Letzter VLN-Lauf 2015: Schlussakkord?

Ich war Jahrzehnte lang – seit 1977 – als Teilnehmer bei VLN-Rennen unterwegs, kenne die Situation, wenn man bei den letzten Rennen der Saison z.B. am „Brünnchen“ direkt in die tiefstehende Sonne fährt, weiß auch aus eigener Erfahrung, dass nicht nur eine Ölspur, sondern auch eine so genannte „Betriebsmittelspur“ zu Unfällen führen kann, weil diese Spuren meist nicht sichtbar sind. Heute wird nicht mehr reines Wasser als Kühlmittel eingefüllt, sondern die Kühlmittel enthalten eine Beigabe, die die Fließgeschwindigkeit erhöht, woraus sich die Möglichkeit ergibt, mit evtl. kleineren Kühlern (man muss an die Kosten denken!) trotzdem die notwendige Menge Wärme abzuführen. Wobei unsere modernen Motoren mit ihrem geschlossenen Kühlsystem auch mit Betriebstemperaturen von über 100 Grad Celsius arbeiten. - Das wäre alles mit reinem Wasser nicht möglich. - Mit „nur“ Wasser als Kühlmittel hätte auch beim letzten VLN-Rennen in dieser Saison kein Abbruch mit „Roter Flagge“ erfolgen müssen. - Übrigens der erste Abbruch in dieser Saison, die trotzdem als die unerfreulichste Saison der VLN in die lange Geschichte dieser Langstreckenmeisterschaft eingehen wird. - (Nach Reklamation aus dem Leserkreis: Es war tatsächlich der 2. Abbruch, aber der erste, der zu einem "irrregulären Endergebnis" führte. Beim 1. Abbruch erfolgte keine Wertung. Das Rennen hat also eigentlich nicht stattgefunden. - Entschuldigung! Ich hätte das erklären müssen.) Und wenn man dann noch die Stimmung vieler Teilnehmer am Ende dieses Rennens am 31. Oktober 2015 – bezogen auf die Ereignisse in 2015 insgesamt - mit einbringt, dann sei die Frage gestattet:

Letzter VLN-Lauf 2015: Schlussakkord?

Die Gebrüder Groneck waren zufrieden. Nach 2013 waren sie am Ende des letzten VLN-Rennens 2015 - das zunächst aus Zeitgründen auf drei Stunden verkürzt ausgetragen wurde, um dann gut 10 Minuten vor Ablauf mit „Roter Flagge“ abgewunken zu werden – zum zweiten Mal die strahlenden Gesamtsieger einer Saison. Wie „damals“, 2013, einen Renault Clio fahrend. "Zur Sicherheit" hatten die Groneck-Brüder noch „Klassenfüller“ mitgebracht. Einer davon war Dirk Gronek – Teil des Gesamtsieger-Gespanns – selbst, in dem er einen Zusatz-Clio für eine Runde (!) an den Start brachte.

Wer das Wertungssystem der VLN kennt, weiß warum. Es gab mehr Punkte bei einem Klassensieg. Und an der Spitze der Gesamtwertung wurde in diesem Jahr mit Zehntel-Punkten gerechnet. Zwischen Platz 1 und 3 betrug am Ende der Saison die Differenz acht Zehntel. Dritter im Gesamtklassement wurde Stefan van Campenhoudt, der in der „V 4“ unterwegs, dieses Mal nur Platz 2 in der Klasse herausfahren konnte.

  • Erfolgreichste Frau im Gesamtklassement wurde in 2015 Daniela Schmid, die Platz 10 belegte.

Damit ist dann schon das Erfreulichste abgehandelt.

Wenn man die „Vorläufige Starterzahl“ von Mittwoch vor dem Rennen mit der des Jahres 2014 vergleicht, dann wurden in diesem Jahr rd. 26 Prozent weniger gezählt. Als es in die Startaufstellung ging war die Differenz noch 19 Prozent, weil noch eine Reihe von Fahrern nachgenannt hatten.

Rückblickend betrachtet, hat die Geschwindigkeitsbegrenzung des DMSB die Saison 2015 für die VLN schon deutlich „verhagelt“, da hilft auch nicht der Hinweis: Im nächsten Jahr soll alles besser werden. Was am 10. November beim DMSB in Frankfurt passiert, interessiert kaum jemanden, der aktiv Motorsport betreibt. Die Saison 2015 – aber auch das letzte Rennen in diesem Jahr auf der Nürburgring-Nordschleife – bestimmt die Stimmung, mit der man in die „Winter-Pause“ geht. - Und die Stimmung war noch nie so schlecht!

Das DMSB-Nordschleifen-Permit wird bleiben, das man auch beim einzigen Rennen des RCN in diesem Jahr – im Oktober - einem Drei-Stunden-Rennen zur Pflicht gemacht hatte. Weil der DMSB damit die Teilnehmer z.T. überrascht hatte, wurde beim Ausstellen der Permits aber großzügig verfahren. Aber so ein „Not-Permit“ verärgerte die Rennteilnehmer trotzdem, weil es tatsächlich nur als eine „behördliche Maßnahme“ ohne jeden Sinn empfunden wird. - Wenn man von den Einnahmen für den DMSB – und das Umfeld - absieht. - Was auch der Realität entspricht.

Und für die nächste Saison muss man es wieder neu beantragen und bezahlen!

Darum wird auch die Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung in 2016 – wie schon vor vielen Wochen versprochen - kaum etwas an der Stimmung der Teilnehmer an den Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife ändern.

„The party is over!“, wie der Engländer sagt.

Die Stimmung bei der VLN lässt sich so beschreiben, wie ich es in diesen Tagen von Teilnehmern – seit Jahren bei der VLN unterwegs - gehört habe und mit meinen Worten so zusammen fassen möchte:

Ich bin froh dass es vorbei ist. Der DMSB mit seinem Permit ist – und bleibt – ein Dauerthema. Die Fahrer sind richtig genervt, sie haben keine Lust mehr. So eine Saison wie die 2015 hinterlässt Spuren. Viele haben wirklich keinen Spaß mehr. Eigentlich sind sie bisher am Nürburgring gefahren um Spaß zu haben, den Alltag mit seinen Problemen zu vergessen. - Aber so macht es keinen Spaß mehr! - Das merken auch die Teams, die ihre Fahrzeuge bisher an zahlungskräftige Fahrer vermieteten. - Der Spaß fehlt; die Fahrer bleiben aus – die Teams haben Schwierigkeiten die Cockpits zu besetzen. - Und eine VLN als Ansammlung von Markenpokalen wird auch nicht mehr das sein, was sie mal war.

Hier könnten jetzt schon Namen von Fahrern/Fahrerinnen stehen, die eigentlich jetzt schon (fast?) fest entschlossen sind, im nächsten Jahr ihr Geld für andere Dinge auszugeben, die auch das Leben verschönen. Motor-KRITIK wird erst nach den ersten VLN-Läufen 2016 daran erinnern, wer von den in den letzten Jahren bekannten Leuten nicht mehr dort im Rennoveral und Sturzhelm erscheinen wird.

Der DMSB hat am Nürburgring mehr als nur eine Saison „kaputt gemacht“ – wie man klar feststellen und es eindeutig formulieren kann und muss.

Natürlich hat die allgemeine Stimmung – und das politische Gekeifere – mit zu der Negativ-Stimmung beigetragen. Da helfen keine Gesetze und Verordnungen. Die Politiker verstehen leider nicht nur den Motorsport und die Leute die ihn betreiben nicht, sondern scheinen inzwischen insgesamt den „Kontakt zur Basis“ - wie man das modern formuliert – verloren zu haben. - Und werfen den Wählern dann „Wahlmüdigkeit“ vor.

Das alles – dieser insgesamt vorhandene Frust - wirkt sich dann auch auf die Arbeit der Funktionäre im Motorsport aus. Sie wirken mit ihren „sicheren Entscheidungen“ verunsichert. - Wäre es vor Jahren vorstellbar gewesen, dass ein Dreistunden-Rennen 10 Minuten vor Ende mit der „Roten Flagge“ abgewunken wurde, weil zwei Porsche im Bereich „Brünnchen“ auf einer Spur von „Betriebsflüssigkeit“ gecrasht sind? - Sicher nicht!

Da wird das Nachschieben von „stärker wirkendem Nebel“ und „es wurde auch immer dunkler“ wie das Stammeln von Kindern empfunden, wenn sie bei einem Blödsinn ertappt worden sind und ihnen keine Ausrede mehr einfällt.

In irgendeiner Form wurde der 10. VLN-Lauf in 2015 schon so zu einer Art von „Schlussakkord“! - Zumindest für die Zeit der Jahre, die wirklich dem Breitensport, den Amateuren auf der Nürburgring-Nordschleife gehörte - ohne die Beeinflussung durch Werksfahrer und Werkswagen, Aerodynamik, Elektronik und GPS.

Wir, die wir die Entwicklung der Serie vom ersten Lauf – 1977 – mit verfolgt haben, über einen langen Zeitraum auch selbst „mitten im Spiel waren“, wir können das mitempfinden. - Und ehrlich: Wir hatten unseren Spaß!

Jetzt werden noch die letzten Proteste abgewickelt. Ich könnte heute schon schreiben, wie der z.B. aus dem 9. VLN-Lauf in Frankfurt bei der Protestverhandlung – und mit welchen Argumenten (!) - entschieden wird. Denn die Weichen wurden längst gestellt. (Das eigentliche Thema ist: Genauigkeit von GPS, abhängig von den in der Hardware verwendeten Chips.)

Aber was nutzt eine Weichenstellung, wenn keine Züge mehr fahren!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Natürlich wird Motor-KRITIK über den oben erwähnten Protest und die dann später stattfindende Verhandlung beim DMSB berichten. - Damit zumindest die Leser ihren Spaß haben!
Und natürlich auch über die VLN 2016, die für „die Alten“ wie der Beginn einer neuen Zeitrechnung sein wird. - Meine ich - als mitfühlender Ex-Teilnehmer.

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