20. Juni 2014: Lieber Leser!

Eigentlich war von mir angedacht, vor dem 24-Stunden-Rennen nicht mehr in die Computer-Tastatur zu greifen. Alles Wichtige war geschrieben. Dachte ich. Aber wenn man den Zick-Zack-Kurs bestimmter Medien in Sachen Formel 1 verfolgt, muss am Ende als Ergebnis betrachtet werden, dass die lieben Kollegen nicht in Zusammenhängen denken können. Ihnen genügt irgendeine Aussage. Sagt Robertino Wild dies: So schreibt man das. Sagt Bernie Ecclestone das: So schreibt man dies. (Man achte auf die Unterschiede.) - Das ist moderner Journalismus. Man ist immer auf der richtigen Seite. - Motor-KRITIK sieht da seine journalistische Aufgabe anders. Wie meine Leser – vielleicht – schon gemerkt haben. Und darum möchte ich heute noch einmal kurz verdeutlichen, dass es zwischen Nürburgring – Hockenheim – Wild – Ecclestone und München eine Verbindung gibt. Die zu erkennen erfordert aber, dass man nicht mit Scheuklappen durchs Leben läuft und sich mit auch mit Dingen beschäftigt, die eigentlich nicht direkt zum Fachgebiet Motorsport gehören, es aber beeinflussen können. - Dazu werde ich jetzt – trotz 24-Stunden-Rennen – noch ein paar Worte verlieren.

20. Juni 2014: Lieber Leser!

„Formel 1 fährt fünf Jahre am Nürburgring“. Das war am 17. Juni auf der Titelseite der „Rhein-Zeitung“ zu lesen. Und deren Redakteur ordnete ein: „Das ist die Sensation in der Formel 1-Welt.“

Die Sensation war eigentlich, dass denkenden Menschen ein solcher Blödsinn zugemutet wird. Es gab Verträge zwischen Ecclestone und Hockenheim. Es gab nichts zwischen Ecclestone und Robertino Wild. Kein Stück beschriebenes Papier, sondern nur ein unverbindliches Bla-bla. - Das allerdings für eine gute PR genutzt wurde.

Pietro Nuvoloni, der die PR-Agentur führt, die auch die Insolvenz-Sachwalter betreut, der arbeitet (berät) auch Robertino Wild, bzw. Capricorn, aber natürlich auch die NBG. Und Capricorn muss man zu den Auserwählten der Landesregierung zählen, wenn man die Entwicklung auf dem Gebiet der „Insolvenz-Abwicklung“ aufmerksam verfolgt hat.

Schon im Januar war bei Motor-KRITIK zu lesen, dass sich nach meiner Einschätzung die Herren, die Capricorn repräsentieren, als Bieter für den Nürburgring „in der ersten Startreihe“ wähnen.

Das wurde später durch die zeitliche Abfolge der Vertragsentwicklung mit Bitburger oder durch die Art der Abwicklung mit Lieberberg (Rock am Ring) oder auch das Verhalten bestimmter Medien (die in Mainz die besten Kontakte pflegen) bestätigt.

So ist die Verkündung einer „Sensation“ durch die „Rhein-Zeitung“, wenn man deren Einstellung gegenüber den bekannt gewordenen unterschiedlichen Bietern betrachtet, eigentlich weniger eine Sensation, sondern mehr die Fortsetzung einer schon vor einiger Zeit eingeschlagenen Linie. - Warum auch immer: Sie ist zumindest konsequent und damit auch exakt einschätzbar.

Wenn andere Medien gerne bei der „Rhein-Zeitung“, schon nach deren Vorab-Meldung im Internet am Montag, dem 16. Juni, diese Meldung übernommen haben, dann rührt das daher, dass man viele „Visits“ auf den Internetseiten braucht, um die eigene Bedeutung für die Anzeigenkunden zu unterstreichen. Und Sensations-Titel bringen immer zusätzliches „Klicks“.

Wenn man die Hintergründe ein wenig kennt, ist die Entwicklung Ecclestone – Capricorn eigentlich normal. Beide wissen um den Wert guter Öffentlichkeitsarbeit. Und die – ganz gleich wie nahe die an Märchen der Gebrüder Grimm erinnert – sie zeigt immer Wirkung.

Für meine Leser nun kurz eine Schilderung der eigentlich weit auseinanderliegenden Zusammenhänge, die darum wohl auch gar nicht wahrgenommen wurden, was dann zum Meldungs-Eklat führte.

In München wurde vor einiger Zeit ein Bank-Manager zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er – sagen wir es so – von Bernie Ecclestone Geld genommen hatte. Die Aussage des Managers war so, die Schilderung von Bernie Ecclestone war anders.

Der Manager war mit dem Urteil nicht einverstanden und wollte zum Bundesgerichtshof gehen, um über dieses oberste Gericht ein Korrektur zu erreichen. So lange aber ein solcher Einspruch nicht entschieden ist, ist ein Urteil nicht rechtskräftig und kann auch nicht vollstreckt werden.

Aber nicht nur das: Der verurteilte Bank-Manager konnte auch so lange von der Staatsanwaltschaft nicht als Zeuge gegen einen vorbereiteten Prozess gegen Ecclestone verwendet werden.

Motor-KRITIK hat „damals“ sowohl mit der Staatsanwaltschaft München als auch dem BGH gesprochen und das, was hier geschrieben steht, eindeutig bestätigt bekommen.

Als ich mit dem BGH sprach, war der Einspruch des Bank-Managers noch nicht eingegangen. Die Staatsanwaltschaft in München war über diesen Schritt nicht glücklich, weil so die Möglichkeit entfiel, ein Verfahren gegen Ecclestone zu eröffnen. - Der Hauptbelastungszeuge hätte gefehlt, da der – wegen des laufenden Einspruchsverfahrens – eine Aussage verweigern kann, weil er sich mit einer solchen Aussage evtl. selbst belasten würde.

Nun passierte etwas Überraschendes: Der Bank-Manager zog seinen Einspruch zurück, respektierte das Urteil und trat seine Haftstrafe an. Damit hatte die Staatsanwaltschaft München ihren Hauptbelastungszeugen.

Und der hatte es schon bald gut. Er erhielt als „Freigänger“ eine gut bezahlte Position bei einem Bauunternehmen und muss seitdem nur noch in einem Münchner „Freigängerhaus“ übernachten. Und natürlich als Zeuge auftreten.

Da macht er eine weniger gute Figur, erscheint vielen Beobachtern des Prozesses als nicht unbedingt glaubwürdig, während Ecclestone – auch durch die Aussagen anderer Zeugen aus der Bank des Managers – Pluspunkte sammelt.

Der Prozess gegen Ecclestone wird übrigens vom gleichen Richter geführt, der auch den Prozess gegen den Bank-Manager leitete. Eigentlich wird der Prozess gegen Ecclestone damit zu einem Prozess, mit dessen Urteil eigentlich entweder das Urteil gegen den Bank-Manager bestätigt oder widerlegt wird. - Der Richter ist sich sicherlich seiner Verantwortung bewusst.

Doch immer wieder wird es nun zu dem Versuch von Einflussnahme kommen. Die kann ganz subtiler Art sein. Der Bank-Manager hat sicherlich Plus-Punkte bei der Staatsanwaltschaft gesammelt, indem er seinen Einspruch gegen das Urteil zurückzog und nun als Zeuge zur Verfügung steht. - Die Auswirkungen waren bisher auch schon positiv. (s.o.) - Natürlich ist das Zufall.

Zufällig sammelt nun Ecclestone Pluspunkte mit einer Sensationsmeldung sicherlich auch in München, die zunächst von der „Rhein-Zeitung“ verbreitet wird, für eine breite Öffentlichkeitswirkung sorgt, während per heute – 20. Juni – die „Rhein-Zeitung“ schon wieder ein wenig zurückrudert.

Inzwischen hat man sogar mit Ecclestone gesprochen. Der bestätigt, dass die Rennen 2016 und 2018 in Hockenheim gefahren werden. Natürlich.

Von den fünf Jahren, die man ab 2015 am Nürburgring hintereinander Formel 1-Rennen veranstalten will – unter welchem Titel übrigens? - davon wird nicht mehr gesprochen. Aber die „Rhein-Zeitung“ hat im Untertitel auf der Seite 3 von heute eine Feststellung von hoher Aussagekraft:

„Langfristiger Formel 1-Vertrag könnte eine Initialzündung für den Nürburgring sein.“

In den Grimm'schen Märchen hieß es am Ende oft:

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.“

Beides stimmt! -

In einem Kasten unterhalb dieser neuen Geschichte gibt es dann noch die Info:

„Die Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC macht von 2015 an für mindestens drei Jahre jeweils Station auf dem Nürburgring. Das hat der Automobilzulieferer Capricorn GmbH als künftiger Besitzer der Rennstrecke in der Eifel jetzt bestätigt. Die WTCC wird im kommenden Jahr im Rahmen des Langstrecken-Klassikers auf der weltberühmten Nordschleife des Traditionskurses starten.“

Das ist wieder so eine PR-„Luftblase“ die von Capricorn in die Welt gesetzt wird. Tatsache ist – und ich schrieb bereits darüber – dass es noch keinen Vertrag mit dem Veranstalter des Langstrecken-Klassikers gibt, in dessen „Rahmen“ die WTCC laufen soll. - Und was sagt die FIA dazu? - Ein solches Bla-bla sollte man als Journalist hinterfragen, bevor man es als Fakt veröffentlicht.

Die „Rhein-Zeitung“ vergisst aber auch nicht zu erwähnen, dass die EU-Kommission nach ihren direkten Informationen aus Brüssel am 9. Juli eine Entscheidung über die „illegalen Nürburgring-Beihilfen“ fällen wird.

Ab da wird auch erst etwas klarer sein, ob Capricorn ab dem 1. Januar 2015 überhaupt in der Position eines Besitzers des Nürburgrings ist. - Nachdem man den fälligen Eurobetrag gezahlt hat!

Eigentlich sollte es in Brüssel noch schneller gehen: Der EU-Vizepräsident, Almunia, hatte zur Sicherheit – weil die Tagesordnungspunkte jeweils 14 Tage vorher bekannt gegeben werden müssen, das Nürburgring-Beihilfeverfahren für die Sitzung am 25. Juni angemeldet. Aber allen Insidern war klar, dass dieser Termin nicht zu halten sein würde. Alle Unterlagen zur Entscheidung für die Kommissare – die letzten hatten einen Umfang von 60 DIN-A4-Seiten – müssen mit den bekannt gewordenen neuen Fakten und Beschwerden rechtzeitig zur Verfügung stehen, damit die Kommissare sich damit vertraut machen können.

Nun soll also eine Entscheidung am 9. Juli fallen, was theoretisch möglich wäre. Aber wie sie dann fallen wird, weil evtl. damit – wie hier schon bei Motor-KRITIK zu lesen – die EU gegen selbst geschaffene Wettbewerbsbedingungen verstößt, das weiß bis heute eigentlich niemand.

Da die Entscheidungen öffentlich bekannt werden, wird man sicherlich auch etwas über die Gründe erfahren. Motor-KRITIK wird sich darum bemühen.

Seien Sie also versichert, lieber Leser:

Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne
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