AZ NRTR 100713: Gutachten neue Tribüne

In der Motor-KRITIK-Geschichte vom 11. August 2014, „NG-Oldtimer-GP: Geheime Treffen?“, habe ich ein Gutachten des „Rheinische Institut für Bauschadensfragen“ (RIB) zum ersten Mal erwähnt. Das Echo auf diese Veröffentlichung hat gezeigt, dass dieses Gutachten bisher wohl unbekannt geblieben war und von den Insolvenz-Sachwaltern – aus welchen Gründen auch immer – unter Verschluss gehalten, quasi als „geheime Verwaltungssache“ behandelt wurde. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt der Inhalt auch nur grob – und auf bestimmte Details beschränkt – bekannt. Aufgrund der regen Nachfrage habe ich zwar keine Drohnen, aber etwas mehr „Brieftauben“ ausschwärmen lassen. Barack Obama hat gezeigt wie es geht – und wie man es so macht, dass Angela keinen Anstoß an seinen indiskreten Abhörmethoden nimmt. Dagegen sind die Rechercheversuche von Motor-KRITIK solche, wie man sie in der Steinzeit des Journalismus gelernt hat. Vielleicht funktionieren sie darum auch heute wieder. Nachfolgend finden meine Leser also mehr aus:

AZ NRTR 100713: Gutachten neue Tribüne

Eigentlich handelt es sich hier, wie ich korrigierend feststellen muss, um eine „gutachterliche Kurzstellungnahme“. Motor-KRITIK hat zur Kenntnis nehmen müssen:

„Die Bearbeitungstiefe eines Kurzgutachtens ist eine andere als die eines ausführlichen Gutachtens.“

Das ist bereits auf Seite 3 zu lesen. Und auf Seite 4 kommt man dann einem der Gründe für die „gutachterliche Kurzstellungsnahme“ schon näher:

„Unter der Haupttribüne mit rd. 4.800 Sitzplätzen befinden sich die Geschäftslokale (Shops bzw. Boulevard). Nach der Fertigstellung wurden in den Shops unter der Haupttribüne massive Durchfeuchtungen an den Deckenbauteilen sichtbar. Bei diesen Feuchtigkeitserscheinungen handelt es sich im Wesentlichen um Wassereinbrüche in 'tropfbar-flüssiger' Form. Feuchtigkeitsverfleckungen und tlw. Ausblühungserscheinungen.“

Da weiß man dann als Außenstehender auch, was den Mietern der Shops „geblüht“ hat und warum sie (auch) das Weite gesucht haben. Denn inzwischen herrscht zu normalen Zeiten in und um den „Boulevard“ gähnende Leere.

Das betrifft auch z.T. die Ladenlokale, deren Mieter bzw. deren Bedienstete sich im Winter darüber beklagen, dass auch die Wärmeverteilung über die Gesamtlänge des „Boulevard“ nicht gleichmäßig erfolgt: Vorne (ausgehend vom „Lotto-Shop“) herrscht eine „Bullenhitze“, während man im hinteren Teil (Nissan-Shop) sich schon etwas winterlicher kleiden muss, will man sich nicht erkälten.

Der Ortstermin der gutachterlichen Besichtigung fand übrigens am 10. Juli 2013 in Gegenwart einiger Zeugen statt, zu denen z.B. von Seiten der den Auftrag erteilenden Nürburgring GmbH (Anmerkung: zu dieser Zeit schon in Insolvenz in Eigenverwaltung) ein Herr Schnobel, als Leiter „Facility Management“ abgestellt war.

„Die bei dem Ortstermin getroffenen Einzelfeststellungen wurden fotografisch mit einer Olympus my DIGITAL dokumentiert.“

Und:

„Eine grobe Überprüfung der feuchttechnischen Kennwerte erfolgte mit der Hydromette RTU 600 und der B 60, Firma Gann.“

Wichtig:

„Im Rahmen der Ortsbesichtigungen (Anmerkung: die zweite fand am 16. Juli 2013 statt) wurde die Haupttribüne begutachtet. Auf weitere Bewässerungsversuche wurde im Hinblick auf die vorh. Nutzung und den vorliegenden Unterlagen verzichtet. Um den Deckenaufbau nachzuvollziehen wurden bei der zweiten Ortsbesichtigung versch. Bauteilöffnungen angelegt.“

In der Folge wird dargestellt, wie und was aus Gutachtersicht fehlerhaft angelegt wurde und wie man es richtig machen sollte. Interessant sind dann die Schlussfolgerungen, zu denen man auf Seite 18 kommt:

„Da die einzelnen Betonelemente einer permanten Bewegung ausgesetzt sind, ist für eine vollständige und dauerhafte Überarbietung die gesamte Tribüne zu demontieren und anschl. mit einer sach- und fachgerechten Fugenausbildung (Mindestfugenbreite) neu aufzubauen.“

Und man ist der gutachterlichen Meinung:

„Diese Maßnahmen stellen einen massiven Eingriff in die Konstruktion dar und die ges. Anlage wäre über einen längeren Zeitraum nicht nutzbar.“

Im Gutachten werden auch die Kosten für den Abbau, die Nachrüstung und den Wiederaufbau genannt: rd. Zwei Millionen Euro einschl. MwSt. - Und es wird festgehalten:

„Die unten aufgeführte Kostenschätzung bezieht sich nur auf die im Rahmen des Ortstermins bewerteten Schäden und Beanstandungen an der Tribüne bzw. in den Shops.“

Hier ein fotografisch festgehaltener Ausschnitt aus einer der Gutachtenseiten:

An keiner Stelle wird übrigens in diesem Gutachten auf irgendeine Gefahr bei der Nutzung der Tribüne hingewiesen. Auch DTM-Besucher an diesem Wochenende brauchen also wohl nicht um Leib und Leben zu bangen.

Und die Shops im „Boulevard“ sind zum Teil derzeit nicht belegt, so dass auch hier „Verfleckungen, Laufspuren, tlw. Abtropfendes Wasser und Ausblühungen“ keine Rolle spielen.

Es gibt auch keinen Grund zu unterstellen, dass die Insolvenz-Sachwalter dieses Gutachten, aus dem oben zitiert wurde, vielleicht nicht im „virtuellen Datenraum“ den möglichen Kaufinteressenten dargeboten hätten. Dafür hatte man – s. die entsprechenden Bedingungen – auch keinerlei Zusagen gemacht, bzw. eine Gewähr irgendwelcher Art übernommen.

Im „virtuellen Datenraum“ waren übrigens, wie ich aus Gesprächen mit „Bietern“ weiß, denen ein Zugang gewährt wurde, rd. 6.000 Dokumente mit einem Umfang von etwas über 70.000 Seiten eingestellt.

„Mit Gewähr“ kann man jedoch die „gutachterliche Kurzstellungnahme“ empfinden, aus der hier zitiert wurde und in der es abschließend heißt:

„Der Sachverständige bescheinigt durch seine Unterschrift zugleich, dass ihm keine Ablehnungsgründe entgegenstehen, aus denen jemand als Beweiszeuge oder Sachverständiger nicht zulässig ist oder seinen Aussagen keine volle Glaubwürdigkeit beigemessen werden kann.“

Was da von der politischen Regierungs-Mischung in Mainz und deren Aussagen, den Insolvenz-Sachwaltern und dem lokalen politischen Umfeld (z.B. Kreisverwaltung) zu halten ist, das mögen die Leser entscheiden, denen hier in Motor-KRITIK immer wieder eine noch breitere Basis zur Urteilsfindung in Sachen Nürburgring geboten wird.

MK/Wilhelm Hahne
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