Krombacher alkoholfrei: „Alles ist möglich!“

Nein, Motor-KRITIK hat nicht die Branche gewechselt. Aber selbst in der Formel 1 geht‘s nicht ohne Sponsoren. Auch nicht in der Formel 1-Berichterstattung ohne Werbung. Darum gab es auch zur Berichterstattung über den Grand Prix von Malaysia Werbung. Und an einer Stelle dann, sozusagen als Übergang zur Sportberichterstattung, solche für Krombacher Bier. Weil die in eine Motorsportsendung eingeblendet wurde, musste es natürlich solche für alkoholfreies Bier sein. Der dort benutzte Slogan wurde vom Reporterteam gerne aufgenommen, denn ein Lewis Hamilton war nun plötzlich, ganz anders als im ersten Teil des Rennens, nun wieder richtig schnell unterwegs. So nutzte auch ein Christian Danner die Vorlage von Krombacher, um den Fernsehzuschauern zu erklären, dass es für manche Dinge eben keine Erklärung geben würde. „Manchmal“, so sagte er, „kommt eben im Verlaufe des Rennens das Fahrzeug dem Fahrer entgegen“. - Es war eine Erklärung für‘s Unerklärliche. So nutzte auch er den Krombacher-Spruch: „Alles ist möglich!“ - Man konnte z.B. erleben, wie durch unerklärliche Vorgänge die Marke Mercedes und ihr Fahrer Hamilton nicht den Vorteil aus der zufällig entstandenen Ausgangsposition ziehen konnte, der eigentlich zu erwarten war. - Alle waren am Ende zufrieden, weil doch mit der Krombacher-Werbeaussage eigentlich alles richtig erklärt war, ohne erklärt werden zu müssen.

Krombacher alkoholfrei: „Alles ist möglich!“

Vettel hatte im Qualifying ein Motorenproblem, konnte darum nicht fahren und musste als 20. im Rennen starten. Weil das Formel 1-Feld nun einmal nicht größer ist. Denn nach einem Wechsel aller Antriebsaggregate hätte er eigentlich noch 20 Startplätze weiter hinten starten müssen. - Aber wenn es nun mal nur 20 Starter gibt… -

Und ein Niki Lauda (Mercedes-Team) rechnete schon vor dem Start hoch, dass Vettel im Rennen pro Runde 0,8 sec schneller fahren könne als „der Rest“. Das würde ihm – rein rechnerisch natürlich – möglich machen, das Rennen auf einem Podestplatz zu beenden. - Das ließ schon aufhorchen.

Kimi Raikkönen, der mit einem hauchdünnen Rückstand von 45 tausendstel Sekunden im Qualifying Zweiter war und damit neben Hamilton in der ersten Startreihe stehen sollte, der konnte erst garnicht zum Start antreten, weil etwas nicht funktionierte.

Da hatte er nach dem Qualifying am Vortrag sozusagen quietschvergnügt seinen perfekt laufenden Ferrari abgestellt, und nun zum Rennen erstmals wieder gestartet, verweigerte ein störrischer Ferrari-Renner seinen Dienst. - Keine Leistung, keine Reparatur möglich, kein Start!

Das brachte Sebastian Vettel dann zum Start einen Platz nach vorne, auf Platz 19. - Raikkönen konnte ihm auch so keine WM-Punkte kosten! - Nach dem Start war Vettel schon auf Platz 17, am Ende der 1. Rennrunde schon auf Platz 13.

Schon in der dritten Runde ließ der gut gestartete Hamilton den schnellen Holländer Verstappen, am Vortag gerade 20 Jahre alt geworden, auffallend fair – sozusagen ohne Gegenwehr – passieren und Platz 1 einnehmen. Und weil einige schon früh zum Reifenwechsel hereinkamen, rutschte Vettel auf Platz 5 vor, der auf einer härteren Reifenmischung gestartet war.

Und dann kam die 22. Runde, in der Hamiltons Auto schneller wurde. Unerklärlich. - Da musste Christian Danner schon auf Krombacher verweisen:

„Alles ist möglich!“

Aber eigentlich lag der Focus der RTL-Berichterstattung auf Vettel und Ferrari. Vettel passierte in der 32. Runde auch Bottas, der Vettel die Sache aber nicht so einfach gemacht hatte. Vettel war damit Vierter.

Auf Platz vier hat er auch das Rennen beendet. Sein Teamkollege, Kimi Raikkönen, hatte durch seinen Nichtstart zur Verbesserung der Vettel-Position im Rennen beigetragen. Raikkönen‘s Kommentar zu seinem Start-Pech:

„Das Problem kam aus dem Nichts!“

Und weil auch Hamilton einen Verstappen im Rennen problemlos passieren ließ, wie er noch einmal den Sieger des GP von Malaysia im Warteraum vor der Siegerehrung erinnerte, ist sein Vorsprung in der Fahrer-WM nur um 6 Punkte angestiegen. - Aber er schien sich darüber nicht zu ärgern. - Es ist eben wie es ist!

Und die Weltmeisterschaft „bleibt offen“. - Die Marketing-Strategen werden still und tief durchatmen. - Das hat man noch mal gut hinbekommen. - Die Spannung bleibt erhalten!

Das sind die ersten Sechs beim Grand Prix von Malaysia 2017:

                Schnellste Rennrd.    Qualifying-Zeit  Differenz:
1. Verstappen    1:34,467 min        1:30,541 min        3,926 sec
2. Hamilton       1:34,452 min        1:30,076 min        4,376 sec
3. Ricciardo       1:34,770 min        1:30,595 min        4,175 sec
4. Vettel             1:34,080 min                -                           -
5. Bottas            1:35,284 min        1:30,758 min        4,526 sec
6. Perres            1:35,591 min        1:31,658 min        3,933 sec

Meine Leser werden – mit hoher Wahrscheinlichkeit - nicht raten können, wer die zweitschnellste Rennrunde in Malaysia gefahren ist und wer mit der geringsten Differenz zwischen seiner Qualiying-Zeit und schnellster Rennrunde auffällt – ohne damit aufzufallen:

  • Nico Hülkenberg, der im Rennen in seiner schnellsten Runde nur um 0,186 sec langsamer war als Vettel und dessen Differenz zwischen seiner Qualifying-Zeit und schnellster Rennrunde nur 2,659 sec betrug.

Das ist eine Leistung, die wegen seiner Gesamtplatzierung auf Platz 17 nicht auffällt, die wir aber bei Motor-KRITIK nicht übersehen möchten.

Dieser F1-Grand-Prix war wieder einmal ein Beweis dafür, dass der Marketing-Einfluss auf den Sport immer stärker wird. - Da machen dann alle mit.

Die „Fachleute“ werden sagen: Damit die Spannung und damit das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Sport erhalten bleiben.

Es ist gelungen, den Spannungsbogen nicht durch Zufallsereignisse zerstören zu lassen, sondern ihn zu erhalten. - Zumindest bis zum nächsten Wochenende in Japan.

Mal sehen, wie‘s weiter geht.

„Alles ist möglich!“

MK/Wilhelm Hahne
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2 Kommentare

Manipuliert?

Würden Sie sagen, dass die F1 von vorne bis hinten manipuliert ist, oder wird nur korrigiert?

Zufall

Hallo Herr Seelig, sagen wir mal so: Wenn ein Zufall zufällig das auf Spannung angelegte Konzept anknabbert, dann setzt man zufällig den Zufall auf den Zufall an, damit zufällig der Sport wie Sport aussieht und nicht zufällig wie ein konstruiertes Stück Marketing wirkt. Und ein Kimi Raikkönen erklärt ganz unaufgeregt aus altersgerechter Erfahrung: "Das Problem kam aus dem Nichts!" Es folgt ein Aufsehen erregender Pressewirbel und ein steigendes Publikumsinteresse. Perfekt! - Alles schaut nun nach vorne. - Nach Suzuka! Bis dahin, Wilhelm Hahne

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