8. Mai 1945: 70 Jahre danach in Nürburg

Am 8. Mai 2015 war Julia Klöckner (CDU) in Nürburg. Ihre Zeit war aber bemessen, da sie um 17 Uhr schon wieder in Mainz sein musste, um an einer Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Mainzer Christuskirche teilzunehmen. Es war die Gedenkveranstaltung an einem Tag, an dem – historisch korrekt betrachtet – eigentlich gar nichts passierte. Weil eigentlich Deutschland am 7. Mai 1945 in Reims schon kapitulierte. Und dann am 9. Mai 1945 dann noch einmal in Berlin. Darum feiert man auch in Moskau erst am 9. Mai das Kriegsende. - Aber wahrscheinlich will der Westen mit dem Osten nichts gemein haben. Darum feiert man hier einen Tag, an dem eigentlich gar nichts passierte. - Auch in einer zentralen Gedenkveranstaltung in Mainz. - Was passierte denn aber am...

8. Mai 1945: 70 Jahre danach in Nürburg?

Eigentlich auch nichts. - Oder doch? - Versuchen wir doch einfach mal den Grund für die Reise des rheinland-pfälzischen Oppositionsführerin, Julia Klöckner (CDU) zu hinterfragen, aber auch, ob das in Nürburg geführte Gespräch eigentlich real irgendein Ergebnis hatte, einen Fortschritt bei dem Versuch bedeutet, den Niedergang einer ganzen Region aufzuhalten, der durch politische Misswirtschaft und politische Kungeleien in der Provinz entstanden ist, den auch die Opposition nicht verhindert hat. - Oder nicht verhindern konnte?

Aber verfolgen wird doch einmal die Abläufe an diesem Tag, die sich zeitlich – entsprechend einer Darstellung in einer CDU-Einladung so darstellten:

„11 bis 11.30 Uhr
Gespräch und Besichtigung des Rennstalls Black Falcon
Gottlieb-Daimler-Str. 9, Meuspath

Ca. 12 bis 12.30 Uhr
Fahrt im Rennwagen mit Alexander Kolb, Gründer des Rennstalls Böööös Racing Team

Ca. 13.45 bis 15 Uhr
Gespräch mit Vertretern der Gemeinde Nürburg, Hoteliers und Gewerbetreibenden aus der Region und Freunden des Nürburgrings, Hotel am Tiergarten, Kirchweg 4, 53520 Nürburg“

Man trifft sich bei „Black Falcon“ wie verabredet. Das ist keine Überraschung. Aber für den Fahrer des „Rennwagens“, Alexander Kolb, ist es wahrscheinlich schon eine. Eigentlich hatte er sich so eine Umsetzung seiner Einladung an seine gute Bekannte, Julia Klöckner, nicht vorgestellt.

Eigentlich wollte er – mit Frau Klöckner gut bekannt – wenn sie gerade „oben“ ist, mal eine schnelle Runde auf der Nürburgring-Nordschleife drehen. Nun war ein richtiger CDU-Termin daraus geworden.

Es gab also ein Interview vor laufender Kamera, man stellte sich für ein Erinnerungsfoto zurecht und natürlich gab es auch das Gespräch und eine Besichtigung, exakt so wie in der Einladung angekündigt war.

Dann gab es auch die schnelle Runde (plus einer zum Angewöhnen), die wir auch der Nachwelt erhalten wollten und darum hier auch ein paar Schnappschüsse vom Ablauf veröffentlichen.

Man hat dann – auch das war in der Einladung zu lesen:

„Zu Ihrer Information: Julia Klöckner und Alexander Licht werden auch ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Nürburgring GmbH, Carsten Schumacher, führen. Dieses wird vertraulich sein.“

Dieser Geschäftsführer, einer von zwei, die im Handelsregister so benannt sind, führt gerne „vertrauliche“ Einzelgespräche. Bei Julia Klöckner und Alexander Licht war das also eins der vielen in letzter Zeit gelaufenen „vertraulichen Gespräche“.

In der Zwischenzeit hatte ich am Treffpunkt für die Presse, im „Hotel am Tiergarten“ schon mal – weil ich wieder zu früh war – Platz genommen.

Es war noch niemand im Raum, ich saß an einem leeren Tisch und ich weiß nicht, warum mir in diesem Moment ein Satz aus Psalm 23 einfiel:

„Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“

Der Raum füllte sich langsam. Kurz nach 13:45 Uhr betrat der Nürburger Bürgermeister den Raum um zu verkünden, dass Frau Klöckner ein wenig später kommen würde, da es eine kleine Verzögerung gegeben habe.

Inzwischen war das Umfeld ein wenig dekoriert worden und bot sich dem Auge des Besuchers nun so dar. Dort wo sicherlich die Einladenen und der Bürgermeister – wahrscheinlich – Platz nehmen würden, hatte man für einen passenden Hintergrund gesorgt. Der Sturzhelm lag nur „zufällig“ auf dem Tisch.

Außer Motor-KRITIK war noch die „Rhein-Zeitung“ mit einem Redakteur vertreten (den „Bonner General-Anzeiger hatte ich persönlich nicht wahrgenommen), als denn...

...Julia Klöckner – inzwischen wieder in einem neuen „Outfit“ - und Alexander Licht vorne Platz nahmen. Der Sturzhelm wurde nach hinten verlegt...

...und das Gespräch begann.

Inzwischen konnte ich – wenn man Frau Andrea Thelen dazu rechnet – im Raum vier Personen ausmachen, die das Hotelgewerbe vertraten und drei Inhaber von Gewerbebetriebe in oder um Nürburg.

Sabine Schmitz, nicht nur Rennfahrerin, sondern auch der Gruppe „Wir sind Nürburgring“ zuzurechnen, hatte sich in der hinteren linken Ecke des Raums platziert und rechts neben mich, hatte sich mit einem zusätzlichen Stuhl Alexander Kolb, jener Mann geschoben, der gerade Julia Klöckner um die Nürburgring-Nordschleife chauffiert hatte.

Wir haben sogar ein paar private Sätze zu einer ganz persönlichen Situation gewechselt, die mir den Eindruck vermittelten, dass Alexander Kolb eigentlich nicht der Typ ist, der einer politischen Gruppierung bewusst den Anlass für eine öffentliche Selbstdarstellung bietet.

Interessant ist trotzdem, was Julia Klöckner und Alexander Licht, beide als Vertreter der oppositionellen CDU in Mainz an diesem Tag in Nürburg, dann eigentlich zu sagen hatten, bzw. welche Eindrücke sie aus dieser entweder in direkten Telefonaten aus Mainz oder rein zufällig informierten kleinen Gruppe von Teilnehmern in Nürburg zu sagen hatten, bzw. als deren Meinung mit ins politische Mainz mitnehmen konnten.

Frau Klöckner stellte zu Anfang fest, dass nicht nur der Mythos des Nürburgrings groß ist, sondern auch das Unverständnis „draußen“ für die aktuelle Situation. Da wolle man nun von Seiten der CDU nun vor Ort nicht nur erfahren was alles schief gelaufen ist, sondern:

  • Was muss man tun?

Sie stellte fest: Der Verkauf des Nürburgrings ist perfekt! Darüber habe man auch in einem vertraulichen Gespräch gerade mit dem Geschäftsführer der capricorn NRÜBURGRING GmbH, Carsten Schumacher, gesprochen.

Sie habe den Eindruck, dass es einen Investitionsstau in der Privatwirtschaft geben würde, weil man nicht weiß wie es weiter geht. Es mache keinen Sinn über „alte Dinge zu diskutieren“, aber auch Frau Lemkes Empfehlungen, den Nürburgring für den Test von Elektrofahrzeugen zu nutzen, sei nun gerade „kein Evangelium“.

Dann stellten zunächst die Hotelbetreiber ihre Sorgen dar, berichteten von deutlichen Einbrüchen, deuteten an, an diesem Jahr zum ersten Mal über den Winter Personal entlassen zu müssen, dass man sonst mit den im durch F1- und "Rock am Ring"-Geschäfte erzielten Überschüssen mit durchgefüttert hätte.

Man nannte Prozentzahlen der Auslastung, die für Fachleute sicherlich alarmierend und erschreckend sind. Der zwangsweise erfolgte Ausbau der Bettenkapazität durch die SPD-geführte Landesregierung hat der Region nicht gut getan, sondern sie deutlich belastet.

Frau Klöckner hört aufmerksam zu und verweist darauf, dass sie als Politikerin eigentlich nur über begrenzte Eingriffsmöglichkeiten verfügt. - Was überrascht. - Denn Kurt Beck verfügte über gewaltige Eingriffsmöglichkeiten, die geradezu auf eine Vergewaltigung der Region hinaus liefen.

Frau Klöckner nennt und erklärt Einflussgrößen mit:

  • Bundesebene,
  • EU-Ebene,
  • Insolvenzrecht,

weist auf die Gewaltenteilung in Deutschland hin, auf das was Politiker möchten, aber Richter entscheiden. Wenn Zwischenrufe kommen, dämpft sie mit:

„Ich beschreibe doch nur den Ablauf!“

oder

„Wir sind doch auf Ihrer Seite!“

Einwurf von Seiten der „Betroffenen“:

„Man muss aufzeigen, was nun getan werden muss!“

Und:

„Der 'Russe' ist undurchsichtig! - Warum sprechen Sie nicht mit dem Investor?“

„Ja zum Nürburgring“ ist durch Herrn Dieter Weidenbrück vertreten, der von einem mehrstündigem Gespräch mit dem Geschäftsführer, Carsten Schumacher, berichtet und seinen Endruck wieder gibt, der Herrn Schumacher in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer am Nürburgring nicht so gut aussehen lässt.

  • Herr Weidenbrück erntet stürmischen Beifall!

Frau Klöckner bedauert, dass sie um 17 Uhr in Mainz zu einer zentralen Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung zurück in Mainz sein muss und empfiehlt:

„Sie sollten Herrn Schumacher mal einladen!“

Und es wird deutlich, „dass wir eigentlich alle in einem Boot sitzen“. - Kentert das Boot, kentert auch Herr Schumacher. - Man muss das so sehen. - Wenn man das aber so sieht:

  • Würde das Kentern des Herrn Schumacher auch den Untergang der Region um den Nürburgring bedeuten?

Frau Klöckner muss nach Mainz. Herr Licht muss nach Nürnberg. Man entschuldigt sich mit dringenden Verpflichtungen, die man noch hat.

  • Die „Verpflichtung Nürburgring“ bleibt mal wieder mal zurück.

Und um 17 Uhr spricht dann Frau Dreyer (SPD) in Mainz an diesem Tag in der Christuskirche so Sätze wie:

„Wer die Erinnerung verliert, der verliert auch das Ziel aus den Augen, dass sich so etwas nie wiederholen darf.“

Da sind wir ganz bei Ihnen, liebe Frau Dreyer. Nur beziehen wir das auf die Erinnerung an das Projekt „Nürburgring 2009“.

Frau Dreyer (SPD) sprach diese Sätze rückblickend auf einen Tag vor 70 Jahren. Es war der 8. Mai 1945, der uns als der Tag des Kriegsendes dargestellt wird. Man feiert also einen Tag, an dem – ich schrieb es eingangs schon – tatsächlich nichts passierte.

Da machte dann der 8. Mai 2015 in Nürburg kaum einen Unterschied. - Und man wird ihn auch niemals feiern müssen.

Zwei Tage später sprach Angela Merkel mit Wladimir Wladimirowitsch Putin in Moskau. Und Julia Klöckner will jetzt versuchen, mit Viktor Kharitonin zu sprechen.

Es wird viel gesprochen, aber nichts passiert. Dabei müsste eigentlich der „ring°racer längst verkauft, die „Grüne Hölle“, entsprechend dem „überzeugenden Capricron-Konzept“ längst „zurückgebaut“ sein, um Robertino Wild zu zitieren.

Und die Fernheizungsleitungen, in den Estrichböden der Gebäude der „Grüne Hölle“ verlegt, die korrodieren konstant weiter vor sich hin. Ein Abreißen der Gebäude würde also eine Menge zukünftigen Ärger ersparen.

Ob Herr Jens Lieser als Insolvenz-Sachwalter darüber auch mit Herrn Viktor Kharitonin, dem neuen Investor, „offen und transparent“ gesprochen hat?

Die einen reden zu viel, die anderen zu wenig. - Das Ergebnis ist gleich:

  • Es gibt keins!
MK/Wilhelm Hahne

PS: Werfen Sie mal einen Blick auf die rechte Seite dieser Internet-Information. Dort gibt es seit dem letzten Wochenende eine neue Umfrage, mit der die Einstellung der Nürburgring-Fans zur derzeitigen Situation hinterfragt werden soll. - Je mehr Leute sich dort mit ihrer Meinung äußern, desto klarer wird man die auch in der politischen Schaltzentrale Mainz zur Kenntnis nehmen müssen. - Bitte machen Sie mit einem Klick dort auch Ihre Meinung deutlich! - Danke!

 

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