AMG oder HWA: Wer gewinnt das 24h-Rennen 2026?

Dass sich andere nicht wundern, wundert mich. Für mich drängt sich die im Titel gestellte Frage geradezu auf. Denn AMG geht beim 24h-Rennen dieses Jahres auf dem Nürburgring richtig „in die Vollen“. Max Verstappen, der 4-malige Formel 1-Weltmeister, wird mit einem GT3-Mercedes-AMG am Start sein. Sicherlich nicht, um nur im Starterfeld vertreten zu sein! - Mit Max Verstappen wird man den Gesamtsieg anstreben. - Aber HWA bereitet sich auch als Teilnehmer an dieser Veranstaltung vor. Und das mit zwei Fahrzeugen eines Typs, den es eigentlich gar nicht (mehr?) gibt. Die eingesetzten Rennfahrzeuge könnten beim Zuschauer die Erinnerung an gute alte Zeiten wecken. Aber HWA will mehr! - AMG möchte – nun als Teil von Mercedes – eigentlich in diesem Jahr mit dem Einsatz von Max Verstappen „den Rahm abschöpfen“. AMG hat sogar beim Veranstalter der „Qualifier“ erreicht – das eines der Rennen, die der Vorbereitung auf die 24h-Gala dienen - um eine Kalenderwoche verlegt wird, damit Max Verstappen sich ans Fahrzeug in Verbindung mit dem Eifelkurs ein wenig gewöhnen kann. Zum ursprünglichen Termin hätte ein Formel 1-Wochenende die Teilnahme an diesem "Qualifier" unmöglich gemacht. - Man hat sich bei AMG auch sonst gut vorbereitet, so dass alles andere als ein Gesamtsieg als eine gewaltige – und auch teure – Niederlage hingenommen werden müsste. - Auch HWA bereitet sich mit einem gewaltigen Testprogramm vor! - Sicherlich nicht, um „neben dem Podium“ zu enden!

AMG oder HWA: Wer gewinnt das 24h-Rennen 2026?

Selbstverständlich gibt es mehr Teilnehmer und Konkurrenten beim diesjährigen 24h-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife als die AMG GmbH, die ursprünglich einmal von Hans Werner Aufrecht gegründet wurde, der auch der Gründer der HWA AG ist. 

Das hat nach meinem interessierten Zuhören bei Gesprächen von Rennsport-Fans zu dem Eindruck geführt, das AMG und HWA sozusagen „wie ein paar Schuhe“ funktionieren.

  • Ganz gleich „welcher Schuh“ als Erster den Zielstrich überquert: Er gehört zum gleichen Paar!

Das ist ein Irrtum! - Mercedes -AMG ist mit den Mercedes-AMG GT3 ein eiskalter Konkurrent der HWA EVO-Renntourenwagen, die eigentlich ein sehr stark modifizierter „Nachbau“ – oder anders - eine „Nachempfindung“ des Mercedes 190E Evo II oder eine spezielle Weiterentwicklung ist.

Das alles ist vielleicht für manche meiner Leser erklärungsbedürftig:

AMG wurde 1967 von Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher in Großaspach gegründet. Daraus ergab sich der Name für ein Ingenieur-Büro, das sich der Konstruktion und Entwicklung von Hochleistungsmotoren widmete. Da Aufrecht bis Mitte der 60er Jahre Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung von Mercedes-Benz gewesen war, ergab sich nicht zufällig dann eine enge Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Automobilhersteller.

Es ergab sich dann auch, dass Aufrecht für seinen Auftraggeber eine besondere Bedeutung erhielt, als er als „Chef“ der „ITR“ dann das Schicksal der „DTM“ in Deutschland so wesentlich mit bestimmte, wie es Bernie Ecclestone bei der Formel 1 tat.

Im Jahre 1999 verkaufte Aufrecht dann aber schon 51 Prozent seiner AMG-Anteile an den Daimler-Chrysler-Konzern. Außerdem gründete er noch im selben Jahr die H.W.A. GmbH. Im Jahr 2005 hat er dann die restlichen 49 Prozent seiner Anteile an der AMG an den Stuttgarter Automobilhersteller verkauft.

Mercedes hat AMG als eigene GmbH inzwischen voll in seinen Konzern integriert und lässt über diese Firma eine Reihe seiner Motorsport-Aktivitäten durchführen. Diese GmbH erstellt aber keine eigenen Jahresabschlüsse, sondern wird im Konzernabschluss seiner „Mutter AG“ konsolidiert.

Aus der HWA GmbH wurde dann im Laufe der Jahre eine AG, deren Gründer Hans Werner Aufrecht – inzwischen in der Schweiz lebend – mehr machen lässt, als nur eigene Produkte entwickeln. 

Unter anderem wird durch diese Firma auch die Idee des chinesischen Inhabers der Markenrechte an  „de Tomaso“ umgesetzt, der eigentlich zusammen mit dem inzwischen – aus den unterschiedlichsten Gründen - umstrittenen Inhaber einer Reihe von Firmen, die nicht nur für die Automobilindustrie tätig sind, die Marke mit einem neuen Sportwagen unter dem renommierten Namen wieder aufleben lassen wollte.

Daraus entstand bisher allerdings bisher nur im Nürburgring-Umfeld eine „Neubau-Ruine“ und vor einem deutschen Gericht u.a. eine gerichtliche Auseinandersetzung um rd. 20 Millionen Euro, dessen Ende nicht absehbar ist.

So lange wollte der chinesische Investor, der sich deutlich geschädigt fühlt, nicht warten und hat inzwischen den Entwicklungs- und Fertigungsauftrag der Firma HWA AG erteilt, bei dem nun der de Tomaso P 72 entwickelt wurde und gebaut wird.

  • Die ersten Fahrzeuge dieser auf 72 Fahrzeuge begrenzten Serie sollen wohl im ersten Halbjahr dieses Jahres an eine schon Jahre wartende Kundschaft ausgeliefert werden.

Aber die HWA hatte auch Pläne zur Entwicklung eines eigenen sehr sportlichen Tourenwagens, den man offiziell bereits in Juni 2025 offiziell so ankündigte:

„Nach den ersten erfolgreichen Demonstrationsrunde der straßentauglichen Prototypen in dieser Woche gibt das weltweit führende Motorsport- und Automobiltechnikunternehmen HWA bekannt, dass eine Motorsportvariante des straßenzugelassenen HWA EVO beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring an den Start gehen wird.“

Man diese Information dann noch weiter spezifiziert, in dem man informierte:

„Da die Entwicklung des Straßenfahrzeugs kurz vor dem Abschluss steht, wird sich das Team bald der Entwicklung einer speziell für die Rennstrecke konzipierten Variante des HWA EVO widmen, die im nächsten Jahr in der SP-X-Klasse bei 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an den Start gehen soll.“

Wobei bei HWA der Hinweis auf „Mercedes“ in allen HWA-Ankündigungen vermieden wird. Der HWA EVO, von dem 100 Exemplare als straßenzugelassene Exemplare entstehen sollen, wird vielleicht nicht überall als ein Konkurrent für den bulligen Mercedes-AMG GT3 beim 24h-Rennen  empfunden werden. 

  • Dabei wird übersehen, dass dieser HWA EVO eigentlich in einer Kategorie beim 24h-Rennen startet, die nicht allen Zwängen eines GT3 unterliegen muss.

Wobei aber auf den Teilnehmer von in der Klasse SP-X eingestuften Fahrzeugen, neben den inzwischen üblichen Kosten, noch „Sonderkosten zukommen. So ist in der seit dem 17. Februar 2026 vom DMS e.V. genehmigten Ausschreibung zu lesen (die am 20.2.2026 veröffentlicht wurde):

„Pro Antrag und Fahrzeug wird zur Zulassung in der Klasse SO-X bzw. zur Erstellung eines Datenblattes eine Aufwandsabhängige Bearbeitungsgebühr nachfolgenden Richtlinien erhoben:
Datenblatterstellung bei vorhandener nationaler / minternationaler Homologation bzw. technischem Reglement der entsprechenden Fahrzeuggruppe:
1.190,00 Euro inkl. 19 % MwSt.
Anfertigung einer vollumfänglichen Fahrzeugdokumentation nach Vorgaben des Veranstalters: 4.760,00 Euro inkl. 19 % MwSt.
Die DMSB-Genehmigungsgebühr beträgt 125,00 Euro inkl. 19 % MwSt. 
Weiterhin ist ein DMSB-Wagenpass für die Gruppe 24h-Spezial erforderlich.“

Die Zeiten, in denen sich ein kleines Privat-Team auch mal den Wunsch erfüllen konnten, mal ein 24h-Rennen auf dem Nürburgring mitzufahren, sind lange vorbei.

Mit einem „kleinen Einsatzfahrzeug“ mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wofür es in diesem Jahr z.B. das Beispiel des Renault Twingo gibt, dessen Nennung vom Veranstalter abgelehnt wurde.

  • Nicht nur für Mercedes-AMG und HWA, wo man jeweils nicht nur mit einem Fahrzeug am Start ist, werden sich die Einsatzkosten im Millionenbereich bewegen.

HWA ist inzwischen lange mit den sportlichen Versionen seines HWA EVO zu harten Tests in Hockenheim, in Portugal und aktuell – nach meinen Informationen – auch in Vallelunga (bei Rom) unterwegs.

Diesen Aufwand betreibt man nicht, um mit zwei Einsatzfahrzeugen, besetzt mit Profi-Rennfahrern, die auch nicht für ein Trinkgeld zu haben sind, dann beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring unter „ferner liefen“ zu landen.

Der Aufwand der insgesamt bisher schon „zu Buche schlug“, plus dem, der durch den Renneinsatz entsteht, dürfte sich deutlich im Millionenbereich bewegen!

Auch im Millionen-Bereich wird sich der Sponsorbeitrag der Bundeswehr für den Einsatz eines einzelnen Ford Mustang durch das Haupt Racing Team („HRT-Team“) bewegen, wobei da mehr als eine „1“ davor stehen wird, da man nicht nur das 24h-Stunden-Rennen, sondern auch noch in „Qualifier“ mit einem an einen Tarnanzug der Bundeswehr befindlichen Outfit des Fahrzeugs und der sinnigen Aufschrift „Mit uns den Dienst wagen" bestreiten wird.

  • Der Ford Mustang soll als „Karriere-Anregung bei den Zuschauern werden, die ihre Zustimmung dann auch gleich bei einem „Karrieretruck“, der im Fahrerlager aufgestellt ist, anmelden können.

Es werden zum 24h-Rennen am 14.-17 Mai bis zu 150 Einsatzfahrzeuge erwartet, die mit dem Start zu diesem Rennen viele, viele Zuschauer anlocken werden, da der „Himmelfahrt“-Feiertag am Donnerstag einen „Brückentag“ am Freitag möglich macht. Das eigentliche Rennen findet dann vom 16. Mai, 15 Uhr – 17. Mai, 15 Uhr statt.

  • Aber natürlich ist das „action“-Angebot des Veranstalters ab Donnerstag weitaus umfassender!

Ich empfinde es aber eigentlich aus meiner persönlichen Sicht als geradezu „unmöglich“, dass man die genehmigte Ausschreibung zu diesem Rennen, die einen Umfang von 173 Seiten hat, erst am 20. Februar des Jahres veröffentlicht hat, also erst relativ kurz vor diesem Rennen, zu dem es Wochen vorher (!) auch noch so genannte „Qualifier“ gibt!

Es ist auch interessant, dass der DMSB e.V. eine Ausschreibung auf einer Rennstrecke zu einem Zeitpunkt genehmigt, an dem diese Rennstrecke noch gar keine Zulassung für die Durchführung von Rennen besitzt!

Aber das ist vielleicht damit zu erklären, dass man zu diesem Zeitpunkt beim DMSB e.V. in Frankfurt schon wusste, dass man dieser Rennstrecke eine Genehmigung erteilen wird.

Denn immerhin hatte der DMSB e.V. vorher eine Abnahme dieser Rennstrecke abgelehnt, weil der Rennstreckenbesitzer, bzw. deren Pächterfirma unangemeldete Änderungen an der Strecke vorgenommen hatte, die eindeutig den Charakter dieser Rennstrecke – und wohl auch die Streckenlänge – verändert hätten.

Es musste also noch unter hohem zeitlichen Druck – nach Einwänden des DMSB e.V. - ein Rückbau vorgenommen werden!

  • Der ist jetzt – zu diesem Zeitpunkt - erfolgt!

Da dem DMSB nicht nur die Ausschreibung zum Rennen genehmigt, sondern auch die Rennstrecken-Genehmigung verantwortet, hat er – in Kenntnis der wieder vorgenommenen Rückbauten – wohl „vorausschauend“ schon eine Ausschreibungs-Genehmigung erteilt.

  • Die hätte den interessierten Teams eigentlich schon um einige Monate vorher vorgelegt werden müssen!

Aber auch der Motorsport wird – wie andere Sportarten auch – inzwischen von einer Reglement-Flut und – unausweichlich – vom Kommerz beherrscht.

So wird auch das diesjährige 24h-Rennen eigentlich nur zu einem längeren, aber kurzweiligen Party-Abenteuer in einem Landschaftsschutz- oder auch Vogelschutz-Gebiet werden!

Der Kontrast könnte kaum größer sein. - Es wird wieder ein 24h-Rennen werden, bei dem die Masse der angereisten Zuschauer bereits Stunden vor dem Renn-Ende wieder abreist.

  • The Party is over!

Hier in Motor-KRITIK werde ich aber schon darüber informieren, wie die durchaus mögliche Auseinandersetzung zwischen AMG und HWA geendet hat!

Möge der Beste gewinnen!

MK/Wilhelm Hahne
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