15. November 2011: Lieber Leser!

Vor kurzer Zeit habe ich Ihnen noch erklärt, wie – und warum – aus „Guten Morgen“ bei Motor-KRITIK „Guten Tag“ wurde. Heute hat sich die Anrede wieder geändert. Und das wird auch im nächsten – unabsehbaren - Zeitraum so bleiben.

15. November 2011: Lieber Leser!

In der Vergangenheit war der „Gute Tag“ praktisch immer die Einstiegsseite auf meinen Internetseiten. Das hat sich mit der neuen Gestaltung geändert. Wenn meine Leser nun auf meine Internetseite kommen, erreichen sie immer die aktuellsten Geschichten. Das kann auch mal eine einzelne Geschichte sein, wie z.B. die gestern, die sich mit dem Thema DTM am Nürburgring beschäftigt. Aus aktuellem Anlass.

Da ich meiner Anrede nun jeweils ein Datum voranstelle, weiß jeder Leser sofort (ohne auf den Einstellungstermin – darunter - zu schauen), wann dieser – nennen wir es mal - „Nachfolger“ des „Guten Tag“ geschrieben wurde. Natürlich beschäftige ich mich in einem solchen Beitrag auch mit aktuellen Themen, aber überwiegend solchen, die mehr allgemeiner Natur sind, keiner speziellen Geschichte bedürfen.

Am Anfang jeder Geschichte stehen nämlich nicht nur aktuelle Recherche-Ergebnisse zu einem gewissen Thema, sondern die ordnen sich auch in ein Puzzle aus Informationsstücken ein, die sich erst über die Zeit zu einem klaren Bild formen. Manchmal fehlt eben noch ein wichtiges Puzzle-Stück.

So kann man heute z.B. das Ende der privaten Betreibergesellschaft in ihrer Funktion am Nürburgring noch nicht genau bestimmen. Aber es kommt immer näher. Aus einer ehemals vorhandenen Gesamtstrategie von „Politik und Wirtschaft“ sind nun zwei gegenläufige Strategien geworden, die mit einer solchen Konsequenz auf beiden Seiten verfolgt werden, dass mir manchmal schon wieder diese scheinbar unterschiedlichen Strategien wie Teile einer Gesamtstrategie vorkommen. - Aber mir fehlen noch ein paar Puzzlestücke. - Vielleicht finde ich die im neuen Haushaltsplan.  - Aber 3.300 Seiten... -

Die Landesregierung in Mainz hat inzwischen die Fragen der EU-Aufsicht (ich nenne sie mal so) aus Brüssel beantwortet. In Brüssel mahlt man zwar langsam, aber es wäre dumm – das meint man  sogar in Mainz - wenn die Landesregierung von Rheinland-Pfalz zwischen die Mahlwerke geraten würde.

Wie in meinem Buch auf den Seiten 592/593 zu lesen, hatte ich bereits im Frühjahr 2010 Brüssel darauf aufmerksam gemacht, dass im Falle „Nürburgring 2009“ mit Ärger zu rechnen ist. (Reg.-Nr. CAP(2010)00207) Der Ärger kam. Brüssel musste reagieren. Und hat zunächst einmal Fragen gestellt. Wie z.B. diese (u.a.) an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz:

Warum erfolgten stille Beteiligungen der RIM über den Umweg Mediinvest GmbH und nicht direkt an die Motorsport Resort Nürburgring GmbH?

Das ist nicht die wörtliche Fragetellung (darum auch ohne Anführungszeichen), aber sicherlich eine sinnvolle. (Das nur als Beispiel.)

Die RIM ist übrigens die Rheinland-Pfälzische Gesellschaft für Immobilien und Projektmanagement mbH, die 1993 durch das Land Rheinland-Pfalz gegründet wurde. (Unter der gleichen Anschrift – Holzhofstraße 4, 55116 Mainz – ist übrigens die WFT, die Wagnisfinanzierungsges. für Tech. Förd. in Rheinland-Pfalz mit beschränkter Haftung, untergebracht an der die RIM inzwischen zu 100 Prozent beteiligt ist.)

Während bei der „alten“ Landesregierung das Grußwort im jeweiligen Geschäftsbericht der RIM durch die Herren Prof. Ingolf Deubel und Hendrik Hering, der Eine als Minister für Finanzen, der Andere als Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau unterschrieben wurde, unterschreiben den 2010er Bericht eine Dame und ein Herr: Eveline Lemke, Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, sowie Dr. Carsten Kühl, als Minister für Finanzen.

Dr. Carsten Kühl war nicht nur in der „kritischen Phase“ im Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH und hat „unvollkommene Aufsichtsratsprotokolle“ (wie vom Untersuchungsausschuss Nürburgring beanstandet) nicht so empfunden oder gar beanstandet, sondern ist auch schon mal im Aufsichtsrat der RIM zu finden, wo er heute im Geschäftsbericht die Worte unterschreibt:

„...die ISB fördert so viele Investitionen wie nie zuvor.“

Es macht Spaß, mal die Reihe der Aufsichtsräte und der Beirats-Mitglieder der ISB durchzugehen und ihre eigentliche Funktion zu begreifen.

Nun ja – die EU wird’s richten. - Oder auch nicht. - Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die davon abhängig ist, wie nun der Innenminister des Landes RLP die Strategie – die inzwischen notwendige! - umsetzen kann. - Wenn man ein EU-Urteil vermeiden will.

Die Zeit der „coolen Sprüche“ scheint vorbei. Wobei auch auf dem 2010er Geschäftsbericht der ISB (auf der Rückseite) noch die These zu lesen ist, nach der Kurt Beck, der Landesvater in Rheinland-Pfalz, in der  Vergangenheit zu handeln schien:

„Wir machen's einfach.“
(Achten Sie mal drauf: Der Sinn wird durch die Betonung bestimmt.)

Dazu wurde dann auch der so genannte „Liquiditätspool“ des Landes genutzt, von dem aktuell im August die CDU-Landtagsfraktion forderte:

„Wir wollen, dass der Liquiditätspool auf eine rechtlich saubere Grundlage gestellt wird. Er darf nicht länger als schwarze Kasse missbraucht werden.“

Diese „schwarze Kasse“ beeinflusste übrigens auch in 2010 das Geschäftsergebnis der ISB, da man dem Land Rheinland-Pfalz (als Gesellschafter!) verpflichtet, hier einen Zinsverlust von 1.148.000 € hinnehmen musste. - Aber, so lange alle zufrieden sind... -

Nun – Kurt Beck war schon zufriedener. Nach meiner ganz persönlichen Einschätzung wird unser Landesvater so um Mitte nächsten Jahres „seinen Hut nehmen“ (die Reißleine ziehen) und sich verändern. Nur so kann er noch seinen Nachfolger bestimmen. Und übernimmt auch keine Verantwortung mehr für das nächste Wahlergebnis der SPD in RLP. - Meine Meinung wird er sicherlich nicht kommentieren wollen. Höchstens mit einer wegwerfenden Handbewegung. (Auch Prof. Deubel ist damit schon auf- und durchgefallen.)

Die Landesregierung hat's inzwischen schwer, da sie lt. Gesetz zur Auskunft verpflichtet ist. Die Nürburgring Automotive GmbH tut sich da leichter. Sie ist privat. Laut Gesetz ist sie sogar dann „privat“, wenn sie von staatlichen Geldern und Zuschüssen lebt.

Auch Privatpersonen sind dann – logischerweise – privat. Auch wenn sie von staatlichen Geldern leben. Darum müssen sie auch geschützt werden. Staatlich, rechtlich. Darum muss man auch – dafür sollte man Verständnis haben – gründlich recherchierende Journalisten verurteilen, wenn sie mehr als notwendig die Öffentlichkeit informieren, um z.B. so die Korrektheit ihrer Recherche- Ergebnisse zu untermauern.

Ich habe daraus gelernt. Ich könnte z.B. nur dann noch über die Verlegung einer Yacht eines „einzelnen Herrn“ in einen anderen „Heimathafen“ berichten, wenn das im Rahmen einer Geschichte erfolgen würde, in der ich einer Reihe von Yachtbesitzern die Gelegenheit gebe, über das Für und Wider bestimmter „Heimathäfen“ für deutsche Yachten (ich meine solche in der „Hand“ deutscher Eigner) zu sprechen.

Erst gestern konnte ich in einer Geschichte informieren, dass die Nürburgring Automotive GmbH selbst in einer wirklich geschäftlichen Angelegenheit – und die Öffentlichkeit interessierenden Angelegenheit - meine Anfrage nicht beantwortet, weil die Frage einfach nicht „in ihren Kram“ passte, wohl zu „privat“ war. - Andere Journalisten sind da rücksichtsvoller. Irgendwie gibt es nämlich immer einen Grund etwas nicht zu schreiben. Zur Not kann man dann ja noch den „Ehren-Kodex“ der Journalisten vorschieben.

Man kann es sich auch mit der Argumentation so einfach machen wie der Mitarbeiter eines Reifenkonzerns, den ich vor kurzer Zeit zufällig traf. Ich fragte ihn ein wenig provokativ, wie ihm denn die Winterreifengeschichte auf meinen Internetseiten gefallen hätte. Er hat nur kurz überlegt, ob er vielleicht sagen solle... -

Aber dann brach es einfach aus ihm heraus: „Gut! - Sehr gut! Stimmt alles. - Aber manches hätten Sie noch schärfer formulieren können.“ - Um dann die Zeit in der wir leben mit einer kurzen Anmerkung zu skizzieren und gleichzeitig andere Publikationen in Schutz zu nehmen:  „Aber Sie haben es ja auch einfach. Sie müssen nicht hinter Anzeigenaufträgen her hecheln.“

Stimmt! -

Ich könnte zu diesem Thema noch eine Menge anfügen. Aber ich möchte Ihnen, lieber Leser, nicht unnötig Zeit stehlen. - Ich schreibe übrigens „Leser“ nicht in der Mehrzahl, sondern ich spreche Sie einzeln an. Weil mir jeder einzelne Leser wichtig ist. Vor denen habe ich auch keine Geheimnisse.

So finden Sie – vielleicht haben Sie's ja auch schon gemerkt – auf der rechten Außenseite meiner Geschichten inzwischen die Zeilen:

Hitlisten

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Hier finden Sie Zahlen, die andere gerne für sich behalten, aber Ihnen vielleicht einen Eindruck vermitteln. Auch davon, dass Sie als Leser von Motor-KRITIK zu einer relativ kleinen Elite gehören.

Um diese Anmerkungen herbstlich – und ein wenig privat – ausklingen zu lassen, erlaube ich mir hier ziemlich zusammenhanglos ein Herbstfoto einzufügen, das die ruhige Stimmung der letzten Wochen in der Natur überzeugend verdeutlicht:

Das könnte auch ein Sinnbild für meine Stimmung sein: Milde eben. - Und manchmal werfe ich lange Schatten. - Weil ich mich wohl im Herbst meiner Jahre befinde. :-)

Verabschieden werde ich mich heute – wie auch in Zukunft – von einer Seite dieser Art nicht mehr mit einem „Guten Tag“, sondern mit einem Versprechen:

Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne

Fast vergessen: Heute wird es auch noch eine neue „Umfrage des Monats“ geben.

 

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2 Kommentare

Kleines Fehlechen hat sich eingeschlichen

... ... ...„privat“, wenn sie von staatlichen Geldern un Zuschüssen lebt... .. ... <--- das "d" fehlt. Ansonsten: Wie immer sehr lesenswert, danke!

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