„Ring-Ersatzveranstaltungen“ sind „in“!

„Rock am Ring“ war einmal ein Festival am Nürburgring. Weil die neue Geschäftsfleitung mit ihrem Gewinnanteil unzufrieden war, hat man sich vom 29mal am Nürburgring erfolgreich tätigen Veranstalter getrennt. Und eine „Ersatzveranstaltung“ ins Leben gerufen: „Der Ring – Grüne Hölle-Rock“. Dort ist man dann Ende Mai dieses Jahres zu 50 Prozent beteiligt. Der neue Veranstalter hat's versprochen und es ist vertraglich geregelt. In 2015 wird man also zu 50 Prozent beteiligt sein. - An den Verlusten! - 35 Prozent von einem Millionengewinn würde mehr eingebracht haben, als 50 Prozent von einem Millionenverlust! - Wird man nach dem Realitäts-Ergebnis in 2015 schlauer sein? - Das interessiert die Geschäftswelt der Ring-Region wenig. Die weiß heute schon, dass man ein Viel verloren hat. - Und die Region verliert weiter, weil eine weitere Großveranstaltung gefährdet scheint: Den „Große Preis von Deutschland“, den Formel 1-Grand-Prix, wird es – wie eigentlich im FIA-Terminkalender vermeldet – am 19. Juli 2015 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben. Ein weiterer Umsatzträger für die Geschäftswelt der Hocheifel fällt aus. - Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass der als Käufer von den Regierungsverantwortlichen des Landes Rheinland-Pfalz hochgelobte Capricorn-Chef, Robertino Wild, einen 5-Jahres-Vertrag mit dem F1-Promotor Bernie Ecclestone zugunsten der Eifel-Rennstrecke Nürburgring andeutete. - Weil das „Original“ wichtig ist? - Wir erfahren zur Zeit – ohne Robertino Wild:

„Ring-Ersatzveranstaltungen“ sind „in“!

Im Jahre 2013, die Nürburgring GmbH war beim Insolvenzgericht in Ahrweiler bereits lange angemeldet und ihre Geschäfte wurden durch eine Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH aufrecht erhalten, da schilderte deren Geschäftsführer, Dr. Karl-Josef Schmidt – der aktuell gerade die Liquidation der Firma übernommen hat – die Bedeutung der Formel 1 für den Nürburgring und die Region so:

„Der Bekanntheitsgrad, die mediale Wahrnehmung, die Markenkraft der Formel 1 werden von keinem anderen motorsportlichen Ereignis erreicht, und das weltweit. Gastgeber und Veranstalter eines Formel-1-Rennens zu sein hat für eine Rennstrecke einen hohen Imagewert, der auch einen Geldwert einschließt. Mit der Formel 1 gastiert die weltweit bedeutendste Rennsportveranstaltung auf einer der weltweit bedeutendsten Rennstrecke. Das ist eine einmalige Kombination.

Für die landschaftlich und touristisch wunderschöne, aber eben etwas abseits gelegene und eher strukturschwache Hocheifel hat alleine schon der Nürburgring als solcher mit seinen vielen saisonalen Veranstaltungen und der tagtäglichen Auslastung eine gewaltige Anziehungskraft. Wenn dann noch wie in diesem Jahr die Formel 1 hier gastiert, genießt die Region für ein paar Tage weltweite Aufmerksamkeit. Dass dies sich natürlich auch in vielfältiger Weise auf die regionale Wirtschaft auswirkt, liegt auf der Hand.“

Nun rückt der Zeitpunkt immer näher, ab dem die Durchführung eines F1-Grand-Prix am Nürburgring im Jahr 2015 keinen Sinn mehr machen würde. Zwar steht der Termin, aber wer will noch für diesen Termin dann Karten kaufen? - Natürlich wird es tausende Fans geben die das tun würden. Es gibt aber noch mehr dieser Fans die um den angepeilten Rennermin, 19. Juli 2015 mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ihren Familien in die Sommerferien fahren, weil der Renntermin in die Zeit der Schulferien fällt. Das ist so in den Ländern:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Hamburg

und von größerer Bedeutung:

  • Nordrhein-Westfalen

Kaum anzunehmen, dass das die Insolvenz-Sachwalter bedacht hatten, als sie in der letzten Woche noch einmal mit Bernie Ecclestone verhandelten. Der wundert sich schon ein wenig über die Versuche derer vom Nürburgring, weil er doch schon nach dem letzten Grand-Prix gesagt hatte, dass er zu den damals eingeräumten Bedingungen keinen Grand-Prix mehr am Nürburgring veranstalten würde.

Da wird er lieber den Deutschland-Termin ganz streichen. Was die meisten Formel 1-Teams  nicht bedauern würden, da so die Einsatzkosten für zwei Rennen (Korea, Nürburgring) entfallen. Neunzehn Rennen wird man in dieser Saison als gerade noch hinnehmbar empfinden.

Vielleicht mit Ausnahme von Mercedes, die um ein „Heimspiel“ bangen.

Deutsche Fans haben aber die Möglichkeit die Formel 1 live sowohl in Spa (Belgien) am 23. August – oder früher – am 21. Juni in Spielberg (Österreich) zu erleben. Realistisch betrachtet ist der deutsche Grand-Prix durch den hastigen Wechsel der Besitzverhältnisse am Nürburgring in der Eifel verloren gegangen.

Politiker wie Hendrik Hering (SPD) wertet das so...

„Dass es Wichtigeres gibt, als wem eine Rennstrecke gehört.“

Das ist einer der Politiker die glauben, den Nürburgring-Skandal überstanden zu haben. Motor-KRITIK schreibt ihm gerne ins Zeugnis:

„Jedenfalls war Hendrick Hering stets bemüht den üblichen Arbeitsaufwand zu bewältigen.“

Und dazu gehörte nun mal – koste es was es wolle – sich von der Rennstrecke Nürburgring zu trennen. - Es ist ihm nach mehrfachen Versuchen mit Unterstützung seiner Genossen gelungen. Inzwischen ist er, nach hektischen und unübersichtlichen Aktionen, überwiegend in russischer Hand.

Arnold Josef Hoffmann (CDU), Stadtbürgermeister von Adenau, der Stadt am Nürburgring sieht die Situation an der Rennstrecke so:

„Maßlose Geldgier, Skandale und Streit über zweifelhafte Austragungsorte drohen den Sport zu verdrängen. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, sich nicht von den F1-Granden erpressen zu lassen.“

Er wird – wenn man ihn darauf anspricht – sicherlich bestreiten, dass er in seinem o.g. Zitat mit „Geldgier, Skandale und Streit“ Attribute aus der „Nürburgring-Affäre“ übernommen hat. So gut kennt er diese Affäre wahrscheinlich nicht. Schließlich ist er noch nicht so lange im Amt und hat mit der aktuellen Entscheidung des VG-Rates zum „Rückbau“ des Adenauer Hallenbades „badenova“ (für ca. 1 Million €!) genug zu tun.

Adenau ist – auch dank der Privatisierung des Nürburgrings – auf dem Weg zurück in den Zustand, der „in alten Zeiten“ dazu führte, dass man diese Eifel als das „Sibirien Deutschlands“ empfand. Darum wurde dann der Nürburgring von Politikern geschaffen. Der Nürburgring wurde von den  Politikern dann auch gepflegt; eine neue Generation von Politikern hat sich jetzt erst von ihm getrennt, nachdem man ihn mit Millionenaufwand für überflüssige Bauten, die noch nicht einmal als Ruinen einen gewissen Charm ausstrahlen würden, in den Ruin getrieben hatte.

Nun ist der Nürburgring kein Spielzeug, dass man wegwirft, wenn es nicht mehr den Interessen der Spielenden entspricht, weil sich deren Interessen verlagert haben. Der Nürburgring hat für eine ganze Region eine große wirtschaftliche Bedeutung, die jetzt dadurch leidet, dass man diese Kult-Rennstrecke „an Privat“ verschachert hat.

Aus einem Leserbrief in einer regionalen Publikation:

„'Die Insolvenzverwalter machen einen guten Job', erklärte die Ministerpräsidentin bei den verschiedensten Anlässen. In der Realität sieht das dann so aus, dass die wohl berühmteste Rennstrecke der Welt für eine Abwrackprämie den Besitzer wechselt.“

Was in den letzten Jahren zum Thema Nürburgring von Seiten der Politik zu hören war, waren nur schöne Worte und leere Versprechungen. Und immer wieder hatten Leute „das Sagen“, die den Nürburgring und seine Möglichkeiten nicht verstanden hatten und jeweils schnell gegen andere mit dem gleichen Un-Verständnis ausgetauscht wurden.

Bernie Ecclestone wird – wie alle erfolgreichen Unternehmer – gerne angefeindet. Man kann sich über seine Methoden streiten, aber bei ihm würde – um ein regionales Beispiel zu bringen – das Hallenbad in Adenau nicht geschlossen worden sein und auch nicht abgerissen werden, weil in beiden Fällen ähnliche Kosten entstehen, der Stadt aber durch den „Rückbau“ ein bedeutendes Argument in der Tourismus-Werbung entzogen wird. - Auch für Nürburgring-Touristen!

Das ist der Unterschied zwischen ihm und seinen Kritikern, die z.B. auf dem Festival-Sektor schnell  eine Ersatzlösung gefunden hatten, die ihnen Ende Mai ds. Jrs. dann einen Millionen-Verlust bescheren wird. - Und der regionalen Geschäftswelt leere Kassen.

Eine Formel 1-Veranstaltung würde aus heutiger Sicht (die Argumente dazu haben Sie schon gelesen) auch kaum noch Sinn machen. Erst recht nicht eine „Ersatzveranstaltung“ der Art, wie sie uns vielleicht nun mit einem WEC-Rennen Ende August durch die CNG präsentiert werden wird. Nach dem „Festival-Ersatz“.

Um bei der Formel 1 Millionen-Verluste zu vermeiden – die sich allerdings für die Region nicht mehr vermeiden lassen! - hat Motor-KRITIK einen kostengünstigen Vorschlag, der auch nicht im Ansatz die Größe hat, mit dem uns in der Vergangenheit Mainzer Politiker zu begeistern suchten.

Schauen Sie mal:

So stellt sich doch – bildhaft – die ungefähre, aktuelle Situation auf die Formel 1 bezogen, am Nürburgring dar. Da könnte man doch besser – kostengünstig – zu einem Spiel greifen...

...dass mir von einem Motor-KRITIK-Leser vor einiger Zeit geschenkt wurde. Wie Sie sehen können, entstand das Spiel 1964, ist also inzwischen 50 Jahre alt. Damals gewann John Surtees auf einem Ferrari den F1-Grand-Prix am Nürburgring, der damals auf der Nordschleife ausgetragen wurde.

Das Spiel passt aber nicht nur wegen der dort auch vorhandenen „Taktikkarten“ in die heutige Zeit, sondern auch wegen der Spielanweisung, die – das Foto zeigt es -

...so beginnt:

„Beim Spiel 'Nürburgring' wird nicht gewürfelt...“ Um dann mit dem nächsten Satz festzuhalten: „Die Würfel werden nur benutzt, um Strafen festzustellen.“

Also alles so, wie auch heute im modernen Formel 1-Sport.

Und wenn man heute auf dem neuen Grand-Prix-Kurs ein Formel 1-Rennen sehen würde, dann wird man die Rennfahrzeug auch kaum größer erleben als bei diesem Spiel:

Man brauchte damals als Formel 1-Fahrer für die Nordschleife auch kein spezielles DMSB-Permit, aber man konnte damals schon – mit dem 1964er Spiel – dann Punkte machen, wenn die Geschwindigkeit herabgesetzt wurde.

Vielleicht ist das dann auch eine Anregung für unsere modernen Motorsport-Funktionäre, die  – um jeden Preis (in die Firmenkasse!) – um mehr Sicherheit bemüht sind. - Je langsamer, desto mehr Punkte?

Motor-KRITIK würde das Spiel gerne zum FIA F1-Termin (19. Juli 2015) kostenlos dann zur Verfügung stellen, wenn sich folgende fünf Spieler – so viele sind bei einem Spiel zugelassen – für die Austragung eines Rennens im „Boulevard“ des Nürburgrings einfinden würden:

  • Kurt Beck
  • Malu Dreyer
  • Eveline Lemke
  • Roger Lewentz
  • Viktor Kharitonin

Als „Rennleiter“ (ehrenamtlich!) nimmt - das ist auch ein Vorschlag von Motor-KRITIK - dann Hans-Joachim Stuck, dazu als DMSB-Präsident geradezu prädistiniert, am Kopfende des Spieltisches Platz, der zwischen Tribüne und Fernsehwand auf einem kleinen Podium steht.

Die Spieler dürfen Aufnäher ihrer Sponsoren auf der Kleidung tragen, müssen aber die Werbegelder in die Insolvenzkasse einzahlen. Gegenüber der größten Fernsehwand in Europa wird eine Tribüne für ein paar hundert Zuschauer installiert; die einzelnen Spielzüge werden direkt auf die Fernsehwand übertragen. Das „Formel 1-Rennen“ erfolgt also ganz im Sinne der Insolvenz-Sachwalter „offen, transparent und diskriminierungsfrei“.

Motor-KRITIK geht davon aus, dass ein solches „Großereignis“ auch dem Fernsehen (öffentlich-rechtlich und privat) eine Berichterstattung wert ist, was den Werbewert für die Sponsoren erhöht.

Kurz und gut: Mit einer solchen „Ersatzveranstaltung“ ließe sich dann auch ein wenig Geld verdienen und könnte so zu einem „Vorläufer“ für weitere Veranstaltungen ähnlicher Art im „Boulevard“ werden.

Von „Groß/Groß“ könnte der Nürburgring so mal wieder zu „Klein/Klein“ - aber profitabel - zurück finden.

Es steht den Lesern frei, diesen Vorschlag als Scherz oder Satire zu empfinden. Die „Macher am Ring“ sollten ihn als Anregung zur besseren Nutzung vorhandener – eigentlich überflüssiger – Flächen aufnehmen.

So ist er nämlich auch gemeint. -

Durch dieses Beispiel wird der ganze „Wahnsinn“ der am Nürburgring durch die Politik getätigten Investitionen erst so richtig deutlich.

Und die Region leidet wirtschaftlich!

Wie erklärte es doch Dr. Schmidt als Geschäftsführer der Nürburgring Betriebsgesellschaft so klar:

„Wenn dann noch … die Formel 1 hier gastiert, genießt die Region für ein paar Tage weltweite Aufmerksamkeit. Dass dies sich natürlich auch in vielfältiger Weise auf die regionale Wirtschaft auswirkt, liegt auf der Hand.“

Es wäre unfair, in diesem Zusammenhang nicht Herrn Daniel Köbler (Bündis 90/Die Grünen) zu erwähnen, der zu dem Thema gesagt hat:

„Wir haben dafür gesorgt, dass der Steuerzahler nicht mehr die Formel-1-Rennen eines Multimilliardärs wie Berni Ecclestone finanziert, gegen die Stimmen der CDU.“

Wir alle, die wir im Umfeld des Nürburgrings leben, werden es Herrn Köbler zu danken wissen. - 2016.

MK/Wilhelm Hahne
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