„Winterhell“ am Nürburgring: „Es war megageil!“

Das sagt in einem SWR-Beitrag zu dieser winterharten Veranstaltung, die zum ersten Mal in diesem Jahr – und dann noch als erste in dieser Saison überhaupt – auf dem Nürburgring stattfand, eine Krankenschwester aus Bad Neuenahr. Und der neue Pressechef des Nürburgrings gibt sich auch begeistert. Immerhin vermeldet er eine Zahl von 1.000 Teilnehmern, die auch gerne vom SWR – natürlich ungeprüft – übernommen wird. - Motor-KRITIK hatte eigentlich als erstes Medium über diese Veranstaltung schon im letzten Jahr berichtet. Weil es zu diesem Thema im Internet unerklärliche Störungen gab. Die sich im Nachhinein auch nicht aufklärten, sondern nur deutlich machten, dass hier ein russischer Veranstalter mit großer Erfahrung mit ähnlichen Veranstaltungen in Russland, nun mal sein Tätigkeitsfeld in die Eifel verlegt hatte, weil die Tochter des russischen Verteidigungsministers das wohl auch клёвый fand. Da kommt es dann auch nicht darauf an, dass es ein Geschäft wird. Hauptsache Spaß! - Der Veranstalter wird den bei der Endabrechnung weniger haben. Der neue Pressechef des Nürburgrings wird zufrieden sein, weil man ihm geglaubt hat. Der SWR-Reporter hat tolle Bilder mit nach Hause gebracht. - Also:

„Winterhell“ am Nürburgring: „Es war megageil!“

Der Vortrag des neuen Pressechefs am Nürburgring vermittelte den Eindruck, als hätte man mit „Winterhell“ nun mit der Umsetzung der Beck‘schen Grundidee zum Ausbau des Nürburgrings zu einer „Ganzjahresdestination“ mehr als einen ersten Schritt getan.

Der Nürburgring-Pressesprecher:

"So ein Format, was in einer anderen Jahreszeit, wo wir sonst nur Firmenkunden-Veranstaltungen haben oder andere Sachen, die im Inneren stattfinden. Das kommt uns natürlich extrem entgegen."

Man hat darum auch den Veranstalter in allen Bereichen sehr unterstützt. Der hatte als Unterstützung auch eine Kölner Agentur, die schon auf diesem Gebiet Erfahrung hat (Fisherman‘s Friend StrongmanRun) und weitere Dienstleister auf diesem Gebiet, die sich von der Startnummer bis zur Zeitnahme um alles kümmerten. - Der Veranstalter muss nur zahlen!

In diesem Fall, dem ersten „Winterhell“ am Nürburgring, wird er zulegen müssen, weil die Einnahmen wohl kaum die Auslagen decken! Obwohl der russische Besitzer des Nürburgrings dem russischen Veranstalter schon einen Freundschaftspreis eingeräumt hatte. - Aber der will wohl für das nächste Jahr wieder diese Veranstaltung ausschreiben. Jetzt weiß man was es kostet und wie es geht. - Und es ging gut!

Die Organisation war i.O. - Vielleicht war es darum auch gut, dass „nur“ um 1.000 Teilnehmer gemeldet hatten. - Wirklich?

Man ist es als Journalist eigentlich gewohnt, dass man am Nürburgring Zahlen genannt bekommt – und nicht nur Zahlen – die z.T. weit von der Realität entfernt sind. Darum muss man auch die „1.000 Teilenehmer“, die angeblich dieses Jahr registriert wurden, nicht unbedingt ernst nehmen. Auch dann nicht, wenn sie vom SWR – einer öffentlich-rechtlichen Institution -  vermeldet werden.

Darum haben wir bei Motor-KRITIK zum Start um 12 Uhr am Samstag mal einen Blick auf die Web-Kamera auf der Start- und Ziel-Geraden geworfen. Was wir sehen konnten, ließ auf 400 – 500 Starter schließen.

Wir haben dann das Ende der Veranstaltung abgewartet, weil wir die vom Veranstalter verpflichteten Service-Unternehmen kannten und haben einen Blick auf die Ergebnislisten geworfen. Danach wurden knapp 400 Teilnehmer beim Zieleinlauf gewertet.

Das würde bedeuten – wenn man dem Nürburgring-Pressechef Glauben schenkt - dass rd. 600 Teilnehmer unterwegs aufgegeben haben. - Das nennt man dann eine gnadenlose Auslese.

Da wird man dann wohl für die nächste Veranstaltung 2019 ein „NG-Nürburgring-Permit“ vorschreiben müssen, damit die Ergebnisquote besser wird. Beim DMSB wird man sicherlich erfahren können, welche knallharte Hürden man zum Erlangen eines solchen Permits einbauen muss.

Aber vielleicht ist das auch gar nicht notwendig. Und es waren gar keine 1.000 Teilnehmer am Start. Sollten da die von uns kurzzeitig gesichteten Ergebnislisten doch ein besseres Bild vermitteln?

Nun, wir haben Starter mit der Nummer 2 auf dem „Lätzchen“ gesehen, auch solche mit 5- und 6-Hunderter Nummern. Einer mit der Start-Nummer 1.300 ist auch aufgefallen. - Kann es sein, dass man die Starter nicht durchnummeriert hat, sondern „Sprünge“ bei der Ausgabe gemacht hat?

Es stimmt nachdenklich, wenn wir beim Überpüfen unserer Eindrücke – und das sollte man als Journalist immer tun – dann darauf gestoßen sind, dass die Ergebnislisten am Sonntag plötzlich aus dem Internet verschwunden waren. Dafür gab es dann folgende Information:

Wie dem auch sein: Der Start mit „Winterhell“ in die Saison 2018 hat genauso Symbol-Charakter, wie das „Anknabbern“ der „Grüne Hölle“. Man muss sich von normalem kaufmännischen Denken und Handeln der vergangenen Jahrzehnte lösen. Wir leben im Digital-Zeitalter. Da ist alles anders. Die Begriffe „Soll“ und „Haben“, die von „früher“, werden in unserer „modernen Zeit“ durch die Zahlen „Null“ und „Eins“ ersetzt. Und der Computer – natürlich mit „künstlicher Intelligenz“ - ersetzt das Denken.

So wird dann auch die „Grüne Hölle“ - z.B. - in Zukunft – nach den Plänen der russischen Investoren – nicht von diesen Besitzern betrieben werden. - Gott bewahre! - Man bereitet jetzt das durch die visionären Politiker irrsinnig aufbereitete Grundstück an der B 258 – Motor-KRITIK berichtete – nur zu einem Komplett-Vermieten an einen bedeutenden Mieter vor. - Davon gibt es weltweit einige, solche, die auch in Deutschland aktiv sind.

Es wird in diesem Fall keine langfristigen Mietverträge geben, sondern man wird den Komplex jeweils nur „für eine Saison“ zu vermieten suchen. - Meistbietend! - Es soll sogar schon Interessenten für den Komplex „Grüne Hölle“ geben!

So wird man sich dieser „ Belastung“ in der Eifel - und nicht nur der – nach und nach zu entledigen suchen. Traditionelles Denken ist „out“. Tradition verpflichtet? - Wer „modern“ ist, trennt sich schnell von solchen „Belastungen“.

Man schaue doch nur mal nach Stuttgart! - Auch dort versucht man sich bei Mercedes in „modernem Marketing“, hat sich von eigenen Niederlassungen getrennt, lässt in 2018 keine Pkw-Prospekte mehr drucken. Findet man dort wieder über die Formel 1 zu einem Kontakt am Nürburgring? - Wenn man den überhaupt weiter sucht.

Aber das ist wieder eine andere Sache. Eigentlich liegt da die Problematik, die sich derzeit bei der VLN abzeichnet näher. Zumal da die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG mit im Boot sitzt. - Aber das Problem wird man genauso lösen – bzw. zu lösen versuchen – wie das der „Grüne Hölle“ oder des „Nur-Kosten-Verursachers“, dem „Boulevard“ am Nürburgring.

„Winterhell“, gerade an diesem Wochenende durchgeführt, sollte die Nürburgring-Fans daran erinnern, dass es „morgen“ am Nürburgring nicht mehr so zugehen wird wie „gestern“.

Wir leben nicht nur in einer „neuen Zeit“, sondern es gibt auch einen „modern denkenden“ Besitzer des Nürburgrings. - Natürlich kommt der „nicht von hier“!

Und eine Krankenschwester „von hier“ sagt:

„Es war megageil!“

Das sagen wir bei Motor-KRITIK auch. - Und meinen „gestern“. - Die Krankenschwester meint „heute“!

MK/Wilhelm Hahne
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