Der, die, das DPN: Welcher Artikel zum Permit?

Der DMSB spricht von „die“ DPN. Das ist so falsch wie ein zusätzliches Permit zum Befahren der Nürburgring-Nordschleife überhaupt. Zumal der DMSB auch gar nicht – nach einer „Gutachterlichen Bewertung“ aus 2016 – berechtigt war, ein solches Permit einzuführen. - Auch die VLN hat sich der fehlerhaften Darstellung des DMSB angeschlossen. Anschließen müssen! - ??? - Man verlangt nicht nur bei Startern zu VLN-Rennen zusätzlich zu einer Lizenz ein DMSB-Permit-Nordschleife, sondern spricht auch von „die“ DPN. - Nach den Stufen A und B hat der DMSB inzwischen auch 2018 ein Permit C eingeführt. Und alle diese Zusatzgenehmigungen gibt es zu unterschiedlichen Bedingungen. - In der Praxis. - So wird auch deutlich, worum es eigentlich bei diesem Permit geht: Um‘s Geld! - Der DMSB hat 10 Firmen, Vereine u.a. als Lehrgangsanbieter autorisiert. Und es wird fleißig kassiert. Wobei diese Entwicklung auch dazu führt, dass die Veranstalter bei einzelnen Rennen auf eine Reihe von Startern verzichten müssen, weil die Fahrer die Bedingungen des DMSB nicht erfüllen. - Was deutsche Fahrer mit einem gewissen Aufwand an Zeit und Geld (evtl. mit Werks-Unterstützung!) noch möglich machen können, ist interessierten Startern aus Übersee – z.B. den USA - kaum möglich. - Nach dem Lesen der Vorschriften im Download-Center des DMSB, wo von „die DPN“ geschrieben wird, fragt Motor-KRITIK: Was denn nun?

Der, die, das DPN: Welcher Artikel zum Permit?

Eigentlich ist der Artikel nicht von großer Bedeutung. Wichtig ist, was dahinter kommt. Wenn der DMSB von „die“ DMSB-Permit-Nordschleife spricht, würde man die Wertigkeit dieser Plastikkarte unterstreichen, wenn man auch von „die“ Präsident sprechen und schreiben würde.  Denn eigentlich sind sowohl „das“ Permit als auch „der“ Präsident ohne jeden praktischen Wert!

Der Ordnung halber wurde mal im DUDEN nachgeschaut. Da ist ganz klar, dass der Artikel im Falle „Permit“ ein „das“ sein müsste. Aber der DMSB hat speziell zum Permit auch eine unpassende Flaggenregelung für die Nürburgring-Nordschleife geschaffen. Da ist „die Permit“ dann wieder passend.

Passend möchte der DMSB auch das Permit zu jeder Art von Veranstaltung auf der Nordschleife machen. Nach Permit A und B hat man darum auch – in 2018 – noch das Permit C eingeführt. Natürlich muss man für das Permit, gleich welcher Stufe, jedes Jahr wieder neu zahlen. - Das ist wichtig! - Das gibt dem Permit eine gewisse Wertigkeit!

Aber selbst was z.B. die Erlangung eines Permit C den Fahrer kostet, kann schon unterschiedlich sein. Wer ein Permit C für ein bestimmtes Rennen besitzt, ist damit nicht im Besitz eines Permit C, das vielleicht für die nächste Veranstaltung – nur 14 Tage später – verlangt wird.

Es kann sein, dass die Erlangung des Permit C einmal 180 Euro und 14 Tage später 50 Euro kostet. Mit dem Permit C für 180 Euro kann man aber nicht das Rennen fahren, für das man – um es zu fahren – nur 50 Euro für ein neues Permit C aufwenden müsste. - Übrigens bei gleichem Lehrgangsaufwand. - Bei einem Zeitunterschied von 14 Tagen!

Dafür gibt es aktuell ein schönes Beispiel:

Da hat unter dem Mantel des DMV am 13.und 14. Oktober 2018 eine Veranstaltung stattgefunden, mit der man in zwei 500 Kilometer-Rennen das 1000-Kilometer-Rennen vergangener Zeiten wieder aufleben lassen wollte. Der zweite Teil des Rennens lief am Sonntag, dem 14. Oktober dann über den Nürburgring-Gesamtkurs, also Grand-Prix-Kurs und Nordschleife.


Am Freitagvormittag (12.10.) gab es dann den Theorie-Teil des Lehrgangs für die Teilnehmer, die noch nicht im Besitz der besonderen vom DMSB vorgeschriebenen Zusatz-Lizenz waren:

  • Das DMSB-Permit-Nordschleife C.

Der „Lehrer“, vom DMSB mit „DPN-02“ autorisiert, war Herr Christopher Bartz, der den knapp 50 Teilnehmern an diesem Lehrgang u.a. auch zwei Unfall-Filme zeigte. In beiden gezeigten Fällen waren übrigens GT3-Fahrzeuge beteiligt. - Zufall?

Weil dann das Training zu den aktuellen Rennen lief, war ein praktisches Kennenlernen der Strecke durch eine Mitfahrt im Bus (!) erst gegen Abend möglich. Gegen 18:45 wurde der Bus bestiegen und die Rundfahrt begann. Es war schon sehr dämmerig. Als der Bus dann zum ersten Mal ausgangs des Streckenabschnitts „Hatzenbach“ hielt, fragten sich Kenner des Nürburgrings im Bus, warum das denn wohl gerade hier geschah. - Aber es war wohl die letzte Möglichkeit die Rennstrecke noch bei „Büchsenlicht“ zu erleben.

Bei der Weiterfahrt – es wurde immer dunkler - fiel das relativ schwache Licht des eingesetzten Bus auf. Natürlich verfügte der Busfahrer auch nicht über das DMSB-Permit-Nordschleife und fuhr auch keine Ideallinie. - Wobei, diese Anmerkung sei erlaubt, es DIE Ideallinie auf der Nordschleife auch nicht gibt, obwohl immer wieder davon gesprochen und geschrieben wird. Sie wird von der Antriebsart, Leistung, Aerodynamik und Fahrwerkabstimmung des Einsatzfahrzeuges bestimmt.

Die „Schüler“ hörten auf dieser Fahrt öfter eine Standard-Formulierung des Herrn Bartz, die da lautete:

„Sie müssen schon mal die erste Kurve opfern, um die zweite Kurve richtig zu bekommen.“

Und er wies immer wieder auf Streckenschilder hin, die man im Rennen ansteuern sollte, aber jetzt in der Dunkelheit kaum auszumachen waren.

  • Das Permit C, bzw. der Lehrgang dazu, kostete – einschl. Busfahrt (!) - in diesem Fall 180 Euro.   

Einer dieser Teilnehmer, nun am Ende stolzer Besitzer eines Permit C, hat nun – fast übermütig – die Absicht gehabt, am 14 Tage später durchgeführten „RCN Schwedenkreuz-Rennen“ teilzunehmen.

Aber er musste dann nach Lesen der Ausschreibung und einem Telefonat, das der Nachfrage diente, feststellen, dass er nach den von den Entscheidern des DMSB willkürlich festgelegten Regeln nicht startberechtigt war. - Er hätte ein „neues“ Permit C gebraucht!

  • Also ist er – verärgert – auch dann nicht gestartet, als man ihm „eine Brücke zu bauen versuchte“.

Der Veranstalter des Rennens hat so – von Motor-KRITIK geschätzt – insgesamt auf rd. 10.000 Euro Nenngelder verzichten müssen, weil der DMSB schließlich seine autorisierten Lizenznehmer durch Durchführung von immer neuen Lehrgängen beschäftigen muss. Aber nicht alle evtl. Teilnehmer waren bereit, für ein Rennen ein Permit C zu bezahlen.

Beim ersten hier beschriebenen Lehrgang, befand sich übrigens auch ein 18jähriger Nordschleifen-Neuling unter den Schülern. Seine Rennerfahrung resultierte bis zu diesem Zeitpunkt aus zwei Rennen auf „normalen“ Rennstrecken mit den entsprechenden Auslaufzonen.

  • Nach der Busfahrt im Dunkeln ist der dann später das Rennen auf der Nordschleife gefahren. Natürlich traumwandlerisch sicher, da nun mit Permit C!

Der Renndirektor der VLN zieht auf den Internetseiten der Serie Bilanz:

„Man kann guten Gewissens sagen, dass die DPN etabliert ist und ihren Zweck voll und ganz erfüllt“, bilanziert Michael Bork, Leiter Sport und Renndirektor der VLN. „Es gibt kaum noch negatives Feedback, vielmehr jede Menge Zuspruch. Unsere erfahrenen VLN-Piloten berichten uns, dass das Miteinander auf der Strecke deutlich besser funktioniert als früher.“

Er hat offensichtlich noch nicht an einem Lehrgang des Herrn Bartz teilgenommen, bei dem auch die o.g. zwei Unfallfilme gezeigt werden. - Alle Fahrer mit DPN!

Kann sich Herr Bork noch an ein DTM-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife erinnern, auf dem ein Italiener sein erstes Rennen dort bestritt und dann auch gewann? - Ohne Permit! - Aber er hatte – weil er ein verantwortungsvoller Rennfahrer war – im Vorfeld beim „stillen Training“ mit Leihwagen, diese im „Touristenverkehr“ nicht gerade besser gemacht.

So gibt es heute viele gute Rennfahrer, die ein Permit A, B oder auch C nicht besser macht, aber durchaus auch Möchte-gern-Rennfahrer, denen der Besitz eines Permits eine Sicherheit vorgaukelt, die dann zu Unfällen führt. - Sonst hätte ein Herr Bartz auch kein passendes Lehrgangsmaterial zur Verfügung.

  • Übrigens: Die FIA erkennt die „Bestimmungen“ des DMSB, „seines ASN“ (Autorité Sportive Nationale) nicht an! Die Fahrer bei FIA-Serien fahren Rennen auf der Nordschleife auch ohne Permit!

Beim DMSB gibt es in Sachen DPN – also DMSB-Permit-Nordschleife – keine Einsicht, weil dieses Permit eine Einnahmequelle darstellt, nicht nur für den DMSB, sondern auch für Teams, die daraus ein „Geschäftsmodell“ entwickelt haben.

Beim DMSB denkt man intern darüber nach, den Erhalt des Permits A für 2019 noch zu verschärfen. Es könnte sein, dass das dann nur noch nach einem „Sonderlehrgang“ mit einem Rennfahrzeug bei nur einem Ausbilder zu erhalten ist. - Und der hat zufällig seinen Sitz am Nürburgring.

Es wird Zeit, dass dieser Geschäftemacherei mit Zusatzgenehmigungen im Motorsport ein Ende gemacht wird. Der DMSB hat recht, wenn er darauf verweist, dass die Nürburgring-Nordschleife als Rennstrecke mit keiner anderen Rennstrecke auf der Welt zu vergleichen ist. Die Rennstrecke in Spa-Francorchamps übrigens auch nicht. - Hat nicht auch die Rennstrecke „Mount Panorama Circuit“ im australischen Bathurst eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen? - Man könnte die Beispiele vervielfachen! - Jede Rennstrecke hat das Anrecht auf eine Würdigung durch ein Permit! - Oder?

Genauso wie ein Herr Michael Günther, der beim DMSB als Sportdirektor verantwortlich für den Automobilsport ist, durch seine Entscheidungen ebenfalls „einmalig“ ist,  genauso wie sein Präsident, der allein durch seine Freundschaft mit dem FIA-Präsidenten eine Sonderstellung einnimmt.

Also doch die Permit und die Präsident?

So wären beide immerhin auf dem gleichen „Artikel“-Niveau!

MK/Wilhelm Hahne
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