DE-Motorsport aus Lesersicht – Nr. 5

So wie sich der Motorsport in Deutschland derzeit darstellt, erhält er nicht nur aus seiner Teilnehmer-Basis, sondern auch aus der Sicht der Zuschauer schlechte Noten. Der Motorsport ist überreguliert, zu sehr vom Geld bestimmt. Versucht man einmal hinter die Kulissen zu blicken, kommt sehr oft der Schriftzug ins Blickfeld, dem man im deutschen Motorsport auch sonst kaum ausweichen kann: ADAC. - Dieser Automobilklub ist inzwischen so gut vernetzt, dass auch eigentlich weitsichtige Motorsportler oder Funktionäre die Meinung äußern: In Deutschland ist Motorsport ohne den ADAC nicht möglich! - Und sie verweisen auf den Einfluss dieses Klubs auf den DMSB, darauf, dass ohne ein Abnicken des ADAC-Sportpräsidenten – der früher einmal auch Präsident des DMSB war – nichts geschieht. Und man wundert sich nicht, dass interessante Rennserien inzwischen reine ADAC-Serien sind, evtl. sogar dazu verurteilt sind es zu sein, wie z.B. die „TCR“. Auch die Rennstreckenbetreiber buhlen einerseits um die Zuneigung des ADAC, der sie über „sein Werkzeug“ DMSB „in die Zange nehmen kann“, versuchen andererseits die Abhängigkeit nicht zu groß werden zu lassen. - Motor-KRITIK hat in einer kleinen Folge seine Leser zu Wort kommen lassen und so ein wenig die Stimmung unter Sportlern und Zuschauern verdeutlicht, die die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Sitaution zum Ausdruck bringt. - In diesen Tagen hat uns aber auch ein Leserbrief erreicht, der nicht nur die Negativ-Seite einer scheinbaren Abhängigkeit verdeutlicht, sondern auch einen Ausweg aufzeigt, der vielleicht nicht den ganz großen Motorsport verspricht, aber viel Spaß in einem Umfeld von gleichgesinnten Sportlern. - Wir stellen darum die hier geschilderte Leser-Meinung und -Information unter den Titel:

Motorsport ohne ADAC und DMSB?

Eigentlich muss man mit dem letzten Satz aus dem Brief eines engagierten Amateur-Motorsportlers beginnen, weil der auch eine noch vorhandene positive Seite im deutschen „Basis-Motorsport“ aufzeigt, auf die dann nachstehend in Details hingewiesen werden soll:

„Es gibt also Möglichkeiten Rennsport als Amateur zu betreiben, man muss nur die großen Veranstaltungen mal ausblenden.“

Dieser Motor-KRITIK-Leser hat bis vor rd. 20 Jahren aktiv Motorsport betrieben, in einer Zeit also, als das noch Spaß machte.

Auch ich war in dieser Zeit z.B. bei der VLN unterwegs und erinnere mich gerne dieser Zeiten. Die Fotos zeigen den VW Golf GTi der „Schultz-Gruppe“ in Essen, mit dem Walter Piel/Wilhelm Hahne dann z.B. beim ersten VLN-Lauf 1977 Fünfter im Gesamtklassement werden konnten. - Damals!

Unser Motor-KRITIK-Leser war nach seiner aktiven Zeit als Motorsportler oft Zuschauer am Nürburgring. Er erinnert sich:

„Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeiten, als Kalli Hufstadt am Renntag morgens mit seiner Mundharmonika „Morning has broken“ zum Besten gab. - Danach folgte ein Rennen nach dem anderen.“

Später wollte er dann auch weiter irgendwie dem Motorsport direkter verbunden bleiben, ist z.B. als Sportwart (mit DMSB-Lizenz) in der mobilen Streckensicherung aktiv, fährt also das, was heute „intervention-car“ heißt, aber auch das „medical-car“. - Natürlich auch mit einer DMSB-Lizenz, die zur Ausübung dieser Tätigkeit vorgeschrieben ist. - Vom DMSB.

Wenn man dann so zuschaut, wer aktuell alles was – auf die eigene Erfahrung bezogen – falsch macht, den juckt es dann schon mal, im Basis-Motorsport wieder mitzumachen. - Just for Fun. -

Also hat unser Leser wieder eine Lizenz beim DMSB beantragt. Er wollte bei der RCN mitmachen. Da braucht man eine DMSB-Lizenz. Der Leser schildert die Situation so:

„Für die RCN benötige ich die National A. Voraussetzung: 3x GLP unter der ersten 75%, oder Fahrerlehrgang. - Aber kein Thema, mit meiner Erfahrung im intervention-car und medical-car (24h in der Nacht zwischen den ganzen GT3) sollte das klappen.
Weil, was will mir in einem Fahrerlehrgang noch beigebracht werden. Flaggenkunde? Ich habe eine DMSB Sportwart Lizenz und sogar eine DMSB Medicalcar-Driver Lizenz.
Aber ich habe den DMSB unterschätzt. Nein keine Lizenz! Voraussetzung fehlt!
Bitte? Was soll ich denn noch an Erfahrung in der GLP oder in einem Fahrerlehrgang erreichen?
Nein, der DMSB bleibt stur, er hat das Sagen!“

Da stellt man sich schon die Frage:

„Wo also findet ein Amateur, wie ich, noch die Möglichkeit sein Hobby bezahlbar auszuüben. Schauen wir uns die VLN an. In Zeiten des Veedol Langstreckenpokals, fuhren Teilnehmer oft mit dem Einsatzfahrzeug zum Ring. Nummernschild ab, Rennreifen drauf und los ging es. In einer alten Ausschreibung waren sogar noch Gruppe G Fahrzeuge startberechtigt.“

Wie man auf den Fotos oben sehen kann, blieb das Nummernschild in Zeiten des „Veedol Langstreckenpokals“ sogar noch dran. Das ist heute anders. Der Motor-KRITIK-Leser stellt im Hinblick auf die VLN fest:

„Sehr kritisch wird die Entwicklung der VLN gesehen, da sich auch hier in den letzten Jahren die Werke und deren Kunden breit gemacht haben. Die kleinen Teams wandern ab in die RCN und die Spirale ist scheinbar nicht aufzuhalten.
Aber warum unterstütze ich dann die VLN, das 24h Rennen mit meinem ehrenamtlichen Dienst?

Weil ich kein Fahnenflüchtiger bin wenn es mal nicht so gut läuft!“

Also schaut sich unser Leser einmal um:

„Nun, jetzt blenden wir mal den DMSB aus und schauen mal was gibt es denn noch?

NAVC? - Deutsche Amateur Rundstreckenmeisterschaft?

Es gibt also ein Leben - Rennveranstaltungen - außerhalb des DMSB Einflusses!“

Unser Leser hat den Versuch gewagt. Er hat uns – aber auch den Veranstalter dieses Rennens auf der Kurzanbindung des Grand-Prix-Kurses am Nürburgring - über seine Eindrücke von Anfang August ds. Jrs. Informiert:

„Am 01. August war es endlich so weit. Eine Premiere im doppelten Sinne stand an. Die erste Ausfahrt mit dem neu aufgebauten BMW und die erste Teilnahme an einer NAVC Veranstaltung.

Ich bezeichne mich nicht als unerfahrener Motorsportler. Bis 1996 bin ich aktiv gefahren und dann in die Streckensicherung gewechselt. Dort fahre ich neben dem intervention-car in der VLN und medicalcar beim 24h Rennen Nürburgring, Sicherungsfahrzeuge bei div. Veranstaltungen.

Nach der problemlosen Nennung zum Rundstreckenrennen für den Nürburgring, ging es am Sonntag vor dem Rennen zur technischen Abnahme. Die Papierabnahme!

So schnell und freundlich kenne ich das gar nicht! In der Erwartung, dass es wie aus anderen Veranstaltungen, ausgetragen von einem anderen Verband, bekannt, es wieder zu Diskussionen mit dem TK kommt. Aber nö! - Abnahme innerhalb von 5 Minuten mit freundlichen Hinweisen zur Beseitigung von einem kleinen Mangel.

Anreise am Montag ins Fahrerlager, die nächste Überraschung, alle Teilnehmer sprechen miteinander und organisieren sich selbst oder miteinander, beim Abstellen der Servicefahrzeuge und Trailer.

Als nächstes dann das Einrichten der Boxen. Auch hier wieder ein sportlich faires Miteinander. Jeder hatte ausreichend Platz und man arrangierte sich miteinander. Von einer gereizten, überehrgeizigen Stimmung keine Spur. Auch ohne zweiten oder dritten Reifensatz, nur mit zwei kleinen Werkzeugkoffern wird man ernst genommen.

Auch bei der Transponderausgabe wieder ein freundlicher Umgang. Die Fahrerbesprechung in einer lockeren aber ernsthaften Atmosphäre. Über die Mitteilung, dass meine Kollegen aus der VLN, die E-Unit anwesend ist, beruhigt. - Die Jungs wissen was sie tun.

Dann ging es endlich los. Freies Training. Das erste Mal mit dem BMW auf der Strecke. Einfahren, schauen ob alles funktioniert, ob alles hält. Also mit mäßiger Geschwindigkeit unterwegs. Und die anderen Teilnehmer? Klasse!

Jeder achtet und Respektiert den Anderen. Es wird nicht jede kleine Lücke genutzt sondern bis zur nächsten Gerade gewartet und dann überholt. Naja, mal abwarten wie die sich im Quali verhalten!

Zwischen Training und Quali merke ich, dass mein ADAC Aufkleber hier irgendwie fehl am Platz ist!

Im Quali nehme ich den BMW dann schon etwas härter ran, aber immer noch mit viel Reserve nach oben. Es zeigt sich wieder das gleich Bild wie im Training. Ein fairer Umgang der Teilnehmer miteinander.

In meinen langsamen Runden, um die Bremsen wieder runter zu kühlen, macht sich meine Erfahrung aus der Streckensicherung bemerkbar. Immer den Blick im Rückspiegel, um keinem im Weg zu stehen.

Dann kamen die beiden Rennläufe. Die Startvoraufstellung war super organisiert, jeder konnte seinen Startplatz an den gekennzeichneten Hütchen finden. In den Rennen zeigte sich wieder das gleiche Bild. Fairer respektvoller Umgang mit den Kollegen und dem Material. Ok, ein TD kann man nie ausschließen! Mir war sehr schnell Bewusst, dass hier der Geist des Breitensports weiterlebt. Jeder will sein Fahrzeug ohne Blechschaden wieder mit nach Hause nehmen.

Was nehme ich aus dieser Vorstellung mit?

Für mich ist eine NAVC Veranstaltung eine ernsthafte Alternative zu anderen Veranstaltungen. Ich muss in meinem Alter keine vorderen Platzierungen einfahren. Ich möchte Spaß haben und mit einem Grinsen aus dem Auto aussteigen. Möchte feststellen, dass ich meine Zeit aus dem Training im Quali verbessert habe, ohne dafür das Auto zu quälen. Möchte hier und da im Rennen mit einem Kollegen um Platz 23 kämpfen.“

Wir haben diesen Bericht von der ersten selbst erlebten NAVC-Veranstaltung ohne jede Veränderung oder Kürzung hier eingestellt. Tatsächlich scheint auch in Deutschland der Motorsport ohne ADAC und DMSB möglich. - Und das bei deutlich geringeren Kosten!

Man braucht so ein Fahrerlager, wie hier beim „ADAC GT-Masters“ fotografiert, nun wirklich nicht, um als Motorsportler – wenn es um die Freude am Sport geht – selbst aktiv diesen Motorsport auszuüben. - Wie man dem Brief des Motor-KRITIK-Lesers entnehmen konnte, geht‘s sogar ohne ADAC-Aufkleber.

Der Leserbrief enthielt aber auch eine Aufforderung an mich:

„Herr Hahne schauen sie einmal selbst unter navc.de nach was dieser „kleine“ Verband mit seinen Ortsclubs auf die Beine stellt.“

Das habe ich natürlich gerne getan. Damit meine Leser es einfach haben, finden Sie im Anhang zu dieser Geschichte das „NAVC-Motorsport-Handbuch 2016“ als pdf-Datei.

Mein Leser schrieb nach dem Rennen dem Veranstalter des NAVC-Rundstreckenrennens:

„Ich bin überzeugt wir sehen uns nun öfter!“

Und wir hören – und lesen – auch gerne weiterhin die Leser-Meinungen zum Motorsport in Deutschland. - Wenn es Tipps gibt, wie hier, dann geben wir die auch gerne weiter.

Und man wird nachdenklich!

MK/Wilhelm Hahne
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PDF icon Motorsport-Handbuch des NAVC 2016961.82 KB

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