„EQ“: Dazu „herr-lich“ passend – „weiße Sneaker“!

„EQ“ steht in der Regel für den „Emotionalen Intelligenzquotienten“ (engl. Emotional Intelligence Quotient). Gerade in meinem ‚Berufsleben ist der in der Kommunikation besonders wichtig. Ein hoher EQ hilft, Emotionen zu nutzen, Stress abzubauen. - Da erhalte ich gerade ziemlich aktuell eine Presseinformation, mit der man mir verständlich machen möchte, dass „EQ“ für die „Elekro-Evolution“ bei Mercedes steht. Und überhaupt… - Nun habe ich gerade durch die Leserbewertungen in einer meiner letzten Geschichte erfahren müssen, dass man z.T. meine eigentlich „unbegründete“ (meint man!) Einstellung zum E-Automobil überhaupt nicht versteht. Da habe ich dann – wirklich zufällig – heute gesehen, dass es einen Testbericht im Düsseldorf Handelsblatt zum Mercedes G 580 gibt, ein Fahrzeug, das man sicherlich der „EQ“-Strategie von Mercedes zurechnen sollte. - Da musste ich dann jetzt  – weil sich die Zusammenhänge einfach zufällig ergeben haben – eine Geschichte schreiben, deren Titel nur versteht, der schon mal in Foto und Video den jugendlichen 50er-Chef des Stuttgarter Konzerns bei Präsentationen erlebt hat.

„EQ“: Dazu „herr-lich“ passend – „weiße Sneaker“!

Ola Källenius,Vorsitzender des Vorstandes der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart, hat es der Presseabteilung für eine aktuelle Presse-Information gerade noch mal in die Notizbücher diktiert:

„Vor 140 Jahren haben wir mit der Erfindung des Automobils die Welt verändert. Dieser Pioniergeist ist nicht nur unser Erbe – er treibt uns bis heute an, die begehrenswertesten Autos der Welt zu bauen. Die größte Produktoffensive in der Geschichte ist der beste Beweis dafür und zeigt, was Mercedes-Benz ausmacht: führende Ingenieurskunst, modernste Technologien und kundenorientiertes Design.“

Spricht er nun von den „Verbrennern“, mit denen wir – nach heutigen Vorstellungen – die Welt zum Negativen hin verändert haben? - Vielleicht bezieht sich seine Feststellung zur „größten Produktoffensive“ aber auch auf die E-Automobile seiner Firma und oder – nun – seiner neuesten  Idee zum Produktschwenk.

Da schlage ich dann gerne mal beim „Handelsblatt“ nach, was man dort aktuell nach dem Test eines Mercedes G 580 als ein gutes Beispiel für die Steigerung von „groß“ zum „noch größer“ so empfunden hat. - Mit des Testers eigenen EQ. 

  • Dieser Mercedes muss nämlich darauf in seiner Typenbezeichnung verzichten.

Aber ich komme eigentlich beim Leseversuch nicht weiter als bis zur Ankündigung, weil man – wenn ich das richtig empfunden habe – eine „Paywall“ (in diesem Fall eine „Aboschranke“) vorgeschaltet hat. - Der Vorspann ist aber so formuliert:

„Vier Motoren, über drei Tonnen Leergewicht und vollelektrisch. Der Mercedes G 580 ist ein Meisterwerk der deutschen Ingenieurskunst und trotzdem kein Erfolg. Wie konnte es so weit kommen?“

Damit sind wir dann schon beim eigentlichen Problem:

  • Mercedes schafft sich seine Probleme selber, weil man scheinbar die Orientierung verloren hat!

Man ist modern unterwegs. Mit großem theoretischen Wissen glaubt man zu wissen, was politisch richtig ist:

 Der Frauenanteil im Vorstand ist hoch, man verzichtet auf Prospekte, hat sich von den Werksniederlassungen weitgehend getrennt, hat die Produktion von Taxis eingestellt, man hat voll auf „EQ“ gesetzt, das heißt auf eine „Elektro-Evolution“, mit der man wohl „Elektro-Grenzen“ überwinden wollte. - Und natürlich setzt man auf „Premium“, Luxus. - Und die „passenden“ Preise!

  • Das kam auch sicherlich bei der Politik sehr gut an! - Aber auch bei den möglichen Käufern?

Schon in den Jahrzehnten voher hatte man immer wieder versucht, scheinbar natürliche „Grenzen  zu verschieben“. Leider nicht immer die richtigen. Man hatte sich um mehr Bedeutung im Markt zu erlangen, auch Hersteller von „weißer Ware“ aufgekauft, hatte später mit Chrysler „eine Hochzeit im Himmel geschlossen“. - Aber immer Verluste in Milliarden-Höhe hinnehmen müssen.

Aktuell hat man neue Grenzen geschaffen, mit Milliarden-Aufwand die Firma gesplittet, neu ausgerichtet. Man hat getrennt,was eigentlich zusammen gehört, weil es sich auch wirtschaftlich ergänzt. Aber das war nicht die Leistung eines einzelnen Spitzen-Managers, denn das bedurfte einer langen Vorbereitung und damit einem Teamwork von Gleichgesinnten.

  • Man hat bei allen strategischen Überlegungen leider den Kunden – den Menschen – als eigentlich wichtigen Ansprechpartner aus dem Auge verloren! - Wie von Mercedes-Kunden hört, findet sich aktuell auch kaum noch jemand in der „Zentrale“, der sich für irgendetwas verantwortlich fühlt. - Der Kunde wird durchgereicht! - Und fühlt sich verlassen!

Als gelehriger Schüler der Manager-Schmiede in St. Gallen hatte der neue Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Automobilherstellers, in der Theorie perfekt gerüstet, erst noch seine Erfahrungen mit der Praxis machen müssen. Nachdem er seine Führungsaufgabe bei Mercedes übernommen hatte. 

  • Ein Schnelldurchlauf, der Ola Källenius die Praxis lehren sollte, hat da nicht genügt.

Seine Vorstellung von Premium hat er zwar bei der Preisgestaltung umsetzen können, hatte damit aber nur direkt „nach Corona“ Erfolg. Er hat lernen müssen:

  • Mit einem Premium-Angebot kann man per Saldo nicht Premium verdienen, wenn man nicht Premium verkauft!

Man sollte auch nicht mit Rekord-Rückrufen brillieren. Das festigt nicht das Vertrauen der Kunden!

Einer meiner Leser stellte nach dem Lesen einer meiner letzten Geschichten, nachdem er vorher versucht hatte, alle Schrittmotoren in einer aktuellen Mercedes S-Klasse zu zählen, dann - quasi als Kommentar dazu - in einer Zusammenfassung fest, was dann hier exakt hinpasst:

„...auch die E- Klasse hat natürlich über 100 solcher kleinen Schnurrer, die uns zum Drückeberger machen, der wegen Muskel und Hirnverkümmerung dringend ein Fitnessstudio, bzw. eine Künstliche Intelligenz aufsuchen sollte.  Oder man sagt einfach, man habe einen EQ von so und soviel und ergänzt diesen durch die Kw Zahl, multipliziert mit der Anzahl der Elektromotoren.“

Gerechter Weise kann ich hier den Hinweis eines anderen Lesers auf einen Fehler von mir in dieser Geschichte erwähnen. Er machte mir deutlich, das ich übersehen habe, dass der Einsatz eines Bremslichts durch die Verordnung „ECE R13-H“ geregelt ist. Dort ist dann u.a. zu lesen, dass, wenn bei der Rekuperation eines E-Automobils die Bremsleistung einen gewissen Wert übersteigt, die Warnung der nachfolgenden Verkehrsteilnehmer durch Aufleuchten der Bremsleuchten gesetzlich vorgeschrieben ist. - Es heißt an der entsprechenden Stelle in der Verordnung:

...“ >1,3m/s² muss die Bremsleuchte angesteuert werden.“

Das habe ich leider übersehen! - Aber nun verstehe ich auch, warum gerade bei E-Automobilen in Kurven – leider – sehr, sehr oft die Bremsleuchten den Hinterherfahrenden warnen.

  • Ich habe schon vor fast77 Jahren in der Fahrschule gelernt: Man bremst nicht in der Kurve!

Ich versuche mir vorzustellen was passiert, wenn ich mit einem 3,1 Tonnen schweren Mercedes G 580 in einer glatten Bergab-Kurve (Eis, Schnee, Schneematsch) z.B. hier in der Eifel unterwegs bin und nicht bedacht habe, das ich mit diesem Fahrzeug am Kurveneingang deutlich langsamer sein muss, als am Kurvenausgang, weil sonst – bei einsetzender Rekuperation, weil der rechte Fuß vom rechten Pedal genommen wurde – nicht nur die Bremsleuchte warnt, sondern ich bei einer Bremsleistung von >1,3m/s2 - bei einer Rechts-Bergab – mit 3,1 Tonnen unkontrolliert in den Gegenverkehr rutsche.

Der Leser bedauert übrigens, dass beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg keine Statistik zu Fahrzeug-Gewichten – wegen des von mir  erwähnten deutlich höheren Gewichts der E-Automobile - zu finden ist.

Während ein anderer Leser bei mir gerne Hinweise auf wissenschaftliche Untersuchungen und -Ergebnisse gefunden hätte. - Dazu meine Anmerkung:

    • Meine Informationen, Berichte und Meinungen sind niemals an wissenschaftlichen Untersuchungen orientiert, sondern orientieren sich immer an der Praxis, die leider nicht immer den so genannten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht, die leider oft – warum eigentlich? - politisch orientiert sind.

Aber geradezu weltfremd waren die Entscheidungen bei Mercedes, mit denen man die Richtung des Automobilbaus und dessen Wertung getroffen hat. Natürlich sind – waren? - die modern und fortschrittlich, aber passen leider weder zur Einstellung möglicher Käufer, noch sind sie überhaupt an den Ansprüchen normaler Menschen orientiert. 

  • Was dann die Werksparkplätze der Stuttgarter zu einem Demonstrationsort machen, an dem sich festmachen lässt, welche Art von Automobil – zu welchem Preis (!) - der Automobilkäufer von heute vornehmlich erwartet!

In der aktuellen Mercedes-Presseinformation macht man die eigenen Leistungen an folgenden Merkmalen fest, die man für die eigenen Produkte in Anspruch nimmt:

  • Qualität
  • Sicherheit
  • Komfort und Fahrerlebnis
  • Design
  • Lifestyle und Kultur

Nachdem Mercedes inzwischen bei den Rückrufen eine Spitzenposition in Europa einnimmt, darf „Qualität“ in diesem Zusammenhang in Frage gestellt werden. Ein Automobil wird aber wegen seines Funktionierens gekauft – und ein positives Fahrerlebnis kann es nur vermitteln wenn es zuverlässig läuft.

Bei allen der modernen – mit Sicherheits-Assistenten überfrachteten - Modellen scheitert das allein schon daran, dass man sie sich schon aufgrund der etwas abgehobenen Preisgestaltung erst gar nicht kaufen kann! Bei Mercedes sollte man zunächst einmal wieder auf den Boden der Realität zurück finden.

  • Vorstellbar ist, dass das sogar inzwischen der Wunsch der Aktionäre sein könnte, die keine Freunde von großen Gewinneinbrüchen sind!

Diese Vorstellung wird auch für die chinesischen Mitinhaber des deutschen Automobilherstellers zutreffen!

Vielleicht sollte man in Stuttgart die „weißen Sneaker“ wieder gegen solides Schuhwerk tauschen!

MK/Wilhelm Hahne
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