VLN 9 war wie ein Oktoberfest im „Eifel-Stadl“!

Ich war nicht beunruhigt, als das Rennergebnis nach dem letzten VLN-Rennen der Saison als „vorläufig“ ausgewiesen wurde. Vor Ablauf der Protestfrist – bis 30 min nach Aushang – muss es „vorläufig“ sein. Aber natürlich habe ich mich dann später umgehört. - Nein, keiner wusste Bescheid. - Aber dann flüsterte mir ein Informant, dass im Parc Fermé auf einem Porsche eine Pylone platziert worden wäre. - Das hieß für mich: Abwarten! - Aber es passierte scheinbar nichts. - Nur: Erst gegen  20 Uhr war das Ergebnis dann endgültig. - Was war aus der Pylone geworden? - Auch die Internetseiten gaben keine Auskunft. Man hatte dem Audi-Werksfahrer Pierre Kaffer (auch Mitglied in einem DMSB-Ausschuss) das DMSB-Nordschleifen-Permit entzogen. - Na und? - Er würde dann eben am Montag einen neuen Antrag stellen müssen. - Und in der nächsten Saison wird niemand mehr von diesem Vorfall sprechen. - Aber bei der VLN 9 sprach man immer noch von den Protesten bei VLN 8. Natürlich waren sie entschieden. Einer richtig und der andere – na ja – zumindest ich verstehe das alles nicht so richtig. - Obwohl – oder gerade weil – ich den Ausgang vorher gesagt hatte. - So nebenbei: Ich mag es nicht, wenn man mir etwas verspricht und dann nicht hält. Und wenn ich dann noch feststellen muss, dass man in einem Team mit allen taktischen Mitteln einen weiteren Protest zu vermeiden sucht, dann klingeln bei mir die Alarmglocken. - Ich anerkenne jede großartige sportliche Leistung. Sie passt auch ins Bild der aktuellen VLN. Aber so manches Geschehen passt nicht in meine Vorstellungen von einer fairen sportlichen Auseinandersetzung. -  Andere haben wohl andere! - Und Erfolg! - Darum hatte ich bei der VLN 9 schon eine Reihe von Beobachtern mit bestimmten Aufgaben unterwegs. Das Ergebnis ihrer Beobachtungen war nicht immer für mich verständlich, aber zumindest interessant. - Darum kann ich mit voller Überzeugung titeln:

VLN 9 war wie ein Oktoberfest im „Eifel-Stadl!

Das Rennen begann eigentlich ganz normal. Zwar wegen des Nebel am Morgen etwas verspätet, aber immerhin normal. In der „Chronologie“ kann man dann nachlesen, was um 13:12 Uhr passierte:

„#651 Smith / Markert / Heinemann (BMW M235i Racing Cup) stehen im Kiesbett der ersten Kurve, weshalb die Gelben Flaggen geschwenkt werden.“

Kann ja mal passieren. Ein im Rennen eigentlich normaler Vorfall: Verbremst – und ab in den Kies! -  Aber Spezialisten leisten etwas Besonderes!

So hatte der Traktorfahrer, der an dieser Stelle zur Rettung von im Kies Gestrandeten platziert ist   zwar schon zur schnellen Bergung sein Gefährt gestartet, aber er erhielt keinen Einsatzbefehl. - Niemand kann bei der VLN machen was er will!

Der Einsatzbefehl ging an die Sicherheitsstaffel des DMSB! - Die rückte an, um festzustellen, dass, wenn man den im Kies gestrandeten BMW bergen wollte, ein langes Abschleppseil benötigen würde. - Das nicht vorhanden war! - Denn selbst im Kies stehend, würde man diesen „Racing Cup“-BMW kaum beseitigen können. Also haben die vom DMSB gestellten Spezialisten vorhandene Abschleppseile miteinander verknotet, die Fahrzeuge miteinander verbunden und – schon beim ersten Abschleppversuch ist das Seil gerissen.

Das Publikum auf der T4 war begeistert! - Sie erlebten eine tolle Vorstellung der DMSB-Spezialisten. -  Schließlich durfte der Traktorfahrer doch wieder sein Fahrzeug starten. Auf diesem Traktor saßen auch der Leiter einer zum Einsatz am Nürburgring verpflichteten Feuerwehr mit seinem Sohn.

Der Traktor fährt nun in die Nähe des gestrandeten BMW. Nun muss das Abschleppseil befestigt werden und der Feuerwehrchef gibt nun seinem Sohn die Anweisung, das Abschleppseil beim BMW einzuhaken. - Der junge Mann (er ist wirklich jung) macht, was ihm gesagt – und die Bergung gelingt. - Darum ist ja auch an dieser Stelle ein Traktor platziert!

Es war also keine so tolle Entscheidung, zunächst die DMSB Sicherheitsstaffel zu bemühen!

Aber dann wurde (darum?) die Leistung des Traktorfahrers und seiner zufälligen „Besatzung“ offiziell abgestraft!

  • Die handelnden Personen hätten keine „gelben Sicherheitswesten“ getragen und damit gegen geltende Bestimmungen – wahrscheinlich des DMSB - verstoßen!

Oktoberfeststimmung bei der VLN! - Doch das war nicht die einzige Gaudi bei VLN 9.

Da fährt ein Werksfahrer in einer „Code 60-Zone“ mit 60 km/h so still vor sich hin rasselnd „im Begrenzer“. Und wird dann – eins, zwei drei im Sauseschritt - in dieser geschwindigkeitslimitierten Zone von einem Konkurrenten mit "um 200“ überholt. - Gibt der überholte Werksfahrer intern zu Protokoll! - Und „ist sauer“, weil er feststellen muss, dass dieses Vergehen von der Rennleitung nicht bestraft wurde. - ??? -

Dabei sitzt doch eigentlich ein IT-Spezialist in der Race-Control, um mit modernster GPS-Technik ausgestattet, die Rennleitung dann zu informieren, wenn ein Fahrzeug in einer „Code 60-Zone“ die Geschwindigkeit von 63 km/h überschreitet! - Wird darum eine Nicht-Bestrafung verständlich?

Vielleicht ist diese GPS-Anlage auch nur – wie die Tankanzeige in unseren Automobilen – im unteren Bereich präzise. Die KI (Künstliche Intelligenz) der Anlage hat wohl das zu schnelle Durchfahren einer „Code 60-Zone“ als „Fehler“ aussortiert.

Vielleicht ist auch alles viel einfacher und der IT-Spezialist war mal eben zur Toilette. - Oder gab es schon Oktoberfeststimmung während des Rennens? - Ich habe mich noch mal umgehört:

Ein Teamchef empfiehlt mir, doch mal die LIVE-Videos zu studieren, weil man dort doch deutlich sehen könne, dass ein Porsche auch – bisher ungestraft – unter GELB überholen konnte. - Nein, nicht unbedingt bei VLN 9, sondern insgesamt bei VLN-Rennen in dieser Saison.

War das vielleicht der Porsche, auf dem im Parc Fermé nach dem VLN 9-Rennen eine Pylone gesichtet wurde?  - Ich muss diesen Fall zunächst mal in der Akte „XY ungelöst“ ablegen.

Aber der Prostest aus VLN 8 war natürlich auch noch Thema bei VLN 9, zumal die Entscheidung in der Berufung ziemlich schnell erfolgte. Aber so, dass sich der Technische Kommissar, der eigentlich mit dem Ergebnis seiner Nachuntersuchung bei VLN 8 die Basis für ein a.d.W (aus der Wertung) geschaffen hatte, sich schon ziemlich wunderte. Auch der Renndirektor wird sich gewundert haben. - Aber wenn der DMSB sagt, dass der Schnee schwarz ist, dann ist der Schnee eben schwarz!

Und man geht (gezwungermaßen?) zur Tagesordnung über. - Nicht aber Motor-KRITIK! - Weil ich schon in der Sache recherchiert und mir damit eine Meinung gebildet hatte. Nun möchte ich gerne die Meinung des DMSB-Gerichts an meiner Meinung überprüfen, aber ich finde das schriftliche Urteil nirgendwo! - Und niemand hat es mir auch – trotz einer telefonischen Zusage – zukommen lassen.

Da habe ich dann schon ein wenig „nachgearbeitet“!

Nach meiner Recherche gehört das aktuelle Gesamtsiegerfahrzeug in der VLN-Langstreckenmeisterschaft 2018 nicht dem Pixum-Adrenalin-Team, sondern der Familie Rink in Frankfurt, die sich mit Immobilien beschäftigt. Zumindest hat die es gekauft. Deren Sohn Christopher ist dem Rennsport zugeneigt, hat Talent und die Familie hat ihm vor ca. zwei Jahren das diesjährige Siegerfahrzeug beim Team Schirmer in Boos/Eifel erstanden.

Das Team Schirmer ist dafür bekannt, dass es optimal vorbereitete Fahrzeuge einsetzt. So war auch dieses Fahrzeug – wie ich hörte - mit einstellbaren Pendelstützen versehen, die eine optimale Standhöhe möglich machten. Aufgrund der aktuellen Situation, hat man wohl diese einstellbaren Pendelstützen – nachdem sich auch Bestimmungen ändern – mit einem Schweißpunkt zu einer „festen“ Pendelstütze gemacht. - Dumme Frage: Ist die Standhöhe nun „wie serienmäßig“?

Aber die Aufhängung soll sich von der in der Serie verwendeten schon unterscheiden. Hat darum der Technische Kommissar nach dem eigenartigen Ablauf des Protestes (Motor-KRITIK berichtete) nach der Nachuntersuchung so überzeugt für ein a.d.W. plädiert?

Ich kenne nicht den gesamten Text des DMSB-Berufungsgericht-Urteils. Wer hat da eigentlich wo und wann getagt? - Rein von der Überlegung und der gefühlsmäßigen Gesamteinschätzung her, bin ich aber schon mehr auf der Seite des Technischen Kommissars.

Offiziell ist der Fall zwar nun – durch eine Entscheidung des DMSB-Berufungsgerichts – beendet. Weil ich weder den Bericht des Technischen Kommissars, noch das DMSB-Urteil in vollem Umfang kenne, kann ich leider nicht entscheiden, wo der Denkfehler liegt. - Wahrscheinlich bei mir. – Natürlich!

Aber ich kann nicht sagen, dass ich mich nun zufrieden zurück lege. - Ende gut, alles gut? - Nein nicht. Es bleibt ein schaler Geschmack zurück, wie nach einer durchfeierten Oktoberfest-Nacht! - Dabei fällt mir ein:

Am Ende des VLN 9-Laufs gab es noch eine kleine Nach(t)-Feier im „Eifel-Stadl“. Da ist es dann wohl zu einer Schlägerei gekommen. Da das nach VLN 9 war, muss die Frage gestellt werden:

    • Werden Proteste inzwischen auch auf eine solch „moderne Art“ ausgetragen?

Nun – ich bin vielleicht ein wenig von gestern! - Aber ich versuche zu verstehen. Das gelingt mir nicht immer. Vor allen Dingen dann nicht, wenn das Urteil des DMSB-Berufungsgerichts in der Sache Manheller ./. Adrenalin weiter im Dunkeln bleibt.

Aber vielleicht muss man die „Entscheider“ beim DMSB auch einfach als „Dunkelmänner“ hinnehmen.

Oder war VLN 9 vielleicht einfach so eine Art Oktoberfest?

Ich erinnere mich, dass vor einer Reihe von Jahren der DMSB-Präsident in der „Grüne Hölle“ schon mal einen Fassanstich vorgenommen hat. - Das hat er übrigens gekonnt!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Ich hätte fast vergessen meine Anmerkung im Vorspann zum „taktisch“ klugen Vermeiden eines weiteren Protestes gegen die # 490 in der Klasse V4 in VLN 9 zu erklären. Die drei Fahrer haben auch hier klar ihre Klasse gewonnen. Ein Protest gegen die # 490 hätte aber die VLN-Gesamtwertung 2018 nicht beeinflusst, weil der Teamchef – sehr intelligent – die drei Fahrer noch auf zwei anderen Fahrzeugen im Rennen eingesetzt und dort zur Wertung angemeldet hatte. Das konnte er machen, weil der Vorsprung der Drei uneinholbar war. - Ich habe die „auf- & er-klärenden Unterlagen“ im Anhang zu dieser Geschichte als pdf-Datei eingestellt. - Um mit einem Oktoberfest-Spruch zu schließen: „Aus da Gurgl duads an Schrei, schütt nei, schütt nei!“

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