VLN 9 – 2017: Schluss-Akkord in Moll!

In Gesprächen mit Verantwortlichen musste man am Wochenende den Eindruck haben, dass jetzt, wo die Serie in diesem Moment für die Saison 2017 abgeschlossen ist, die doch einmal tief – und erleichtert - durchatmen. Aber da warten schon die nächsten Aufgaben auf die aktive Vorbereitung. Das nächste wäre die Siegerehrung, die am 25. November 2017 stattfinden soll. Bis dahin muss z.B. noch das „VORLÄUFIG“ vor dem Rennergebnis von VLN 4 verschwinden! - Aber dann muss auch schon die Ausschreibung für 2018 vorbereitet werden, da wird verhandelt und gehandelt, geflüstert und – gemauschelt. - Eigentlich gilt es jetzt, die Erfahrungen dieser Saison in die Vorbereitungen für die Saison 2018 mit einfließen zu lassen. Man ahnt, dass da etwas passieren muss. Die Automobilindustrie hat auch in dieser Breitensportserie – die sie eigentlich sein soll – an Einfluss gewonnen und versucht den über ihre Einflussnahme auf Klubs und Sportbehörden zu festigen und ihre Interessen durchzusetzen. Schließlich ist man gut vernetzt. Sogar besser als viele dachten, wenn man die aktuellen Kartell-Verdachtsmomente mit berücksichtigt. - Diese Einflüsse sind die, die der Motorsport nicht braucht. Aber er braucht schon klare Vorgaben, die auch überwacht werden, aber sich nicht alle paar Wochen ändern sollten. Die 2017er Saison war im Hinblick auf die finanzielle Situation für die VLN-Organisation sicherlich besser als die von 2016. Aber das sollte kein Maßstab sein. Die ursprünglichen Maßstäbe, die man bei Gründung der VLN im Auge hatte, haben sich längst verschoben, bzw. sind von „interessierten Kreisen“ Stück für Stück verschoben worden. Und viele haben sich angepasst, haben das hingenommen. Weil es doch überall „Fortschritt“ geben muss. Der Basis-Motorsport ist aber so etwas wie der Kindergarten des Motorsports. Hier gilt das, was auch in der Kindererziehung gilt: Klare Vorgaben, konsequente Überwachung der notwendigen Grenzen und für die Teilnehmer: Üben, üben, üben! - Zehn Rennen sind besser als neun! - Nachfolgende Geschichte kann nur eine Anregung sein, die eigenen Vorstellungen von Motorsport mit denen von Motor-KRITIK abzugleichen. - Bis zum Umschalten auf „Grün“ beim ersten Rennen in der VLN-Saison 2018 sollte aber schon einiges passiert sein! - Aber vor einer neuen Weichenstellung sollte man schon wissen wohin die Fahrt gehen soll!

VLN 9 – 2017: Schluss-Akkord in Moll!

Lässt man einmal die VLN-Gesamtsieger des Jahres 2017 Revue passieren, so ist schon auffallend, dass Porsche die meisten Gesamtsieger stellte, nämlich 5. Aber es reichte nur einmal zur schnellsten Runde im Rennen. Auffallend: Der Porsche 911 in seinem Ur-Konzept ist nur noch in Cup-Klassen und auf der Nürburgring-Nordschleife besonders siegfähig!

Audi errang zwar nur zwei Gesamtsiege, aber es waren Audi R 8 LSM GT3, die in vier Rennen jeweils die schnellste Runde fuhren. Bei  9. Lauf fuhr der im Endergebnis Dritte, auch ein Audi (von PHOENIX), mit 7,59,388 min die schnellste Rennrunde die in 2017 in allen VLN-Rennen am Nürburgring gefahren wurde.

BMW und Ferrari errangen je einen Gesamtsieg. Während sich Ferrari auch mit einer schnellsten Runde im Rennen begnügen musste, fuhren BMW M6 GT3 gleich zwei Mal die schnellste Rennrunde.

Nissan bleibt nur eine schneĺlste Rennrunde, kein Sieg, aber die Feststellung, dass man im Rennen mit einer Zeit von 8:00,072 die zweitschnellste Rennrunde des Jahres 2017 bei der VLN fuhr.

  • Mercedes ging 2017 bei der VLN leer aus!

Bei den Porsche-Gesamtsiegen wäre anzumerken, dass hier Porsche im 9. VLN-Lauf den Sieg mit einem SPX-Fahrzeug, aus Motor-KRITIK-Sicht einem Prototypen, den Gesamtsieg errang. Denn die Klasse bietet die Möglichkeit mit einem nicht homologierten Fahrzeug alle anderen „normalen“ Teilnehmer – sogar durch die Ausschreibung legitimiert – zu schlagen. Dass Porsche von dieser Möglichkeit in diesem Jahr Gebrauch gemacht hat, lässt eine Veränderung in der Einstellung zum Sport, aber auch in der Firmenkultur erahnen.

VLN-Verantwortliche wiegeln ab:

„Ein Werk muss doch auch die Möglichkeit erhalten, Neuentwicklungen für die nächste Rennsaison zu testen.“

Eine interessante Argumentation! - Es ist nicht nur eine Verrohung der Sitten bei den Fahrern festzustellen, von denen viele nach dem Motto „Hoppla, jetzt komm ich!“ unterwegs sind, sondern auch bei den Herstellern, die inzwischen nichts mehr dabei zu finden scheinen, in einer Breitensportserie mit überlegenen – nicht homologierten Werkswagen, gegen ihre Kunden anzutreten und mit ihren Siegen dann für die Dummheit zu bestrafen, mit hohem Aufwand und hoher Kaufpreiszahlung an sie, Vertrauen in die Marke bewiesen zu haben.

Motor-KRITIK-Meinung:

  • Die Klasse SPX sollte für 2018 in der VLN-Ausschreibung ersatzlos gestrichen werden! - „Prototypen“ gehören nicht in eine Breitensportserie!

Obwohl die GT3 den Zuschauern so viel Spaß machen, sollten wir auch diese Kategorie einmal kritisch betrachten. Eigentlich sollte sie ursprünglich den GT-Sport mit seriennahen Sportwagen möglich machen. Doch Audi musste dann z.B. erfahren, dass mit seriennahen Fahrwerken in Rennen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Und es wurde so lange umgebaut, bis dass das Fahrwerk konkurrenzfähig war. - Aber nahe der Serie?

Mercedes-AMG hatte da von Anfang an keine Skrupel. Der Flügeltüren-SL erschien gleich mit einem Rennfahrwerk und einer sehr guten Aerodynamik und konnte sich so als „Schnäppchen“ für Käufer empfehlen, die auf Gesamtsiege aus waren.

BMW hinkte ein wenig hinterher, hat aber inzwischen Boden gut gemacht. Und auch ein Ferrari GT3, wie er heute in der VLN um Gesamtsiege mitkämpft, ist nicht gerade das Ideal eines Sportwagens, wie man ihn – z.B. vom Gewicht her für den Renneinsatz - erwarten sollte.

Was soll eigentlich eine Klimaanlage in einem Rennsportwagen? - Wo Geld keine Rolle spielt, scheint auch Gewicht keine Rolle zu spielen. Dabei kommt gerade dem Gesamtgewicht bei einem Sportwagen eine bedeutende Rolle zu. Selbst wenn ein Bentley GT 3 von gut 2 Tonnen auf 1325 Kilogramm „abgespeckt“ wurde (wie geht so etwas eigentlich in der Praxis?), so ist das immer noch nicht das Gewicht eines Rennautos. - Dieser Hinweis gilt auch für die anderen Hersteller!

Ein Renn-Sportwagen ist z.B. der neue KTM-X-Bow, der nach der letzten „BoP“-Anpassung 1.065 Kilogramm auf die Waage bringen muss und auch so nur einen 2,0 Liter-Vierzylinder-Audi-Motor benötigt (vorher war hier irrtümlich ein Fünfzylinder notiert!), um die Acht- und Zehn-Zylinder Boliden ein wenig „alt aussehen“ zu lassen. Was sollen Achtzylinder-Kraftwerke in der GT4? - Hätte nicht Audi z.B. auch einen „TT“ zu einem GT4 machen können?

In der Saison 2018 wird nun AMG-Mercedes mit einem Achtzylinder-Boliden allen vorführen, was man in Stuttgart unter einem GT4 versteht und man wird eine Ahnung davon erhalten, wohin die Reise mit den GT4 einmal führen wird. Genau so in ein werksseitig angesteuertes AUS, eine so selbst zu verantwortete Lücke, die dann mit einer neuen GT5-Kategorie geschlossen werden muss? 

  • Denn auch die GT3 sollten bei der VLN nicht zu der Gruppe gehören, die man mit dieser Langstreckenserie für den Basismotorsport ansteuern sollte.

Bei der VLN gibt es auch inzwischen fünf Cup-Klassen, in denen zum letzten Lauf insgesamt 40 Fahrzeuge antraten. Solche Marken-Cups sind auch deswegen zu einer Unsitte geworden, weil die Marketing-Abteilungen der Firmen gerne Sieger mit ihren Fabrikaten sehen. - Egal wie!

Im Porsche-Cup wird immer ein Porsche gewinnen, im BMW-Cup ein BMW. - Es darf durchaus einen BMW- oder Toyota-Sport-Cup geben, aber in dem sollten alle möglichen Rennen – auch Bergrennen, Kurzstrecken-Rennen usw. - gewertet werden. So kann dann zum Jahresende jeweils ein Gesamtsieger in einer Fabrikatswertung ausgerufen werden.

  • Aber in eine VLN-Veranstaltung gehören keine Fabrikatsrennen!

Den Cup 1, den Opel Astra OPC-Cup, wird es nach meiner Einschätzung im nächsten Jahr nicht mehr geben. Die noch existierenden Fahrzeuge dieses Cups werden dann in einer „normalen“ Klasse mitfahren. Auch die Fahrzeuge in den anderen Cups sollten Gelegenheit haben, in einer anderen Klasse bei den VLN-Rennen teilnehmen zu können. - Wenn Fahrzeug und Fahrer gut sind, können sie auch da Klassensiege erringen. - Und Punkte für den jeweiligen Sport-Cup!

Aber es darf doch nicht sein, dass ein Cup 3-Teilnehmer unter anderen Bedingungen fährt als ein Teilnehmer auf dem gleichen Fabrikat und Modell, das in einer anderen Klasse unterwegs ist, in dem sich z.B. die GT4-Fahrzeuge tummeln. Das eine Fahrzeug muss beim Boxenstop eine gewisse Wartezeit erfüllen, das andere nicht, kann dann weiterfahren, wenn Tanken, Räder- und evtl. Fahrerwechsel abgeschlossen sind. - So wie es eigentlich auch bei einem Langstreckenrennen sein sollte, in dem die Teamleistung gewertet wird und nicht die Einhaltung eines unsinnigen Reglements gefordert sein sollte.

  • Oder wurde diese Reglementierung speziell für den Nürburgring eingeführt, um Ärger wegen der ständig desolaten Tankanlage zu vermeiden?

Wenn man so etwas in einem Langstreckenrennen für notwendig hält, beweist man eigentlich damit, dass die entsprechende Klasse bzw. Kategorie hier fehl am Platze ist.

Wenn es nicht wieder – mit welcher Begründung auch immer – zu einer weiteren Aussetzung einer FIA-Verordnung von 2016 kommen soll, werden alle Teilnehmer bei einer VLN-Veranstaltung in 2018 mit einer FIA-Sicherheitstank ausgestattet sein müssen. Warum nicht dann alle mit einem Tank von einer Einheitsgröße von 100 Litern zum Beispiel? - So würde nicht nur eine treibstoffsparende, schnelle Fahrweise eines Fahrers belohnt, sondern auch ein Motor, der sich in seiner Leistung – in Abhängigkeit vom Fahrzeuggewicht – mit weniger Litern pro 100 Kilometern begnügt, als ein „Supersportler mit Klimaanlage“!

  • Damit sollten auch alle unsinnigen Anordnungen wegfallen, die bisher Teams bestrafen, die mit gleichem Tankinhalt mehr Runden zurücklegen!

Wäre es nicht auch eine Überlegung wert, die GT3-Kategorie erst gar nicht mehr bei VLN-Rennen starten zu lassen? - Wäre nicht eine schnelle GT4-Kategorie als sportliche Obergrenze bei VLN-Langstrecken-Rennen eine derzeit richtige „Beschneidung“? - Da auch die TCR in 2018 sicherlich in stärkerer Besetzung bei der VLN zu erwarten ist als 2017, wären sicherlich auch für die Zuschauer so sportlich interessante Rennen zu erwarten!

Als ich nach dem „freien“ Freitag-Training vor dem letzten VLN-Lauf zu meinem Privatfahrzeug auf dem Parkplatz im neuen Fahrerlager des Nürburgrings ging, da bot sich mir ein Bild, das ich hier festgehalten habe und das die aktuelle Situation in der VLN sehr gut darstellt: Ein dunkle Wolkendecke, durch das in vorhandenen Löchern ein Licht fällt, das eine „rosafarbene Zukunft“ verspricht.

Man sollte die VLN-Saison 2018 nicht so beginnen, wie man die Saison 2017 beendet hat.

  • Jedes Ende kann ein neuer Anfang sein!

Dem neuen VLN-Organisations-Teams, das mit dem Jahresanfang 2018 die Verantwortung übernimmt, sollte die Saison 2018 mit einem Befreiungsschlag von „altem Denken und Empfinden“ beginnen.

  • Mit dem VLN-Reglement für 2018 sollte im deutschen Motorsport ein Zeitzeichen gesetzt werden!

Das würde aber auch erfordern, dass man einmal DMSB-Anordnungen oder Industrie-Wünsche kritisch hinterfragt und nicht einfach hinnimmt und abnickt!

  • Was soll z.B. das DMSB-Nordschleifen-Permit?

Eine „BoP“ (Balance of Performance) sollte es 2018 z.B. auch nicht mehr geben, weil immer das bessere Automobil – natürlich auch mit dem besseren Fahrer – gewinnen sollte. - Bei einem Langstreckenrennen auch in Zusammenarbeit mit einem besseren Team!

Und eine Abhängigkeit vom Reglement eines 24-Stunden-Rennens sollte mit einem VLN-Neubeginn auch beendet werden. Der Veranstalter dieses Rennens hat schon 2018 ganz andere Probleme!

Der Nürburgring-Betreiber auch!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Interessant war zu beobachten, dass am Freitag vor dem letzten VLN-Lauf Rennfahrzeuge mit Reifen einer Marke unterwegs waren, die sie – weil eine andere Marke zwangsweise verordnet ist – nicht im Rennen fahren dürfen. Man wollte offenbar einmal wissen, wie ein besserer Reifen mit dem Fahrwerk ihres Einsatzfahrzeugs denn harmoniert. - Aber das ist ein Thema, das wir sicherlich in 2018 noch mal aufgreifen müssen, weil es „alte Verträge“ gibt, die den Veranstaltern Zusatzeinnahmen bringen. - Ohne Moos nichts los? - Von der Antwort auf diese Frage hängt es übrigens ab, ob für 2018 in der Breitensportserie VLN überhaupt Änderungen zu erwarten sind, die den sportlichen Wert positiv beeinflussen würden!

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