F1: Die Reihenfolge der sechs Verdächtigen!

Das Feld der Formel 1-Fahrzeuge besteht in diesem Jahr aus insgesamt 20 Fahrzeugen. Die Saison 2017 ist die erste, die von einem neuen Besitzer organisiert und bestimmt wird. Bernie Ecclestone ist raus! - So herrscht auch ein anderes Klima. Gleich zu Anfang der Übernahme haben die neuen Besitzer persönlichen Kontakt zu den einzelnen Teams und deren Chefs gesucht. Seitdem ist die Formel 1 auch wieder spannend. - Wie man den Zeitungen und Zeitschriften entnehmen kann. Überall wird eine ernst zu nehmende Konkurrenz-Situation zwischen Ferrari und Mercedes aufgebaut. Trotz des Vettel-Desaster in Singapur – von ihm übrigens nach m.M. selbst verschuldet – glaubt übrigens auch ein Ross Brawn noch an die Titelchancen von Vettel. Ross Brawn steht aber auch in Diensten der neuen Formel 1-Herren. Nach seiner Meinung war auch der Startunfall von Vettel ein typischer Startunfall, den man nicht Vettel anlasten sollte. Die deutsche Presselandschaft wird sowieso von einer gewissen „Vettel-Gläubigkeit“ bestimmt, die aber Motor-KRITIK noch nicht erfassen konnte, weil wir uns eigentlich immer an der Realität orientieren. - Jetzt, aktuell beim Malaysia Grand Prix in Sepang, da hat Vettel mit einem Motorschaden natürlich Pech gehabt. Die Auswirkungen werden nicht in die Marketing-Vorgaben der neuen F1-Besitzer passen. Aber man muss sie hinnehmen. - Trotzdem gehört Vettel über die Saison betrachtet immer noch zu den sechs Verdächtigen die die Saison 2017 bestimmen. - Damit meine Leser eine Vorstellung von dem Eindruck bekommen, den ich schon über die bisherige Saison empfinden musste, versuche ich das einmal an den Platzierungen in den Trainigssitzungen vor dem GP am Sonntag deutlich zu machen.

F1: Die Reihenfolge der sechs Verdächtigen!

In der neuesten „Auto Bild“ Nr. 39 vom 29.9.12017 sagt Sebastian Vettel exklusiv:

„Ich glaube weiter an den WM-Titel“.

„Glauben heißt nicht Wissen“, hat man mir schon als Kind immer klar zu machen versucht. Ich glaube auch nicht an Wunder; darum auch nicht an einen WM-Gewinn von Sebastinan Vettel in der Saison 2017.

Das sage – und schreibe – ich heute nicht zum ersten Mal. Ich möchte meinen Lesern aber einmal am Beispiel der einzelnen Trainings-Sitzungen in Sepang verdeutlichen, wie heute - „unter neuer Leitung“ - nun solche Trainingsergebnisse entstehen, die dann die „Fachleute“ dazu bringen, immer noch – und immer wieder – einen Sebastian Vettel zu einem heißen Favoriten auf den Weltmeister-Titel in diesem Jahr hochzujubeln.

1. Training am Freitag:

Vor Beginn dieses Rennwochenendes hat Hamilton 28 Punkte Vorsprung vor Vettel in der Fahrerwertung. Und natürlich ist Vettel voller Hoffnung. Es regnet, die Strecke ist nass und alle gehen vorsichtig zu Werke. Im Verlauf der Trainigssitzung wird die Strecke besser und am Ende sieht die Wertung auf den Plätzen 1 – 6 so aus:

1. Verstappen 1:48,962 min
2. Ricciardo    + 0,757 sec

3. Alonso        + 1,635 sec
4. Raikkönen  + 1,772 sec
5. Vettel          + 2,047 sec

6. Hamilton    + 2,556 sec

 

Unter diesen Wetterbedingungen „versaut“ Alonso das Bild. Bottas ist „nur“ Siebter auf der 5,543 km langen Strecke. Der Streckenrekord liegt übrigens bei 1.32,850 min und wurde von Hamilton im Jahre 2016 aufgestellt.

Für die 2017er Saison wurde die Strecke mit einem neuen Fahrbahnbelag versehen um deutliche – und viele – Bodenwellen zu beseitigen. Die Red Bull sind im Rahmen der Möglichkeiten schnell gefahren, auch die Zeit von Raikkönen zeigt, dass man ihn fahrerisch ernst nehmen muss, während Hamilton und Bottas – wie man so schön sagt - „spazieren gefahren“ sind. - Aber man erfüllt so auch die Ansprüche des Marketings an die diesjährige Formel 1-Saison, wo Mercedes immer den Druck von Ferrari spüren soll. - Was sich dann auch im Ergebnis der 1. Trainingssitzung ausdrückt.

2. Training am Freitag:

Nun ist die Strecke trocken. Aber das Training muss verkürzt werden, nachdem ein loser Kanaldeckel bei einem Haas F1 das Hinterrad zerfetzte. Die Kanaldeckel-Reparatur dauert – so wird das Training vorzeitig beendet. - Das Ergebnis:

1. Vettel            1:31,261 min
2. Raikkönen    + 0,604 sec
3. Ricciardo      + 0,838 sec
4. Verstappen   + 0,848 sec
5. Alonso          + 1,303 sec
6. Hamilton      + 1,416 sec

Wieder ist Bottas Siebter, entspricht damit genau dem Bild, das bei den Beobachtern entsteht: Vettel dominiert, Raikkönen unterstreicht die Stärke von Ferrari deutlich, Mercedes hat offensichtlich Probleme. Vettel hat so nebenbei einen neuen Streckenrekord gefahren. - Genauso soll es aussehen und den Zuschauern vor Ort und vorm Fernsehgerät Spannung versprechen.

3. Training am Samstag:

1. Raikkönen    1.31,880 min
2. Vettel           + 0,162 sec
3. Ricciardo     + 0,211 sec
4. Bottas          + 0,449 sec
5. Hamilton      + 0,659 sec
6. Verstappen   + 0,699 sec

Nun ist die Mischung geradezu ideal. Raikkönen ist nicht so schnell wie Vettel im 2. Training gewesen. Bei Mercedes scheint man auf der Suche nach einem Fehler zu sein. Verstappen präsentiert einen „Ausreißer“. - Ein Vorzeige-Ergebnis!

Das Qualifying-Ergebnis vom Samstag:

1. Hamilton       1:30,076 min
2. Raikkönen    + 0,045 sec
3. Verstappen   + 0,465 sec
4. Ricciardo      + 0,519 sec
5. Bottas           + 0,682 sec
6. Ocon             + 1,302 sec

Hamilton hat Vettels „Bestzeit“ aus dem 2. Training praktisch „pulverisiert“. Zufällig scheint man rechtzeitig den in den anderen Trainings-Sitzungen bei beiden Mercedes vorhandenen Fehler gefunden zu haben. Raikkönen zeigt was er in Verbindung mit dem Ferrari kann. Und Vettel? - Hat schon in der Warmfahrrunde einen Motorschaden, der während der 1. Sitzung auch nicht behoben werden kann. Er wird also morgen von Startplatz 20 ins Rennen gehen. - Müssen! -

Da trifft es sich – zufällig natürlich – gut, dass Bottas um soviel langsamer als Hamilton ist, dass er mit Bestimmtheit morgen beim Rennen eine Durchfahrt von Vettel im Rennen auf eine bessere Platzierung als Platz 6 verhindern kann. - Da muss es nicht unfair zugehen, die Leistung des Mercedes sollte – in Verbindung mit dem Geschick von Bottas – ausreichen. - Und Raikkönen darf – und muss sogar – morgen seine fahrerische Klasse zeigen, die er sonst nur andeuten kann, weil Vettel nämlich – schon wegen seines WM-Vorsprungs – die Nr. 1 im Team ist.

Alle haben es bisher – auch in der Berichterstattung – mit Vettel gut gemeint. Und es ist wirklich Pech – oder ein ungünstiges Horoskop – das ihn morgen von Platz 20 starten lässt. Trotzdem sollte es morgen für Vettel mindestens auf Platz 8 – und damit für 4 WM-Punkte – reichen. Platz 6 würde ihm 8 Punkte einbringen.

Raikkönen wird aber unter normalen Umständen nicht in der Lage sein, einen Sieg Hamiltons (= 25 WM-Punkte) und darum ein weiteres „Enteilen“ in der WM-Fahrerwertung gegenüber Vettel zu verhindern.

Was die neuen „Herren der Formel 1“ nicht glücklich machen wird. Man möchte doch die Spannung möglichst bis zum letzten WM-Lauf erhalten.

Da ist dann noch so manches interessante Argument zu erwarten.

MK/Wilhelm Hahne
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