14. November 2012: Lieber Leser!

Man wirft mir und Motor-KRITIK vor, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man es „ja schon immer gesagt habe“. - Ich muss tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass die Wahrheit stört. - Die Realität stört die verantwortungs- und ahnungslosen Politiker, die gläubigen Wähler und die enttäuschten Bewohner einer Region, die sich von einem Millionen-Einsatz persönlichen Gewinn versprachen. Nur wenige haben von dem Projekt „Nürburgring 2009“ profitiert. Viele wurden geschädigt. Und man führt nun Schauprozesse und befriedigt die Ansprüche der Anspruchslosen. - Warum verlegen Menschen ihre Vorstellungen von der Zukunft in eine Traumwelt? - Wo doch die Realität nicht übersehen werden konnte, übersehen werden kann.

14. November 2012: Lieber Leser!

Zur Zeit ist die Empörung groß. Weil alle Träume platzen. Auch die der NAG-Gesellschafter, der Insolvenzverwalter, der Berater von Beck und Genossen.

Dabei war doch alles deutlich auszumachen. - Haben Sie nicht meine Geschichten gelesen? - Sie kennen auch mein Buch, das die Anfänge hin zum Skandal aufzeichnet? - Offenbar wurden meine Darstellungen nicht ernst genommen. Weil sie so selbstverständlich klangen. Einfach so dahingeschrieben wurden.

Wurden Sie überlesen?

Mal ein paar Hinweise auf aktuelle Darstellungen und Meinungen von mir:

Ich sollte jetzt – wenn ich die gut gemeinten Ratschläge meines Umfeldes aufnehme - nicht auf mein Buch verweisen. Dort hatte ich die erste Entwicklung vorausgesagt, weil sie unausweichlich in eine Richtung führte, die durch das Handeln der von der Landesregierung ausgewählten privaten Betreiber noch eindeutiger wurde.  Das ist die, die jetzt in die Nähe einer Katastrophe führt.

Natürlich war das alles nicht vorherzusehen. Sagen die Politiker. Weil es nicht in den Gutachten stand, die sich die Politiker zu ihrer Entlastung anfertigen ließen. - Eine Entlastung auf Kosten des Steuerzahlers sozusagen.

Auch die Entwicklung der letzten Wochen war – trotz „Nebel“ - vorhersehbar. Ich darf mal erinnern.

Am Montag, dem 12. November schrieb ich z.B. - auf diesen Seiten nachzulesen:

„Der gewählte Zeitpunkt und das Ergebnis machte den Kennern der Situation klar, dass der ab sofort der zu den ganz Dummen gezählt werden muss, der vorgibt, nun die Zukunft des Nürburgrings voraussagen zu können.

Das Ergebnis von Donnerstag, dem 7. November 2012 beweist ganz klar das Unvermögen aller am Nürburgring-Skandal Beteiligten, ganz gleich ob sie offiziell noch Verantwortung tragen oder sie inzwischen geschickt auf andere verlagert haben.“

Warum sollte ich jetzt jammern, wenn nun das verkündet wird, was eigentlich zu erwarten war? - Beim SWR höre ich heute schon in den frühen Morgenstunden, dass nun die Durchführung von Groß-Veranstaltungen in 2013 am Nürburgring gefährdet ist. Man nennt da z.B. die Formel 1 und „Rock am Ring“.

Ich hatte den Formel 1-Termin für 2013 schon in meiner Geschichte am 9. Oktober in Frage gestellt. Auch wenn man mir jetzt wieder einmal vorwerfen wird, dass es ungeschickt ist immer wieder darauf hinzweisen, dass man es doch – realistisch – schon Wochen vor den jetzt aufkommenden Diskussionen sachlich erklärt hat, füge ich hier noch mal den Ausschnitt aus meiner fünf Wochen alten Geschichte ein:

„...Alle reden von möglichen Verhandlungen in der Zukunft, ich schreibe von Fakten. Und die besagen: Die FIA in Paris hat den Termin für ein Formel 1-Rennen in Deutschland auf das Wochenende des 14. Juli 2013 gelegt. Dem Rechtsanwalt des ADAC, Henning Meyersrenken aus Köln, ist es mit Unterstützung des Insolvenz-Geschäftsführers gelungen, z.B. mit der seit dem 17. Februar 2012 gekündigten Betreibergesellschaft NAG eine Vertragsverlängerung der Verträge von 2012 für 2013 für den ADAC durchzusetzen und rechtlich abzusichern, der z.B. - wenn ich die „ADAC-Motorwelt“ von Oktober 2012 richtig lese - für den Truck-GP die Durchführung auf dem Nürburgring in der Zeit vom 12. - 14. Juli 2013 vorsieht.
Formel 1 und Truck-GP an einem Wochenende? - Das geht natürlich nicht. Da der F1-Termin unverrückbar feststeht, wäre der Truck-GP nur wenigstens (!)14 Tage früher oder später durchführbar. - Wie soll das gehen, weil ja nicht nur von einer Terminverschiebung die Teams betroffen sind, sondern auch z.B. die Musikgruppen, die für einen solchen Termin verpflichtet werden müssen?
Wenn aber die Formel 1 in 2013 nicht am Nürburgring startet, was soll denn die NAG über den 31. Oktober 2012 hinaus am Nürburgring machen? - Jedenfalls keine Geschäfte.
Was wäre die Konsequenz? - Man darf auf die Vereinbarungen gespannt sein, die die Trennung der Betreibergesellschaft vom Nürburgring festschreiben wird. - Und man wird dann mal die entstandenen Gesamtkosten addieren müssen. - Wussten Sie übrigens, dass die Insolvenz den neuen „Verwaltern“ einige Millionen an Euro bringt? - Das sind Zusatzkosten, über die man heute nicht spricht.
Kurt Beck wird das alles nicht (mehr) interessieren. ...“

Natürlich bin ich heute der inzwischen öffentlich gewordenen Entwicklung wegen schlauer. Aber es hat sich in Sachen Formel 1 bis heute nichts an den Fakten geändert. Es ist wohl durch alle möglichen Interessierten eine gewisse Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit nicht zerstört worden. - Die Realität hat die Phantasten eingeholt.

Als ich am Donnerstag letzter Woche, nach der Verhandlung vor dem OLG Koblenz – von der ich hier berichtet habe - im Gang auf den Kläger, Ron Simons, und seinen Anwalt traf, da gab es da auch den Mitarbeiter der SWR, der – wie ich – dem Ron Simons klar sagte, dass er nun wahrscheinlich einen Prozess gegen die NAG zwar deutlich gewinnen wird, aber unsicher sein kann, ob er jemals seine Entschädigungsansprüche durchsetzen kann. Weil die NAG – zur Sicherheit - in Konkurs geht.

Ein Ausspruch unter Zeugen. Nachweisbar. - Soll ich nun heucheln, dass ich von der Entscheidung der NAG-Verantwortlichen, die gerade mit einer „schützenden“ Insolvenz drohen, überrascht  bin?

Wer das Handeln dieser Leute über die Zeit verfolgt hat, der sollte doch einen Eindruck von ihnen gewonnen haben. Die jetzt überrascht tun und erschrocken, die hatten offenbar keinen Eindruck gewonnen bzw. haben an das Gute im Menschen geglaubt. Genauso wie viele Eifel-Bewohner an die gute Absicht einer Landesregierung glauben wollten, als die den Grundstein für die Nürburgring-Affäre legte.

Ich bin empört über die Scheinheiligkeit der Landesregierung, mit der sie heute immer noch den Eindruck zu erwecken sucht, sie wäre Betrügern aufgesessen. Und mit wem hat man Verträge geschlossen? - Nun mit Unterstützung einer Partei, die damals mit auf Fehler und Schwächen von „Nürburgring 2009“ hingewiesen hat, versucht man die Dinge zu bagatellisieren..

Heute verhält man sich in dieser „grünen Gruppe“ angepasst, loyal, entsprechend dem Koalititonsvertrag, trägt die Fehlentscheidungen mit. Und der Steuerzahler trägt die Kosten.

Kurt Beck hat zwar offiziell keine Verantwortung mehr und eine sehr geschickte Lösung für das Abschieben – auch im Interesse seiner Partei! - gefunden, aber er kann nach wie vor auf Entscheidungen Einfluss nehmen. Zum Beispiel über den Gläubigerausschuss, in dem u.a. auch die Bank vertreten ist, die man als Teil der Landesregierung empfinden muss. In der Praxis.

Da ist heute in der „Rhein-Zeitung“ auf Seite 1 zu lesen:

„Einzelne Gespräche mit Mitgliedern des Gläubigerausschusses hätten ergeben, dass es für einen solchen Vertrag (Anmerkung: Managementvertrag für die privaten Ringbetreiber bis 2014) keinen Rückhalt gebe.“

Der das sagt, ist Pietro Nuvoloni, der Helfer der „Ring-Sanierer“, wie sie von der „Rhein-Zeitung“ bezeichnet werden. Über dessen Arbeit habe ich auch berichtet. ("Zwei rechts, zwei links..."  - Bitte auf den pdf-Anhang achten!)

Alles unter Kontrolle?

Offenbar nicht. Denn ein Verlängern der Zündschnur führt nur zu einer später einsetzenden Explosion, sie verhindert sie nicht.

Reden wir doch mal nicht plakativ von einem Formel 1-Termin, reden wird doch mal realistisch, wie ich es noch vor Tagen getan habe, mal von der Situation des „Industriepool“, der mit seinen angeschlossenen Firmen etwas für die Basis der Existenz des Nürburgrings tut. Ich schrieb dazu am 12. November:

„...Die Abgesandten der Industrie hatten sich bereits am Mittwoch zu einer Vorbesprechung getroffen, deren Ergebnis dann leider – aufgrund der Ereignisse, die im aktuellen SPIEGEL so treffend beschrieben sind – nicht umgesetzt werden konnten. Das Jahr 2013 ist für die Industrie durch den im letzten Jahr abgeschlossenen Vertrag noch gesichert, aber das Jahr 2014 ist derzeit noch eine 'Luftnummer'. ...“

Formel 1? - Da ist z.B. der bis 2015 abgeschlossene Vertrag mit VLN-Organisation auch wichtiger.

Natürlich wird man nun dringend mit Marek Lieberberg, dem Veranstalter von „Rock am Ring“ sprechen müssen, der nach m.M. noch einen gültigen Vertrag für 2013 besitzt. Marek Lieberberg ist jener Diskussionsteilnehmer, dessen Live-Zuschaltung aus London in eine Live-Diskussion des (öffentlich-rechtlich) Deutschlandfunk ein wenig abrupt dann beendet wurde, als er gerade begann „auszupacken“.

Vieles ist aus der Sicht von Vielen einfach „dumm gelaufen“. Vieles war aber auch wohl für Dumme gedacht. Nun sollte man sich langsam verpflichtet sehen, das Tarnnetz von allen Hinterzimmer-Absprachen, Flur-Konferenzen zu ziehen und deutlich zu machen, „was Sache ist“.

Die Zeit der genormten Sprachregelungen ist vorbei. Das sei hier den Herren Steinkühler und Nuvoloni ins Notizbuch geschrieben.

Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne
 
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22 Kommentare

kein Licht am Ende des Tunnels

Der Nürburgring macht seit Jahren (Jahrzehnten) Verluste. Das Land gibt jedes Jahr Subventionen. Zum Ausgleich plante die Landesregierung einen Freizeitpark - der macht jetzt noch mehr Verluste. Selbstgefällig fragt man in Brüssel nach - mit dem Ergebnis das man den Ring nicht mehr subventionieren darf. Fazit: Verluste bei der Rennstrecke, Verluste beim Freizeitpark, kein Steuergeld (Subvention) mehr. Jetzt die Preisfrage: Wie wird (muss) das enden ? Um diese Frage zu beantworten muss man nicht mal Insider sein - oder ?

Kein Licht am Ende des Tunnels?

Hallo, lieber Eifler, Ihre Darstellung ist in sich schlüssig, aber stimmt rein sachlich nicht. Es wurden in der Vergangenheit auch „schwarze Zahlen“ geschrieben, selbst in den „Kafitz-Jahren“ 2000, 2001 und 2003. Das Rennstreckengeschäft wäre auch mit Erfolg (Schwarze Zahlen) weiter zu betreiben gewesen, aber solche „kleinen Erfolge“ scheiterten am Größenwahn derer, denen etwas anderes vorschwebte und es auch anderen vorgaukelten. In meinem Buch sollten Sie ab Seite 29 (in der Digitalversion) „Neue Gründungskativitäten bei der Nürburgring GmbH“ lesen und z.B. ab Seite 151 „Millionen für Visionen“. Dort finden Sie auch die „kleinen SCHWARZEN Zahlen“. Die so genannte „Erlebniswelt“ war immer ein Verlustgeschäft, die aktuelle Vergrößerung dieses Marktsegments führte dann – logischerweise - zu größeren Verlusten. Die Formel 1 hätte im Kontakt mit Bernie Ecclestone eine straffe Verhandlungsführung erfordert, zu der z.B. der Kafitz-Vorgänger, Rainer Mertel, bereit war und deshalb auch nicht von Ecclestone geschätzt wurde. Kafitz wollte – wie die Landesregierung – das „große Geschäft“ und hat es – umsatzmäßig - auch gemacht. Dass man in Mainz bei allem Vorwärtsstürmen dann sogar die EU und deren Vorschriften übersehen hat... - na ja, ich kommentiere es erst garnicht. Der Nürburgring war von seiner ursprünglich gedachten Ausgangsposition schon OK, nur wurde er offensichtlich von einem unfähigen Politiker/Manager-Team zum KO gebracht. Alles ist also ein wenig komplizierter, als Sie es einfach und plakativ schildern. - Und anders eben. Herzliche Grüße Wilhelm Hahne

Formel 1

Glauben Sie wirklich, es wäre möglich, mit Ecclestone so zu verhandeln, daß ein GP in Deutschland auch nur kostendeckend ausgetragen werden könnte? Mein Eindruck ist, daß er von seiner Marke F1 so überzeugt ist, daß er davon ausgeht, daß jeder gerne bereit ist draufzuzahlen, nur um zu seinem Kreis der Auserwählten zu zählen. Würde man diesen Geizkragen mit seinem Zirkus mal für ein paar Jahre nicht nach Deutschland lassen, könnte sich an seiner Einstellung vielleicht was ändern. Daß der Ring, über das ganze Jahr gerechnet, höhere Kosten verursacht als Einnahmen hat, ist möglicherweise nicht immer zu vermeiden. Aber daß man, wie in der Vergangenheit, eine Veranstaltung durchführt, bei der von vorneherein feststeht, daß sie für den Nürburgring nur Verluste bringen wird - das ist doch irgendwie absurd (als Politiker sieht man das natürlich anders).

Formel1

Dr. Bellows, siehe Hockenheim ;)

Hockenheim

Natürlich, Ecclestone spielt beide Strecken gegeneinander aus. Deshalb wäre es nötig, daß auch beide Strecken ihn für, sagen wir mal, 2 Jahre aussperren würden. Dann könnte er z. B. außer in Süd- auch noch in Nordkorea fahren - aber eben nicht mehr in Deutschland. Man ließe ihn einfach diese beiden Jahre bluten, spart nebenbei Geld, und es würde am Ende eine ganz neue Verhandlungsbasis entstehen. Aber erst einmal keine F1 mehr bei uns - wenn ich da so an all die "interessierten Kreise" in Deutschland denke .....

Hockenheim und Nürburgring "sperren " Mr. E. aus....

Wer glaubt ,er könne Mr. E. und seinen F1 Zirkus "aussperren", der irrt sich gewaltig ! Seit vielen Jahren äußert er sich über die Europa GP`s negativ. Der Markt liegt für ihn in weiter Ferne -> siehe Ferner Osten usw. weil dort seine überzogenen Antrittsgelder ohne Probleme gezahlt werden.! Er wird weder laut lachen, noch ein müdes Lächeln über diese " Erpresser " verschwenden!. Warum? weil es ihm dort vorbei geht ,wo die Sonne niemals hinscheint und er für garnichts bluten muß! Wenn in der BRD keine Steuergelder zur Subvention seiner Rennserie verschwendet werden, dann verschwendet sie irgendjemand anderes auf diesem Planeten ! Mr. E, verhandelt nicht! Er nennt immer einen überzogenen Preis bei dem alle jammern und abwinken. Dann kommt er mit einem Preisnachlaß auf "seine " Summe runter und alle denken , sie hätten mit ihm verhandelt! Typisch Autoverkäufer !

Das käme dann mal auf einen Versuch an!

Mr. E. könnte selbstverständlich überall auf der Welt Gönner finden, die sich gerne mit ihm schmücken würden (einen Vorschlag habe ich oben ja schon gemacht). Aber vergessen Sie dabei nicht: Image ist in diesen Kreisen alles !!! NUR noch in kruden, motorsportfremden Ländern zu fahren, macht seine Marke schnell wertlos. Was Sie über seine Preisgestaltung anschaulich geschildert haben, kann nur dann funktionieren, wenn Mr. E. genau weiß, daß die andere Seite ohne ein Ergebnis niemals nachhause fahren würde. Die Verlockung war ja auch immer zu groß.

Mr. Ecclestone sind auch Grenzen gesetzt

bei seinen Forderungen gegenüber Nürburg-/Hockenheimring. Die FIA hat nämlich bei der Vergabe der kommerziellen Rechte die Bedingung gestellt, daß die traditionsreichen GP u.a. Deutschland erhalten bleiben müssen. http://www.motorsport-magazin.com/formel1/news-71944-bedingter-schutz-fuer-traditionsrennen-die-fia-koennte-intervenieren.html

mundus vult decipi ergo decipiatur

mundus vult decipi ergo decipiatur nun auch in Hinblick auf Attendorn. da nutzt weder die "Wahrheit" noch "Ich wusste es immer schon" etwas. Soviel jedenfalls wusste Plinius schon vor bald 2000 Jahren.

Sicher richtig !

Hallo Herr Hahne, danke für die Klarstellung ! Sie sind der Fachmann - von daher kein Widerspruch. In der Presse wurde halt immer kolportiert das es nur Herrn Mertel mal gelungen sei eine "schwarze Null" zu schreiben. Wie auch immer - was kann man am Ring glauben und was nicht. Nehmen Sie gefälschten Zuschauerzahlen oder die Aussagen zur Wirtschaftskraft die Formel 1 oder 24 Stunden-Rennen in die Eifel bringen. Wäre Rainer Mertel nicht nach Bad Neuenahr gewechselt - der Ring würde heute sicher ordentlich da stehn. Nur auch ohne Kafiz: Die Nordschleife ist doch eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Nur die öffentliche Trägerschaft schützt die Betriebsgenehmigung (mit Verschleierung der Unfallzahlen durch Polizei und Betreiber). Klar mit einem Bruchteil der 500 Millionen für den Freizeitpark hätte man hier die Infrastruktur (Sanitäranlagen, Unfallschutz, Zeltplätze etc.) erheblich verbessern können - nur man hat nicht. Damit ändere ich meinen Kommentar wie folgt ab: Rennstrecken - nicht mehr zeitgemäß (oder stark Modernisierungsbedürftig); Freizeitpark - hohe Verluste; keine Subventionen mehr ==> wie das wohl enden wird / muss. Viele liebe Grüße nach Virneburg !

WH hat es ja immer schon gesagt . . .

. . . und das ist gut so. Was Aussenstehende, wie mich, immer noch erstaunt ist das Ausbleiben von entsprechenden Reaktionen auf die unmissverständlichen Vorwürfe, welche nun seit Jahren von WH an die Öffentlichkeit getragen werden. Wenn sie nicht zutreffend sind, könnte man sie ja richtig stellen – und wenn sie stimmen, ja dann wären Konsequenzen zu ziehen – etwas dazwischen gibt es eigentlich nicht. Auch für die Regierung Beck galt (in Anlehnung an ein Zitat von Gerhard Schröder): Es zählt nur das gut Gemachte, nicht das gut Gemeinte. Natürlich, als Unternehmer kann man scheitern; aber es muss an dieser Stelle einfach nochmals festgehalten werden, dass nicht einfach alle Pleitiers Pechvögel sind; für etliche ist der Bankrott wohl Teil ihres Geschäftsmodells – natürlich nicht zum eigenen Schaden. Für gewisse Zustände in der Geschäftswelt gibt es allgemeinbegrifflich verwendete ökonomische Beschreibungen. Wenn z.B. die Finanzierungskosten für ausstehende Schulden so hoch ausfallen, dass die Wirtschaftskraft selbst beim besten Willen nicht ausreichen würde, um sie zu bedienen, dann ist man pleite - wenn den aufgebauten Passiven mutmasslich wertlose Aktiven gegenüber stehen ebenfalls – keine weiteren Fragen, keine Alternativen, fertig, aus, Schluss. Was derzeit in Sachen Vergangenheitsbewältigung am Nürburgring abläuft ist absolut spannend und absolut traurig.

Die "Aktiven" der VLN (RCN

Die "Aktiven" der VLN (RCN/GLP) wird es nicht zu sehr schmerzen, wenn der Verlustbringer F1 nicht in der Eifel, sondern auf dem Hockenheimring, veranstaltet wird - wichtiger wird sein, daß "ihre" Serie sicher (hier im Sinne von vertraglich, rechtlich sicher) bleibt. Wie ist eigentlich, hinsichtlich der Veranstaltungen auf dem Nürburgring, das Arbeits-/Aufgabengebiet des RA Meyersrenken umschrieben? Sind es "nur" die Großveranstaltungen F1, Truck-GP und "Rock am Ring", oder auch die kleineren, vielleicht als unbedeutend eingestuften? Der ADAC ist auch Veranstalter der ADAC GT Masters, die einerseits, auf die Zuschauerzahlen vor Ort bezogen, möglicherweise als "kleine" (unbedeutende?) Veranstaltung zu werten ist, andererseits "Live"-Präsenz im TV (Kabel1) besitzt. Denn das auch ein Gastspiel des ADAC GT Masters auf dem Nürburgring sicher ist, war ebenfalls in der von Ihnen erwähnten Ausgabe der ADAC Motorwelt (10/2012) zu lesen.Lediglich der Termin stünde noch nicht fest. Eine andere Information ist jedoch der Internetseite des ADAC GT Masters zu entnehmen (http://www.adac-gt-masters.de/de/rennen/ ). Dort steht seit längerem der Termin 19.07. - 21.07.2013 fest - allerdings "vorbehaltlich finaler Bestätigung"! Mit Spannung warten wir die "finalen Bestätigungen" am Ring ab...

Verbrannte Erde

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass am Endes des Dramas nur noch verbrannte Erde zurückbleiben wird. Wir trampeln durchs Gemüse, wir trampeln durch die Saat. Hurra wir verblöden, für uns bezahlt der Staat. Dieser "Staat" sind wir alle. Oder konkreter, die Bürger von RLP. Die haben - trotz aller Warnungen - in dieser Sache einige hundert Millionen in letzter Verantwortung dem Herrn Beck anvertraut. Anvertraut in dem Sinne, dass wohl jedem klar war, dass Herr Beck für eventuelle Verluste mangels eigener Knete nicht finanziell einstehen kann. Der wiederum verlagert die Verantwortung auf allerlei Berater und Gutachter, die ebenfalls nicht selbst am Risiko (oder einen möglichen Gewinn) beteiligt sind. Faktisch war allen von Anfang an klar, hier ist ein Risiko in der Größenordnung über hunderte Millionen letztendlich durch keine ausreichenden Sicherheiten ab- gedeckt. Alles wurde ausschließlich von Vertrauen getragen. Ob die Bürger sich das richtig überlegt und basisdemokratisch entschieden haben oder ob man es aus Trägheit einfach hat laufen lassen, spielt im Ergebnis keine Rolle. Demokratie kann auch schon mal eine halbe Milliarde kosten. Solange es keine bessere Alternative gibt, wird man sich damit wohl abfinden müssen. Wir wollen nicht wirklich, dass Minderheiten von Bedenkenträgern entscheiden, auch wenn diese in der Sache kompetenter sein mögen als die große Mehrheit. Für mich nach wie vor unerklärlich bleibt die Frage wie es sein kann, dass ein kleiner Autoverkäufer eine ganze Landesregierung incl. einem Heer von Beratern und Anwälten so über den Tisch ziehen konnte. Und ob man solche Talente nicht weniger destruktiv einsetzen könnte. Vielleicht wäre vieles anders gelaufen, wenn es auf der anderen Tischseite gesessen hätte? Den Bock zum Gärtner machen? Dazu muß es lukrativer sein den Gärtner zu geben. Aber Gärtner sind meißt arme Schlucker. IT Unternehmen sind teilweise dazu übergegangen, "erfolgreiche" Hacker nicht zu verklagen, sondern denen einen gut dotierten Beratervertrag zu geben. Trotz aller Bedenken scheint das - jedenfalls in dem Umfeld - zu funktionieren. Dem Nürburgring wird das alles nicht helfen. Das Grundübel der abgeschiedenen Lage war von Anfang an sein Sargnagel, die Subventionen sein Herzschrittmacher. Das Ende ist nur noch ein Frage der Zeit.

Phoenix

Sehr geehrter Herr Hahne, auf dem Sender Phoenix lief vorgestern angeblich eine Reportage über die Situation am Nürburgring. War das nach Ihrer Kenntnis eine Wiederholung bereits auf dritten Programmen ausgestrahlter Sendungen oder etwas Neues? Danke für eine kurze Info dazu!

wo zahlt ?

"Wenn die NAG nach eigenem Bekunden nicht den wirtschaftlichen Betrieb des Nürburgrings gewährleisten kann, so stehen wir bereit. Wir sind in der Lage, das operative Geschäft zu übernehmen und den Beschäftigten der NAG einen Arbeitsplatz zu gleichen Konditionen zu bieten. Vorausgesetzt: die NAG räumt den Ring“, ergänzt Sachwalter Lieser. Auch die Austragung der Formel 1 habe, so Lieser am Nürburgring durchaus noch eine Chance - Eifelzeitung von heute". Hier in diesem Forum sind doch schlaue Leute: Woher nehmen die beiden Sanierer des Nürburgrings die Kohle um den operativen Betrieb des Nürburings inkl. Freizeitpark (mit permanenten Verlusten) weiterzuführen ? Man könnte den Eindruck es handelt sich nicht um Insolvenzverwalter sondern um Investoren. Nur mit welchem Geld ?????

Kosten der Insolvenzabwicklung

Ich nehme an, die Betriebskosten sind momentan Sache der NAG. Die NG ist insolvent geworden, weil sie die Verbindlichkeiten für die Kredite nicht mehr bedienen konnte. Die ruhen jetzt eben, bis über den Verkauf wieder Geld reinkommt. Weil die NG kaum Personal hat, dürften sich die sonstigen Kosten im Rahmen halten. Diese und die Honorare für die Sachverwalter etc. müssen dann aus dem noch vorhandenen Vermögen bezahlt werden. Ansonsten hätte das Verfahren mangels Masse wohl abgewiesen werden müssen, was man in dem Fall wohl tunlichst vermeiden sollte. Je nach dem, was noch an Masse vorhanden ist, kann das durchaus noch eine ganze Weile so weitergehen und das ist auch gut so. Das operative Geschäft aber einfach so zu übernehmen, dürfte nicht ganz so einfach sein, wie es oben dargestellt wird. In dem Fall dürften sofort jede Menge Kosten anfallen, für die der Übernehmer erst mal vorschießen muß, bevor er etwas einnimmt. Selbst wenn diese Hürde genommen wird bleibt immer noch fraglich, wie man den offenbar unrentablen Betrieb quasi aus dem Stand und ggf. in einer ungünstigen Jahreszeit endlich mal auf Kurs bringen soll. Wenn diese Übernahme z. B. heute erfolgen sollte. Relevante Einnahmen sind erst im nächsten Frühjahr zu erwarten und ein Ausschreibungsverfahren dauert auch seine Zeit. Irgendwer wird also einige Milliönchen Kredit geben müssen, bis alles verkauft ist. Wieviel er davon zurückbekommt, dürfte fraglich sein. Wie immer, wenn bei einer Sache nichts herausspringt, dürfte am Ende wieder der Steuerzahler einspringen. Sonst ist schlichtweg keiner da. Die ganze Anlage wurde von Beginn an als Strukturförderung realisiert. Eine gute Geldanlage ist so ziemlich das Gegenteil davon. Wie man sieht, läßt sich das nicht so ohne weiteres auf links drehen.

die Kosten für das Insolvenzverfahren richten sich ...

... nach der Gebührenordnung für solche Verfahren und der Schadenssumme. Nach unseren Berechnungen belaufen sich die Honorare des Insolvenverwalters und des Sachwalters auf über 5 Millionen EUR. Hinzu kommen weitere Honorare für die beratenden Rechtsanwälte. Woher dies Geld stammt? Aus der Landeskasse!

Kosten Insolvenzverfahren

Nach meinen Erkenntnissen regelt sich das über einen degressiven Satz von etwas über 1 % (vereinfacht) auf die Insolvenzmasse. Nach Ihrer Rechnung müßten 500 Mio. Insolvenzmasse vorhanden sein. Ich glaube, da haben Sie doch etwas hoch gegriffen. Unabhängig davon dürfte es immer noch besser sein, wenn die Landeskasse für ein geregelte Abwicklung aufkommt. Die Alternative wäre, mangels Masse abzuweisen. Was soll denn dabei herauskommen?

Phönix

Nur so am Range: Auf Phönix lief gestern eine Reportage zum Skandal bei der West-LB: Titel: "43 Jahre und sechs Monate. So lange dauert die Geschichte der WestLB. Lange genug, um eine Reihe von Skandalen hervorzubringen, geprägt durch Größenwahn, Gier und Fehlentscheidungen" kommt bekannt vor - oder. Aber wirklich interessant war das die damalige SPD-Landesregierung trotz Warnungen und Ermahungen aus Brüssel - einfach immer weiter Steuergeld in die West-LB gesteckt hat. Dies führte dann dazu das das Thema "West-LB" in Brüssel "verbrannt" war und letztendlich Brüssel die Zerschlagung der West-LB mit aller Macht vorgenommen hat. Sogar das Abnehmen der alten Unternehensschilder sei aus Brüssel angeordnet worden (was zeigte wie "verbrannt" das Thema war). So wie ich es sehe macht unsere hochverehrte Landesregierung hier den gleichen Fehler. Wenn man dann im nächsten Jahr mit einem neuen Geschäftsmodell für den Ring nach Brüssel fährt - findet man statt dem Wettbewerbskommissar nur einen Ziegelstein auf dessen Schreibtisch mit der Aufschrift "No" vor (so soll es dem Sanierer der West-LB gegangen sein).

F1

Dieser Formel Zirkus muss am Ring bleiben. Sonst säubern die * am HHR wegen Börnie wieder die Quartermile und machten damit die Nitrolympix nochmals richtig kaputt. Am Ende wird der betrogene Zuschauer mit freiem Eintritt zu leeren Rängen eingeladen. Hier war früher auf Motor Kritik auch mal Platz für Themen abseits der nun anscheinend "interessanteren und wichtigeren "Politik.

Einen Literaturpreis würde ich Ihnen, lieber Herr Hahne,...

für die Einleitung zu diesem Text verleihen wollen. Er sei hiermit schriftlich verliehen. Öffnen Sie ein gutes Tröpfchen und genießen Sie noch einmal Ihre eigenen Worte. Herzlichsten Dank an dieser Stelle für Ihre Arbeit und Ihr Schaffen!

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