DMSB-Satzung: Zweck, Ziele + Aufgaben

Jeder in Deutschland gegründete Verein hat Ziele. Zur Umsetzung der Ideen, zum Erreichen der Ziele werden Vereine eigentlich auch gegründet. Das war sicherlich nicht nur bei der Gründung des ADAC so, der am 24. Mai 1903 gegründet wurde. So ist das auch mit dem DMSB, der als Nachfolger der ONS, der Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport in Deutschland, der als eine GmbH firmierte und 1926 gegründet wurde. Paralell dazu gab es damals die OMK, die für den Motorradsport in Deutschland verantwortlich zeichnete. Die ONS war als Mitglied der FIA, der Fédération Internationale de l'Automobile die „Sporthoheit“ in Deutschland. 1998 entstand durch eine Fusion von ONS und OMK der Deutsche Motor Sport Bund, der DMSB, der nun sowohl – als e.V. - die nationalen Interessen der FIA als auch die der FIM, der Fédération Internaionale de Motocyclisme, also nun die Interessen sowohl des Automobi- als auch des Motorrad-Weltverbandes vertritt. Der DMSB wurde am 8. Juni 1997 in Frankfurt gegründet, hatte Ziele, von denen man sagen muss, dass man die – Ende des Jahres 2015 – auf Wegen zu erreichen sucht, die man aus der Sicht der Motorsportler – sowohl Automobil- als auch Motorrad- - als Irrwege bezeichnen muss. Darum möchte Motor-KRITIK heute nicht nur aus der aktuellen Satzung dieser e.V. zitieren, sondern sie auch – im Anhang zu dieser Geschichte – in ihrer letzten Fassung vom 26. April 2014 seinen Lesern in der Gesamtheit vorstellen.

DMSB-Satzung: Zweck, Ziele + Aufgaben

„Von wegen 'besinnliche Vorweihnachtszeit'“, schreibt MOTORSPORT XXL auf seinen Internetseiten am 22. Dezember und stellt fest:

„Kurz vor dem Fest knallt es rund um den Nürburgring.“

Das ist eine fast (!) zutreffende Feststellung. Denn es „knallt“ erst nach Weihnachten. (Aber vor Silvester!) Leider wurden die Symptome vorher von der Fachpresse nicht wahr- bzw. ernst genommen. Es wurde dazu auch nicht eindeutig Stellung bezogen. Dass der Basis-Motorsport unter der Fehlbehandlung von Politik und Behörden gerade am Nürburgring per Saldo leiden würde, musste eigentlich jedem Motorsportler mit Erfahrung klar sein.

Wenn man sich einmal überlegt, was dieser Nürburgring im letzten Jahrzehnt alles durchleiden musste, muss man sich nicht wundern, wenn nun die Motorsportler nach eindrucksvoller aktueller Fehlbehandlung durch den DMSB auf die Barrikaden gehen. Man hatte wohl in Frankfurt darauf gehofft, dass gerade die Deutschen in ihrem ausgeprägten falschen Verhalten gegenüber einer „Obrigkeit“ auch in diesem Fall jeden Blödsinn akzeptieren würden.

Nun ist der deutsche Motorsport eigentlich vom Kern her sehr gesund, so dass er kleine Behandlungsfehler durch den DMSB und dessen „Fachleute“ wegstecken konnte. Jetzt ist aber durch den DMSB – aber auch durch die Art seines Verhaltens – die Schmerzgrenze wohl überschritten worden. Man hatte in Frankfurt die ersten Anzeichen für einen Aufstand der Motorsportler übersehen – oder nicht ernst genommen.

Obwohl der Präsident des DMSB, Hans-Joachim Stuck, am 21. August 2015 auch in Nürburg anwesend war, auf der gleichen – provisorischen – Bühne stand, den der Verein „Wir sind Nürburgring“ aufgebaut hatte, um offiziell bedeutenden Vertretern des deutschen Motorsports die Möglichkeit zu geben, vor einem größeren Publikum einmal die eigene Position darzustellen, hat er wohl nicht zugehört was Betroffene sagten, die z.T. ihre Live-Eindrücke klar und unmissverständlich formulierten.

Bedeutsamer ist: Hans-Joachim Stuck als Präsident und Christian Schacht als der Generalsekretär des DMSB haben die geäußerten Vorwürfe – die nicht nur an diesem Tag zu hören waren - nicht ernst genommen. - Die Arroganz der (scheinbar!) Mächtigen?

In einer meiner vorherigen Motor-KRITIK-Geschichten habe ich Olaf Manthey zitiert, den man anders als z.B. Herrn Christian Schacht, als Fachmann auf dem Sektor Motorsport wahrnehmen muss. Olaf Manthey benannte damals, im August 2015, eindeutig den Unfall-Nissan GT3 und seine aerodynamischen Probleme als Unfallgrund. Ich habe aber auch bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen müssen, dass der DMSB bis heute noch nicht das gutachterliche Ergebnis der Untersuchungen des Unfall vom 28. März 2015 veröffentlicht hat, bei dem ein Zuschauer zu Tode kam. - Kennt der DMSB die Unfallursachen? - Wenn nicht: Wie kann man Unfallursachen beseitigen, die man nicht kennt?

Werden also nun die Ursachen des März-Unfalls beseitigt? - Nein! - Aber es wird versucht, der Öffentlichkeit diesen Eindruck zu vermitteln. Man betreibt einen Aktionismus, mit dem man vorgibt für die Zukunft die Basis aller Unfälle im Streckenbereich „Flugplatz“ beseitigt zu haben und man versucht zu verdeutlichen, dass man nur mit weiteren – natürlich geldtreibenen - Maßnahmen, die Motor-KRITIK als rein bürokratische Zwangsmaßnahmen empfinden muss, die Öffentlichkeit beruhigen kann. - Und auch die FIA... -

Motor-KRITIK möchte dem DMSB keine schlechten Absichten unterstellen, muss dann aber von der Unfähigkeit beim Lösen der gestellten Aufgaben durch deren „Spitze“ ausgehen. Aus deren Handlungen ergibt sich nur Unwissen und ein fehlendes Verständnis für die Bedürfnisse des Motorsports. - Oder die neuen Entscheidungen werden – bewusst (?) - durch die eigenen Ansprüche an einen wirtschaftlichen Erfolg der Kombination von e.V. und der angedockten Wirtschafts GmbH bestimmt.

Eigentlich haben die Herren in Frankfurt beim DMSB den Motorsport insgesamt nicht verstanden. Womit sich – zumindest (!) - die Führungs-Spitze dieses eingetragenen Vereins disqualifiziert. Denn diese Herren bestimmen die Richtung.

Motor-KRITIK möchte gerne aus den Satzungen dieses eingetragenen Vereins – übrigens gemeinnützig (!) - zitieren. Damit möchte ich aber nur eine Anregung bieten, doch einmal die gesamte Satzung dieses e.V. zur Kenntnis zu nehmen. Meine Leser finden Sie im Anhang zu dieser Geschichte. - Nun das Zitat:


§ 2
Zweck, Ziele und Aufgaben

1. Der DMSB übt die Sporthoheit für den Automobil- und Motorrad-Sport für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus und vertritt den deutschen Automobil- und Motorrad-Sport international als Mitglied in FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) und FIM (Fédération Internationale Motocycliste) sowie FIM Europe (Fédération Internationale Motocycliste Europe).

2.1 Zweck und Aufgabe des DMSB ist die Förderung des Motorsports unter besonderer Berücksichtigung der Jugendarbeit.

2.2 Den Satzungszweck verwirklicht der DMSB insbesondere durch a) die Wahrung der Belange seiner Mitglieder und der diesen angehörenden Motorsportler in Staat und Gesellschaft, in nationalen Sportorganisationen, insbesondere dem DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund), sowie gegenüber den Medien und der Wirtschaft.

2.3 Er wahrt durch alle dazu geeigneten Maßnahmen die Interessen der Motorsportler im Allgemeinen und der mittelbaren Mitglieder (§4 Ziff.3) im Besonderen bei der Umsetzung deren Wunsches, Motorsport nach den Regeln des DMSB zu betreiben.

2.4 Er führt unter Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes seine Aufgaben in parteipolitischer und konfessioneller Neutralität durch.

Dieser Abschnitt der Vereins-Satzung soll unkommentiert bleiben, weil nun Aussagen folgen, die auf dem „Straßenfest in Nürburg“ (Veranstalter „Wir sind Nürburgring“) gemacht wurden.

Zunächst Kai von Schauroth, der als Organisator von z.B. dem FHR-Langstreckencup, oft mit dem DMSB in Frankfurt Kontakt hat und gegenüber dessen Präsidenten, Hans-Joachim Stuck, in Nürburg bemängelte:

„Wenn es irgendwelche Problematiken gibt dann heißt es: Da können wir nichts dazu sagen, dafür ist die FIA verantwortlich.“ Und stellte fest: „Unser Ansprechpartner in Deutschland ist der DMSB!“

Dazu fiel Hans-Joachim Stuck wenig Gehaltvolles als Antwort ein. Wie von ihm bei vielen Gelegenheiten zu hören: Die FIA ist der Grund. - Und das Publikum lachte!

Klaus Abbelen, einer der Teamchefs und Fahrer sowohl in VLN- als auch beim 24-Stunden-Rennen, versuchte klar zu machen:

„Die Konsequenzen, die aus diesem Unfall gezogen werden, wie er passiert ist, die sind m.E. überzogen. Was da alles gekommen ist, was die Leute alles programmieren mussten, da müssen inzwischen fünf verschiedene Knöpfe für verschiedene Geschwindigkeiten gedrückt werden. Wir blicken als Semi-Profifahrer da oft gar nicht mehr durch, drücken dann den falschen Knopf – wir haben ja inzwischen zehn oder zwölf – ich meine: Das ist ein wenig überzogen. Die Situation, warum das entstanden ist: Der Fahrer war noch nie auf der Nordschleife, der Fahrer hatte das Permit wahrscheinlich... - Sabine hat ihn angelernt, bei Nissan. - Zwei Sachen sind da wahrscheinlich zusammen gekommen: Ein Fahrer, der nicht ausgebildet war für die Nordschleife und ein Fahrzeug, das einfach schlecht war, nicht gut vorbereitet war. Das wussten wir alle. Und der hatte natürlich zu viel Power. Die zwei Sachen sind da in dem Moment aufeinander gekommen.

Ich habe gesagt, der Unfall ist passiert mit 198 km/h – das weiß ich ziemlich genau. Und wir dürfen da jetzt 200 fahren. - Ihr habt sie doch nicht mehr alle! - ...

Kriegen wir denn beim nächsten Unfall einen Kreisverkehr – nach einem Unfall – oder einen Zebrastreifen? - Was soll denn alles noch passieren? - Ich denke, hier muss Schluss gemacht werden, mit diesem Tempo-Limit. Das kann nicht sein – für Rennfahrer! - Sorry!“

Aber es gab von einem anderen Teilnehmer an dieser Podiumsdiskussion, einem Teamchef, der auch erfolgreich GT3-Automobile einsetzt, dann folgenden Einwurf:

„Alles was ich hier höre, liegt sehr nahe beieinander. Ich möchte mal Eines ganz ehrlich in die Runde schmeißen: … - Ich glaube das Jahr 2015 war schwer. Alles war schwer, alles war ungelöst. Jeder hat seine Idee, jeder hat seine Kunden, jeder will starten. Aber hat sich wirklich mal irgend jemand Gedanken darüber gemacht, wenn hier keine Veranstaltung gewesen wäre? - Was wäre mit den Fans, was wäre mit den Teams, was wäre mit den Veranstaltern? Es wären nicht nur ein paar, die ihre Kunden verlieren würden, ich glaube, da liegt eine ganz andere Tragweite dahinter. Und ich denke mal, deswegen sollte man versuchen einen Konsenz zu finden. Das ist nun mal so: Manchmal muss es eskalieren, um eine Änderung herbei zu führen. Das ist nun mal so im Leben. Aber ich denke auch, man kann nicht alle glücklich machen, aber man muss sich auf das Thema einlassen. - Das möchte ich nun mal dazu sagen.“

Das ist die Einstellung, die heute von allen „Mächtigen“ in schwierigen Situationen von „Partnern“ erwartet wird. Es ist ein „Untertanenverhalten“ erwünscht. Aus diesem System ist noch niemals eine vernünftige, zukunftsträchtige Lösung entstanden. Es wurden Dinge nicht zu Ende gedacht, weil es scheinbar genügte, die wirklichen Probleme „unter den Teppich zu kehren“.

Das ist in der Vergangenheit zu oft passiert. Nun muss man die Bodenfreiheit des Teppichs – nicht die der GT3 – erhöhen. (Übrigens eine Schacht-Idee!) Und es stehen inzwischen eine ganze Gruppe von Teamchefs und Fahrern bereit, gerade den Basis-Motorsport auf der Nürburgring-Nordschleife zu entstauben, mit frischen Wind evtl. auch „morsche Äste“ aus dem übervollen Gewirr von Vorschriften und Reglements zu brechen.

Natürlich will man sich „auf das Thema einlassen“, aber man möchte dann auch vernünftige Lösungen erarbeiten und nicht – wie die bisherige „Fahrer AG“ - als Argument für Lösungen des DMSB missbrauchen lassen, die nur diesem „gemeinnützigen“ e.V. „geldwerte Vorteile“ verschaffen.

Es geht jetzt nicht nur „um ein paar Kunden“, um die Formulierung eines o.e. Teamchefs zu gebrauchen, es geht um den Basis-Motorsport auf einer der bedeutendsten Rennstrecken der Welt.

Es würde keine Trauer unter den Sportfahrern ausbrechen, wenn bei dieser Säuberungsaktion auch einige Funktionäre „vom Baum fallen würden“. - Eigentlich haben sie sich auch selbst den Ast angesägt, auf dem sie derzeit noch sitzen – und der jetzt abbrechen könnte.

Guten Rutsch ins neue Motorsport-Jahr!

MK/Wilhelm Hahne
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