Markus Höttinger: „Gibt es zwei Grenzbereiche?“

Ich habe von seinem Tod – 1980  in Hockenheim – durchs Fernsehen erfahren. Dieser Vorfall hat mich aus den verschiedensten Gründen betroffen gemacht: Sein Leben endete in einem Maurer-BMW F2, bei dem sich in der ersten, untauglichen Version, mein Bruder Armin um eine Abstimmung bemüht hatte. Markus Höttinger und der von ihm gefahrene Maurer-BMW F2 hatten eigentlich mit dem Unfall nichts zu tun. - Markus Höttinger wurde von dem abgerissenen Hinterrad eines Konkurrenzfahrzeugs erschlagen.

Ich hatte zu Markus einen guten persönlichen Kontakt. Er war nämlich nicht nur ein guter Rennfahrer, sondern auch das, was man einen „feinen Menschen“ nennt. - Es war Rainer Braun, der mich mit seiner Erinnerung an ihn auf Facebook gestern – an Ostermontag - auch daran erinnerte,  dass ich den Todestag von Markus vor exakt 40 Jahren vergessen hatte.

Ende der 70er sind wir hier am Nürburgring oft zusammen gesessen. Markus machte hier u.a. Reifenabstimmungsfahrten mit dem damals neuen BMW M1 und Pirelli Reifen. Ich arbeitete zu der Zeit u.a. auch als freier Mitarbeiter für „Rocky“, ein Jugendmagazin und produzierte für jede Ausgabe einen kleinen Motorradteil. So hatte ich zu dieser Zeit u.a. einen Mofatest in Arbeit. Da Markus zu der Zeit oben am Ring war, habe ich ihn gefragt, ob ich mit ihm Fahraufnahmen machen könne. - „Kein Problem“, hat er gesagt. So habe ich ihm dann das Mofa hochgefahren und er hat es im Nürburgring-Umfeld genutzt. - Und ich bin auch zu Fahraufnahmen mit ihm – z.B. in der Boxengasse - gekommen.

Markus Höttinger war immer lernbereit. Wir haben die Tücken der Nordschleife im Detail besprochen; wir haben unsere Eindrücke ausgetauscht, neue „Linien“, neue Möglichkeiten diskutiert. Eines Abends, als wir uns am Ende eines seiner Testtage wieder getroffen haben, stellte er mir eine Frage, die ich zunächst nicht verstanden habe:

„Wilhelm, gibt es eigentlich zwei Grenzbereiche?“

„Wie kommst du da drauf?“, habe ich ein wenig erstaunt gefragt. Er hat mir das dann so erklärt:

Er war an diesem Tag gerade von einem Turn mit einem neuen Reifensatz zurück gekommen, als ihn einer der Pirelli-Reifentester bat, doch mal auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen, damit er mal mit ihm eine Nordschleifenrunde erleben und die Eindrücke eines Reifentesters mit seinen – denen eines Rennfahrers – abgleichen könne.

Markus Höttinger: „Wir sind dann los, gut und schnell durch die „Hatzenbach“ und als wir über den „Flugplatz“ weg waren, in Richtung „Schwedenkreuz“ unterwegs, da schildert der Pirelli-Mann mir kurz seine ersten Eindrücke im Grenzbereich – wie er sagte! - Du – und das waren exakt die, die ich bei meiner Runde zuvor auch gewonnen hatte. - Nur: Ich war überall – und besonders am „Flugplatz“ - deutlich schneller gewesen als er. - Er sagte, er bewege den M1 im Grenzbereich; ich würde das von meiner Fahrt auch sagen. - Unsere beider Aussagen waren exakt gleich. - Folglich muss es doch zwei Grenzbereiche geben! - Oder?“

Das war so logisch, dass ich zunächst ganz stumm war. Und ich habe diese Schilderung mit dieser logischen Schlusfolgerung bis heute nicht vergessen.

Ich bin in den Jahren danach noch mit einer Reihe von Rennfahrern unterwegs gewesen und hatte dabei dann auch schon mal den Eindruck, dass es zwei Grenzbereiche geben müsse:

  • Einen Grenzbereich, der eigentlich meiner war und einer, der „der richtige“ ist.

Schon darum werde ich Markus Höttinger niemals vergessen! - Nur sein Todestag war mir entfallen.

Markus ist jemand, der in meinem Herzen immer weiter lebt!

MK/Wilhelm Hahne

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