NLS & NES: Kein holder Friede! - Nur süße Einfalt!

Am Nürburgring selbst scheint man durch das Urteil des OLG Koblenz wenig betroffen zu sein. Es sind auch wohl keine besonderen Kosten entstanden. Die hat – wie man hört - die VLN-Organisation in voller Höhe zu tragen. Beim AvD regt man sich jetzt wieder und lässt auch die NES zu Wort kommen. Und bei den Fans wird Hoffnung geweckt. Wobei die durch das Urteil auch betroffen sind. Denn dort kommt zum Ausdruck, dass z.B. die VLN/NLS nicht über die Tribünenplätze verfügen kann. Aber die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG kann einen zusätzlichen Stahlzaun in einem Gebiet errichten, an dessen Zufahrt darauf hingewiesen wird, dass es sich hier um ein Landschaftschutzgebiet handelt. Das scheint aber weder die „Untere“ noch die „Obere Naturschutzbehörde“ zu interessieren. Wahrscheinlich ist es der Nürburgring, der immer noch „unter dem Schutz der Regierung steht“, wie einmal Kai Richter, ein ehemaliger „Strohmann“ der Landesregierung, von sich gegenüber einem Journalisten-Kollegen behauptete. - Viele der Beteiligten am Geschäft des Nürburgring haben zur aktuellen Situation der ehemaligen Langstrecken-Serie eine eigene Meinung. Motor-KRITIK hat auch eine:

NLS & NES: Kein holder Friede! - Nur süße Einfalt!

Es gibt „Träumer“, die nach der Urteilsverkündung am 4. Januar vor dem OLG Koblenz der Meinung sind, dass nun „alles seine Ordnung habe“. - Das stimmt! - Aber nur dann, wenn man die Entscheidung aus kartellrechtlicher Sicht betrachtet. Aus NLS- und NES-Sicht sind zwei weitere Beurteilungen möglich und „hinter den Kulissen“ wird vom russischen Besitzer des Nürburgrings sicherlich das Urteil noch einmal anders gesehen.

  • Und jeder handelt entsprechend seiner Einstellung! - Und die Presse reagiert auf die entsprechenden offiziellen Pressemitteilungen. - Wenn es denn welche gibt!

Man sollte mehr die Interessenlage der einzelnen an dieser „Farce“ beteiligten Gruppen sehen und nicht die zu dieser aus „motorsportlicher Sicht“ dumme Entscheidung des russischen Besitzers vergessen, die kaufmännisch betrachtet einen „sinnvollen Hintergrund“ haben könnte.

Das sind die „Touristenfahrten“, zu denen schon am 3. Januar 2024 – einen Tag vor dem Gerichtsentscheid in Koblenz - auf den Internetseiten des Nürburgrings eine Veröffentlichung zu finden war, die so beginnt:

„Auch 2024 kann jeder mit dem eigenen Auto oder Motorrad über die berühmteste Rennstrecke der Welt fahren. Der Nürburgring hat die Termine der Touristenfahrten für das kommende Jahr bekannt gegeben. Am Sonntag, 17. März öffnen sich die Schranken zum ersten Mal und nur zwei Wochen später folgt bereits mit dem Osterwochenende das erste Highlight. Ebenfalls im Kalender: Die Green Hell Driving Days, die im Mai und im Oktober gleich mehrere Tage am Stück das Befahren der legendären Nordschleife ermöglichen. Darüber hinaus warten auf der Grand-Prix-Strecke Abend-Termine mit besonders langen Öffnungszeiten bis 20:45 Uhr.“

Sonst habe ich vom Nürburgring nichts vernommen. - Dafür hat sich aber am 6. Januar die NES öffentlich gemeldet. Auf „gt-place.com“ findet man eine Information, die so beginnt:

„Die Nürburgring Endurance Serie hat sich erstmals offiziell zum aktuellen Stand zu Wort gemeldet. In wenigen Tagen soll das Reglement dem DMSB vorgelegt werden.
Grünes Licht für die Nürburgring Endurance Serie (NES): Der Automobilclub von Deutschland kann die geplante Rennserie für Langstrecken-Rennen auf dem Nürburgring erstmals ausrichten. Die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG wird der NES unter Berücksichtigung der Entscheidung des Oberlandesgerichtes Koblenz die gleiche Anzahl an Terminen wie der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) anbieten. Der NES wird damit die Möglichkeit gegeben, an vier Samstagen Rennen zu veranstalten und zusätzlich einen sogenannten „Double Header“ mit je einem Rennen am Samstag und Sonntag durchzuführen. Darüber hinaus sind die Möglichkeiten gegeben, am Freitag Probe- und Einstellfahrten sowie Taxifahrten durchzuführen. Die NES wird kurzfristig Gespräche mit der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG über die Terminvergabe führen und im Anschluss eine Bewertung des finalen Kalenders vornehmen.“

Bei „gt-place.com“ wird „NES-Geschäftsführer, Ralph-Gerald Schlüter, wie folgt zitiert:

„Mit dem heutigen Tag können wir endlich auch in die aktive Kommunikation der NES starten. So wird auch unsere Website schon in Kürze mit ersten Informationen an den Start gehen.“

Ralph-Gerald Schlüter ist der ehemalige Geschäftsführer der VLN/NLS, der offiziell zunächst aus „privaten Gründen“ zurück trat und dann doch nicht. (Er „wurde zurückgetreten“!) Teamchefs, die in der Vergangenheit bei Nürburgring-Langstreckenrennen unterwegs waren, sagten mir zu diesem Herrn – so oder so ähnlich:

„Wenn der zurück kommt, fahren wir nicht mehr am Nürburgring!“

Dass in Verbindung mit der NES-Organisation dann der AvD eine Rolle spielt, macht eine mögliche NES-Serie am Nürburgring auch nicht selbstverständlicher. Zwar plaudert ein AvD-Mann von einem 2024er Reglement, dass man in wenigen Tagen dem DMSB zur Genehmigung vorlegt und kündigt erläuternde Gespräche mit den Teams an.

  •  Zu welchem Zeitpunkt bitte? - Hier scheinen wirklich „Träumer“ unterwegs zu sein, die nur wenig von den Abläufen „hinter den Kulissen“ einer Saison-Serie (von März – November) zu verstehen scheinen!

Sie haben übersehen, dass auch der Motorsport mehr und mehr zu einem „Geschäft verkommen ist“. Das ist nicht böse gemeint, sondern entspricht der Entwicklung im Sport allgemein. Darum gibt es auch Unternehmer, die z.B. am Nürburgring bis zu 10 Automobile eingesetzt haben. Da ist eine weitreichende Planung unumgänglich! - Vielleicht haben große Teams längst anders disponiert!

  • Bis zu welchem Zeitpunkt vor dem ersten Start, sollten - müssen - sie die Fahrerplätze ihrer Fahrzeuge besetzt – vermietet - haben? - Wir haben heute den 7. Januar 2024! - Und es gibt noch keine Ausschreibung, kein Reglement noch eine definitive Aussage darüber, was denn nun in 2024 noch zu einer Langstrecken-Serie werden könnte!

Nichts ist sicher! - Nichts ist klar! - Und der Nürburgring-Besitzer lacht sich ins Fäustchen? - So könnte ich mir das jedenfalls vorstellen.

  • Wer sind z.B. bei der NES die Veranstalter der einzelnen Rennen? Bisher war dazu nur „heiße Luft“ zu hören.

Dem russischen Millionär kann – aus seiner „schlichten“  Betrachtungsweise heraus doch nichts Besseres geschehen, als wenn die Langstrecken-Serie – ganz gleich wie sie benannt ist – „stirbt“. Weil so die die Termine für „Touristenfahrten“ frei werden, mit denen schon in den zurück liegenden Jahren mehr als 50 Prozent der Jahresgewinne der Pächterfirma (unter russischer „Oberleitung“) eingefahren wurden!

Natürlich ist auch hier ein Denkfehler dabei! Denn ohne Werbung durch Rennveranstaltungen mit Renntourenwagen, werden auch die „Touristenfahrten“ stagnieren. Der Nürburgring wurde nur durch die dort ausgetragenen Rennen für die „Touristen“ interessant! - Man sollte nicht immer „den Pferden das Denken überlassen“!

Als jahrzehntelanger Beobachter der Langstrecken-Szene am Nürburgring, kann ich nur den Kopf schütteln. - Aber wie sagte schon meine Großmutter:

„Jeder ist seines Glückes eigner Schmied!“

Aber auch:

„Ein Unglück kommt selten allein!“

MK/Wilhelm Hahne
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