Nürburgring: Mit Millionen „geclosed“!

Das betrifft den Kaufvertrag. Auf einen deutschen Mittelständler ohne Mittel ausgestellt, vom Insolvenz-Sachwalter empfohlen, vom Gläubigerausschuss akzeptiert, von einem Russen – bzw. dessen NR Holding AG – „geclosed“. Im politischen Mainz wird man strahlen. - Geschafft! - Man hat Millionen Steuergelder mit Hilfe einer landeseigenen Firma in der Eifel versenkt, Baudenkmäler ohne jeden Sinn erstellt, angeblich Arbeitsplätze geschaffen die nicht zu halten sind – und hat nun am 25. April erfolgreich unter eine – eigentlich verschleppte - Insolvenz (in Eigenverwaltung!) durch das Verschenken einer Rennstrecke im Realwert von insgesamt um 1 Milliarde Euro (das sind tausend Millonen!) für gut 70 Millionen Euro, einen Schlussstrich gezogen. - Die Wähler hatten diese Affäre, diesen Skandal längst aus den Augen verloren. Die Politiker hatten erfolgreich auf Zeit gespielt. Nun können die Visionäre zurück auf die große politische Bühne. Es gibt schließlich mehr Themen als den Nürburgring. - Man muss europäisch denken, nach vorne sehen, darf vor neuem Handeln nicht zurück schrecken. - Alles wird gut! - Die nächste Generation von Wählern wird diese Episode schon als Märchen empfinden, mit dem man dann Kinder in den Schlaf liest. - Ein grimmiges Märchen. - Geschrieben von Kurt Beck und seiner Polit-Band. - Mit mildem Lächeln von Malu Dreyer „schön illustriert“. Nicht nur Kinder werden darüber ruhig – später mal, in Jahren – einschlafen. Auch aktuell träumen die müden Wähler von einem „häppigen“ Ende. Das ist genau so „Fachjargon“, wie „geclosed“ für den Redakteur der „Rhein-Zeitung“ beim „Closing“ eines Kaufvertrages. - In diesem Fall also:

Nürburgring: Mit Millionen „geclosed“!

Es gab tatsächlich Leute, die von abrupten Ende einer scheinbar unendlichen Leidenszeit beim Warten auf eine spürbare Reaktion eines Viktor Kharitonin überrascht waren. - Warum sollte dieser Mann warten? - Inzwischen kannte er seine Gegenspieler. Und er hat sie entsprechend behandelt.

Und die Region hat auf ein Wunder gehofft und geduldig den Kopf hingehalten. - Wie eine Kuh beim Schlachter.

Jeder so, wie er es verdient. - Wir bei Motor-KRITIK sind keine Hellseher, aber beim Beobachten der Abläufe vor und hinter den Kulissen und in Kenntnis bestimmter Zusammenhänge musste eigentlich jetzt dieser Viktor Kharitonin zur Tat schreiten.

Wir waren überrascht, dass so viele, die sich für Insider halten, überrascht waren. Es war auch am regen Telefonverkehr gestern festzustellen. Es gab sogar Leser die anfragten, warum denn Motor-KRITIK nichts dazu geschrieben hatte. Schließlich gab es doch die Pressemitteilung eines Pietro Nuvoloni im Auftrag eines Herrn Lieser, in diesem Fall des Insolvenz-Sachwalters.

Meine Leser mögen mir gestatten, dass ich vor dem Schreiben denke, recherchiere. Das braucht Zeit. Man möge mir verzeihen, dass ich hier auch noch einmal kurz an Sätze erinnern möchte, die hier schon vor Wochen geschrieben und veröffentlicht wurden.

Am 9. März 2016: (Zur Geschichte geht’s hier)

„Der russische Dominator der CNG wird auch versuchen, durch Zahlung der „Restsumme“ schon in diesem Jahr – in 2016 - den bisher noch nicht – wegen der EU-Einwände – umgesetzten Kaufvertrag (eigentlich mit einem deutschen zahlungsunfähigen Mittelständler abgeschlossen) kurzfristig Realität werden zu lassen und Eigentümer des Nürburgrings zu werden.“

Am 14. März 2016: (Zur Geschichte geht’s hier)

„Was wir in nächster Zukunft dort erleben werden, ist eine gewaltige Umstrukturierung. Zwar ist die alte NBG, die Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH, noch nicht definitiv abgewickelt, da wird auch schon bald deren Nachfolger, die CNG, abgewickelt werden. Denn einen Pächter wird es am Nürburgring bald nicht mehr geben!“

Am 25. März 2016: (Zur Geschichte geht’s hier)

„Aber ein „bitteres Ende“ (?) scheint nun nahe. Der neue russische Investor ist wohl finster entschlossen, zu einem „Closing“ in Sachen Kaufvertrag zu kommen. Wie zu hören, liegen die dazu notwendigen Millionen (die „Restzahlung“) schon bei einer deutschen Bank bereit.

Motor-KRITIK erwartet den – für Viele sicherlich unerwarteten, weil überfallartigen – Schluss-Akkord in Sachen Nürburgringverkauf noch bis Ende April 2016.“

Am 13. April 2016: (Zur Geschichte geht’s hier)

„Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass das „Closing“, von Motor-KRITIK noch für April durch den russischen Investor vorhergesagt, immer wahrscheinlicher wird. - Weil es auch zwingend notwendig ist, wenn man den Nürburgring als funktionierendes Ganzes weiter betreiben will.“

Aber wie geht’s jetzt weiter? - Davon ist weder in der Pressemitteilung des Herrn Pietro Nuvoloni noch in den Geschichten zu lesen, die derzeit zum Thema erscheinen. - Aber Viktor Kharitonin kommt auch ohne Herrn Nuvoloni – und sogar ohne Herrn Lieser – zurecht.

Aber die Fans sind schon verunsichert, weil sie nirgendwo Informationen finden, ein „Geländer“ an dem sie sich entlang hangeln können. Motor-KRITIK möchte versuchen, zumindest Möglichkeiten in der weiteren Entwicklung aufzuzeigen. Dabei ist sicherlich wichtig:

  • Die Herzstücke der Nürburgrings, die Rennstrecken, dürfen nicht darunter leiden!

Motor-KRITIK hat heute in der Frühe als erstes versucht, mit den Rechtsanwaltskanzleien der Kläger vor dem Europäischen Gerichtshof in Kontakt zu kommen. Der RA des Vereins „Ja zum Nürburgring“ hat die Anfrage an den Pressesprecher des Vereins, Dieter Weidenbrück, weiter geleitet, der aus der Sicht des Vereins, eines der Kläger gegen die Entscheidung der EU, schreibt:

„...wir nehmen das Closing zur Kenntnis, sehen aber den Fortgang der Klagen mit ihren möglichen Konsequenzen dadurch nicht beeinträchtigt."

Es ist zu hoffen, dass alle Beteiligten wissen, was sie da tun.“

Das ist kurz und – aus Motor-KRITIK-Sicht – schmerzhaft, weil daraus hervorgeht, dass man nicht weiß, was der andere Kläger, NeXovation (USA), machen wird oder gemacht hat.

Noch am 9. März 2016 hatte mir die für NeXovation arbeitende RA-Kanzlei auf meine Anfrage hin bestätigt:

„...NeXovation hat die Klage natuerlich nicht zurueckgezogen!
Wir bereiten gerade bis Mitte April die Erwiderung auf die Einlassungen der Kommission vor, die uns seit Februar vorliegt. ...“

Auf meine Anfrage von heute, 26. April 2016, 7:18 Uhr, gibt es bis zu diesem Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Antwort. Das wird von mir insofern als Antwort empfunden, weil es mein Recherche-Ergebnis bestätigt, nach dem Abgesandte der US-Firma NeXovation vor rd. zwei Wochen in der Eifel wahrgenommen wurden.

Oster-Urlaub in der Eifel? - Wohl kaum. Alles spricht nach meinem Eindruck dafür, dass man hier den Schlüssel für die Entscheidung des russischen Investors finden kann, wenn man einmal diesen Gedanken zu Ende führt.

„Ja zum Nürburgring“ wird wohl der rechtsanwaltlichen Hilfe bedürfen, um einen Rückzug ohne Gesichtsverlust – nach der oben dargestellten offiziellen Erklärung – einleiten zu können. Denn unter diesen neuen Umständen wird der ADAC München sicherlich seine bisherigen „zweckgerichteten Spenden“ an den Verein einstellen, mit denen bisher die nicht geringen Kosten „im Kampf um den Nürburgring“ bestritten wurden.

Tatsache ist: Die „capricorn NÜRBURGRING Besitzgesellschaft mbH“ ist neuer Eigentümer des Nürburgrings mit zwei Hotels, einem Ferienpark, einem Boulevard, einem Ringwerk, einer Kartbahn, einer Arena, einer Achterbahn, und, und, und. - Beinahe hätte ich das Personal vergessen, das zu all' dem überflüssigen Tand einer Rennstrecke – aus politischen Gründen – beschäftigt werden musste.

Eine SPD-Abgeordnete gegenüber einem Burgbesitzer, der die „Verschwendung am Nürburgring“ beklagte:

„Aber wir haben Arbeitsplätze geschaffen!“

Das ist das Zauberwort, mit dem Politiker noch heute ihre Fehlleistungen in der Region zu verklären suchen. Und die nun zunächst (!) auch noch die „capricorn“-Firma in russischem Besitz stark belasten werden. Man hat (geschätzt) um 250 Mitarbeiter „am Bein“, während im reinen Rennstreckenbetrieb (ohne Hotels usw.) ungefähr 60 – 70 Mitarbeiter reichen würden.

Zum Vergleich: Die zwar kleinere, aber immerhin vergleichbare Rennstrecke in Spa-Francorchamps wird mit knapp 40 Mitarbeitern in Schwung gehalten.

Eine etwas umständliche, aber mögliche – und aus der Sicht eines Eigentümers notwendige – Lösung könnte sein:

Man braucht keine CNG mehr, löst diese Firma auf, weil es nun keines Pächters mehr bedarf. Eigentümer ist die CNBG, die „capricorn NÜRBURGRING Betriebsgesellschaft mbH“, die man in dieser Gesellschaftsform weiter führt, aber nicht in Abteilungen splittet, sondern ihr in sinnvoller Gliederung einige „Satelliten“ als kleine „Profit-GmbH's“ zuordnet. Mit dem jeweils notwendigen Personal.

Erweist sich eine „Profit-GmbH“ nicht als Profit-Center, wird man diese GmbH auflösen und so genannte „betriebsbedingte Kündigungen“ aussprechen. Möchten Sie, lieber Leser, unter diesen Umständen Mitarbeiter in einer GmbH sein, die z.B. die „Grüne Hölle“ mit ihren vielen Restaurationsbetrieben als „Spielwiese“ zum Erzielen eines Profits betreiben soll?

So wird es – das ist eine Motor-KRITIK-Vorhersage, die sich aus Erfahrung und vielen Überlegungen ergibt – eine Reihe von neuen GmbH's geben müssen. Und ein erstes Lächeln huschte heute in der Frühe über mein Gesicht, als ich in der „Rhein-Zeitung“ las:

„...Als formaler Besitzer des Nürburgrings kann die CNBG jetzt die Immobilien wie das Partydorf und das Ringwerk weiterentwickeln. Auch der Verkauf und Abbau der Pannen-Achterbahn Ringracer ist nun möglich.“

Das Partydorf kann man nur „abwickeln“, das Ringwerk nur umbauen, was sicherlich auch eine Art der Weiterentwicklung ist. Der „ring°racer“ wird wohl kaum abgebaut werden können. Die „Antriebseinheit“, die Transformatoren, die Elektronik, die Drucklufttanks, können genau so wenig jemals ausgebaut werden, wie eigentlich die Achterbahn insgesamt, da sie im Boulevard z.B. ein Teil der Statik ist.

Und bei einem evtl. Umbau des Ringwerk wird man darauf stoßen, dass einige Ausstellungsstücke ohne große Mauerdurchbrüche nicht zu entfernen sind.

Ein weiterer Haken ist der so genannte „Managementvertrag“ mit der Lindner Hotels AG, der wohl ursprünglich einmal von Herrn Richter abgeschlossen, im Laufe der Zeit immer von Firma zu Firma weitergereicht wurde und – soweit Motor-KRITIK das überblicken kann – mindestens vier Nachträge erfuhr, durch die CNG zwar mal gekündigt wurde, aber wohl im Kern immer noch zu einer Belastung für den neuen Eigentümer werden kann. - Gleich ob mit oder ohne Hubschrauber-Landeplatz.

Die Managementverträge mit dem LindnerHotels AG wurden übrigens 2012 nicht auf die NBG übertragen. So kommt es auch zu den Bilanzen, wie sie hier z.B. für 2014 mal vorgestellt wurde. Es sind die Bilanzen, zu der eine Malu Dreyer keinen Ton sagen möchte. - Über dieses Thema kann die Dame wahrscheinlich noch nicht einmal zu ihrem Standard-Dauerlächeln finden!

Vor Jahren schon hat sich Motor-KRITIK mal darum bemüht, Einsicht in alte Verträge aus der Zeit des Entstehung des ursprünglichen Nürburgrings zu erhalten. In den Gemeinden, die davon berührt sind, sind sie nicht mehr vorhanden. Wahrscheinlich sind sie im Landes-Archiv zu finden. Ich – bzw. Motor-KRITIK – hat aber aktuell kein Interesse an einer aufwendigen Suche. Das werden jetzt die Leute übernehmen, die nach dem Wechsel von einem „staatlichen“ in einen „privaten“ Besitz von dem „kleinen Unterschied“ profitieren könnten. - Das Ganze könnte unter dem Titel laufen:

  • Katasterprobleme!

Motor-KRITIK wollte hier nur mal einen kleinen Teil der Probleme anreißen, die hier in der Region aus den unterschiedlichsten Gründen Viele betreffen werden. Auch den neuen Eigentümer des Nürburgrings werden sie betreffen.

Insgesamt können meine Leser so vielleicht zu einer Erklärung finden, warum Motor-KRITIK schon so früh davon überzeugt sein konnte, dass Viktor Kharitonin noch im April 2016 das „Spielen auf Zeit“, von vielen Gruppen mit unterschiedlichen Interessen betrieben, mit einem „überfallartigen“ Schluss-Akkord noch im April 2016 beenden würde.

Aber jetzt beginnt eine Zeit, in der sich die Ereignisse überschlagen werden. Motor-KRITIK ist davon überzeugt.

Überzeugt bin ich aber persönlich auch davon, dass man jetzt in das eigentliche „Tagesgeschäft“, den reibungslosen Betrieb der Rennstrecken, Ruhe hineinbringen muss. Auch da ist die Basis (z.B. Betriebsgenehmigungen) nicht so sicher, wie es nach draußen scheint.

Und wenn man an andere Einflussgrößen denkt - Hans-Joachim Stuck wurde z.B. gerade wieder für einige Jahre zum DMSB-Präsidenten gewählt – dann weiß man, dass insgesamt eine große Aufgabe auf das Team um den russischen Investor zukommt.

Es gibt im Umfeld des neuen Investors, Viktor Kharitonin und seinen Helfern, viel zu tun. Wie wir gelernt haben, kann der Nürburgring schnell zu einem „Millionen-Grab“ werden. Daran wird der neue Eigentümer nicht interessiert sein.

Die Politiker in Mainz wird der Nürburgring – und die Problematik die sie geschaffen haben - ab sofort nicht mehr interessieren.

Und die EU – so glaube ich – auch nicht mehr. - Überall wird man sich nach Ruhe sehnen. - Eine richtige Einschätzung des russischen Investors

Die aktuelle Stimmung bei den Nürburgring-Fans ist verzweifelt „...und so traurig öd' und leer!“ - Damit meine ich die, die wirklich mit dem Herzen Motorsportler und nicht die mit dem dicken Bankkonto auf der steten Suche nach ihrem persönlichen Vorteil sind. - Auch im Motorsport.

Wie man den neuen Eigentümer des Rings einzuordnen hat, kann leider hier noch nicht beurteilt werden. - Wer kennt ihn schon?

MK/Wilhelm Hahne
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1 Kommentar

Beck

<p> Wenn ich heute im Flieger nach Berlin wieder den Kurt Beck sehe kann ich f&uuml;r nix garantieren :)</p>

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