Entwicklung hin zur Krise: Plötzlich und unerwartet?

Das scheint so zu sein, wenn man derzeit in Presse, Rundfunk und Fernsehen die Kommentare zum Niedergang der deutschen Automobilwirtschaft zur Kenntnis nimmt. Da ist von einem geradezu wahnsinnigen plötzlichen Einbruch der Exportzahlen die Rede, die sich – natürlich – dann auch auf die ausgewiesenen Ergebnisse – den Gewinn – der jeweiligen Automobilfirmen auswirken. - Das kommt mir persönlich so vor, wie die in „grauer Vorzeit“ immer wieder zu findende Kritik an den Innenraummaßen der jeweiligen Automobile, die dann aber umschlug in eine Kritik an den immer größer werdenden Automobilen. - Was denn nun? Hoher Exportanteil und große Automobile? - Oder doch mehr ein „vernünftiger“ Exportanteil und „vernünftige“ Automobile, die mit ihren Abmessungen den Verkehrsraum nicht so sehr belasten? - Die Experten – davon scheint es  bei Darstellung der „öffentlichen Kritik“ genügend zu geben - geben gerne das wieder, was den anderen „Experten“ zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung so vorschwebt. - Da muss man scheinbar nur „Putin“ durch „China“ ersetzen, um ein neues „Feindbild“ aufzubauen! - Zu dieser Situation möchte ich nachfolgend ein paar Worte verlieren, die eine Meinung darstellt, die auch in meiner persönlichen Erfahrung eine Basis hat.

Entwicklung hin zur Krise: Plötzlich und unerwartet?

Als ich meine journalistische Laufbahn vor einigen Jahrzehnten begann, hatte ich in der „Welt der Motoren“ und seinem direkten Umfeld schon einiges  erlebt, aber auch vieles selber gemacht und manches gestaltet. Damals habe ich mich  entschlossen, möglichst – und ausschließlich - auf dem Gebiet journalistisch tätig zu werden, von dem ich aufgrund meiner gewonnenen Erfahrungen etwas verstand und die ich so auch noch ausbauen konnte.

  • Dazu die Feststellung: Ich bin in der Welt der Automobile und Motorräder ab der Entwicklung in der Nachkriegszeit mit gewachsen. Ich habe z.B. bis heute alle CEO’s von VW erlebt, kenne da auch z.T. ganz persönliche Eigenheiten einiger „VW-Lenker“ – aber auch die von anderen - und habe die Entwicklung in Wolfsburg – aber nicht nur da - über die Jahre sehr aufmerksam beobachtet.

Ich erinnere mich da z.B. an ein persönliches Gespräch mit Herrn Dr. Hahn (VW), den ich zu den vielleicht negativen Auswirkungen einer – aus meiner Sicht – geradezu krankhaften Steigerung des Exports befragte.

Ich fragte ihn nach den Auswirkungen der sich ständig verändernden Wechselkurse, während doch die Verkaufspreise in den jeweiligen Ländern unverändert bleiben würden. Seine klare Antwort:

„Wir haben an einigen Tagen Devisenverluste, die den Gewinn aus der entsprechenden Tagesproduktion deutlich übersteigen!“

Dr. Hahn wunderte sich über meine Frage, da er sonst auf den Pressekonferenzen „immer die gleichen dummen Fragen gestellt bekomme“. Er bat mich, meine Frage doch mal auf einer offiziellen Pressekonferenz zu stellen, damit er die Problematik eines zu hohen Exportanteils auch mal einer größeren Anzahl von Journalisten deutlich machen könne.

Er stellte dabei fest, dass er aus verständlichen Gründen das Thema von sich aus nicht anreißen könne, er also schon auf meine Mithilfe angewiesen sei. - Meine Antwort:

„Herr Dr. Hahn; das werde ich nicht machen! - Warum sollte ich meine Kollegen schlau machen?“ - Außerdem mache ich gerne nur das, was ich persönlich für richtig halte.“

Dr. Hahn hat verständnisvoll gelächelt und wir haben uns weiter über andere interessante Themen unterhalten, die auf offiziellen Pressekonferenzen nicht behandelt werden.

Die Export-Entwicklung ist in den Jahren danach weiter eskaliert, weil die „Forderung“ von Aktionären – und Wirtschafts-Experten - nach immer weiter steigenden Produktionszahlen zu dieser „ungesunden“ Entwicklung praktisch gezwungen hat.

  • Die Aktionäre waren an hohen Gewinnausschüttungen interessiert und auch die Firmenlenker - an steigenden Aktienkursen!

Lag der Exportanteil der deutschen Automobilindustrie in den 50er-Jahren noch bei „gut 50 Prozent“, so ist er in der Folgezeit deutlich angestiegen. Immer vom Beifall einer kurzsichtigen  öffentlichen Mehrheit begleitet. 

Der Exportanteil (die Exportquote) der deutschen Automobilindustrie lag 1970 schon bei etwa 55 bis 60 Prozent. Er erreichte seinen „ungesunden“ Höhepunkt im Jahre 2025, als er – bezogen auf die Inlandsproduktion – die „krankhafte“ Höhe von 76 Prozent erreichte.

Die Katastrophe war also eigentlich absehbar, wurde von den vielen Beifall spendenden  Begleitern der Szene aber offensichtlich nicht begriffen. Die Produktionszahlen insgesamt standen nämlich nicht mehr in einem richtigen Verhältnis zur gleichzeitig sinkenden Nachfrage. - Jeder Markt ist irgendwann einmal gesättigt!

  • Aber der „stille Wunsch“ einer uninformierten Öffentlichkeit nach ständig weiter steigenden Zahlen – „mehr Wachstum“ - hat so inzwischen zu einer überdeutlich wahrnehmbaren Krise geführt. 

Und niemand ist es gewesen! - Und niemand hat es gemerkt! - Plötzlich und unerwartet?

Natürlich hat es auch Fehlentscheidungen in den Management-Abteilungen gegeben. Gerade bei den deutschen „Filialen“ großer amerikanischer Konzerne, in denen man gerne gegenüber den aktuellen Gesprächspartnern dominant und scheinbar als Entscheider auftrat, während man eigentlich nur Befehlsempfänger war.

  • Kaum einer hat widersprochen. Es wurden auch geradezu „blödsinnige Entscheidungen“ der „Zentralen“ hingenommen und abgenickt. - Einige haben zwar wissend, aber resigniert gehandelt!

Meine Großmutter hätte das kommentiert:

„Dess’ Brot ich esse, dess’ Lied ich singe!“

So kam es aus der Industrie auch zu falschen Signalen für den Markt, weil man sich gegenüber der „Mutter“ immer positiv darstellen musste. - Meinte man! - „Positiv“ bedeutete in diesem Fall, dass in den Statistik-Grafiken die Kurven immer nach oben zeigen mussten.

Heute wird dann – hinter vorgehaltener Hand – darauf verwiesen, dass das Niveau von vielen der aktuellen jungen Aktionäre auch nicht mehr das Niveau hätte, das eine ältere Generation noch auszeichnete. Die Forderung einer neuen – etwas gierigen – Aktionärs-Generation nach immer mehr, mehr, mehr, hat man leider argumentativ nichts entgegen stellen können – oder wollen!

  • Man ist den Forderungen aus „fernen Ländern“ erlegen, bzw. hat die Modellzyklen auch noch die Modellvielfalt an asiatischen Vorbildern ausgerichtet. 

Vielleicht sogar mit dem Hintergedanken, dass man selber als aktueller Entscheider, das spätere „Chaos“ in dieser Position nicht mehr erlebt. - Aber den „Aufstieg“, den wollte man noch gerne mitnehmen.

Eine Drosselung der eigenen Produktion hätte auch unweigerlich zum Verlust von Marktanteilen geführt, die man Aktionären und evtl. einer „Mutter“ nicht hätte verständlich machen können.

  • Man ist eigentlich nur (!) „den bequemen Weg“ weiter gegangen!

Die einzelnen Export-Märkte in der Welt haben sich hin zur Jetztzeit natürlich auch verändert. Dort sind auch die Produktionszahlen gestiegen! - Das ist eigentlich normal. Aber… - 

Meine Großmutter erinnerte bei ähnlichen Situationen immer mit dem Spruch:

„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel!“

Jede positive Entwicklung endet eben irgendwann. Weil jedes Wachstum endlich ist! - Nur muss man so ein „Naturgesetz“ auch begreifen, akzeptieren und danach handeln!

Die Industrie hatte schon vorher – um Gewinneinbrüche nicht deutlich werden zu lassen – mit besseren Ausstattungen (= qualitatives Wachstum!) , Wegfall von Kleinwagen (weil zu geringe Renditen!) und „intelligente“ Kalkulationen reagiert. Die Öffentlichkeit hat das – weil uninteressiert (so lange es ihnen selber gut ging!)  – einfach weggesteckt!

Die Industrie trägt an dieser Entwicklung aber eine Mitschuld, da dort niemand bereit war, einmal auf Zusammenhänge hinzuweisen, die eigentlich immer bestanden haben, aber unter dem Druck der Öffentlichkeit dann „einfach übersehen wurden“.

Es gab in „Boom-Zeiten“ – zur Zeit des „Wirtschafts-Wunders“ - immer wieder eine Wortkombination zu hören, die wohl inzwischen der „Jugendsprache“ zum Opfer gefallen ist, weil sie offenbar nun nicht mehr in die Zeit passt:

„Konzertierte Aktion“

Hinzu kommt, dass sich – gerade in der „Neu-Zeit“ – die Information der Öffentlichkeit durch eine „elegante Darstellung“ von nicht sachlich kritikfähigen – da unwissenden – weil unerfahrenen Influencern deutlich verschlechterte.  Da wurden „unbequeme Journalisten“ (weil wissend) einfach „aussortiert“!

  • Man lässt sich doch nicht die „gute Stimmung“ im Markt durch das „nicht angepasste Verhalten“ von Journalisten verderben!

Das alles hat zwar dem Marketing und den PR-Abteilungen der Automobilindustrie – in „ausufernder“, ständig wacsender Besetzung -  gut gefallen, aber man hat der Branche aber auch der eigenen Firma – damit langfristig keinen Gefallen getan.

Die Industrie hat sich zwar – scheinbar intelligent – mit Hinweis auf „mehr Sicherheit“ so manches gewinnfördernde „Extra“ von der Politik vorschreiben lassen, aber so wurde inzwischen ein Zustand erreicht, der von einem großen deutschen Dichter – Goethe – so beschrieben wurde:

...“die ich rief die Geister, werd’ ich nun nicht los“...

Für viele tausend Arbeitnehmer in der Automobilindustrie gibt es nun - aktuell absehbar - keine Arbeit mehr!

  • Insgesamt – machen wir uns nichts vor – wird die Krise hunderttausende Arbeitsplätze in der Automobilindustrie – einschließlich der Zulieferer-Industrie kosten!

Soweit ich das – hoffentlich richtig – notiert und richtig begriffen habe, sind von bedeutenden Automobilherstellern inzwischen auch folgende Zahlen „als Drohung“ im öffentlichen Umlauf:

  • BMW möchte – muss – bis Ende 2027 um 8.000 Stellen abbauen.
  • Mercedes arbeitet mit hohen Abfindungsprogrammen am notwendigen Job-Abbau.
  • Porsche will bis 2035 auf 9.000 Mitarbeiter verzichten, evtl. auch noch auf weitere 5.000.
  • VW will die Zahl der weltweit bestehenden gut 650.000 Arbeitsplätze, zunächst um 100.000 kürzen. - Später evtl. auch mehr.      

Der VDA, der Verband der deutschen Automobilindustrie geht bei seinen Hochrechnungen und Vergleichen zu diesem Thema vom Jahr 2019 aus. 

    • Merke: Die Präsidentin des VDA ist „gelernte Politikerin“. Darum ist ihre Darstellung „damenhaft“ und elegant gewählt!

Das hat aber nichts damit zu tun, das man andere Äußerungen der Frau Müller (so heißt die Dame  wirklich) durchaus ernst nehmen sollte:

„Deutschland braucht eine Unternehmenssteuerreform. Steuersenkungen sind kein Geschenk an die Wirtschaft, sondern schaffen Spielraum für Investitionen."

Das ist aber – leider! - nicht der alleinige Grund für die derzeitige Krise in der deutschen Automobilindustrie!

Insgesamt wird die Rückführung der Automobilindustrie aus dieser Krise – die man eigentlich in dieser Dimension selber verantwortet – zurück in die „Normalität“, zu einem „Drahtseilakt“, bei dem sicherlich noch einige der heutigen aktiven Macher „vom Seil fallen“ werden.

  • „Bauernopfer“ müssen in unserer Zeit gebracht werden!

Aber bitte Vorsicht! - Das Automobilgeschäft ist „hart“ geworden. Man arbeitet dort inzwischen „ohne Netz“!

  • Auch die Gewerkschaften sind unerbittlich – wenn sie keine Beitragszahler verlieren wollen - und darum ein „uneinsichtiger Gegner“ beim Thema Job-Abbau!

Es werden ganze Management-Ebenen geopfert werden müssen, weil sie eigentlich auch überflüssig sind. Man wird auch so manches Automobil wieder von „unnötigem Schnick-Schnack entschlacken müssen“, um Automobile wieder zu marktgerechten Preisen anbieten zu können.

Die Privatkäufer von Automobilen verfügen eben nicht über ein „Sondervermögen“, sondern müssen sich „nach der Decke strecken“. Das müssen auch Vorstände verstehen lernen, die sich ihre Arbeit inzwischen mit Millionen vergüten lassen, aber – aus meiner persönlichen Sicht – nur dumme, weil an die öffentliche Meinung angepasste Entscheidungen treffen.

Die Entwicklung hin zur jetzigen Situation sollte für die Führungskräfte in der Automobilindustrie eigentlich keine Überraschung sein. Sie war z.B. in den Leasing-Abteilungen schon lange deutlich absehbar, wenn dort jeweils zum Quartalsende die Zulassungszahlen „geschönt“ wurden.

  • Und die Statistiken wirkten immer „frisch“, weil man oft mit „ein wenig Kosmetik“ die Realität ein wenig verdeckte!

Die heran nahende Krise war auch – für mich - daran auszumachen, dass die Anfragen der Hersteller von Automobilen nach Freiflächen zum Abstellen der Überproduktion bei großen Immobilien-Gesellschaften immer zahlreicher wurden.

Aber alle haben weg geschaut, als hätten sie „die Zeichen der Zeit“ für bestimmte Anweisungen und ein bestimmtes Handeln nicht verstanden.

  • Nun heißt es, „the party is over“! - So lautet die Beschreibung der aktuellen Situation in Neudeutsch, das man heute gerne spricht und hört! - Eine Beschreibung der Situation in klarem, verständlichen Deutsch, würde heute vielleicht als zu krass empfunden werden.

De Realität wird man auch bei der EU in Brüssel zur Kenntnis nehmen müssen, wo tausende Lobbyisten an positiven Entscheidungen im Sinne ihrer Firmen arbeiten!

Alle scheinen nach dem Motto zu arbeiten: 

„Alle denken an sich! - Nur ich denke an mich!“

Welche Einfalt in Brüssel so manches Handeln dominiert, ist auch dem von der EU-Kommission verkündeten Ziel  ersichtlich, mit den von ihnen verordneten „Sicherheitsmaßnahmen“, das Ziel „Null Verkehrstote im europäischen Straßenverkehr“, möglichst schnell erreichen zu wollen.

Politik und Wirtschaft sollten nun gemeinsam zunächst mal an dem Ziel arbeiten „die Karre aus dem Dreck ziehen“, nachdem man sie „sehenden Auges“ hinein gefahren hat!

  • Das könnte ein sinnvolles, gemeinsames Ziel sein!

Vielleicht geht das jetzt – in der Krise - sogar mit einer neuen „konzertierten Aktion“!

MK/Wilhelm Hahne
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