24h von Le Mans: Was in der Provinzzeitung fehlte!

Jeden Morgen lesen meine Frau und ich zum Frühstück die „Rhein-Zeitung“. Meine Frau ist Abonnentin. Sie ist am „Lokalen“ interessiert. Meine Interessen gehen darüber hinaus. Bei der „Rhein-Zeitung“ auch, wenn es z.B. um die Fußball-Weltmeisterschaft geht. Aber die interessiert mich schon weniger. Und in der in diesem Jahr durchgeführten Form hat sie für mich eher etwas Abschreckendes. - Nicht nur wegen der Preise in Amerika! - Aber die „Rhein-Zeitung“ berichtet umfangreich! - Ich hätte gerne schon in der letzten Woche in dieser Zeitung etwas über Le Mans gelesen. Da gab es weder eine Vor- noch – in dieser Woche – eine Nachberichterstattung. Das 24h-Rennen in Le Mans ist eigentlich der Klassiker unter den 24h-Rennen in der Welt. Aber in der „Rhein-Zeitung“, die sich als seit 1946 als „unabhängig“ empfindet, gab es zu diesem Rennen nichts zu lesen. Sie berichtet aber immer ausführlich über den lokalen Sport. Da wirkt dann aber auch die Berichterstattung über eine kleine Veranstaltung  – nur weil sie am Nürburgring durchgeführt wird – dann schon mal ein wenig „aufgeblasen“. Der Nürburgring ist eben – selbst für die „Rhein-Zeitung“ – ein ganz besonderer Ort. Nicht nur weil er „früher“ einmal dem Besitz der Landesregierung zugerechnet werden konnte, sondern weil diese Rennstrecke eben im „Lokal-Bereich“ der „Rhein-Zeitung“ liegt. Wahrscheinlich glaubt man in der Geschäftsleitung dieses Verlages, dass sich Abonnenten – wenn sie am Motorsport interessiert sind – nur für den Motorsport am Nürburgring interessieren. - Ich weiß, dass das nicht so ist. - Und so werde ich dann, um das Schweigen der Lokal-Zeitung zu einem internationalen Großereignis in einem Land ein wenig auszugleichen, das mehr als drei Jahrzehnte die Eifel deutlich mit geprägt hat! - Nachfolgend also ein paar Worte zu dieser Motorsportveranstaltung in Le Mans. Auch im Interesse meiner Leser, die evtl. - wenn sie hier in der Eifel wohnen – auch „Rhein-Zeitung“-Abonnenten sein und vielleicht unter dem Entzug von Informationen leiden könnten.

24h von Le Mans: Was in der Provinzzeitung fehlte!

Um zunächst auch einmal einen lokalen Bezug herzustellen: Die Firma Manthey, im Umfeld des Nürburgrings beheimatet, befindet sich zu 51 Prozent im Besitz von Porsche, Stuttgart. Da war es dann auch nicht ungewöhnlich, dass diese lokale Firma im Auftrag ihrer Stuttgarter „Mutter“, die im Motorsport selber etwas kurz tritt, über ihre Meuspather Dependance in Le Mans zwei Rennversionen des Porsche 911 GT3 R einsetzte, die auch hier in der Eifel vorbereitet wurden.

  • Der Porsche ist selbst in seiner aktuellen Rennversion „ein wenig von gestern“ und traf in Le Mans auf eine Reihe von Gegnern, die schon von der Konzeption her deutlich moderner sind.

Man spielt aber trotzdem noch – auch dank der intelligenten Vorarbeit bei Manthey – im Reigen des moderneren Umfelds noch eine Rolle, zumal man auch als Fahrer über sehr engagierte und erfahrene Porsche-Lenker verfügt, hat aber trotzdem „the bend“ – die Kurve – nicht so richtig bekommen.

Das Glück war den Männern aus der Eifel nicht hold. Von den zwei eingesetzten Fahrzeugen kam eines ins Ziel. Das Fahrzeug, das wegen eines aufgetretenen „Gebrechens“ erst gar nicht ins Ziel kam, war wenigstens für eine „Safety-Car“-Phase gut. 

Also könnte man – wie die „Rhein-Zeitung“ es auch tat - über diesen „Manthey“-Erfolg den Mantel des Schweigens legen.

  • Mercedes brachte drei Fahrzeuge – ebenfalls GT3 – an den Start, von denen eins das Ziel nach 24h erreichte. Auf dem vorletzten Platz im Gesamtklassement.

Mercedes, auch in der Serienproduktion von Rückrufen gebeutelt, machte mit diesem „Erfolg“ eigentlich nur deutlich, was derzeit auch viele Serienmodell der Marke auszeichnet: Unzuverlässigkeit! - Nachweisbar durch Rekord-“Rückrufe“!

Es ist fast beschämend, dass ein „Ami-Schlitten“, eine Chevrolet Corvette Z06 GT3.R, die Klasse ziemlich souverän gewann. Das Herz dieses Amis war einer der von den Fans geschätzten  Achtzylinder-V-Motoren. Aber – als Mittelmotor verbaut!

Dass Manthey – anders als die „Rhein-Zeitung“ – jeden Tag ein Stück Le Mans vor Augen hat, kann man im Industriegebiet Meuspath im Vorbeifahren lesen. Manthey hat eine seiner Betriebsstätten dort mit „Le Mans“ benannt! - Es ist „Weiß auf Schwarz“ zu lesen. - Aber natürlich ist das alles geheim! - Aber das Le Mans-Ergebnis kann man „Schwarz auf Weiß„ zur Kenntnis nehmen.

  • Eigentlich ist mit den 2026er-Ergebnissen von Porsche und Mercedes in Le Mans „kein Staat zu machen“!

Meine Großmutter hätte wahrscheinlich argumentiert, dass, wenn das eigene „Le Mans mit ‚13A‘“ beschrieben wird, man sich nicht wundern sollte, wenn einen an einem „13A-Juni“ das Glück verlässt!

  • Sachlicher Hinweis von Motor-KRITIK: Wenn der Buchstabe hinter einer Hausnummer – warum auch immer – „groß geschrieben“ wird, sollte ein Abstand zwischen Zahl und Buchstabe wahrnehmbar sein. Bei Verwendung eines Kleinbuchstabens ist das allerdings unüblich!

Im Reigen „der Großen“ spielte in diesem Jahr als deutscher Hersteller nur BMW eine Rolle. Man ist mit diesem „Hypercar“ in diesem Jahr schon international konkurrenzfähig, aber der Motorsport litt auch in Le Mans unter den kunstvoll zelebrierten Reglements, zu denen nun – als Steigerung in diesem Jahr – eine „BoP“-Regelung gehörte, die „geheim gehalten wird“.

Die dummen Zuschauer und Journalisten werden also von den „Experten“ ausgeklammert. Aber es war schon auffällig, das „zufällig“ die Spitzenfahrzeuge von Ferrari, die in den letzten drei Jahren das 24h-Langstreckenrennen in Le Mans gewonnen hatten, offensichtlich von der „BoP“ so eingebremst worden waren, dass nun „endlich mal“ (?) ein anderes Fabrikat gewinnen konnte.

Dass nun Toyota diesen Langstrecken-Klassiker in Le Mans zum 6. Mal gewinnen konnte, stand wohl nicht im - vielleicht auch geheimen - Ablaufplan der Veranstalter. Toyota belegte am Ende nicht nur Platz eins im Gesamtklassement, sondern auch noch Platz drei!

  • Da wird dann schon ein Unterschied deutlich, der zwischen japanischem Denken und Handeln und einem „deutschen Modell“ besteht. 

Kamui Kobayashi war in Le Mans nicht nur Fahrer, sondern auch Teamchef, der dann in der Zeit, in der er sein Einsatzfahrzeug entsprechend seinen eigenen Vorstellungen bewegte, an der Boxenmauer von  David Floury vertreten wurde, der eigentlich der Technische Direktor bei Toyota ist. Unterstützt wurde dieses Team in ihren Strategie-Entscheidungen, das sich von anderen Teams deutlich unterschied, von Kazuki Nakajima, einem ehemaligen Le Mans-Sieger, der inzwischen bei Toyota in die Funktion eines stellvertretenden Vorsitzenden (Vice Chairman) von „Toyota Gazoo Racing Europe“ geschlüpft ist.

Dieses Strategie-Team, das ganz auf persönliche Erfahrungen im „Renn-Geschäft“ setzte – über die man eigentlich nicht spricht - konnte sich der Zustimmung vonb Akido Toyoda, einem Urenkel des Firmengründers und heutigen Ausfsichtsratsvorsitzenden sicher sein.

  • Zwischen die zwei Toyota TR010 Hybrid auf den Plätzen Eins und Drei konnte sich nur BMW mit seiner Hypercar-Version schieben. - Platz zwei! - 

Nun wird im Nachhinein diskutiert, ob nicht – wenn nicht – und dann warum nicht – vielleicht doch BMW gewonnen hätte.

Papperlapapp! - Wer sich auf Platz zwei bei einem Rennende befindet, ist immer „der erste Verlierer“. Das muss weder bei 10 sec noch bei mehreren Runden Rückstand bei einem Langstreckenrennen diskutiert werden!

  • Platz zwei ist für BMW eine sehr gute Platzierung. - Gratulation dazu! - Obwohl das sehr teuer erkauft wurde.

Und hinter vorgehaltener Hand flüstern „Oldtimer“ unter den Rennbesuchern, ob nicht vielleicht Schnitzer… -

Schnitzer gibt’s nicht mehr! - Die Firma ist „tot“! - Auch Herbert Schnitzer hat sich inzwischen „nach oben“ verabschiedet. - Aber eine solche Diskussion bringt auch nichts. - Die Abkehr von BMW von Schnitzer wird – aber das bleibt „unter uns“ – in „Insider“-Kreisen als ein Fehler empfunden. 

    • Aber auch das lohnt keine Diskussion! - Wie schon der Kölner sagt: „Et iss, wie et iss!“

Eigentlich hätte Cadillac gerne gezeigt, wo in Le Mans „der Hammer hängt“. Da gab es denn aber schon mit einer „wunderbaren“ Erklärung (bitte wörtlich nehmen!) eine Aberkennung der schnellsten Runde, die das Fahrzeug normaler Weise auf Startplatz 1 gebracht hätte.

So musste man von Startplatz 10 starten, konnte im Rennen zunächst auch deutlich machen, dass auch dieser „Ami“ in diesem Jahr zu den schnellsten Fahrzeugen in Le Mans gehörte. Aber das reichte nicht, um den Gesamtsieger 2006 im seit 1923 ausgetragenen 24h-Rennen von Le Mans zu stellen.

Aber da wird nicht gejammert! - Dort bereitet man sich wahrscheinlich schon jetzt auf den Langstrecken-Klassiker im Jahr 2027 vor.

    • Mal sehen, was dem Veranstalter dann dazu einfällt, um einen weiteren Sieg von Toyota zu verhindern.

Porsche spielt inzwischen – aus Kostengründen? - nicht mehr bei diesem großen internationalen Spektakel mehr mit. Selbst die reinen Einsatzkosten verschlingen inzwischen für ein „Zwei-Fahrzeug-Team“ eine nicht kleine, zweistellige Millionen-Summe!

Weil es mir gerade zufällig einfällt: Beim diesjährigen 24-Stunden-Langstreckenrennen in Le Mans durfte BMW die offiziellen Sicherungsfahrzeuge (Safety Cars) stellen. Und im Vorfeld des Rennens veranstaltete BMW M Motorsport einen Marken-Corso, bei dem neben klassischen M3-Modellen auch ein X5 M Safety-Car zum Einsatz kam.
In Le Mans ist also Porsche inzwischen weit „weg vom Fenster“. Aber vielleicht dann wieder im nächsten Jahr wieder am Nürburgring vorne. - Mit Manthey! - Vielleicht gibts dann auch schon dort als „Verbesserung“ eine geheime „BoP“!

  • Da wird dann auch die „Rhein-Zeitung“ wieder umfangreich berichten. - Schwarz auf Weiß!

In Le Mans fand übrigens in diesem Jahr die 94. Auflage des 24h-Rennens statt, weil es auch – wer hätte das gedacht – kleine Unterbrechungen gab. Während des Zweiten Weltkriegs zum Beispiel. 

Das diesjährige 24h-Rennen am Nürburgring war das 54. - Das erste Rennen dieser Serie wurde 1970 ausgetragen. Auf „Wikipedia“ ist zu lesen:

„Seine Einzigartigkeit erlangt das Rennen in erster Linie durch die gegenwärtig 25,378 km lange Strecke, das flexible Reglement und den Breitensportcharakter.“

Da glaubt doch noch irgend jemand an den „Breitensportcharakter!

Dazu wäre noch ergänzend und vorausschauend festzuhalten:

  • Selbst die „Rhein-Zeitung“ wird dann darüber umfassend informieren!

Unabhängig seit 1946 auch im Lokalsport!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Um es nicht zu vergessen: Nyck de Vries, der mit zwei anderen Fahrer-Kollegen den Toyota mit der Start-Nr. 7 zum Gesamtsieg steuerte, war übrigens der erste Fahrer, der nur wenige Minuten nach der Zieldurchfahrt seinen Erfolg im Internet vermeldete. - Mit großem Vorsprung! - Der junge Mann weiß um den Wert von “Social Media“!

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