BoP: Teurer Schwachsinn bleibt Schwachsinn!

Motor-KRITIK hat seit Jahren eine grundsätzliche Meinung zur BoP, aber ganz besonders zum Einsatz dieses Regelwerks auf der Nürburgring-Nordschleife, wo unwissende Sport-Funktionäre  und von sich überzeugte Marketingleute (Sportchefs?) daran glauben, die dort eingesetzten Sportwagen unterschiedlicher Hersteller „alle gleich machen zu können“. Man verspricht sich von den Maßnahmen der „Balance of Performance“ Chancengleichheit für alle. Zumindest alle Spitzenfahrzeuge. - Das sind die, die das meiste kosten, die höchste Leistung haben, die beste Aerodynamik bieten. Aber es sind Fahrzeuge mit unterschiedlichen Konzepten. Nicht das Fahrzeug mit dem besten Gesamtkonzept und den besten Fahrern soll danach 2018 gewinnen, sondern das Team – das ist die Meinung von Motor-KRITIK – dessen Fahrer in Zusammenarbeit mit den  Ingenieuren am besten beim Täuschen und Jammern „gearbeitet“ haben. - Der ADAC Nordrhein informiert aktuell: „Ein Bündel an Neuerungen soll dafür sorgen, die in der Top-Kategorie engagierten Hersteller stärker einzubeziehen, wenn es um die Definition von Parametern der Balance of Performance (BoP) geht. Dazu richtet der ADAC Nordrhein als Ausrichter des größten Rennens auf der legendären Nürburgring-Nordschleife eine ‚Technical Working Group‘ ein, in der eingeschriebene Hersteller von GT3-Fahrzeugen über BoP-Themen beraten.“ - Das wird nichts ändern! - Darum sagt Motor-KRITIK es deutlich und mit Überzeugung:

BoP: Teurer Schwachsinn bleibt Schwachsinn!

Wenn man sich mal unter den bekannten Fahrern auf der Nürburgring-Nordschleife umhört, wer von denen denn schon jetzt – noch vor Mitte Dezember 2017 – die Ausschreibung zum 24h-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife 2018 gelesen hat, so erntet man – leider (!) - sehr oft nur ein Lächeln und vielleicht den Hinweis:

„Ich habe doch nicht so viel Zeit wie du!“

Natürlich ist das spaßig gemeint, wird mit einem Lächeln ausgesprochen. Während mir, zum gleichen Zeitpunkt, der ich die Ausschreibung schon gelesen habe, das Lächeln vergangen ist.

Ich habe schon vor einiger Zeit etwas zur Kostenentwicklung im Motorsport geschrieben. Das soll aber heute nicht das Thema sein. Die Basis für diese Geschichte ist:

„Art. 4 GT3 Hersteller Einschreibegebühr BoP Prozess“

Damit meine Leser auch die Ausgangsbasis für meine Recherchen zu dieser Geschichte kennen, möchte ich diesen „Art.4“ aus der Ausschreibung zum „46. ADAC Zurich 24h-Rennen“ 2018 hier zunächst einmal als „Zitat“ einstellen.

Diese Angaben möchte ich dann mit einem weiteren Zitat aus einer Presse-Info des ADAC-Nordrhein zu diesem Thema ergänzen:

„Für die Auswertung wird das Know-How eines unabhängigen, externen Renningenieurs hinzugezogen. Die Hoheit über die letzte Entscheidung aller Teile des Regelwerkes inklusive BoP bleibt in bewährten Händen: Wie bislang wird der Technikausschuss über die Vorgaben der BoP entscheiden.“

Dieser Technikausschuss bestand bisher aus:

  • Norbert Kreyer, Niederzissen
  • Mike Gramke, Solingen
  • Martin Marx, Lebach

Nicht erst „seit gestern“ hat man in Gesprächen mit „Insidern“ immer wieder die Verwunderung darüber verspürt, dass hier u.a. zwei Mitglieder im Technikausschuss über die BoP-Maßnahmen mit entschieden, von denen einer sich mit um die Konkurrenzfähigkeit einer Corvette in der GT-Masters bemühte, ein anderer AMG/Mercedes durch seine Tätigkeit in der DTM sehr nahe stand.

So hat man dann auch schon einige Zeit aus gewissen Industriekreisen ein Murren vernommen. In seiner Presseinformation versucht sich der ADAC-Nordrhein mit der Erklärung – nachdem er (um sich selber auf die Schulter zu klopfen!) einen Blick auf die Ergebnisse des 24h-Rennens der letzten fünf Jahre geworfen hatte:

„Bei dieser hohen Chancengleichheit werden immer kleinere Performanceunterschiede wahrgenommen und entscheiden womöglich über die Plätze. Um diesem Prozess noch stärker gerecht zu werden und die betroffenen Hersteller besser einzubeziehen, wurden die nun beschlossenen Maßnahmen verabschiedet. Sie sehen vor, dass ab dem kommenden Jahr mit der ‚Technical Working Group‘ ein beratendes Gremium hinzugezogen wird, in dem die Hersteller von GT3-Fahrzeugen, die beim 24h-Rennen antreten, mit den Eperten des ADAC-Nordrhein an einem Tisch sitzen.“

Weil aus Kreisen der Industrie immer wieder – sozusagen leidend – auf die gute Arbeit in Sachen BoP in den USA, z.B. Daytona, hingewiesen wurde, weil man die BoP-Eingriffe „hier vor Ort“ oft als zu willkürlich und nicht an der Realität ausgerichtet empfand, hat der ADAC-Nordrhein jetzt die „Sprücheklopfer“ der Industrie in den eigenen Schlingen gefangen.

Wie man oben in Art.4 lesen kann:

„Ab dem Jahr 2018 wird es eine GT3 Hersteller Einschreibegebühr zur anteiligen Kostendeckung des BoP Prozesses sowie der damit verbundenen Maßnahmen geben.“

Und am Ende werden dann – mal wieder – sehr geheimnisvoll und untransparent die „gemeinen“ Teilnehmer und die interessierte Öffentlichkeit teilinformiert:

„Die Höhe der Hersteller Einschreibegebühr ist in einer separaten Gebührendordnung definiert und festgehalten. Die Gebühren werden den Herstellern im Februar 2018 entsprechend in Rechnung gestellt.“

Damit erweckt man den Eindruck, dass die Kosten bisher noch nicht im Detail festgelegt und definiert sind. Tatsächlich sind hier entstehenden Gesamtkosten längst fixiert und – wie man aus Industriekreisen hört – längt nach einem bestimmten Schlüssel auf die oben bereits genannten Firmen verteilt. - Um es klar zu sagen:

  • Den größten Batzen der Kosten tragen die drei deutschen Hersteller!

Sie werden wesentlich von den Forderungen des „unabhängigen, externen Renningenieurs“ bestimmt, der aus den USA eingeflogen wird, weil er auch von den Industrievertretern der deutschen Firmen durch seine BoP-Entscheidungen z.B. für das Rennen in Daytona als besser empfunden wurde, als die bisherigen Entscheidungen des deutschen „Technikausschusses“ im Fall des 24h-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring.

Nun ist es tatsächlich richtig, dass dieser Amerikaner im Fall Daytona gute BoP-Arbeit geleistet hat. Aber die ist – leider – auch nicht mit der am Nürburgring zu vergleichen.

Der Nürburgring ist um den Faktor von etwa 6,25 länger als der Kurs in Daytona. Während man die Strecke in den USA in rd. 1:40 min umrundet, braucht man in der Eifel rd. 8:00 min in der schnellsten Klasse. - Oder anders: 100 sec stehen 480 sec Fahrzeit gegenüber.

Bei den Testtagen in Daytona – vorher - lässt sich z.B. exakt feststellen, wer, wann, wo vom Gas gegangen ist. Und man weiß auch warum. - Das alles ist am Nürburgring nicht so exakt möglich. Darum wird von den Werken bei den vor dem 24h-Rennen vom Veranstalter geforderten zwei Rennen vorher, eben „taktisch gefahren“. Die Werks-Fahrer wissen aufgrund des ihnen zur Verfügung stehenden Equipments an jedem Punkt der Strecke, mit welcher Gesamtzeit sie ihre Runde beenden würden und „teilen sich die Rennrunden so ein“, dass sie in der vom Team gewünschten Zeit die Ziellinie passieren.

Da ist auch der „unabhängige, externe Renningenieur“ überfordert, weil hier am Nürburgring nur vermutet werden kann, was in Daytona klar zu übersehen ist. Jedenfalls weiß der „unabhängige Experte“ aus den USA, welchen Wert er in der neu installierten „Technical Working Group“ des ADAC-Nordrhein hat. Er lässt sich sein Kommen, Wissen, Denken und Handeln mit 200.000 „Talern“ vergolden, wie aus den Kreisen zu hören, in denen man nun auch die Geldkassette öffnen muss.

Aber sie tun es gerne. Weil man eigentlich selbst ohne jede Erfahrung und – so meine ich – ein wenig „ahnungslos“ ist. - Macht nichts! - Die Firma zahlt!

Und beim DMSB ist man sicherlich nun zufrieden, dass man auch bei dieser unangenehm kritischen BoP-Angelegenheit die Industrie „mit im Boot hat“.

Der DMSB ist der e.V., der z.B. die Streckenveränderung an der Nürburgring-Nordschleife im Bereich „Flugplatz“ verantwortet, was die Rundenzeiten allein durch das nun mögliche schnellere Befahren dieses Streckenabschnitts um ca. 3 sec schneller macht. - Es war eine Sicherheitsmaßnahme!

Genau wie die von ihm zustimmend abgezeichneten zwingenden Vorschriften zum Fahren von bestimmten „Einheitsreifen“ in bestimmten Klassen. - Wenn man in der Saison 2017 da bestimmte Reifen – z.b. Regenreifen - und deren Entwicklung (Selbstzerstörung?) über die Distanz bei den am Nürburgring oft vorkommenden „Mischbedingungen“ beobachtet hat, muss man die Fahrer bewundern, die in einer solchen Klasse – ich meine hier eine bestimmte! - überhaupt noch starten. - Aus Motor-KRITIK-Sicht kommt das einem „Russisch Roulette“ gleich.

Darüber wird – auch hier in Motor-KRITIK – noch zu reden sein!

Auch in diesem Reifen-Beispiel geht es nicht um besseren Sport, sondern um mehr Geld! - Man sollte bei den Sportfunktionären und -Promotoren endlich begreifen, dass man mit mehr Geld in der eigenen Kasse falsche Konzepte nicht besser machen kann!

Das ist nicht nur auf dem Reifensektor so, sondern auch beim Thema BoP, der Balance of Performance.

Ähnliche - beschränkt wirkende - Eingriffe gibt es leider auch in anderen Motorsport-Serien. Inzwischen auch in der Formel 1, wo man z.B. den Benzinverbrauch mit modernsten technischen Mitteln im Rennen bei der Boxen-Crew immer unter Kontrolle hat. - Da fahren Rennfahrer dann keine Rennen mehr, sondern befinden sich real unter Anleitung in einer Benzinspar-Prüfung! - Und ich schlafe als Fernsehzuschauer dann vor dem Bildschirm ein, wie z.B. beim letzten WM-Lauf in Abu Dhabi.

Der Motorsport leidet unter den zu vielen Regularien die von Leuten ersonnen werden, die sich in  ihrer Funktion damit Bedeutung geben möchten. - So lange das von den Motorsportlern – und den Zuschauern (!) akzeptiert wird… -

Und pfiffige, intelligente Ingenieure nutzen ein immer größer werdendes Feld von „Grauzonen“!

Um den Titel zu dieser Geschichte – die eine Geschichte über die neueste Entwicklung der BoP in unserem Land sein soll - noch ein wenig deutlicher und unmissverständlich zu formulieren:

  • Schwachsinn bleibt Schwachsinn! - Auch wenn er nun teurer bezahlt wird! - Und die Zustimmung von hochrangigen, interessierten Industrie-Laien findet!
MK/Wilhelm Hahne
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