VLN 4: Der DMSB, ein Race-Director und das Chaos!

Während des 4. Laufs zur VLN-Langstreckenmeisterschaft kommt es kurz vor Halbzeit des Rennens zu einer Situation, die in der Race-Control niemand versteht: Stau auf der „Döttinger Höhe“! - In einem Video wird gezeigt, dass am Eingang zur Race-Control alle „rote Lampen“ brennen, die einen Zutritt zum Herzen der Rennleitung verbieten, weil dort nun – so wird im Video erklärt – die „zu diesem Fall“ gemachten Aufzeichnungen gesichtet werden müssen. Zwei Stunden wird zu diesem Zeitpunkt das Rennen noch laufen, nach zwei weiteren Stunden – um 18 Uhr – soll eine Siegerehrung stattfinden. Die Rennleitung unter Vorsitz des Race-Directors hat also mit 4 Stunden scheinbar alle Zeit dieser Welt. - Sollte man meinen. - Das Rennen wird zwar zu Ende gefahren. Das Ergebnis wird aber durch das Chaos auf der „Döttinger Höhe“ als im Ergebnis verzerrt empfunden und die gesamte Funktionärs-Riege schafft es in den vier Stunden nicht das Rätsel zu lösen. - Sagt man. - Der Race-Director „wäscht seine Hände in Unschuld“, lässt eine „Vorläufige“ Ergebnisliste erstellen und setzt die Siegerehrung aus. - Weil er diesen Fall zu „Chefsache“ gemacht hat! - Zwar hat man versucht bestimmten Fahrern und Teams wegen „Verstößen“ in diesem Chaos „in der Sache“ (Überholen bei GELB) zu bestrafen, aber hat wohl nicht mit dem Widerstand gerechnet, der den Herren Funktionären dort entgegen schlug. Da will sich der Herr Race-Director dann wohl nicht ins „Fettnäpfchen“ setzen und übergibt die Angelegenheit zur Klärung dem DMSB. - Und dort ist man nun scheinbar auf der Suche nach einem intelligenten Ausweg. Der keinem aus der Funktionärsriege schadet! - Erst recht nicht dem DMSB. -  Im Grunde stolpert man aber in dieser Sacche über die selbst geschaffene Überreglementierung des Motorsports auf der Nürburgring-Nordschleife. - Man registriert zwar von VLN-Lauf zu VLN-Lauf sinkende Starterzahlen, aber begreift nicht, dass man dabei ist, eine der bedeutendsten und wichtigsten deutschen Langstreckenserien „gegen die Wand zu fahren“! - Und  das mit der „Perfektion“, mit der man eine „Professionalisierung“ anstrebt.

VLN 4: Der DMSB, ein Race-Director und das Chaos!

Hier in Motor-Kritik war zwar schon einmal in einem Screenshot zu lesen, was so offiziell in dieser Sache verkündet wurde, aber die Erklärung des Race-Directors „zur Lage“ am Ende von VLN 4 gehört an den Anfang dieser Geschichte:

„Aufgrund mehrerer möglicher Verstöße gegen das Überholverbot bei Gelber Flagge in einer unübersichtlichen Situation kurz vor Ende der ersten Rennhälfte, ist das Ergebnis des vierten VLN-Laufs unter Vorbehalt. „Die Sportkommissare des DMSB werden die Geschehnisse, bei denen auch Fahrzeuge aus der Spitzengruppe involviert waren, aufarbeiten und das Resultat erst dann finalisieren“, sagt Michael Bork, Leiter Sport der VLN.“

Der Leiter Sport, der sich selbst gerne als „Race-Director“ empfindet, sagt viel, wenn die Fahrerbesprechung lang ist. In einer hat er z.B. die Frage eines Fahrers zu einer möglichen Situation, dass nach einer „Gelben Flagge“ keine Aufhebung durch eine „Grüne Flagge“ erfolgt, so kommentiert:

  • Ja, dann sollte das Gefühl und der gesunde Menschenverstand auch benutzt werden dürfen.

Da haben dann wohl jetzt einige Fahrer die Worte des großen Race-Directors ernst genommen. Auf der ganzen „Döttinger Höhe“, direkt ab dem „Galgenkopf“ waren „Gelbe Flaggen“ zu sehen, die ein Überholverbot bedeuten. Aber es war keine Situation auszumachen – und der Blick vom „Galgenkopf“ über die lange Gerade reicht weit – die eine Erklärung für „Gelbe Flaggen“ geliefert hätte.

Aber es gab trotzdem einen Stau von knapp 30 Fahrzeugen, die mit ca. 60 km/h dahin zottelten. Was sollten da die Fahrer machen, die über einen „gesunden Menschenverstand“ verfügten?

Sie hatten natürlich nicht eine Abweichung von grundsätzlichen Regeln, den Einsatz von Flaggen betreffend im Kopf, die der DMSB – neben anderem Unsinn – wie z.B. das DMSB-Nordschleifen-Permit, geschaffen hat. - Die Sport-Funktionäre müssen eben deutlich machen, dass man eine Funktion hat. Zu der man zwar nicht berechtigt ist, aber – wir sind in Deutschland! - Da gilt nur der, der sich selbst eine Bedeutung gibt. Und der Deutsche respektiert nun mal eine Obrigkeit. - Und der DMSB stellt sich eindeutig so dar!

Keiner der Fahrer hat bisher eine Teilnahme bei Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife ohne ein DMSB-Nordschleifen-Permit mit einer Einstweiligen Verfügung durchgesetzt! - Warum nicht? - Motor-KRITIK hat mit der Veröffentlichung einer gutachterlichen Bewertung deutlich gemacht, dass der DMSB dazu nicht berechtigt war und ist. - Der DMSB ist ein kleiner e.V. - eingetragener Verein – der sich durch seine Entscheidungen zwar selbst eine Bedeutung zu geben versucht und – sich dabei genau so durchsetzt, wie andere Hurra-Schreier zu anderen Zeiten.

Aber das ist ja längst nicht alles. Man schafft Regeln und immer wieder neue Regeln. Da ist die Nürburgring-Nordschleife geradzu ein Beispiel dafür, wie sich Wichte zu Riesen zu machen versuchen. - Und – dann sogar als solche respektiert werden!

Erinnere ich mich an das, was ich in 40 Jahren aktiv betriebenem Motorsport gelernt habe, so wird der Einsatz einer „Gelben Flagge“ bei folgenden Ereignissen als richtig dargestellt:

  • Einfach geschwenkt: Geschwindigkeit verringern, Überholverbot, bereit sein zum Richtungswechsel, denn es besteht eine Gefahrensituation neben oder teilweise auf der Strecke oder ein Streckensicherungs- bzw. DMSB-Staffelfahrzeug schleppt ein Fahrzeug ab.

Aber der DMSB hat am Nürburgring nicht nur dafür gesorgt, dass die Strecke schneller wurde (z.B. Abbau der Kuppe am „Flugplatz“ als „Sicherheitsmaßnahme“!), sondern hat dann auch den dadurch „schneller gewordenen“ Streckenabschnitt „Schwedenkreuz“ sinnvoller Weise für Zuschauer gesperrt. - Man muss schließlich konsequent sein!

Dass da eigentlich seitens des DMSB nicht zu sperren ist, hat man übersehen. Es führt laut Freizeit- und Wanderkarten nicht nur ein Wanderweg am „Schwedenkreuz“ vorbei, sondern auch eine Mountainbike-Strecke. - Wer wollte Wanderern und Moutainbike-Fahrern verbieten diese offiziell ausgezeichneten Strecken zu nutzen? - Der DMSB? - Die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG?

Das sind Wichtigtuer, die man nicht unbedingt ernst nehmen sollte! - Sie scheinen nach dem Motto zu arbeiten: Wer nichts zu sagen hat, ist selber schuld!

Ein anderes Beispiel:

International ist jedem Motorsportler klar, dass eine „Weiße Flagge“ bedeutet, dass sich vor einem ein langsam fahrendes Teilnehmer-Fahrzeug befindet. Das kann natürlich auch ein Streckensicherungsfahrzeug, ein „Intervention-Car“ sein - wie man es am Nürburgring in einer Abart von Eifeler-Platt bezeichnet. - Jeder Motorsportler hat zwar verinnerlicht:

„Einsatz der weißen Flagge:
Es befindet sich ein deutlich langsameres Fahrzeug (Streckensicherungsfahrzeug oder langsamer Teilnehmer) auf der Strecke. Vor diesem langsamen Fahrzeug wird mit der weißen Flagge gewarnt. Dieses Fahrzeug darf überholt werden. Bleibt dieses Fahrzeug stehen, wird die weiße Flagge durch die gelbe Flagge ersetzt.“

Für den Nürburgring hat der DMSB aber andere – spezielle - Regeln aufgestellt:

„Art. 4 Intervention Car auf der Nürburgring Nordschleife
(1) Allgemeines
Bei Rennen, Veranstaltungen/ Wettbewerben auf der Nürburgring Nordschleife können ein oder mehrere Intervention Cars eingesetzt werden.
Intervention Cars sichern örtlich und zeitlich begrenzt Gefahrensituationen und/ oder Unfallstellen auf der Nürburgring Nordschleife ab.
Ein Intervention Car ist mit einer oder mehreren gelben/ orangen Blinkleuchten auf dem Dach ausgerüstet und mit der Aufschrift „Intervention Car“ gekennzeichnet.
Die Intervention Cars fahren mit eingeschalteten gelben/ orangen Blinkleuchten auf die Strecke ein.
(2) Fahrendes Intervention Car sichert vorausfahrende langsame Fahrzeuge
Gelbes/ oranges Blinklicht eingeschaltet – Streckenposten schwenken gelbe Flagge. Das Intervention Car begleitet und sichert vorausfahrende langsame Fahrzeuge (Rettungswagen, Abschleppwagen, Feuerwehr, Streckenreparaturfahrzeuge etc.) ab.
- Das Intervention Car und die vorausfahrenden langsamen Fahrzeuge dürfen überholt werden,
- Für die Teilnehmer untereinander gilt ein Überholverbot,
- Es gilt kein Geschwindigkeitslimit,
- die Geschwindigkeit muss beim Überholen angepasst werden, um das Intervention Car und die vorausfahrenden langsamen Fahrzeuge nicht zu gefährden.“

Aber es gibt auch die DMSB-Vorgabe – speziell für den Nürburgring:

"Bei Abschleppfahrten der DMSB-Staffelfahrzeuge zeigen die Sportwarte der Streckensicherung im Bereich des fahrenden Schleppverbandes eine geschwenkte gelbe Flagge.

  • Der Schleppverband darf überholt werden,
  • für die Teilnehmer untereinander gilt ein Überholverbot,
  • es gilt kein Geschwindigkeitslimit (Ausnahme bei Code 60),
  • die Geschwindigkeit muss beim Überholen angepasst werden, um den Schleppverband nicht zu gefährden."

Das alles sollte eigentlich dem Race-Director einer Rennserie bekannt sein, die ausschließlich auf dem Nürburgring und dort überwiegend auf der Nürburgring-Nordschleife – und das neun Mal im Jahr - ausgetragen wird.

Wenn der Race-Director in dem geheimnisvollen Fall eines Staus auf der „Döttinger Höhe“ noch gleich am Renntag keine Entscheidung getroffen hat, so muss ich vermuten – weil ich doch bei ihm  sicherlich eine vorhandene „mittlere Intelligenz“ voraussetzen darf – dass er keine Entscheidung treffen wollte, um sich nicht unbeliebt zu machen. - Nein, ich muss es sogar in diesem Fall unterstellen, da er noch während des Rennens über die Real-Situation auf der Strecke von unterschiedlichen Seiten informiert wurde.

Es hat „vor Ort“ auch Fahrervernehmungen, Diskussionen und – wie bereits zu lesen – Videoauswertungen gegeben. Und der Rennleitung mussten eigentlich alle auf der „Döttinger Höhe“ wahr zu nehmenden ungewöhnlichen Verhaltensweisen von Fahrern klar sein. - Sie mussten auch die Ursache kennen!

Aber es gab keine Entscheidung. Man hat versucht den „Schwarzen Peter“ weiter zu reichen. Der Herr Race Director erklärte:

„Die einzelnen Fälle sind von den Sportkommissaren zu beurteilen, Beteiligte sind anzuhören und dann Entscheidungen zu fällen – inklusive der Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir hoffen natürlich auf eine schnelle Aufarbeitung und Finalisierung des Ergebnisses.“

Wie man der Darstellung eines Fachblattes von Samstag, 14. Juli (also acht Tage nach dem Rennen!) entnehmen konnte, rechnete der Pressesprecher des DMSB zu diesem Zeitpunkt mit einer Klärung in der Sache von „einigen Wochen“! - Das wurde dann in einer weiteren Geschichte korrigiert, in dem „motorsport-total“ am Sonntag, dem 15. Juli um 13:25 Uhr die Frage stellte:

„VLN 4: Entscheidung schon kommende Woche?“

Fahrer müssen auf der Strecke – im Rennen - Entscheidungen – richtige Entscheidungen! - in Millesekunden treffen; Sport-Funktionäre des DMSB brauchen Wochen um eine Begründung dafür zu finden, die irgendwelche Fahrer dann den „kleinen Dummerchen“ zuordnet, während tatsächlich „des Pudels Kern“ bei dem eingetragenen Verein zu suchen ist, der praxisfremde – nur für den Nürburgring geltende – Sonderregelungen zu verteidigen hat, die man natürlich – weil das sich in der Öffentlichkeit immer gut verkauft – dem Thema Sicherheit zuordnen wird.

  • Was hat denn ein VLN-Rennen heute noch mit einem sportlichen Wettkampf unter gleichen Bedingungen zu tun?

Soll uns das eine „BoP“, eine „Balance of Performance“ vorgaukeln, oder Mindeststandzeiten beim Boxenstopp, oder in einigen Klassen ein Einheitsreifen? - Oder helfen vielleicht Fahrerbesprechungen, wo der Race-Director die aufmerksam lauschenden Fahrern mit dem Zeitablauf der Veranstaltung bekannt macht. Oder er schildert den Fahrern, die eine „Prüfung“ zur Erlangung des DMSB-Nordschleifen-Permits eine teure (!) Prüfung absolvieren mussten, Details zur Nordschleife. - ??? -

  • Er redet so mit den Fahrern, wie ein Lehrer, der Analphabeten vor sich hat.

Aber die Teilnahme an einer Fahrerbesprechung ist Pflicht und wird durch Anlegen eines Bändchens kontrolliert, ohne die ein Fahrer nicht am Training teilnehmen kann. Und ohne eine Pflichtrunde im Training kein Rennen. - Also sitzt man die Fahrerbesprechung ab.

Und wer ernsthafte Fragen stellt, dem werden vom Race-Director Antworten erteilt, wie die, dass wenn nicht – wie vorgeschrieben, von den Streckenposten gehandelt wird  – dann der Menschenverstand entscheidend ist.

  • Und wenn die DMSB-Reglementierung so irre ist, dass sie ein normaler Mensch nicht versteht? - Oder fehlinterpretiert?
  • Oder was ist, wenn eingesetzte hochmoderne, digitale „Sicherheits“-Technik versagt?

Exakt darum ist es zu der Stau-Situation auf dem Nürburgring zur Halbzeit des Rennens auf der „Döttinger Höhe“ gekommen! - Obwohl alle Fahrer im Besitz des DMSB-Nordschleifen-Permit waren. - Obwohl alle Fahrer an den Fahrerbesprechung teilgenommen hatten.

Aber nachdem das nun passiert war, und der Race-Director begriffen hatte, dass die Lage für ihn problematisch werden könnte, da hat er in einer Person die bekannten „Drei Affen“ verkörpert:

„Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“!

Soll doch der DMSB diesen speziellen Fall auf seine Art lösen. Warum sollte sich ein VLN-Race Director in diesem Fall in die Nesseln setzen? - Soll doch der DMSB entscheiden! - Da wird sich dann kaum ein Fahrer trauen Widerspruch einzulegen.

  • Auch weil das teuer werden kann!

Darum veröffentlicht Motor-KRITIK diese Geschichte auch vor der Bekanntgabe der Entscheidung der DMSB-Verantwortlichen. - Ich habe die Taktik verstanden und – bin verstimmt! - Weil man hier wieder einmal versuchen wird, engagierte Amateure, mit Spaß am Motorsport unterwegs, zu Idioten abzustempeln, sie zu Figuren auf einem „Spielplatz der Mächtigen“ zu machen.- So fährt man die VLN – langsam aber sicher – gegen die Wand!

  • Der eigentliche Grund für das – zumindest - „optische Desaster“ auf der „Döttinger Höhe“, liegt sicherlich im unübersichtlichen, im besonders für die Nürburgring-Nordschleife entwickelten „Sonder-Reglement“ des DMSB!
  • In diesem Fall einer nicht getroffenen Entscheidung – obwohl die Fakten vor der offiziell für 18 Uhr angesetzten Siegerehrung bekannt waren – liegt beim „Race-Director“, der den Fall zur Chefsache erklärt hatte und es für richtig hielt, die „Finalisierung“ der Ergebnisse dem DMSB zu überlassen.

Und so waren die Abläufe in der Realität, wie Motor-KRITIK mit selbstverständlicher journalistischer Gründlichkeit recherchieren konnte:

Die Firma Nett, die auf der Nordschleife auch – und gerade während eines Langstreckenrennens – zur Beseitigung von Leitplankenschäden an der T 13 in Bereitschaft steht, war zur Halbzeit des Rennens mit dem Richten der Leitplanken an Posten 172 beschäftigt.

Nach diesen Arbeiten machte man sich wieder auf den Weg zurück zur T 13. Das von der Firma Nett hier eingesetzte Fahrzeug ist ein Unimog mit einem Lang-Anhänger (der mitgeführten Leitplanken wegen), der z.B Steigungen am Nürburgring – wie z.B. die „Kesselchen“-Passage – nur mit einer Geschwindigkeit von max 20 km/h bewältigen kann.

Ein so langsames Fahrzeug stellt nun während eines Rennens wirklich eine Gefahr dar, so dass dieses Reparatur-Fahrzeug durch ein Interventioncar nach hinten abgesichert wird. Die Streckenposten zeigen GELB. Das bedeutet in der Nürburgring-Fassung des Rundstrecken-Reglements, dass Teilnehmer an diesem Rennen keine anderen Teilnehmer überholen dürfen, aber – in diesem Fall – wohl den Nett-Unimog mit Hänger und absicherndem Interventioncar -  aber das mit herabgesetzter Geschwindigkeit.

Nun hatte es schon vorher wohl in der „Pflanzgarten-Passage“ eine „Code 60“-Situation gegeben, so dass dort ein Teilnehmer – wie es dem Nordschleifen-Reglement entspricht – die bei ihm vorhandene technische Möglichkeit genutzt hatte, einen „Speedlimiter“ zu drücken, der dann automatisch keine höhere Geschwindigkeit als 60 km/h zulässt.

Nach offizieller Aufhebung dieser Geschwindigkeitbegrenzung ließ sich der Limiter aber nicht mehr dazu bewegen, außer Kraft gesetzt zu werden. Und so zuckelte dass betreffende Teilnehmerfahrzeug dann mit 60 km/h auch über die „Döttinger Höhe“, so die Streckenposten GELB zeigten, weil NETT auf der Rückfahrt war.

Nun stauten sich alle schneller daher kommenden Rennteilnehmer hinter diesem Fahrzeug, weil unter GELB nicht überholt werden darf. Aufmerksame Streckenposten haben diese abstruse Situation – ohne den eigentlichen Grund zu kennen – der Rennleitung gemeldet. So kam es dann zur Auflösung des Fahrzeug-Staus ab Posten 195.

Nach Rennende hat dann die Rennleitung sogar den genauen Grund für den unerklärlichen Stau auf der „Döttinger Höhe“ erfahren, aber nicht mehr reagiert, weil der Race-Director diese Angelegenheit ja – wie schon erwähnt – zur „Chefsache“ erklärt hatte.

Eigentlich wollte ich die Auflösung des „Staurätsels“ hier in Motor-KRITIK erst nach der „Finalisierung des Rennergebnisses“ durch den DMSB veröffentlichen. Doch das sollte nach ersten Informationen durch die Pressestelle des DMSB erst nach Wochen der Fall sein.

Wie man aktuell hört, soll das nun noch in dieser Woche erfolgen. Ich möchte dem DMSB in seinen Entscheidungen nicht vorgreifen, aber doch hier deutlich machen, dass hier jemand seine Inkompetenz sehr deutlich werden ließ. Das sollte zu personellen Konsequenzen bei der VLN führen!

Der DMSB sollte aber auch seine „Gesetzgebung“ überarbeiten, die ja schon z.B. beim 24h-Rennen zu Entscheidungen führten, wie man eigentlich nur – wie hier schon zu lesen war – in einer zurück liegenden Phase der deutschen Geschichte erwarten konnte.

  • Man ist dabei, die VLN – die Deutsche Langstreckenmeisterschaft – mit allen Mitteln „gegen die Wand zu fahren“. - Ein Teilnehmer dazu: „Die machen alles kaputt!“

Man musste an diesem Wochenende von VLN 4 nur mal nach Portugal hinüber schauen, wo – soweit ich das überblicken konnte – um 10 Teilnehmer zu denen zu rechnen sind, die sonst bei der VLN an den Start gehen. Man fühlt sich bei solchen Auslandsrennen offensichtlich wohler, als unter der Fuchtel des DMSB.

Seitdem ein neuer „Race Director“ in der VLN „mit harter Hand regiert“, unsinnige technische Bestimmungen durchsetzt, die man durch die Technischen Kommissare über ein Jahrzehnt nicht kontrolliert hat, ehrenamtliche Sportwarte morgens um 7 Uhr – vor dem Rennen – auf einer „Information-Lap“ kontrolliert, seitdem gibt es nicht nur weniger Starter bei der VLN, sondern auch weniger Sportwarte, die bereit sind die ehrenamtliche Aufgabe einer „Rennüberwachung“ auf der Nürburgring-Nordschleife zu übernehmen.

Der neue Race Director sieht das – wie man in einer offiziellen Veröffentlichung nachlesen kann – so:

„Bisher war es so, dass die Sportwarte nur den Ausfall eines Fahrzeugs aufgrund eines Unfalls melden. Als Renndirektor will ich aber wissen: War das ein Unfall ohne Fremdverschulden? Hat es eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug gegeben? Welches war dann das andere Fahrzeug? Ist der Unfall aus einer normalen Rennsituation heraus passiert? Oder war er Folge eines riskanten oder gar unsportlichen Manövers? Diese Informationen brauchen wir, um, gegebenenfalls, Strafen zu verhängen. Wir müssen und wollen die Disziplin der Fahrer auf der Strecke erhöhen.“

Was erwartet er von den bei jedem Rennen im Einsatz befindlichen um 350 ehrenamtlichen Helfern? Soll einer wie der andere der Rennleitung eine objektive Darstellung von Abläufen geben, die er z.T. gar nicht im ganzen Umfang wahrnehmen konnte?

Am Nürburgring sind inzwischen viel zu viele Phantasten in „Spitzenpositionen mit Einfluss“. Sie träumen nicht nur davon – sie sprechen sogar darüber! - dass die VLN eine „Goldader ist, die man nur noch freilegen muss“. - Man begann schon mal mit einer Parkgebühr von 5 €, die man inzwischen auf 8 € erhöht hat.

Beim 4. VLN-Lauf gab es dazu einen weiteren Ansatz: Es wurde im Fahrerlager – in Höhe von Start- und Ziel – eine Kinder-Kartbahn aufgebaut, die gegen eine kleine „Schutzgebühr“ zu nutzen war. Intern arbeitet man daran, einen VLN-Samstag zu einem „Family-Day“ auszubauen.

Ein lieber Kollege von mir, nun schon Jahre nicht mehr unter uns, hätte bei Wahrnehmung einer solchen Entwicklung gesagt:

„Die haben den Schuss nicht gehört!“

Motor-KRITIK meint:

  • Zunächst wäre es einmal wichtig sich darum zu bemühen, dass die VLN in einer Form erhalten bleibt, die es dem Nachwuchs weiter möglich macht, mit Spaß (!) den Motorsport zu betreiben!

Nun dürfen wir auf die „Finalisierung“ der Ergebnisse von VLN 4 durch den DMSB gespannt sein!

Motor-KRITIK hat versucht, hier nur Fakten darzustellen und was das Rennergebnis betrifft, keine Wertung vorzunehmen.

Vielleicht wird es dazu noch nach der „Finalisierung“ des Rennergebnisses durch den DMSB eine Möglichkeit geben.

Hoffentlich keinen Anlass!

MK/Wilhelm Hahne
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