeitungen ein 100 Millionen-Angebot des ADAC vermeldeten, ging ich maximal von 50 Millionen aus. Damit war für mich – da ich mich auskenne - eine Ablehnung des ADAC als Bieter klar, zumal der nur an den Filetstücken interessiert ist. In Motor-KRITIK war zu lesen: „Wenn die Insolvenz-Sachwalter den Gläubigerausschuss dazu veranlassen würden, am Ende des Veräußerungsprozesses einem Angebot zuzustimmen, dass einem Käufer erlauben würde, ausschließlich die Rennstrecken zu erwerben, dann müssten die – wie man es volkstümlich sagt - „schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein“. - Der „Rest“ wäre dann unverkäuflich.“ - Das ist die Realität. - Aber die Insolvenz-Sachwalter hatten eine andere. Nachweisbar. Aber wen interessiert die Realität, die auch im „Teaser“ der KPMG festgeschrieben ist? - Die Insolvenz-Sachwalter sind in der Sache Nürburgring Amateure. Unter solchen hat der Nürburgring schon viele Jahrzehnte gelitten. - Nun muss er auch die noch ertragen.

Von „Kleinigkeiten“ und dem ADAC

Vor ein paar Tagen habe ich einen Herrn Hans-Jörg Götzl beim SWR2 über das Thema Nürburgring reden hören. Jeder normale Mensch hat nach seiner Darstellung von Anfang an gewusst, dass das am Nürburgring nicht gut gehen würde. - Ein intelligenter Mensch. - Nur: Ich habe vor dem 19. November 2013 nichts von ihm in Sachen Nürburgring gehört oder gelesen. - Dabei hat er es immer schon gewusst. - Solche Schwätzer gibt es häufig. - Und in letzter Zeit immer häufiger.

Andere, die „schwätzen könnten“, die halten sich diskret zurück, argumentieren „weich“, intelligent, denn schließlich haben sie schon in der Praxis erfahren, wie es einem ergehen kann, wenn man gegen die Mächtigen und Einflussreichen argumentiert. Ich habe schon mitbekommen, wie man guten Journalisten mitspielte, weil ihre Vorstellung von offener Berichterstattung nicht ins Strategiespiel der Oberen passte.

So wurde denn die Diskussion beim SWR2 eigentlich zur Farce. Sie stand unter dem Titel: „Rettet Deutschlands größter Automobilclub den Nürburgring?“ - Mit Fragezeichen! - Man kann den Verantwortlichen für die Sendung aber nicht böse sein. Sie hatten offensichtlich keine Ahnung. Oder so viel davon, dass sie gebremst wurden. - Immerhin: Die 44,01 min habe ich überlebt. - Danke auch an Karin Dauscher.

Zwei Tage später wird offiziell, das die Insolvenz-Sachwalter und die KPMG den ADAC ausgeladen haben. Um es korrekt auszudrücken: Der ADAC ist für die nächsten Verfahrensschritte nicht zugelassen. Er darf also nicht in den „virtuellen Datenraum“, kann sich nicht über die dort verfügbaren Daten ein Bild machen, was man wirklich bieten kann.

Aber bitte nicht vergessen: Alle Angebote sind in der jetzigen Phase ein „unverbindliches Angebot“. Auch das Angebot des ADAC war unverbindlich, hatte aber offensichtlich – das ist meine Einschätzung – einen seriösen Hintergrund. Während Motor-KRITIK andere Angebote bekannt sind, die sich – wenn sie denn seriös sein müssen – deutlich reduzieren werden.

Der ADAC dachte mit seinem Angebot für die Rennstrecken nur daran, durch die so darstellbare Kontinuität im Kerngeschäft, dem Umfeld – Hotelerie und „Grüne Hölle“ - eine zuverlässige Basis zu bieten. Das Angebot hatte aus der Sicht seiner Bieter einen altruismischen Ansatz, der natürlich in „unseren Zeiten“ - wo man nur zwischen „uncool“, „cool“ und „geil“ unterscheidet - nicht verstanden wird. Erst recht nicht von Leuten, die durch ihren ständigen Umgang mit „Gesetzlosen“, ein wenig den Blick und das Gefühl für „normales“ Handeln verloren haben. - Wir sind eben alle von dem Umfeld beeinflusst, in dem wir uns bewegen.

Der ADAC ist irritiert. Er hatte den Insolvenz-Sachwaltern bisher vertraut, ihre vollmundigen Versprechungen – auch gegenüber der EU – von einem „transparenten, offenen und bedingungsfreien Bieterverfahren“ für bare Münze genommen. Das Verhalten dieser Herren, die schließlich im Auftrag der Landesregierung arbeiten (Insolvenz in Eigenverwaltung!) lässt eine gewisse Absicht vermuten, die evtl. durch den ADAC im Bieterkreis gestört wurde.

Hier bei Motor-KRITIK hat es eine Umfrage gegeben, in der exakt 647 Leser ihre Meinung kundgetan haben. Aus dem Ergebnis:

42 Prozent davon waren und sind gegen einen Verkauf des Nürburgrings
25 Prozent sind für einen Verkauf an einen Club wie den ADAC
13 Prozent favorisieren eine Gemeinnützige Stiftung als Betreiber des Nürburgrings
usw. (Nachzulesen auf diesen Seiten)

Die Beteiligung des ADAC – das darf man (auch) aufgrund dieses Ergebnisses voraussetzen – wird von einem großen Teil unserer Bevölkerung gewünscht. Offenbar stört aber eine solche Beteiligung die Absichten, die die Insolvenz-Sachwalter – auch wenn sie sich dazu offiziell nie erklärt haben – mit dem Nürburgring im Auge haben. - Ich darf da an meine Beobachtungen erinnern, die schon vor vielen Monaten hier in Motor-KRITIK niedergeschrieben wurden.

Vollkommen unverständlich wird die Handlungsweise der Insolvenz-Sachwalter dann, wenn man einmal einen Blick in die Basisunterlager aller Bieter, den „Teaser“ von der KPMG wirft. Dort ist bereits auf Seite 2 zu lesen:

„Die Verkäufer beabsichtigen, die Vermögensgegenstände des Nürburgrings an einen oder mehrere Investoren zu veräußern (>Projekt RING< oder >Transaktion<). Investoren haben die Möglichkeit, alle Vermögensgegenstände, definierte Einheiten (>Verwertungseinheiten<) oder einzelne Vermögensgegenstände zu erwerben. Die Verwertungseinheiten sind vor dem Hintergrund der Separierbarkeit und der damit einhergehenden Kosten definiert worden.“

Vor dem Hintergrund dieser Angebotsdetails wird die Insolvenz-Sachwalter-Entscheidung – und die der KPMG - gegen den ADAC als Bieter, auch wenn er sich „nur“ um den Ankauf der Rennstrecken bewirbt, vollkommen unverständlich.

Weiter im Inneren des insgesamt 50 Seiten umfassendes „Teasers“, wie er von der KPMG Frankfurt an potentielle Investoren versendet wurde, sind sogar die Nordschleife als „03“ und der Grand-Prix-Kurs als „04“ und damit – aus meiner Sicht - als einzeln käuflich dargestellt. Womit eigentlich aber auch bewiesen ist, dass die Herrn Verkäufer von dem was sie hier anbieten, eigentlich keine Ahnung haben.

Aber wer gibt ihnen das Recht, nun selbstherrlich im laufenden „bedingungsfreien Bieterverfahren“ neue Bedingungen zu schaffen? - Geradezu als zynisch muss der Hinweis des Herrn Jens Lieser, dem Insolvenz-Sachwalter, empfunden werden, wenn er gegenüber dem SWR-Fernsehen (RLP) vor laufender Kamera erklärt, dass der ADAC ja nur „zwischengeparkt“ sei und „jederzeit wieder einsteigen“ könne.

Das ist ungefähr so, als wenn man einem Dreispringer sagt, dass er natürlich am Wettbewerb teilnehmen könne, nur dürfe er im Moment nicht „im Mittelteil“ mit dem Fuß den Boden berühren.

Wenn der ADAC jetzt nicht als Bieter anerkannt wird, kann er sich auch keine Übersicht im „virtuellen Datenraum“ verschaffen, kann also auch kein verbindliches Angebot abgeben.

Wenn also der ADAC – irgendwann – dann wieder zugelassen wird, dann wird er diese nun ausgefallene Informationsmöglichkeit nachholen müssen. Was den Verkaufsprozess verlängert.

Spielen die Insolvenz-Sachwalter auf Zeit? - Beeinflusst das ihr Honorar?

Man wird die Arbeit der Insolvenz-Sachwalter und der KPMG weiter aufmerksam beobachten müssen. Sie haben jetzt schon einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit verloren.

Die alte und neue Landesregierung auch. - Und das schon länger.

MK/Wilhelm Hahne
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