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Wer sich für den Motorsport interessiert, der hatte am letzten Wochenende schon die große Auswahl. Da gab es das F1-Spektakel im österreichischen Spielberg, den Moto-GP-Lauf in Assen oder dann ein 24h-Rennen in Spa-Francorchamps, das als das „größte GT3-Rennen der Welt“ propagiert war. Beruflich hat mich alles interessiert, wobei bei mir das „beruflich“ aus meiner Neigung zum Motorsport allgemein entstanden ist. Ich bin so z.B. auch die unterschiedlichsten Rennen mit den unterschiedlichsten Automobilen auf den unterschiedlichsten Strecken gefahren, um nachempfinden zu können, was dort „wirklich abgeht“. Schließlich würde ich vielleicht einmal über so ein – oder ein ähnliches - Rennen berichten müssen. So könne ich dann vielleicht auch besser, passender informieren und - werten. An diesem Wochenende musste ich eigentlich gar nichts. Also habe ich mich mit allen drei Veranstaltungen via Internet beschäftigt. Der Motorrad WM-Lauf in Assen hat mir eigentlich am besten gefallen, weil dort noch der Fahrer, der Mensch, wahrscheinlich noch den deutlichsten Unterschied macht. Bei der F1-Veranstaltung in Spielberg hat mich Staunen gemacht, dass man in einer entscheidenden Qualifying-Runde dann der schnellste aller Konkurrenten ist, wenn man zwischendurch mal den Fuß kurz vom Gas nimmt. - Eile mit Weile! - Aber die aus meiner Sicht „irrste Motorsport-Veranstaltung“ – oder besser „Groß-Event“ – war aus meiner Sicht dann schon - wenn ich alle Eindrücke durch „das Sieb meiner Erfahrungen“ passiere - das…
24h-Rennen Spa: Die teuerste Auto-Parade der Welt!
Eigentlich ist dieses Rennen ein Beispiel dafür, dass sich die Automobilindustrie schon lange auf einem falschen Weg befindet. Es genügt einfach nicht, dass man irgendwann feststellt:
„Alles hat seine Zeit!“ - Der GT3/BoP-“Eintopf“ passt nicht in den klassischen Motorsport!
Meine Großmutter hat den Bibelspruch schon mal verwendet, wenn es für „irgendeinen Blödsinn“ eigentlich keine andere „sinnvolle“ Erklärung gab. Eigentlich ist das Bibelwort aber eigentlich anders gedacht. So wurde es aber – und wird es noch heute - wie eine Entschuldigung verwendet.
- Schließlich geht alles auch einmal vorüber! - Aber ist das tröstlich?
Tatsache ist eigentlich, dass wir erst begreifen, dass wir auf einem falschen Weg sind – in diesem Fall die Automobilindustrie – wenn die Situation schmerzhaft wird. Inzwischen wird eine breite Öffentlichkeit darauf vorbereitet, dass es bald sehr schmerzhaft werden könnte. Und es werden dann „passende“ Beispiele herbei gezerrt.
Ich würde in diesem Zusammenhang gerne auf das 24h-Rennen in Spa am letzten Wochenende verweisen, wenn ich mit dem Finger auf etwas zeigen wollte, das als bildhafte Darstellung für eine grundsätzlich falsche Entwicklung stehen könnte.
Aber vielleicht bin ich auch nicht der passende „Experte“ auf „diesem Gebiet“. Ich habe schon als Kind nicht „Autoquartett“ gespielt. Dort trumpfte immer der auf, der mit den höchsten Zahlen bei PS und km/h auftrumpfen konnte.
Ich gehörte auch nicht zu den Kindern, die an parkenden Automobilen durch die Seitenscheiben geschaut haben, um dann vielleicht auszurufen:
„Bohhhhh! - Der geht 200!“
Aber man muss sich an das Verhalten bei Kinder erinnern, wenn man das Verhalten der aktuell schließlich „Erwachsenen“ begreifen will. Manchmal ist es eben gleichzeitig „blöd“ und „sinnig“! - Aber wer denkt darüber schon mal nach? Es genügt vielen doch einfach, wenn sie im „Mainstream“ mitschwimmen, unauffällig „mit dem Strom“ unterwegs sind. - Man könnte es – mit Mark Twain – auch anders beschreiben, wenn man seine Worte zitiert:
„Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann!“
...um dann darauf zu verweisen, dass doch niemand die Tatsachen kannte. Und dass man nun wirklich überrascht ist… - Es kann doch schließlich gar nicht sein, dass das Wachstum einmal endet. - Es lief doch bisher alles so toll!
Wir leben heute nicht mehr in der Zeit eines Marc Twain! (1835 – 1910)
- Heute wird alles schon vorher verdreht und für irgendeine Präsentation „passend gemacht“!
Gerade in der Automobilbranche hat man es sich bisher einfach gemacht. Man hat auf Wachstum gesetzt und wenn es mit dem Abverkauf mal nicht klappte, eben Grundstücke und Lagerplätze dazu angemietet.
Man hat keine Zulassungszahlen gefälscht, man hat nur die Funktion der eigenen Leasing-Abteilungen im richtigen Moment „eigennützig“ genutzt. - Meint man! - Und wenn man die Export-Zahlen nicht passend waren… - Alles kein Problem!
- Man hat einfach jede Statistik passend gemacht. Zum Teil, indem man einen hohen Aufwand betrieben hat! - Aber der war dann noch durch eine entsprechende Neuwagen-Kalkulation auszugleichen!
Man hat primär auf schnelle Mitnahme-Effekte geachtet, nicht darauf, die Basis für eine kontinuierliche Entwicklung zu schaffen. Natürlich muss man leider dabei auch vergessen haben, dass Wachstum niemals „unendlich“ ist!
Früher hat man – wenn es mal passte – eine eigene Rennabteilung arbeiten lassen. Die hat man wieder eingestellt, wenn man sie – scheinbar - nicht mehr zu brauchte.
- Bis dass man bemerkte, dass es einfacher ist, den „Sport“ als ein Stück Marketing „von außen betreiben zu lassen“.
Man hat nur noch die Voraussetzungen für eine Entwicklung geschaffen, die scheinbar entwicklungsfähig ist, aber tatsächlich in eine „Sackgasse“ führt. - Ohne „Wendemöglichkeit“!
Das 24h-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps am letzten Wochenende war ein Beispiel dafür, wie man heute Motorsport „gut verkauft“! 70 tolle Boliden am Start, die auf dem Nährboden des Marketing entstanden sind. Von dort wird die Entwicklung auch gepflegt!
- Wenn Porsche z.B. jetzt in Spa einen neuen GT4 auf der Basis des 911 vorstellte oder im nächsten Jahr dann ein 911 GT3-Cabriom präsentieren wird, so zeigt das auf, was alles möglich ist, ohne dass es sinnvoll wäre.
Die Entwicklung einer GT3-Kategorie, die nur durch eine spezielle „Balance of Performance“ einen Wettbewerb möglich macht, womit der ursprünglichen Sinn des Motorsports vollkommen aus den Fugen gerät, die zeigt eigentlich das Ende einer jeden natürlichen Entwicklung auf, die immer an den Ansprüchen des Menschen orientiert sein sollte!
Mit der GT3-Kategorie – das nur als ein Beispiel – wird versucht, Ansprüche „künstlich zu erzeugen“! - Das lässt sich sogar für einen kurzen Zeitraum scheinbar erreichen, aber löst doch nicht das Problem der aktuellen Überproduktion von Automobilen insgesamt!
Warum das Schaffen einer GT3- oder GT4-Kategorie in Verbindung mit einer „BoP“ keine Bereicherung des Motorsports darstellt, darüber habe ich immer wieder geschrieben.
132.000 Besucher der GT3-Veranstaltung in Belgien werden mir vielleicht als Gegenargumentation entgegen gehalten werden. - Ich nehme das lächelnd zur Kenntnis, weil das nicht meine Position zur Wertigkeit dieser Kategorien in einem „sinnvollen“ Motorsport verändert.
- Motorsport könnte auch in der heutigen Zeit sinnvoll sein, wenn er sich nicht an einer oberflächlichen Darstellung orientieren würde! - Die dann schon mal „billige Effekte“ erzeugt!
Im belgischen Spa konnte ein Porsche den Gesamtsieg erringen, obwohl er aus der Boxengasse – sozusagen von Startplatz 66 ins Rennen gegangen war. Das stellt doch schon den ganzen vorher betriebenen Qualifizierungs-Aufwand in Frage, der damit für den Veranstalter nur noch von kaufmännischer Bedeutung ist.
- Ein solcher Gesamtsieg im belgischen Spa ist nicht von den Fahrleistungen eines Automobils oder seiner Fahrer abhängig, sondern mehr davon, welchen Einfluss die Rennleitung durch Nutzung eines dafür geschaffenen Reglements, schließlich auf das Endergebnis nehmen konnte.
In Spa-Francorchamps wurde das 24h-Rennen zunächst nach folgenden Vorstellungen und Vorprüfungen ausgetragen:
- Spa-“Parade“
- Free Practice 1
- Free Practice 2
- Qualifying 1
- Qualifying 2
- Qualifying 3
- Qualifying 4
- Qualifying Combined
- Night Practice
- Superpole
- Superpole 1
- Superpole 2
- Superpole 3
- Superpole 4
- Warm-up
- 24h-Rennen
Das Ergebnis aller Vorprüfungen wurde dann nicht im Rennen etwa durch – nicht nur standhafte Technik und gute fahrerische Leistung unterstrichen, sondern deutlich durch – nicht von mir gezählte – Gelb- und 11 Safetycar-Phasen beeinflusst.
- Eigentlich war dieses mit großem finanziellen Einsatz aller Teams ausgetragene 24h-Rennen, nicht mehr als ein sehr teures Glücksspiel!
Es hatte von seiner ganzen Anlage her mehr eine Ausrichtung, die auf einen kommerziellen Erfolg abgestellt war.
Heute ist alles zu einem Geschäft geworden! - Die Kunst, der Sport allgemein und so auch dieses 24h-Rennen.
- Im Endeffekt war dieses 24h-Rennen eigentlich mehr eine sehr gut organisierte, perfekte „Geldverbrennungs-Maschine“!
Dabei kann ich durchaus einschätzen, welche Leistungen und welchen Einsatz sowohl Fahrer als auch Ingenieure und Monteure bei den dort herrschenden äußeren Bedingungen erbracht haben.
Wer macht sich denn schon Gedanken darüber, wie sehr das Kreislaufsystem eines Fahrers beim Durchfahren der „Raidillon de l'Eau Rouge“ belastet ist. Das nicht nur einmal, sondern bei jedem Durchfahren der Kurve. Das Gleiche passiert übrigens bei jedem Durchfahren der „Blanchimont“ -
Weil auch insgesamt falsche Vorstellungen zu bestimmten 24h-Rennen bestehen, die – aus welchen Gründen auch immer – durch entsprechende „Experten“-Beurteilungen weiter verstärkt werden:
- Ein 24h-Rennen in Spa-Francorchamps ist für einen Fahrer bedeutend anstrengender, als ein 24h-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife!
Das entspricht sicherlich nicht den Vorstellungen eines DMSB e.V., der für die Nürburgring-Nordschleife die Einführung eines „Permit“ für außerordentlich wichtig hielt und sich ihre Einschätzung dann durch andere „Experten“ bestätigen ließ.
- Wer schon mal beide 24h-Rennen bestritten hat, weiß um die Realität!
Auch um den Wert einer bestimmten Art von Bestimmungen im Motorsport, die eigentlich weniger sportlich sinnvoll sind, sondern nach – geheimer – Ansicht ihrer Macher mehr die Spannung für den Zuschauer im Sinne eines guten kommerziellen Erfolgs für den Veranstalter erhöhen sollen.
Das hat in Belgien gut funktioniert. So war gerade die „Auto-Parade“ in der Anfangszeit durchaus plakativ. 66 GT3-Fahrzeuge umkreisten in Abständen von 1 – 2 sec die 7.004 m lange Rennstrecke.
Später wurden dann die zeitlichen Differenzen durch unterschiedliche Aktionen schon größer. Aber mit Gelb-Phasen der unterschiedlichsten Art und einer anschließenden Safetycar-Phase, konnte dann wieder der „Auto-Corso“-Charakter hergestellt werden. - Die „BoP“ stellte sicher, dass die Action auf der Strecke erhalten blieb.
So konnte es dann schließlich auch zu einem Überraschungssieger kommen, mit dem eigentlich niemand gerechnet hatte.
- „Lionspeed GP“ holte sich mit einem Porsche 911 GT3 R (Typ 992) mit den Fahrern Ricardo Feller, Thomas Preining und Bastian Buus den Gesamtsieg! - Ein Team, das von Startplatz 66 „aus dem Nichts“ der Boxengasse nachgestartet war!
Sicherlich eine sehr gute Leistung des Teams, das sicherlich auch selber nicht (mehr!) mit diesem Erfolg gerechnet hatte! - Gratulation!
Um noch einmal an den Bibelspruch zu erinnern:
„Alles hat seine Zeit!“
MK/Wilhelm Hahne
PS: Nach Korrekturlesen habe ich den Eindruck, dass ein strenger Lehrer mir vielleicht unter diese „Arbeit“ schreiben könnte: „Nicht unflott, aber – Thema verfehlt!“ - Entschuldigung! - Aber es ist tatsächlich alles ehrlich gemeint!



