Problemfall NLS 1: „Außer Spesen – nichts gewesen“!

Für mich war die Entwicklung am Nürburgring, hin zum Nicht-Start in die Motorsport-Saison 2026, keine Überraschung. Aber mich hat schon interessiert, wie die Abläufe dort von Fahrern und Teams aufgenommen wurden. Da war es durchaus hilfreich, dass sich ein Besucher der Veranstaltung bei mir anmeldete, um von mir mein Buch über den „Nürburgring-Skandal“ signiert zu bekommen. Da mein Besucher auch in der Boxengasse unterwegs war, hat er mir durchaus ein Bild von der dort erlebten Situation vermitteln können. - Eigentlich war alles unbeeindruckt von der Absage-Entscheidung. Man empfand sie mehrheitlich als gut und richtig. - Wie ich hören konnte. - Aber darüber hinaus gibt es noch ein paar Anmerkungen und Recherche-Ergebnisse, die ich auch gerne meinen Lesern weiter reichen – mit ihnen teilen - möchte, um sie zu eigenen Überlegungen und Urteilen anzuregen.

Problemfall NLS 1: „Außer Spesen – nichts gewesen“!

Der Rennbesucher, mit dem ich nach der ‚Absage des Rennens sprach, war auch wenig beeindruckt. Es war nach seinen – Jahrzehnte langen - Erfahrungen auch nicht die Erste Absage eines ersten Rennens im März eines Jahres am Nürburgring. - Worüber sollte man sich also aufregen?

Wenn man es so sieht, war auch in diesem Jahr alles normal. Mich persönlich wundert nur, dass im Problemfall NLS 1 - „Außer Spesen – nichts gewesen“! - dem Basis-Motorsport des Jahres 2026, in solchen Situationen offenbar Geld keine Rolle spielt! - So ist jedenfalls das offizielle – und wahrnehmbare - Verhalten der Darsteller von Motorsport!

  • Das hört sich allerdings schon anders an, wenn man mit „Aktiven“ mal „unter 4 Augen“ spricht!

Um meinen Lesern vernünftige Basis-Informationen zu bieten, habe ich nicht nur in Ausschreibungen u.ä. geschaut, sondern auch „Aktive“ um ihre Meinung gebeten.

Im ISG, dem Internationalen Sportgesetz der FIA ist zu lesen:

„2.1.7.a
Ein Wettbewerb gilt zu der für den Beginn der Papierabnahme und/oder der Technischen Abnahme vorgesehene Uhrzeit als begonnen.“

Die war im Moment der Absage dieser Langstreckenveranstaltung, die ein Rennen mit einer Dauer von vier Stunden betraf, längst abgeschlossen.

Man hatte sogar das offizielle Training schon gestartet, bei dem aber nur relativ wenige Fahrzeuge antraten. Die schnellsten der SP9-Boliden, die bei trockenen Verhältnissen klar unter 8 min den Kurs umrunden, blieben dabei knapp über der 10 min-Grenze!

Also ist doch wohl klar, was sich auch in der vom DMSB e.V. genehmigten Serienausschreibung so liest:

„Eine Erstattung / Rückzahlung des Nenngeld unter Abzug einer Bearbeitungsgebühr von 150,00 EUR erfolgt bei:
• Absage einer Veranstaltung bis zum Beginn der Veranstaltung (= Beginn der Dokumentenprüfung /Papierabnahme).“

Damit meinen Lesern die Bedeutung dieser Formulierung in Verbindung mit NLS 1 etwas deutlicher wird, möchte ich daran erinnern, dass z.B. in der Klasse mit dem höchsten Nenngeld (SP9) in diesem Fall 24 Fahrzeuge gemeldet hatten!

Da allein entsteht den Teams – und Fahrern – dann ein Verlust von insgesamt rd. 145.000 Euro allein beim Basis-Nenngeld!

Dazu kommen die An- und Abreisekosten und die Kosten für die mit gereisten Ingenieure, Monteure und Helfer, die sicherlich nicht auf ihren Lohn verzichten möchten.

Auch die Catering-Lieferanten werden ihren Ausfall sicherlich abrechnen wollen, da sie auch entsprechende Ausgaben hatten.

In der o.g. „Spitzen“-Klasse gibt es auch unterschiedliche Fahrer-Kategorien. Die einen – Profis - werden sicherlich von den Teams bezahlt werden müssen, die anderen - Amateure – werden  zum Teil ihren Fahrerplatz bezahlen müssen, den sie aber bei dieser Veranstaltung im Rennen nicht einnehmen konnten.

Ein Teamchef zur nicht überraschend eingetretenen Situation:

„Jetzt geht die Feilcherei wieder los. Wir hätten doch weniger Verschleiß gehabt, weniger Reifen und Benzin verbraucht . Und überhaupt…“!

Das führt nicht nur in einer, sondern in allen Klassen dann zu ernsthaften Gesprächen „über Geld“. - Natürlich alles „hinter den Kulissen“!

Zumal die Situation so war, dass man eigentlich hätte fahren können. Aber es war nicht nur nass, sondern auch sehr kalt. So gab es eine klare Empfehlung der Reifenindustrie: Aus Sicherheitsgründen kein Rennstart! 

Die von der Reifenindustrie angebotenen Slickreifen, die in „wichtigen“ Klassen lt. Ausschreibung – zwangsweise (!) - verwendet werden müssen, können bei solch niedrigen Temperaturen, wie an diesem Tag am Nürburgring gemessen, dann keinen Grip entwickeln.

  • Hier wird eine Problematik deutlich, die wohl vorher nicht bedacht worden war: 

Der Veranstalter zwingt den Teams und Fahrern – gerade in der Klasse, die dann immer den Gesamtsieger stellt - eine Reifen-Qualität auf, die nur bei „idealen Wetterbedingungen“ funktioniert!

Wäre das Rennen nicht abgesagt worden, hätten Teams – rein rechtlich – den Veranstalter für etwa entstandene Unfallschäden haftbar machen können. - Wahrscheinlich mit Erfolg! - Meine ich!

Obwohl im ISG – Internationale Sport Gesetz – zu lesen ist:

„1.1.3
Soweit gesetzlich zulässig ist weder die FIA noch einer ihrer Amtsträger, Beauftragten, Angestellten, Direktoren oder Offiziellen gegenüber irgendeiner anderen Partei für irgendwelche Ansprüche, Kosten, Schäden oder Verlust haftbar, die entstehen aus irgendeiner Handlung, Entscheidung oder Unterlassung seitens der FIA und/oder seiner Amtsträger, Beauftragten, Angestellten, Direktoren oder Offiziellen in Zusammenhang mit ihren Pflichten, absichtliches Fehlverhalten oder Betrug ausgeschlossen.“

Damit hatte der Veranstalter der so genannten „Touristenfahrten“ dann an dem „Renntag“ folgenden Tag, einem Sonntag, gar keine Probleme. Auch da war es eigentlich „saukalt“, aber die normalen Tourenwagen und GT-Fahrzeuge, die bei dieser Gelegenheit über die gleiche Rennstrecke gefahren werden, sind mit Reifen bestückt, die sich deren Fahrer selbst gewählt haben und die auch nicht nur in einem ganz schmalen Temperaturbereich ihren Grip entwickeln.

Außerdem handelt es sich dabei auch um Reifen mit Profil, die natürlich durch das Arbeiten der relativ hohen Profilblöcke schneller auf eine „gripfähige“ Temperatur kommen!

Trotzdem gab es am Sonntag dann schon recht früh nach Beginn der „Touristenfahrten“ einen Unfall, den man in Erinnerung an einen dramatischen Unfall im März 2015 bei einer VLN-Veranstaltung auch in die Spezial-Kategorie als...

  • „Crash am Flugplatz“ mit einordnen könnte!

Nur war der Unfallverursacher dieses Mal kein „Sim-Racer“ und er war auch nicht im Besitz eines „DMSB-Nordschleifen-Permit“!

Es gab auch unter den Zuschauern – wenn es überhaupt bei diesen Temperaturen und an dieser Stelle welche gab – keinen Toten unter den Zuschauern!

Aber es gab – um die herrschenden Wetterbedingungen deutlich zu machen – im Bereich der „Hohen Acht“ leichten Schneefall! - Und „natürlich“ gab es da später dann auch einen Unfall!

  • Aber wegen „schlechtem Wetter“ sagt dann doch der Veranstalter von „Touristenfahrten“ nicht einfach  diesen „Profitbringer“ ab!

Aber alle werden ihre Entscheidungen immer mit Sicherheit - mit Sicherheit argumentieren!

Mit Sicherheit hat der Nürburgring-Besitzer – ein russischer Oligarch – der Bundesregierung eine Gefallen tun wollen, wenn er für die Rennfahrer und Rennteams am Freitag/Samstag für deren Kassen rd. 1 Euro pro Liter Super-plus-Benzin mit kassierte.

  • Der an den Säulen ausgewiesene Literpreis betrug 2,769 Euro!

Da hatten es die „Touristenfahrer“ am Sonntag besser. Sie konnten eine freie Tankstelle in Nürburgring-Nähe anfahren, wo man den gleichen Treibstoff „wie oben“ dann gut 60 Cent billiger tanken konnte.

Dem Rennbesucher, der diesen „Rennabbruch“ von NLS 1 – aber auch sonst alles - als normal empfand, dem habe ich u.a. in mein Buch geschrieben:

„Die Windrichtung kann man nicht ändern, aber man kann seine Segel anders setzen!“

MK/Wilhelm Hahne

PS: Vor dem Einstellen dieser Geschichte auf diesen Internetseiten habe ich mir übrigens die Richtigkeit meiner obigen Darstellung in Gesprächen mit anderen  „Betroffenen“ noch einmal bestätigen lassen. - Das mit den „Kaufpreisen von Fahrerplätzen“ wird wohl sehr individuell geregelt – hatte ich den Eindruck! - Was insgesamt das Interesse von Teamchefs am Einsatz bei der VLN/NLS nicht größer werden lässt! - Per Saldo ist das „kein Geschäft“! - Vor allen Dingen, wenn man – wie ich dieser Veranstaltung zählen konnte – als Team z.B. neun Fahrzeuge mit der entsprechenden Anzahl von zahlenden Fahrern im Einsatz hat. - Weil es kein 4h-Rennen gab, wird es da nun stundenlange Verhandlungen geben! - Also alles mehr ein Fall von: „Außer Spesen nichts gewesen!“

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