Gerhard Berger, 1. Vorsitzender ITR e.V.

Seit heute ist klar, was Motor-KRITIK am 2. Januar 2017 nur vermuten konnte. Auf diesen Seiten war zu diesem Termin die Zukunfts-Entwicklung der DTM unter dem Titel zusammen gefasst: „DTM 2017: Das letzte große Aufbäumen!“ - Heute liest man in der Presse-Info: „Die ITR stellt sich für die Zukunft neu auf.“ - Weiter: „Die DTM ist ein erstklassiges Produkt mit einem leistungsstarken, selbstbestimmten Reglement, mit starken Herstellern, Top-Sponsoren, wichtigen internationalen Partnerschaften und vielen Fans“. - Der das lt. Presse-Info sagt, ist…

Gerhard Berger, 1. Vorsitzender ITR e.V.

Zu Beginn der 3. Dekade des Monats März 2017, gut einen Monat vor den ersten DTM-Läufen in Hockenheim (5. - 7. Mai 2017) gibt‘s eine Presseinformation, nach der Gerhard Berger den DTM-Vorsitz von Hans Werner Aufrecht übernimmt. - Übernimmt?

Das staunt man schon, da ich schon zu Anfang des Jahres 2017 die Situation der DTM im Hinblick auf die vor uns liegende Saison nach bestem Wissen und Gewissen beschrieben hatte. - Auch, was mit Herrn Aufrecht, dem Gründer der ITR e.V. und langjährigen 1. Vorsitzenden geschehen war.

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Gerhard Berger hat seine eigene Meinung zur aktuellen Situation und erklärt die so:

„Ich habe meine Rennsportkarriere im Tourenwagen begonnen und habe die DTM immer mit großem Interesse verfolgt. Die DTM ist ein erstklassiges Produkt mit einem leistungsstarken, selbstbestimmten Reglement, mit starken Herstellern, Top-Sponsoren, wichtigen internationalen Partnerschaften und vielen Fans. Ich sehe dies als gute Ausgangsbasis mit großem Potenzial für die Zukunft. Als erstes werde ich mir in den nächsten Wochen mit meinen Kollegen einen tieferen Einblick in die Details verschaffen. Aufbauend auf der starken Basis werden wir dann eine gemeinsame Strategie für die Zukunft erarbeiten. Wichtig sind mir vor allem der Ausbau unserer internationalen Partnerschaften auch mit neuen Herstellern, spektakuläre Rennfahrzeuge, die auch den Fahrern Respekt einflößen und ein Format, das Sport und Unterhaltung gleichermaßen bietet.“

Was ist die DTM anders, als eine Rennserie mit Einheits-Automobilen auf Rohrrahmen-Basis, die sich nur durch Farben und unterschiedliche Marken-Embleme unterscheiden? - Inzwischen dann nicht mehr nur mit Einheits-Reifen (Hankook), sondern auch auf Einheits-Felgen (ATS) unterwegs. - Eine Serie, die vom Denken der Marketingleute der drei Hersteller Audi, BMW und Mercedes bestimmt ist, die aber nicht ihren ganzen – zu großen (!) - Etat mit dieser Serie „verballern“ wollen.

  • Es muss gespart werden! - Darum sind 2017 nur 18 Einheits-Automobile am Start!

Motorsport läuft nicht nach einem Drehbuch ab, lebt von der Individualität der teilnehmenden Fahrzeuge und der Fahrer. Bei der DTM scheint das anders zu sein. Da scheint alles nach Drehbuch abzulaufen, selbst die Sprüche der Fahrer wirken angelernt. Es gibt zu viele Vorgaben, die dazu noch von der falschen Seite kommen.

So lebt man in einer DTM-Welt, die man sich selbst geschaffen und mit der man sich von der gelebten Wirklichkeit, der Welt, in der sich die Fans bewegen, klar abgetrennt hat. Man hat einen Graben geschaffen, den man auch dadurch nicht einebnet, dass man sich – gegen Aufpreis – wie seltene Tiere im Zoo, dann im Fahrerlager besichtigen lässt. Das hat nichts mit Motorsport zu tun, sondern erfährt in seiner Groteskheit noch eine Überhöhung dadurch, dass man Firmen-Kunden in Millionen teure Glaspaläste ins Fahrerlager einläd und dort „auf hohem Niveau“ abfüttert.

Das ist so reizvoll, wie das Menue einer Sterneküche in der Kabine eines Riesenrads zu servieren.

Man hat nichts vom Riesenradfahren und kann sich auch nicht auf den Genuss konzentrieren. Wie bei der DTM, wo man in den „Palästen“ wenig von dem mitbekommt, was eigentlich als Motorsport „verkauft“ wird!

Die Automobilindustrie möchte Sport und Unterhaltung gleichzeitig bieten, hat dabei vergessen, dass guter Motorsport zu allen Zeiten auch gute Unterhaltung war! - Was hat die DTM mit einer „Tourenwagen-Serie“ zu tun? - Gerhard Berger wird nun für die Umsetzung der Feststellung verantwortlich sein, die sich in der Presse-Info so liest:

„Populärste Tourenwagenserie der Welt wird umfassend weiterentwickelt“

„Tourenwagenserie“? - Wie kann sie dann die „populärste“ sein? - Marketing-Sprüche und -Versprechungen machen diese Serie auch nicht besser. Dessen Rechte-Management übrigens der Wirtschafts GmbH des DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) und seinem für den Profi-Motorsport verantwortlichen Geschäftsführer, Christian Schacht, sicherlich Freude macht. Mit gutem Essen und gutem Wein bestens versorgt in den jeweiligen Fahrerlagern.

Wer redet da von Geld?

„Florian Zitzlsperger übernimmt als 2. Vorsitzender und CEO der ITR GmbH die operative Leitung der DTM“,

...lesen wir in der Information von heute. Nun ist also sicher, was hier schon im Januar zu lesen war. So wird aber auch deutlich, dass man auch bei dieser e.V. den sicheren Weg gewählt hat, einen „gemeinnützigen Verein“ mit seinen ideellen Vorstellungen durch eine wirtschaftlich ausgerichtete GmbH nicht mit ihren (steuerlichen) Vorzügen zu gefährden.

Wie sehr die DTM zur Zeit krankt, ist auch daran zu erkennen, dass in Geheimgesprächen in Hinterzimmern zwischen ARD und ITR festgelegt wird, welche Fernsehbilder der Zuschauer nicht zu sehen bekommen darf. - Die Quoten müssen schließlich stimmen! - Man muss dazu ein Bild der Serie „nach draußen“ darstellen, das da hilfreich ist.

Hans Werner Aufrecht hat es bei Gründung der ITR leider versäumt, eine „Patientenverfügung“ beizufügen, nach der dann einem Leidenden evtl. ein langes Dahinsiechen dadurch erspart wird, in dem man – dem Wunsch des Patienten entsprechend – die Maschinen abschaltet, die vielleicht noch das Leben über kurze Zeit erhalten könnten.

Die ITR – jetzt ohne Hans Werner Aufrecht – hat einen anderen Weg gewählt. Man hat zwar Herrn Aufrecht „ausgeschaltet“, aber versucht es nun mit „künstlicher Beatmung“ der DTM durch Gerhard Berger.

Vielleicht kann die Industrie das schmerzvolle Sterben der DTM mit stärkerer Dosierung von schmerzstillenden (Geld-)Spritzen etwas erleichtern.

MK/Wilhelm Hahne
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