VLN/Mauer-Durchbruch beim ADAC-Bollwerk?

„Wir sind immer für Sie da“, verspricht der ADAC in seiner Werbung und bezieht das auf die Situation, in die normale Autofahrer mit den von ihnen genutzten modernen, innovativen Produkten schnell kommen können: In eine „Wir-brauchen-Hilfe-Situation“. - Aber der ADAC ist nicht nur bei Hilfe-Rufen zur Stelle, sondern ist manchmal auch „vor Ort“, wenn er eigentlich nicht gebraucht wird und durch seine „Hilfestellung“ andere Mit- oder Wettbewerber sogar in Schwierigkeiten bringen kann. So ist er aktuell dabei – nicht zu seinem Nachteil – ein Veranstalter-Bollwerk gegen das Monopolstreben des neuen Nürburgring-Pächters CNG (capricorn NÜRBURGRING GmbH) aufzubauen und zu nutzen. Alle Veranstalter sollen da mitspielen. Unter Führung des ADAC. Doch die VLN, vertreten durch ihren Generalbevollmächtigten, Karl Mauer, wollte im Interesse ihrer Gesellschafter schon abwägen, ob es im Interesse des Breitensports nicht besser wäre, wenn man unabhängig bleibt. - Denn wer ist der ADAC? - Motor-KRITIK rückt ein wenig die Paravents zur Seite und lässt seine Leser – nicht nur an dieser Stelle – durch die Lücken schauen. - Der ADAC ist ein Verein, ein e.V., ein eingetragener Verein, der nicht automatisch „gemeinnützig“ ist. Genau genommen ist der ADAC auch mehr ein Interessenverband, der unter der Vereins-Flagge segelt. Wenn ein Verein satzungswidrig wirtschaftliche Ziele verfolgt, kann ihm von Amts wegen der Vereins-Status entzogen werden. Darum hat der ADAC z.B. alle seine wirtschaftlichen Aktivitäten in kleine Wirtschafts-GmbH's ausgelagert. Gemäß seiner Satzung gliedert sich der ADAC in 18 Regionalklubs. Auch diesen Regionalklubs sind z.T. wirtschaftliche GmbH's zugeordnet, die sich mit der Umsetzung von wirtschaftlichen Interessen der Klubs beschäftigen, um nicht deren Vereinsstatus zu gefährden. In der Vereinszentrale in München „werden die Fäden gezogen“. Wobei die z.T. etwas wirr verlaufen, weil die Interessen der Klubzentrale in München nicht immer den Interessen der Regionalklubs entsprechen. Und die Interessen vieler Mitglieder des ADAC nicht unbedingt immer deren (unerklärten) Zielen. Der ADAC hat aktuell knapp 19 Millionen Mitglieder und ist – insgesamt betrachtet – eine wirtschaftliche Großmacht, die aber eigentlich fast unauffällig und „lautlos“ arbeitet, und dabei eine Unmenge von „Fangarmen“ in Bewegung setzt. - Wie eine „Krake“. - Auch, um z.B. am Nürburgring einen „V-Pool“ zu bilden. Eine Veranstaltergemeinschaft. Unter Führung des ADAC. - Motor-KRITIK fragt hier aus aktuellem Anlass: Gibt es einen...

VLN/Mauer-Durchbruch beim ADAC-Bollwerk?

Wenn Motor-KRITIK zur Darstellung des Großvereins ADAC einen Vergleich aus dem Tierreich wählt, so ist das nicht negativ gemeint, sondern soll dem Leser nur die Art und Handlungsweise des Vereins nahe bringen. Dass die Krake aus normaler Sichtweise kein schönes Lebewesen darstellt, ist da Zufall.

Um „Wikipedia“ zu zitieren und mit einem „Bild“ die Vorstellung der Leser – auch auf die Situation bezogen - anzuregen:

„Kraken gelten als die intelligentesten Weichtiere, wobei ihre Intelligenz mit der von Ratten verglichen wird. Kraken sind in der Regel sehr scheu, jedoch neugierig und erweisen sich in Versuchen als sehr lernfähig.“

Motor-KRITIK meint, dass mit so einem Vergleich das Wesen des ADAC mit wenigen Worten sehr gut umschrieben werden kann.

Nun hat eine Krake unterschiedliche Fangarme. Der ADAC ist da der Krake überlegen, hat – wie oben schon erwähnt – nicht nur 18 große Regionalklubs, es gibt auch noch rd. 1.800 ADAC-Ortsklubs, von denen auch der größte Teil der Motorsportveranstaltungen in Deutschland durchgeführt wird.

So sind auch bei der Ausrichtung der Deutschen Langstreckenmeisterschaft, die auf der Nürburgring-Nordschleife ausgetragen wird, 6 von 10 Veranstaltern, die in der VLN (Veranstaltergemeinschaft Langstreckenmeisterschaft Nürburgring - inzwischen eine OHG) zusammengeschlossen sind, ADAC-Clubs. Einer davon, der ADAC Westfalen e.V., darf dabei als „Schwergewicht“ gelten, da es sich hier um einen der 18 großen Regionalklubs handelt.

Der wurde übrigens bis vor Kurzem von einem – inzwischen ehemaligen – ADAC-Vizepräsidenten und -Schatzmeister geführt. Der ist in München – aber auch in Dortmund - von allen Ämtern wegen irgendwelcher Bau-Affären, die noch im Detail aufzuklären sind, zurückgetreten. (Die „Wirtschaftswoche“ berichtete dazu kenntnisreich.)

Zurückgetreten ist in München auch der Chef eines anderen ADAC Regionalklubs, dem ADAC Nordrhein, der aber immer noch von diesem Ex-ADAC-Präsidenten regiert wird, der in München nach der „Gelben Engel“-Affäre ausgeschieden war und sich nun mit Hilfe seiner Mitarbeiter in Köln am Rhein um den Aufbau einer Veranstaltergemeinschaft, einen „V-Pool“ bemüht, der am Nürburgring die Richtung vorgeben soll. - Und mehr! (s. weiter unten)

Am Nürburgring spielen insgesamt folgende ADAC Regionalklubs eine bedeutende Rolle:

  • ADAC Mittelrhein e.V.
  • ADAC Nordrhein e.V.
  • ADAC Westfalen e.V.

Da erscheint es (fast) logisch, dass der ADAC seine Interessen dort durch zwei aus den o.g. Regionalklubs von ihm Beauftragte gegenüber der CNG vertreten lassen möchte, die vom ADAC Nordrhein und ADAC Mittelrhein gestellt werden. Man möchte dem in der Vergangenheit immer sehr „schwergewichtig“ (als würde er über ein Monopol verfügen) aufgetretenen Nürburgring, ganz gleich durch welche GmbH er auch immer vertreten sein wird, als Verhandlungspartner ein „Schwergewicht“ gegenüber stellen. - Eine gute und richtige Grundidee, die man aber dazu nutzen möchte, um im Zusammenschluss mit allen anderen Veranstaltern am Nürburgring praktisch zu einer „Großmacht“ zu werden, der die anderen Beteiligten – wie zufällig - „am Nasenring durch die Manege führen kann“.

Vom ADAC Westfalen und einer Problematik die da entsteht... - da reden wir später!

Nun ist die VLN – entstanden 1977 zur Durchführung des „Veedol-Langstreckenpokals“ - längst aus der Rolle eines e.V. (eingetragenen Verein) herausgewachsen. Aus dem Langstreckenpokal von einst ist inzwischen die Deutsche Langstreckenmeisterschaft geworden und aus der VLN e.V. inzwischen eine OHG (offene Handels-Gesellschaft), die handelsgerichtlich eingetragen und z.B. auch umsatzsteuerpflichtig ist und sich nicht hinter einem Vereinsstatus versteckt, in dem man das „Geschäft“ in Wirtschafts-GmbH's auslagert..

Diese OHG könnte theoretisch durch jeden ihrer zehn Gesellschafter vertreten werden, hat aber zur Führung einen Generalbevollmächtigten bestimmt, der seit dem 1. September 2014 Karl Mauer heißt, der nicht nur als „gelernter Journalist“ über Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit verfügt, sondern auch die strategisch und taktisch wichtigen Gesetzmäßigkeiten „moderner Geschäftsführung“ bei Konzernen wie Ford und Opel kennen gelernt hat und sich in seinem Handeln an ihnen orientiert. - Dort wird auch nicht mit Glacé-Handschuhen gearbeitet!

Die Interessen der ADAC-Veranstalter am Nürburgring werden durch einen vom ADAC Nordrhein e.V. bestimmten Rechtsanwalt vertreten, der nun versucht, möglichst viele Veranstalter am Nürburgring zu einem „V-Pool“ (Veranstalter-Pool) zu bündeln. Natürlich hat er auch versucht die VLN in diesen Pool zu bekommen, die mit zehn Veranstaltungen auf der Nürburgring-Nordschleife schon für die derzeitigen Pächter des Nürburgring, CNG (capricorn NÜRBURGRING GmbH), von Bedeutung ist.

Die VLN fühlt sich jedoch – schon in der Vergangenheit als e.V. - von einem anderen mächtigen Verein, dem ADAC Nordrhein e.V. ziemlich vereinnahmt, weil der sein bedeutendes 24-Stunden-Rennen bisher stark auf die kommerziellen Interessen der Industrie ausrichtete, was u.a. auch darin begründet ist, dass der ADAC Nordrhein e.V. die Marketingrechte an diesem Rennen an einen privaten Unternehmer gegen Zahlung einer nicht kleinen sechsstelligen Summe überlassen hatte, der daran schließlich auch wieder verdienen wollte.

Im Zuge der so relativ industrienah geplanten Maßnahmen wurden die ersten VLN-Rennen einer Saison so in der Vergangenheit immer dazu genutzt, die für die Umsetzung der kommerziellen Pläne erforderlichen Reglementsänderungen für das 24-Stunden-Rennen durch die VLN „vorprüfen“ zu lassen. Die VLN hatte darum das für das 24-Stunden-Rennen jeweils vorgesehene Reglement des ADAC Nordrhein zu übernehmen. - Basta! - Das betraf – und betrifft – vor allen Dingen die GT3, die nach ihrer Einführung das Niveau der Langstreckenrennen am Nürburgring nicht nur positiv beeinflusst hat.

Der ADAC Nordrhein e.V. sagt: Nur positiv! - Die Teilnehmer der VLN – aber auch deren Veranstalter meinen: Leider negativ! - So kommt es, dass es zwar eine Reihe von Veranstaltern am Nürburgring gibt, die den „Vornamen“ ADAC tragen und dennoch nicht unbedingt die gleiche Sprache wie „ihre Brüder und Schwestern in München“ sprechen. - Sie sind betroffen!

Zum Beispiel auch durch die „BoP“, die „Balance of Performance“, die es zwar auch bei der FIA gibt, die z.B. zu diesem Zweck alle neuen GT3 einer Grundabnahme unterzieht. Aber die „BoP“ des ADAC Nordrhein ist noch etwas anderes, deren Einflussgrößen von drei Technikern gerade im Hinblick auf das jährliche 24-Stunden-Rennen entwickelt werden und dann auch – sozusagen zwangsweise – von der VLN als für ihre Veranstaltungen verbindlich übernommen werden müssen.

Steckte die VLN bisher in der Zwangsjacke des ADAC?

Ein andere – eigentlich aktuell wenig verständliche - Tatsache ist, dass bei der vorgesehenen Zusammenfassung von vielen Veranstaltern am Nürburgring durch den ADAC zu einem „V-Pool“, der Veranstalter der ADAC GT-Masters-Veranstaltung – nämlich der ADAC selbst – der, der auch für das sportliche Reglement verantwortlich zeichnet, nicht in diesen „Pool“ kommt. Aber vielleicht einer seiner „Untertanen“ (ein Regionalklub) im Fall Nürburgring?

Der Sport-Präsident der ADAC-“Mutter“ (des Gesamtklubs) in München, Hermann Tomczyk, möchte eigentlich in der GT-Masters nicht die Gesamtführung aus der Hand geben und – so meinen selbst die, die an der „Pool“-Lösung arbeiten – schwächt der ADAC eigentlich seine Position gegenüber der CNG, dem aktuellen Pächter am Nürburgring, selbst – und stellt die Grundidee in Frage, wenn der gleiche Veranstalter – in diesem Fall der Regionalklub ADAC Westfalen - sich bei den ADAC GT-Masters durch den „V-Pool“, aber in der Deutschen Langstreckenmeisterschaft durch die VLN gegenüber der CNG vertreten lässt, da er dort der Veranstalter des jeweils ersten Laufes in einer Saison ist.

(Die Auflösung dieser im Moment für meine Leser noch evtl. „rätselhaften“ Formulierungen folgt in dieser Geschichte etwas später.)

Aber es gibt noch andere Einflussgrößen („Krakenarme“), die der ADAC – der Gesamtklub in München – für seine Strategien einsetzen und nutzen kann. Da wären z.B.:

  • Der DMSB, eine nationale Motorsportvertretung des Motorsport-Weltverbandes FIA, die sich aus Beteiligungen von ADAC, AvD und DMV zusammensetzt und
  • Ja zum Nürburgring“, ein gemeinnütziger (!) Verein, der natürlich „vom ADAC in München vollkommen unabhängig ist“ (Aussage des 1 Vorsitzenden und Ex-Präsidenten des ADAC, Otto Flimm), aber wohl – wenn es darauf ankommt – auch aus der „Kriegskasse“ des ADAC gefüttert werden kann.

Der DMSB ist jene nationale Motorsport-“Behörde“, die scheinbar emotional und spontan nach dem Unfall bei einem VLN-Lauf am 28. März 2015, der zum Tod eines Zuschauers führte, dann durch ihren Generalsekretär eine Geschwindigkeitsbeschränkung an mehreren Streckenabschnitten der Nürburgring-Nordschleife anordnete. - Das ist weltweit einzigartig!

Zwischenfrage: Wer ordnete eigentlich die Sperrung von Zuschauerplätzen an? - Wer hatte die Berechtigung, öffentliche Wander- und Radwege zu sperren? - Die aufgestellten Verbotsschilder weisen keinen Verantwortlichen aus!

Hans Joachim Stuck, (auch) DMSB-Präsident, hat am Abend des 3. Juli 2015 diesen Eindruck von „unüberlegter Spontanität“ bei der Einführung der weltweit einmaligen Geschwindigkeitsbeschränkungen auf einer Rennstrecke durch seine öffentlich gemachte Aussage auf einer Fahrerbesprechung zum am nächsten Tag folgenden VLN-Lauf korrigiert, indem er erklärte – die Anwesenden staunten! -

  • ...dass Jean Todt, Präsident des Motorsport-Weltverbandes FIA, schon zwei Stunden nach dem Unfall eine solche Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Nürburgring-Nordschleife vom DMSB – in einem Telefongespräch mit ihm, Hans-Joachim Stuck - gefordert habe.

Motor-KRITIK hat beim DMSB aktuell noch einmal nach Details gefragt und kann als offizielles Statement des DMSB (!) hier auszugsweise (und nachweisbar!) aus einer E-mail an Motor-KRITIK notieren:

  • „Der DMSB hat für Veranstaltungen auf der Nürburgring-Nordschleife sogenannte Slow-Zones definiert, deren Ausgestaltung und Überprüfung der jeweilige Veranstalter per Bulletin oder in seiner Ausschreibung den Teilnehmern mitteilt.
  • Das Regelwerk des DMSB gilt grundsätzlich nur bei DMSB-genehmigten Veranstaltungen. Ob ein Rennstreckenbetreiber oder ein Mieter sich den Regelungen für andere Veranstaltungen anschließt, liegt nicht im Einflussbereich des DMSB.
  • Eine messbare Wertminderung können wir nicht erkennen. Im Gegenteil: Bei den Slow-Zones handelt es sich um ein Instrument, das derzeit sicherstellt, dass auf der Nordschleife überhaupt ein geregelter Rennbetrieb mit allen Klassen, die auch in den Vorjahren startberechtigt waren, stattfinden kann. Die Tempolimits sind sicher nicht ideal, aber nach dem tragischen Unfall beim 1. VLN-Lauf war an ein einfaches „Weiter so!” aus unserer Sicht nicht zu denken.
  • Nach Todesfällen wird in der Regel sofort die komplette Streckenlizenz entzogen, um zunächst Unfallursachen zu analysieren und etwaige Maßnahmen ergreifen zu können. DMSB-Generalsekretär Schacht hat aber stattdessen die Nordschleife zunächst nur für einige Klassen gesperrt – eine Maßnahme, die wenige Tage später vom DMSB-Präsidium ausdrücklich bestätigt wurde. Diese konnte dann aufgehoben werden, als eine sichere Durchführung der Rennveranstaltungen (u. a. durch die Slow-Zones) gewährleistet war. Sobald die derzeit aktiven DMSB-Arbeitsgruppen umfassende Lösungen für die Sicherheit auf der Nordschleife erarbeitet haben, werden auch die Tempolimits wieder aufgehoben.“

Da kommt einem dann doch die vom DMSB-Präsidenten bei der o.g. Fahrerbesprechung vorgetragene Argumentation ein wenig „spanisch“ vor.

Dass die o.e. Arbeitsgruppen erst Monate nach dem Unfall zum ersten Mal zusammengetroffen und weitere Treffen geplant sind, weist den DMSB nach Einschätzung von Motor-KRITIK nicht als eine reaktionsschnell entscheidende und handelnde Sport-Organisation aus, sondern als eine „Behörde“!

Deren, nach dem Unfall am Nürburgring einsetzte, Arbeitsgruppe Technik, tagte übrigens gerade in dieser Woche unter Vorsitz des DMSB-Präsidenten und des -Generalsekretärs. - Von irgendwelchen Ergebnissen, gerade im Hinblick auf die GT3 hat Motor-KRITIK bisher noch nichts gehört.

Christian Schacht, der DMSB-Generalsekretär hat übrigens nach dem überraschenden Tod von Dirk Hagemeier Anfang Juni, nicht nur langjähriger Leiter der Streckensicherung bei der VLN, sondern auch Leiter des DMSB-Fachausschusses Sicherheit und Streckenabnahme-Kommissar, die Verhandlungen mit der FIA persönlich übernommen, soweit das die künftig durchzuführenden Maßnahmen an Nürburgring-Strecke und Rennfahrzeugen (GT3) betrifft.

Eine in mehrfacher Hinsicht interessante Entwicklung. Und es scheint, dass die Arbeitsgruppe „Rennstrecke“ z.B. erst gar nicht erst zusammen kommt, da sich aus der vorgesehenen personellen Zusammensetzung Spannungen ergeben, die ein sinnvolles Zusammenarbeiten unmöglich machen würde.

Doch jetzt zur zweiten, oben genannten „Einflussgröße“, mit der der ADAC gerne „unter Wasser schießt“:

Die Rolle von „Ja zum Nürburgring“ ist scheinbar entsprechend dem Vereinsnamen eindeutig und entspricht so sicherlich auch den Vorstellungen des mächtigen ADAC in München. Schon beim Bau des Grand-Prix-Kurs ließ sich dieser kleine Verein als Wohltäter feiern, weil er eine wesentliche Summe zum Bau des Nürburgring-Grand-Prix-Kurses beisteuern konnte.

In den Mitgliederversammlungen dieses Vereins danach kam es übrigens zu Treffen von um 35 – 40 Mitgliedern. - Mehr nicht. (Natürlich ist die „theoretische“ Mitgliederzahl höher!)

Dieser Verein kam deshalb bei bestimmten Gelegenheiten so in Schwung – und am Nürburgring „ins Geschäft“ - weil ihm vom Finanzamt eine Gemeinnützigkeit zugesprochen wurde. Das versetzt diesen Verein in die Lage, für zahlungskräftige Sponsoren Spendenquittungen auszustellen. Das war sowohl beim Bau des Grand-Prix-Kurses am Nürburgring der Fall und wurde dann wieder – sehr stark – beim Bau der so genannten „FIA-Zäune“ an der Nürburgring-Nordschleife genutzt, die jetzt – nach dem Unfall am 28. März – aus den verschiedensten Gründen wieder ins Gespräch gekommen sind.

Das „reaktionsschnelle Handeln“ des DMSB zu diesem Zeitpunkt war deutlich vom Interesse des ADAC bestimmt, dessen Regionalklub Nordrhein das 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife durchführt. - Motor-KRITIK hat seit dem Erstellen der ersten FIA-Zäune an der Nordschleife aufmerksam die Geschehnisse beobachtet, die zum Bau dieser „Sicherheitsanlagen“ führte.

Obwohl der Bau nach dem rheinland-pfälzischen Baugesetz nur mit einer Baugenehmigung für das Erstellen solcher Zäune „im Außenbereich“ erfolgen darf, wurde mit dem Bau ohne jede Genehmigung begonnen. Nach einem kurzen Baustopp – aufgrund einer Anfrage von Motor-KRITIK – ging es mit dem Bau schnell weiter, ohne dass z.B. die Zustimmung des Forstamtes in Adenau eingeholt worden wäre, obwohl doch durch den Bau eines Zaunes – sicherlich z.B. – auch Wildwechsel betroffen waren und sind. Aber selbst die Regional-Politiker scheinen so ein Forstamt nicht ernst zu nehmen.

„Wir machen es einfach“, war – und ist! - nicht nur der Leitspruch des Landesregierung von Rheinland-Pfalz, auch Haupteigner der Nürburgring GmbH, sondern auch dessen Geschäftsführer, Dr. Walter Kafitz, der sich auf seiner Visitenkarte als „Hauptgeschäftsführer“ darstellte.

Die Gelder zum Bau dieses FIA-Zaunes an der Nürburgring-Nordschleife liefen auch z.T. über den Verein „Ja zum Nürburgring“, wurden von ihm „gesammelt“. Trotz eindeutiger und klarer Schilderungen – auch in meinem „Nürburgring-Buch“, zwischen den Seiten 140 und 150 in der pdf-Version (15 €) -wurde das von der Öffentlichkeit entweder nicht gelesen oder nicht begriffen.

Es gibt in diesem Buch noch viele weitere Seiten, die mit dem Thema „FIA-Zaun“ nicht einfach gefüllt wurden, sondern – auch heute noch – einmalige Einblicke in die Vorgehensweise aller Beteiligten bietet. (s. Seiten 220 – 229 und 267 – 278 der pdf-Version)

Was die Zuschauer in einer Vielzahl von einem an vielen Stellen überflüssigen, anderen wichtigen Stellen (aus der Sicht der Fahrer!) nicht vorhandenen FIA-Zaun halten, konnte man während des 24-Stunden-Rennens 2008 auf vielen ihrer T-Shirts lesen:

„Ich bin ein Gefangener im Camp Guantánamo Nordschleife! Freier Blick für Fans – weg mit dem SCHEISS ZAUN!“

Der Verein „Ja zum Nürburgring“ war auch beim Beispiel dieses FIA-Zauns praktisch das Angebot der „Mutter“ ADAC an die Industrie für möglichst großzügige Spenden. - Gegen Spendenquittung! - Als Spenden waren die „Beiträge“ der Industrie so steuerlich absetzbar!

Und niemand der „Ja zum Nürburgring“-Mitglieder oder dessen 1. Vorsitzender hat den eigentlichen Sinn dieses Vereins zum Zeitpunkt seiner Gründung begriffen? - Zugegeben: Gut gemacht!

Heute bildet „Ja zum Nürburgring“ geradezu ein Stimmungs-Bollwerk gegen die Interessen, die denen des ADAC zuwider laufen. Zufällig waren die Interessen des Vereins über lange Zeit auch deckungsgleich mit denen der Nürburgring-Fans, so dass gewisse Eigentümlichkeiten übersehen wurden.

Die deckungsgleichen Ziele sind übrigens z.T. heute noch vorhanden. - Was nichts daran ändert, dass „Ja zum Nürburgring“ aus Sicht von Motor-KRITIK auch den „Krakenarmen“ des ADAC zugerechnet werden muss.

Es ist sicherlich im Sinne von Recht und Gerechtigkeit – aber auch des ADAC – wenn „Ja zum Nürburgring“ aktuell eine Klage bei der EU gegen der Verkauf des Nürburgrings eingelegt hat. Aber nach den vielen Vorankündigungen dieser Aktion, die so wie eine Drohung wirkten – und wohl auch so gedacht waren - war die Umsetzung der Ankündigung in Taten nun auch wirklich erforderlich, da inzwischen auch ein anderer Bieter, „Nexovation“, den Klageweg beschritten hatte.

„Ja zum Nürburgring“ hat dafür – wie man selbst erklärt – 1.200 Seiten Klageschrift auf den Weg gebracht. - Da die ein Rechtsanwalt erarbeitete, fragt sich die Öffentlichkeit: Wer trägt die Kosten? - Welcher Verein? - Der kleine oder der große?

Tatsächlich ist es wohl so, dass die eigentliche „Klageschrift“ aber nur um 50 Seiten stark ist und die restlichen DIN-A4-Seiten die Anlagen zur Klageschrift darstellen, die sich in den Jahren des „Nürburgring-Skandals“ (einschl. der Insolvenz) zu einem gewaltigen „Haufen Papier“ angesammelt haben.

Inzwischen ist übrigens die Klageschrift beim Gerichtshof der Europäischen Union in Luxemburg angenommen worden und wurde dort unter „Rechtssache T-373/15“ registriert.

Das ist eigentlich die „Vorgeschichte“, die man kennen sollte, wenn man den Focus auf die aktuellen Geschehnisse richtet:

Die VLN-Organisation steht an einem Scheideweg: Einen eigenen Weg mit dem Reglement für die Deutsche Langstreckenmeisterschaft gehen oder als „Subunternehmer“, abhängig von den Absichten des ADAC dankbar für die „Krümel“ zu sein, die der ADAC bisher hingeworfen hat?

Auch innerhalb der Organisation, der VLN-OHG, ist der „richtige Weg“ umstritten, zumal die „Mutter“ in München, auch über ihre Regional- und Ortsklubs gerne das Zepter schwingt. Trotzdem hat man dem Generalbevollmächtigten, Karl Mauer, auf der letzten Jahreshauptversammlung den Auftrag erteilt, das Für und Wider im Interesse der neuen OHG auszuloten.

So versuchte Karl Mauer in den letzten Wochen und Monaten in vielen direkten Kontakten mit der CNG, in Gesprächen mit einem der Geschäftsführer, Carsten Schumacher, die Möglichkeiten für die VLN zu direkten Verträgen mit dem aktuellen Nürburgring-Pächter auszuloten.

Auch – ziemlich aktuell - wurde ihm vom so genannten „V-Pool“ über dessen Rechtsanwalt und deren schon vorhandene Mitglieder noch einmal konkret ein Beitritt zu diesem neuen, im Entstehen befindlichen „Veranstalter-Schwergewicht“ angeboten. Wobei auch hier übrigens „Ja zum Nürburgring“ praktisch in einer vermittlenden Rolle über seinen offiziellen Pressesprecher auftaucht und – zumindest von Motor-KRITIK – so wahrgenommen wird.

Über die Möglichkeiten und Basiskonditionen sollte noch verhandelt werden. - Es standen inzwischen auch erste Gesprächstermine zur Diskussion, an denen man sich an einem Tisch zu einem ersten Informationsgespräch zusammensetzen wollte.

Zur gleichen Zeit wurde auch der RCN, eine andere Veranstalter-Organisation mit einer Reihe von Veranstaltungen für den Basis-Motorsport am Nürburgring kontaktet. Auch der RCN (genau: Rundstrecken Challenge Nürburgring e.V.) sollte – kann – dem „V-Pool“ beitreten. Ein Spitzen-Funktionär dieses Vereins hat das Angebot für solche Gespräche dankbar angenommen, wollte aber vorher noch einmal in direkten Gesprächen mit der CNG abklären... -

Das wurde vom „V-Pool“ als „unmöglich“ empfunden und ihm dringend davon abgeraten, wenn er den Beitritt zum wichtigen, bedeutenden und – auch jetzt schon – großen „V-Pool“ nicht gefährden wolle.

Du, du! - (Sie kennen das, wenn man „kleinen Kindern“ mit dem Zeigefinger droht?)

Nach vorliegenden Informationen ist der RCN dann eingeknickt, ist inzwischen aus pragmatischen Gründen – wie man das heute erklärt - dem „V-Pool“ beigetreten, zumal man aus Gesprächen mit dem Geschäftsführer der CNG, Carsten Schumacher, den Eindruck mitnehmen musste, dass eine Breitensportserie unter seiner Art der Geschäftsführung über die Zeit betrachtet, keine Entwicklungschancen hat. Schumacher hatte zu verstehen gegeben, dass er – also die CNG – die Breitsportserien der RCN praktisch mit finanzieren würde , da er an den Wochenendtagen, an den der RCN die Nordschleife belegt, mit der Sparte „Touristenverkehr“ deutlich mehr verdienen könne, als mit dem RCN.

So kam es dann zum Beitritt der RCN zum so genannten „V-Pool“, der vom ADAC Nordrhein bestimmt wird.

Gestern, am 16. Juli 2015, hatte der RCN seine Jahreshauptversammlung in Brühl. Dort hat sich der bisherige Sportleiter, „Kalle“ Breidbach, nicht mehr zur Wahl gestellt. 1. Vorsitzender des Vereins ist Willi Hillebrand. Der wird auch die Funktion des Sportleiters zunächst kommissarisch übernehmen. - In der „Lostrommel“ des Vereins befinden sich schon ein paar Namen für eine Nachfolge des Herrn Breidbach, doch mit einer Entscheidung ist erst gegen Ende des Jahres zu rechnen.

„Kalle“ Breidbach hat sich bereit erklärt, die Motorsport-Aktivitäten auch über diese Zeit noch beratend zu begleiten und einen Nachfolger dann auch „einzuarbeiten“. Übrigens ist auch ein Dieter Weidenbrück in der „Lostrommel“, bietet aber – so ist zu hören – mit seiner Zuordnung zu „Ja zum Nürburgring“ zu viel „Konfliktpotential“.

Während also die Weichen beim RCN gestellt sind, war bis gestern Abend bei der VLN definitiv noch nichts wirklich klar. - So stellt sich die Entwicklung hin zu einer Entscheidung für Motor-KRITIK dar:

Die VLN hatte nicht vor, sich ohne einen Abgleich von Für und Wider für einen der möglichen Partner zu entscheiden, zumal der Generalbevollmächtigte der OHG, Karl Mauer, sich durch die Gesellschafter zu einer Überprüfung aller Möglichkeiten verpflichtet fühlte.

Karl Mauer ist dann aber wohl bei Nutzung aller taktischen Tricks, die ihm in seinem Berufsleben durch die Großindustrie vermittelt worden waren, ein Fehler unterlaufen, der seine „trickige“ Taktik verdeutlichte. Der ADAC hat ihm nämlich dann unterstellt, dass er sich in den Gesprächen mit ihnen nicht nur schlau machen, sondern auch Informationen für den Nürburgring-Pächter sammeln wolle, um mit dem dann gemeinsam evtl. „ein eigenes Vertrags-Süppchen“ kochen zu können.

Da hat der „V-Pool“ dann sofort und umgehend geschaltet und die VL-OHG – bzw. ihren Generalbevollmächtigten - offiziell per E-mail am 1. Juli 2015 informiert, dass ein Beitritt zur eigenen „Großmacht“ nicht mehr möglich sei. Der Beauftragte des ADAC schreibt:

„...nach den mir vorliegenden aktuellen Informationen macht ein Beitritt der VLN in den schon bestehenden V-Pool nicht wirklich Sinn.
Insofern darf ich Ihnen insbesondere, aber auch der VLN, zu den anstehenden
bilateralen Verhandlungen mit der CNG für das Jahr 2016 und auch den folgenden
Jahren, viel Erfolg wünschen....“

Damit wollte man der VLN eigentlich die Möglichkeit nehmen, die eine gegen die anderer Partei ausspielen zu können. - Wie man unterstellte. - Die VLN, bzw. Karl Mauer, hat dann zwar noch mal ihr/sein Interesse an einem evtl. Zusammenschluss verdeutlicht, aber... - Immerhin war das ja schon dem in Gründung begriffenen V-Pool bei der RCN gelungen. - Und der ADAC setzt auf seine Stärke!

Es gab vor dem 3. VLN-Lauf am Freitag, dem 3. Juli 2015, dann auch eine Sitzung der bisher im „V-Pool“ schon vereinten Mitglieder (die Zusammenkunft war „geheim“ und deren Gespräche waren natürlich vertraulich!) in der man den „Ausschluss“ der VLN definitiv beschloss, es aber auch, als richtig empfand, das Verhalten eines Karl Mauer „an den Pranger zu stellen“, seine Position innerhalb der VLG-OHG praktisch damit zu gefährden.

So wurde – durch wen auch immer - dafür gesorgt, dass Details über ein „Fehlverhalten“ des Karl Mauer gegenüber seinen Gesellschaftern – wie man glaubte - an den richtigen Stellen gestreut wurden. - „Vertraulich“ natürlich. - Da wird z.B. im „Gerüchtekeller“ von „gemeinsamen Grillabenden“ u.a. nicht nur zwischen dem Generalbevollmächtigen und dem Geschäftsführer, sondern auch mit den Lebensgefährtinnen dieser Herren geflüstert. - Psssst! - Geheim!

So hoffte man einen der wenigen Leute mit dem richtigen Über- und Durchblick bei der VLN praktisch ausschalten zu können, um die eigenen Reihen – und damit die eigene Bedeutung – um noch mal 10 Veranstalter - und für die CNG und die Eifelregion wichtige Veranstaltungen – dann noch erhöhen zu können.

Einen anderen Vertreter der schon im V-Pool vertretenen Veranstalter hat man bei dieser Gelegenheit, dem „geheimen Treffen“, einen „Maulkorb“ umgehängt und ganz klar gemacht, dass der neue „V-Pool“ nur über wenige, genau benannte Personen den direkten Kontakt zur CNG und deren Geschäftsführer, Carsten Schumacher, herstellen darf.

Doch der holt nun gerade in einer gewagten Einzelaktion zum Gegenschlag aus, hat zu einem eigenen „Geheimtreffen“ (Was sonst?) einem bedeutenden Mitspieler in diesem Nürburgring-Roulette sein persönliches Konzept entwickelt, das natürlich den Nürburgring betrifft. - Und natürlich auch die VLN treffen würde. - Aber sicherlich auch nicht dem ADAC passen wird.

Es ist zur Zeit fast unmöglich alle laufenden „konzertierten“, aber auch Einzelaktionen unter Kontrolle zu haben. Jeder versucht „sein Süppchen zu kochen“. - Aber wo ist der große Topf, aus dem alle schöpfen wollen?

Alle Aktionen laufen unter einem Motto ab, das schon meine Großmutter bei anderen Gelegenheiten mit:

„Jeder für sich – und Gott für uns alle!“

richtig umschrieb.

Wenn auch die gegenüber der VLN verwendete „Kern-Info“ des „V-Pool“ sicherlich unter „ehrbaren Kaufleuten“ ein Argument ist, sollte man nicht vergessen, dass im aktuellen Wirtschaftleben das „Friss oder stirb'“ gilt. - Woran sich der ADAC auch selbst gerne hält. (Wie die bisher bekannt gewordenen „Affären“ des Super-Clubs beweisen.) Die „Seriösität“ des ADAC ist ja inzwischen – spätestens seit der „Gelben-Engel-Affäre“, einem Manipulationsskandal - allgemein bekannt. - Motor-KRITIK zählt auch den Dacia-“Umfaller“ dazu.

Wie ein „Kenner“ dazu augenzwinkernd gegenüber Motor-KRITIK bemerkte:

„Gemeinheit geht vor Eigennutz!“

Dazu gehören dann die oben schon erwähnten, plötzlich auftauchende Gerüchte von – z.B. - gemeinsamen Grillabenden der neuen Vertragspartner.

  • Der neuen Vertragspartner? - JA!

Nach Motor-KRITIK-Recherchen wurden am 7. Juli 2015 die lang währenden Vertragsverhandlungen zwischen der CNG und VLN zu einem Vorvertrag – nicht zuletzt wegen des Drucks aus dem „V-Pool“ - zügig abgeschlossen, der alle wesentliche Punkte und Konditionen für die notwendigen 30 Verträge der nächsten drei Jahre (+ zwei Jahre Option) durch die 10 VLN-Gesellschafter betrifft und festlegt.

Man darf hier nicht nur die sicherlich im Vordergrund stehenden groben Kosten sehen, sondern muss feststellen, dass „in der Quersumme“ dieser Vertrag für die VLN wohl „günstiger ist“, als der des Jahres 2013, an dem man sich in diesem Jahr, in 2015, noch zu orientieren hatte. - Wie Motor-KRITIK seit gestern zu wissen glaubt.

Da an diesem 7. Juli, einem Dienstag, zufällig ein Kölner Rechtsanwalt in anderer Sache („Rad am Ring“) einen Termin bei der Geschäftsleitung des Nürburgring-Pächters hatte, konnte ihm Karl Mauer, der VLN-Generalbevollmächtigte, dann gleich das aktuell fixierte Vertragswerk, zu dem CNG und VLN gemeinsam gefunden hatten, zur nochmaligen Sichtung und evtl. Nacharbeit übergeben.

Gleichzeitig hat Karl Mauer dann alle Gesellschafter der VLN-OHG für den 16. Juli 2015 zu einer Gesellschafterversammlung eingeladen, an dem dann der Vertrag nach dem Abnicken aller Gesellschafter durch die Vertreter der beiden Vertragsparteien unterschrieben werden soll.

Der Rechtsanwalt der VLN hatte den Vorvertrag inzwischen nach mehrtägiger intensiven Prüfung als in allen Teilen annehmbar und rechtlich „einwandfrey“ zurückgegeben.

Die Gesellschafter der VLN waren – wie man hört - offenbar mit dem Ergebnis ihres mit Vertragsverhandlungen betrauten Generalbevollmächtigten auch zufrieden, haben dem Vertrag dann gestern Abend, am 16. Juli 2015, im „Lindner Hotel“ am Nürburgring mehrheitlich (nicht einstimmig!) zugestimmt. (Es gab wohl eine Enthaltung.)

Zu dieser Gesellschafterversammlung der VLN war übrigens auch Carsten Schumacher erschienen, der in einem langen Vortrag – anders als gegenüber dem RCN – den Gesellschaftern den Eindruck zu vermitteln suchte, dass man „gemeinsam“ (!) um die Weiterentwicklung der Serie bemüht bleiben werde.

Carsten Schumacher, trat – wie immer – im eleganten „Dreiteiler“ (die „Rhein-Zeitung“ hat ihn mal so bezeichnet) auf, während – wie Motor-KRITIK von Beobachtern berichtet wurde – Karl Mauer in einem beigefarbenen Sommeranzug erschienen war.

Beide setzten dann – zufällig beide mit „Montblanc“-Füllern ausgestattet – dann für die von ihnen vertretenen Vertragsparteien mit blauer Tinte ihre Unterschriften unter den Vertrag und gaben ihm so seine Wertigkeit.

  • Das „Fisch'chen“ VLN ist damit den Fängen des ADAC entkommen. (s. auch das „Bild“ oben)

Aus Motor-KRITIK-Sicht erstaunlich: Der ADAC Westfalen e.V. hat dem Vertrag zugestimmt. Ist er damit der „Spion“ auf der VLN-Seite für den „V-Pool“? - Da wäre dann eine ähnliche Konstelation entstanden, die man Karl Mauer und der VLN von Seiten des „V-Pool“ einmal vorgeworfen hat.

Und sicherlich ist der „V-Pool“ so schon zu diesem Zeitpunkt, da diese Geschichte erscheint, über alles was gestern Abend im „Lindner-Hotel“ am Nürburgring ablief, exakt informiert.

Aber CNG-Geschäftsführer, Carsten Schumacher, wird zufrieden sein, weil er so ein wenig von dem Druck befreit ist, mit dem „V-Pool“ zu allen evtl. diktatorisch vorgetragenen Bedingungen alle gewünschten Veranstaltungen des „V-Pool“ abschließen zu müssen. - Zehn Rennen sind der VLN für die Saison 2016 so am Nürburgring sicher. - Breitensport zu „vernünftigen“ Konditionen, wie man hört! - Nicht nur 2016, auch 2017 und 2018! - Mit einer Option bis 2020!

Man sollte in Sachen Motorsport am Nürburgring - auf allen Verhandlungsseiten! - niemals vergessen:

  • „Leben und leben lassen!“

Das gilt auch – und ganz besonders – für den Breitensport auf der Nürburgring-Nordschleife.

In Silverstone (GB) hat man übrigens ganz aktuell in einer Sache, die auch am Nürburgring höchste Beachtung finden sollte, eine bedeutende Entscheidung getroffen:

  • GT 3-Sportwagen sind beim 24-Stunden-Rennen in Silverstone 2016 ausgeschlossen!

Das dürfte den ADAC-Gesellschaftern, im neuen „V-Pool“ zusammengeschlossen, nicht passen. Am Nürburgring wird es ohne GT3 beim 24-Stunden-Rennen 2016 sicherlich nicht gehen.

Dabei ist Silverstone eine Strecke, die von der FIA für die Nutzung von Formel 1-Fahrzeugen frei gegeben ist und darum sicherlich zum Einsatz von GT3-Fahrzeugen besser geeignet ist, als z.B. die Nürburgring-Nordschleife.

Dort fand in den letzten Wochen auch eine „Sichtkontrolle“ der Nordschleife durch den FIA-Beauftragten, Roland Bruynseraede, statt, den man aktuell auch als DTM Race-Director wahrnimmt. Ihm wurden auch die Pläne eines Sinziger Ingenieurbüros vorgelegt, die eine Reihe von Überarbeitungen der Strecke im Winterhalbjahr 2015/16 vorsehen. Es handelt sich dabei um Überarbeitungen an bestimmten Stellen der Fahrbahndecke (auch z.B. Fräsarbeiten an der kleine Bodenwelle vor dem eigentlichen „Sprung“ z.B. der GT3 am „Flugplatz“), Neuordnung an einigen Zuschauerplätzen, Ergänzungen des FIA-Zauns und Curb-Absenkungen. - Diese Maßnahmen fanden nach Informationen von Motor-KRITIK die Zustimmung des FIA-Abgesandten.

Darum dürfen wir auch auf das VLN-Reglement für das Sportjahr 2016 am Nürburgring gespannt sein, weil dessen Basis jetzt nicht mehr von ADAC-Wünschen abhängig sein muss. - Die VLN steht jetzt gegenüber den Motorsportlern, die primär den Breitensport favorisieren, allein in der Verantwortung.

  • Breitensport gegen (Marketing-)Spitzensport?

Die ADAC-Aktivitäten nach dem Unfall am 28. März 2015 auf der Nürburgring-Nordschleife haben einen Eindruck von dem vermittelt, was mit Hilfe aller „Krakenarme“ im Interesse der Industrie möglich ist. (Motor-KRITIK berichtete zum und vom 24-Stunden-Rennen.)

Der DMSB ist nicht nur industriehörig – wie übrigens auch ein Teil der fachunkundigen Presse – er ist praktisch ADAC-abhängig. Was auch so von den internen Sitzungen nach draußen dringt, bei denen z.B. der ADAC-Sportpräsident, Hermann Tomczyk, zugegen ist. Es vermittelt ein eindeutiges Bild! - Entscheidungen von Herrn Tomczyk - also die des Sportpräsidenten des mächtigen ADAC, München - „haben Gewicht“, bestimmen die DMSB-Enscheidungen.

Bei der VLN jetzt nicht mehr. - Der DMSB ist – ganz im Gegenteil – jetzt sogar ein wenig von der VLN abhängig. Denn wer schafft mit seinen 10 Rennen, hunderten Einsatzteams und mehr als 1.000 Fahrern pro Jahr die Voraussetzungen für bedeutende Einnahmen des DMSB in Form von Lizenz- und Genehmigungsgebühren? - Die VLN sollte gegenüber dem DMSB nicht als Bittsteller auftreten! - Der DMSB hat Dienstleister-Funktion!

Karl Mauer, der Generalbevollmächtigte der VLN, hat mit dem aktuell geschlossenen Vorvertrag das "ADAC-Bollwerk" offensichtlich geknackt, das sich im wesentlichen an den kommerziellen Wünschen der Marketing in Sachen Motorsport verbildeten Automobil-Industrie orientiert, weniger an den sportlichen der Motorsport-Fans. - Die VLN ist den Fängen „der Krake“ entschlüpft!

Man darf nun gespannt sein, welchen Weg die VLN ab der Saison 2016 einschlagen wird, um wieder zur Basis – zu einem Ausgangspunkt – für eine vernünftige motorsportliche Entwicklung zu werden. - Auch eine bezahlbare Einstiegskategorie des Motorsports zu bleiben.

Auf dem Weg dahin ist es interessant zu wissen, dass die CNG auf ihrer Nürburgring-Internetseite derzeit eine Umfrage veranstaltet, die noch nicht abgeschlossen ist. Derzeit verlangen danach mehr als 70 Prozent der Abstimmenden, dass bei den VLN-Langstreckenrennen weiterhin die GT3-Fahrzeuge am Start sein sollten. - Und mehr als 80 Prozent sind gegen jeden Umbau der Nordschleife.

Die CNG, als Pächter auch „Statthalter“ am Nürburgring, sollte nicht nur solche Umfragen veranstalten und – wie gerade geschehen – einen mehrjährigen Vorvertrag mit der VLN abschließen, sondern sollte insgesamt mit einer langfristig angelegten Politik dazu beitragen, den Nürburgring nicht nur wieder zu einer begehrten Anlaufstelle von Touristenfahrern, sondern auch von Zuschauern und der Industrie werden zu lassen. - Man sollte – man muss! - nun endlich einmal ein vernünftiges Gesamtkonzept präsentieren.

Aber ist eine langfristig angelegte Politik bei der durch die Mainzer Provinz-Politiker wesentlich bestimmten Situation am Nürburgring überhaupt möglich? - Hat der der Insolvenz-Sachwalter in irgendeiner Form mitgespielt, indem er den Verkauf in einer von der Landesregierung gewünschten Form beeinflusste? - Wie reagiert die EU auf die aktuellen Ereignisse? - Wie die Industrie?

Es gibt eine Reihe von ungelösten Fragen! - Und eigentlich gibt es derzeit keinen – nach allgemeinen Vorstellungen – wirklichen Besitzer. - Oder sollte man eine „Treuhand-Gesellschaft“ wirklich als Besitzer (ohne Geld!) ernst nehmen? - Die „capricorn NÜRBURGRING Besitzgesellschaft mbH“ ist nur eine Hülle, die derzeit von einem russischen Investor geziert wird. - Eine Meisterleistung des Insolvenz-Sachwalters, mit der sich dann demnächst die Gerichte beschäftigen werden.

Interessant ist, dass der „Chef“ des ADAC Nordrhein diesem Investor – in Kenntnis der derzeitigen Situation – angeboten haben soll, evtl. notwendige Umbaukosten an der Nordschleife gegen eine entsprechende Beteiligung an der Besitzgesellschaft zu übernehmen.

Und der ADAC (ADAC Nordrhein?) würde dann auch gerne den Geschäftsführer für den am Nürburgring tätigen Pächter stellen! (Der Name ist Motor-KRITIK bekannt!)

Man muss alle diese Fakten und bewusst gestreute Gerüchte kennen, um zu begreifen:

„Die Lage war noch nie so ernst!“ - (Wie Konrad Adenauer zu sagen pflegte.)

Es mag z.B. auch Zufall sein, dass Kurt Beck nach seinem Ausscheiden aus der Landesregierung „als kranker Mann“ nicht nur sehr schnell Vorsitzender der (SPD-nahen) Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin wurde, sondern auch noch einen Beratervertrag bei Boehringer, Ingelheim, einem bedeutenden Arzneimittelhersteller erhielt.

„Zufällig“ wird Motor-KRITIK auch von allen ignoriert, die auf eine Zusammenarbeit mit Industrie und Politik angewiesen sind. - Die Hausdurchsuchung 2009 war aber nicht zufällig!

Der Nürburgring ist tatsächlich immer noch „ein politisches Thema“, auch wenn man in Mainz so tut, als gäbe es ihn gar nicht. - Inzwischen! - Man hat sicherlich genug andere Probleme, aber man löst Probleme nicht, indem man wegschaut, angeblich „nach vorne“, in eine blendende Zukunft blickt. - Wo bitte, Frau Dreyer, ist da ein Hoffnungsschimmer für den Nürburgring am Horizont?

Inzwischen sind drei Jahre seit Einleitung der Insolvenz vergangen! - Und es geht nicht mehr vor und zurück. Der Koloss Nürburgring muss in diesem Zustand bald auf die „Intensivstation“, wenn er überleben will.

Der Schritt der VLN in die Unabhängigkeit von großen Organisationen und anderen politischen Einflüssen ist ein richtiger, aber – so werden viele meinen – ein riskanter Schritt. - Er ist in jedem Fall ein Bekenntnis zum Breitensport! - Ein richtiger, wichtiger – aber sicherlich nur kleiner Schritt! - Gemessen an den großen Problemen des Nürburgrings.

Eigentlich sollte alles was passiert so normal sein, wie eine gute journalistische Berichterstattung. Da muss man auch schon mal ein paar Puzzlestücke zusammenfügen können.

Das hier ist ein großes Puzzle geworden. Aber nur so kann es richtig gesehen und gesamthaft aufgenommen und bewertet werden.

Oder waren das jetzt zu viele Informationen gegen eine „politische Strömung“, bzw. den Mainstream?

Diese Geschichte soll eigentlich durch Darstellung der vielen sich gegenseitig beeinflussenden Facetten primär der umfassenden Information der Leser dienen, damit sie leichter zu einer eigenen Meinungsbildung finden können.

MK/Wilhelm Hahne
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