VLN 7: 15:35 Uhr Abbruch mit „Roter Flagge“!

Nach diesem Rennabbruch am Samstag-Nachmittag letzter Woche wurden in den Sozialen Netzwerken blitzschnell Schuldzuweisungen vorgenommen. - Unqualifizierte, aber auch qualifizierte! - Motor-KRITIK möchte heute – am vierten Tag nach der Veranstaltung – auch dazu eine Meinung äußern, nachdem ich mir nicht nur das überall nun herum geisternde Video mit den Augen eines VLN-Teilnehmers angesehen habe, der mehr als einhundert VLN-Langstreckenrennen selber gefahren ist, der nicht nur die Nürburgring-Nordschleife kennt, sondern auch um die Stärken und Schwächen der Organisation weiß, sich auch darüber im Klaren ist, dass selbst die Installation von Beobachtungs-Kameras um die Strecke niemals Unfälle verhindern kann. - Diese Anmerkung nur, weil z.B. in diesem Fall das Fehlen solcher Kameras dem Ring-Pächter als Sicherheitsmangel vorgeworfen wurde. Und dann sollen auch die Mitglieder der DMSB-Staffel schuld tragen. Habe ich gelesen. - Zunächst habe ich dann mal recherchiert, mir dann - darum auch von anderen Voraussetzungen ausgehend als die meisten anderen Kritiker – eine Meinung gebildet, die versucht nachstehend aufzuzeigen, warum zu diesem Rennen die Rennleitung die Entscheidung treffen musste, die sich dann im Titel zu dieser Darstellung so liest:

VLN 7: 15:35 Uhr Abbruch mit „Roter Flagge“!

Schaut man mal in die offiziell veröffentliche „Chronik“, in der die Abläufe in wesentlichen Punkten festgehalten wurde, dann stößt man unter der Zeitangabe 15:25 Uhr auf den Eintrag:

#617 Beckmann / Hass / Strycek (Opel Manta) wird im Bereich Adenauer Forst von der DMSB-Staffel abgeschleppt.

Das ist zumindest missverständlich und muss darum hier korrigiert werden, weil gerade das Abschleppen dieses Fahrzeugs durch die DMSB-Staffel von vielen oberflächlichen Beobachtern des Rennablaufs als falsch und den eigentlichen Unfall auslösend kritisiert wurde.

Dieser Opel Manta wurde zum Zeitpunkt seines Ausfalls von Volker Strycek gefahren. Das Fahrzeug erlitt im Bereich des „Schwedenkreuz“ einen Motorschaden, der zum totalen Ölverlust führte, weil sich praktisch dabei der Motor „nach unten öffnete“.

Volker Strycek, über dessen Qualitäten und vorhandene Erfahrung als Fahrer nicht gestritten werden muss, steuerte das Fahrzeug an den rechten Streckenrand auf den Grünstreifen, verließ das Fahrzeug, um hinter der Leitplanke zu warten. - Das war klar vor 15:25.

Er musste rd. 10 Minuten warten, bevor ein Fahrzeug der DMSB-Staffel eintraf, die ihn nach kurzer Einschätzung der Situation „an den Haken nahm“, um das Fahrzeug aus dem Gefahrenbereich einer Bremszone vor der „Aremberg“-Kurve zu entfernen.

Die DMSB-Staffel konnte das Fahrzeug nicht in der an Posten 88 existierenden „Tasche“ abstellen, da hier schon zwei andere ausgefallene Rennfahrzeuge abgestellt waren, so dass man gezwungen war, den Manta in Richtung „Adenauer Forst“ zu schleppen. So kam es wohl auch zu der „Chronik“-Eintragung, die (s.o.) hier schon erwähnt wurde.

Da mit einem Restöl-Verlust beim abgeschleppten Manta zu rechnen war, wurde der abzuschleppende Manta von einem E-Unit-Fahrzeug – zufällig? - gefolgt, der – wie man auch dem immer wieder genannten Video entnehmen kann – dem Schleppverband die „Tropfspur“ abstreuend hinterher fuhr.

Bei Posten 98 wurde sofort bei der Durchfahrt dieser drei Fahrzeuge die „Ölflagge“ gezeigt, wie die „Rot-Gelb-gestreifte Flagge“ umgangssprachlich bezeichnet wird. Erst Sekunden danach flog dann das erste Fahrzeug an dieser Stelle ab. Wie man aber deutlich wahrnehmen kann: Beim Durchfahren des „Knicks“ links, innen. Die – abgestreute – aber durch den Transport des Manta vorhandene schmale Tropfspur verläuft aber rechts außen.

  • Gab es an dieser Stelle eine zweite „glatte Spur“, die anders als die „Spur des Manta“ aber unsichtbar war?

Davon ist auszugehen! - Volker Strycek hat in der Wartezeit am „Aremberg“ einen Porsche 911 wahrgenommen, der mit deutlichem Betriebsmittelverlust in Richtung „Fuchsröhre“ unterwegs war .

Wenn moderne Porsche „Betriebsmittel“ verlieren, so handelt es sich dabei in fast allen Fällen um einen „Kühlwasserverlust“. Nun ist das aber bei modernen Automobilen heute nicht mehr Wasser, sondern eher ein Kühl- und Gleitmittel, mit dem man den Kühlmittelumsatz im System beschleunigen möchte. Da der Weg des Kühlmittels beim Porsche von den vorne liegenden Kühlern zum Heckmotor sehr groß ist, gibt es dort auch viele „Leckmöglichkeiten“, die gerade bei in Rennen eingesetzten Porsche noch größer ist, weil selbst ein leichter Kontakt vorne, einen Kühlmittelverlust bedeuten kann, den der Fahrer zunächst nicht wahrnimmt.

Solche Kühlmittel sind auf einer dunklen Fahrbahn für später nachfolgende Fahrzeuge aber praktisch unsichtbar. Selbst Streckenposten, nahe einer solchen Spur postiert, können sie nur schwer ausmachen. Aber solche Spuren sind geradezu unheimlich glatt! - So ist davon auszugehen, dass der Unfall des Polo (#632) durch eine solche Kühlmittelspur ausgelöst wurde.

Sekunden später war die „Gelbe Flagge“ des Posten 98 sichtbar draußen. Auf dem Video sieht man danach einen BMW quer ums Eck kommen; er kann aber die Unfallstelle des Polo passieren.

Wieder Sekunden später taucht ein VW Corrado (#624) im Video auf, der offensichtlich aufgrund der Flaggensignale und der sichtbaren Ölspur (rechts außen) verzögert. Auf diesen Corrado fährt dann ein Porsche Cayman ungebremst auf, schiebt ihn außen in die Leitplanke und zerstört damit nicht nur den Corrado, sondern auch praktisch sich selbst.

Es ist dieser Unfall, der dann den Abbruch des Rennens auslösen musste, weil die Strecke nun weitgehend zu war und durch diesen Unfall inzwischen eine Reihe von Rettungsfahrzeugen und -Kräften gebunden wurde.

Gerade dieser Unfall macht aber etwas anderes deutlich:

  • Das DMSB Nordschleifen-Permit hat für die Sicherheit auf der Nordschleife keinerlei Bedeutung!

Nach Aussage des „mit fremder Hilfe“ verunfallten Corrado-Fahrers kam es nach dem Unfall, hinter der Leitplanke stehend, zu folgendem – hier nicht wörtlich dargestellten – aber inhaltlich exakt so stattgefundenem Dialog:

  • Porsche-Fahrer: „Hast du die Ölspur gesehen?“
  • Corrado-Fahrer: „Ja!“
  • Porsche-Fahrer: „Hast du auch die „Öl-Flagge“ gesehen?“
  • Corrado-Fahrer: „Ja!“
  • Porsche-Fahrer: „Sorry, ich habe beides nicht gesehen!“

Tage danach hat es Aussagen des Porsche-Fahrers zur erlebten Situation gegeben, die aus meiner Sicht als Schutzbehauptung zu werten sind.

Ich nehme dem Porschefahrer sein direkt nach dem Unfall geäußertes „Sorry“ mit die damit verbundenen Aussage als richtig ab , weil ich in vielen Jahren des aktiv betriebenen Motorsports immer wieder Fahrer erlebt habe, die mit dem was sie machten offensichtlich überfordert waren. Gerade in so schnell gefahrenen Passagen wie der „Fuchsröhre“ stellt sich bei denen dann der so genannte „Tunnelblick“ ein; sie sind nicht mehr in der Lage, Entwicklungen rechts und links der Straße noch wahrzunehmen. - Da hilft auch kein DMSB Nordschleifen-Permit!

Wobei auf diesem Gebiet inzwischen richtige Kämpfe um die „Pfründe“ ausgetragen werden. Da kämpft man um die „Lehrlinge“, die zu Lehrgängen durch die DMSB-Entscheidung zur Einführung des Nordschleifen-Permit gezwungen werden, obwohl – wie hier in Motor-KRITIK schon zu lesen war – der DMSB keinerlei Berechtigung besitzt, ein solches „Permit“ vorzuschreiben und einzuführen!

Aber es hat so manchen „Geschäftsleuten“ im Motorsport neue Einnahmequellen erschlossen, die man inzwischen auch mit nun selbst vorgenommenen Entscheidungen gegen z.B. die „ehrenamtlichen Ausbilder“ bei Trackdays entschieden verteidigt. Da wird dann auch die Gültigkeit der von Motor-KRITIK veröffentlichten „Gutachterlichen Stellungnahme“ in Frage gestellt und die, die sie erarbeitet haben, eine renomierte Frankfurter Anwaltskanzlei, gnadenlos abqualifiziert!

  • Wenn es die Frankfurter Anwälte interessiert: Ich kann Zeugen benennen!

Das ist auch ein Puzzle-Stück zum Bild vom Motorsport in Deutschland, das – wenn man es zusammen setzt, keinen guten – aber den richtigen - Eindruck vermittelt.

Ich möchte aber hier noch einmal – bezogen auf die Art und Häufigkeit der beim 7. VLN-Lauf augetretenen Unfälle feststellen:

  • Der Abbruch war gerechtfertigt!
  • Die Organisation hat keine Fehler gemacht!
  • Der schwerwiegendste Fehler ging von einem Fahrer aus!

Direkt noch am Samstag bin ich beim Klicken durch die – z.T. wirren – Vorwürfe im Internet auf die Meinung eines erfahrenen Rennfahrers, mehrfachen LeMans-Siegers, - und, und, und, - gestoßen, der – auf Facebook nachzulesen folgendes zum Rennabbruch in VLN 7 – direkt danach -  schrieb:

„Ich möchte anmerken, dass ich nicht vor Ort war und nur ein Video gesehen habe. Über die Technik kann und möchte ich mich nicht äußern, denn die tut in dem Fall wenig zur Sache.

Auf dem Video war zu sehen, dass der Sportwart richtigerweise die Ölflagge gezeigt hat. Den Posten davor kann man nicht sehen und so weiß ich/man nicht, was ein Posten vorher gezeigt wurde – oder nicht. Aber als Fahrer sollte ich schon die Wahrnehmung haben, ob dort eine Ölspur (ok, kann man nicht immer erkennen) ist oder nicht. Ist sie aber, wie im Video gesehen, direkt vorher abgestreut worden, sollte diese sichtbar und wahrnehmbar sein.

Sei denn, ich habe bei der Lizenz mit dem Stempel der Sehfähigkeit etwas ‚geschummelt‘. Das hier eher ein Fehlverhalten seitens der Fahrer zu sehen ist, zeigt das Video deutlich, Denn als bereits doppelt Gelb gezeigt wurde, ereignen sich noch weitere Zwischenfälle.

Seitens der Fahrer ist kaum noch eine Akzeptanz zu einfach/doppel Gelb zu erkennen. Maximal bei Code 60 wird mit der Geschwindigkeitsreduzierung reagiert. - Traurig!

Als Rennleiter hat man bei solch einer Ignoranz der Regeln keine andere Wahl, als das Rennen abzubrechen. Auch traurig!

Dass es zu erkennen war, hat man an der Reaktion des Corrado-Fahrers gesehen. Was man von den nachfolgenden Fahrern nicht behaupten kann. Nordschleifen Permission hin oder her. Was bringt die? Werden bestimmte Fahrer aus dem Zwischenfall beim nächsten Rennen einfach wieder am Start sein?

Denkt mehr nach beim Fahren! Erhaltet die Nordschleife am Leben! Erhaltet das Leben der Sportwagen und Euer eigenes! - Danke!“

Dazu kein Kommentar, sondern nur die Ergänzung: Der hier seine Meinung niederschrieb, trägt den Namen Marco Werner.

MK/Wilhelm Hahne

 

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