„Je oller – je doller!“ - Fundstück #1 aus 2000:

"Der Markenwert wird bei Firmenverkäufen immer wichtiger", schreibt das "manager-magazin". Warum man dann u.a. als Beispiel BMW und deren Bemühen um einen besseren Markenwert zitiert, ist Kennern eigentlich unverständlich. Denn wer will schon BMW verkaufen? Die Familie Quandt nicht. Da gibt es eindeutige Statements. Und trotzdem macht sich so jeder seine Gedanken. BMW auch solche um die Verbesserung seines Markenwertes. Da hat man James Bond gerne genutzt. Oder besser: den neuen James Bond-Film, der schon für Jugendliche ab 12 Jahre zugelassen ist. Obwohl doch der BMW Z 8, den 007 u.a. als Dienstwagen nutzt, eigentlich ein "scharfes Auto" ist. BMW war in der Verbreitung der Geschehnisse um den Einsatz des BMW Z 8 in dem neuen 007-Streifen so wahrhaft, wie man sich auch in letzten Wochen und Monaten - mit Rücksicht auf die Börse z.B. - (oder aus anderen "Rücksichten") verhalten hat. Im Falle des BMW Z 8 im James Bond-Film wahrscheinlich, weil man wahrscheinlich an einem "geldwerten Sympathiegewinn" zur Verbesserung des Markenwertes interessiert war. - Doch alles war ein wenig anders. Im Film wurden wir "gefilmt"!

James Bond wurde geschüttelt und war nicht gerührt

Es war kein Zufall, dass bei den Testfahrten mit Vorserienmodellen des BMW Z 8 oftmals auch zu Vergleichszwecken eine Chevrolet Corvette genutzt wurde. Immerhin handelt es sich um einen im Konkurrenzumfeld des BMW Z 8 interessanten Sportwagen. Und er kostet - verglichen mit dem BMW Z 8 - nur ungefähr die Hälfte. Während er von der Leistungsfähigkeit her... -

Hier werden dann die Meinungen geteilt sein. Immerhin spielt auch das Image eines Automobils eine Rolle. Ein Ferrari ist eben ein Ferrari. Ein BMW ist ein BMW. Und ein Chevrolet ist ein Chevrolet. Auch wenn es die Corvette unter diesem Markennamen zu einem Sonderstatus bei Liebhabern gebracht hat.Aber verglichen mit einem BMW V8-Motor ist natürlich der V8-Motor der Corvette ein richtiger "Bauernmotor". Hier steht intelligenter Motorenbau in Leichtmetall gegen die scheinbar unverwüstliche Power des GM-Schwermetall-Motors. Wer aber einmal eine Corvette gefahren hat, der wird diesen Sportwagen ernst nehmen. - Auch James Bond. Obwohl der gar keine richtige Corvette gefahren hat. - Aber... -Als die Produktionsfirma EON mit dem Film "Die Welt ist nicht genug" (deutscher Titel) begann, da gab es den BMW Z 8 noch gar nicht in fertiger Form. Aber es gab einen Vertrag zwischen den Münchnern und der Filmfirma. Bei BMW gab es aber Zeichnungen, Conceptcars, Tonmodelle - und die feste Absicht, über den James Bond-Film den BMW Z 8 ins Gespräch zu bringen. Und für BMW den Markenwert zu erhöhen.Und kleine Lügen sind da schon mal erlaubt. Wenn James Bond die Lizenz zum Töten hat, hat BMW die Lizenz zum Schwindeln. - Und wenn nicht, so kann man doch immerhin so tun... - Und wem tut man weh? Und wer wird schon übel nehmen, wenn man so tut, als wenn man... -Also BMW hat noch keinen Z 8, braucht aber einen, weil es doch einen Vertrag gibt, nach dem BMW einen Z 8 hat. Damit James Bond ein Spielzeug hat. - Das ist der Moment, wo 007 normalerweise zum Martini greift. Aber EON, die Produktionsfirma, griff zum Special Effects Supervisor Chris Corbould. Was ein Gauly für Quandt, ein Gaul für BMW, ist ein Corbould für EON. Und EON für 007. Nur auf andere Art.

Gauly erzählt was von ihm erwartet wird, Gaul das, von dem er annimmt, dass es seiner Firma hilft, aber Corbould erzählt nicht, sondern greift zum Schweißgerät und fügt zusammen, was seiner Firma hilft. Und BMW auch.

Und so entstand auf der Basis eines Ford Cobra-Rohrrahmens und unter Verwendung eines 5,7 Liter Chevy-Motors ein Automobil, das aussah wie ein BMW Z 8. BMW hatte dazu die Scheinwerfer, den Kühlergrill, die Räder und die Markenzeichen geliefert. Außerdem hatte man Abgüsse vom Tonmodell des Z 8 machen lassen und fertigte die Teile aus Kunststoff nach. Alles musste ja nicht ewig halten. Nur für den einen Film. Und nicht für alle Szenen.

Dieser Film-Z 8, der kein BMW war, verbarg unter seinem Filmkleid noch weitere Fremdteile. Das Fünfganggetriebe kam von Tremec, die Hinterachse ist eigentlich bei einem Jaguar zu finden. Und mit damit hoppelte dann James Bond durch die Filmgeschichte, "Die Welt ist nicht genug". BMW hatte sich rührend um den Z 8 bemüht, aber 007 wurde nun geschüttelt.
Aber nicht überall kam dieses Film-Auto, dieser Z8, der so wenig ein Z 8 war, wie eigentlich 007 James Bond ist, zum Einsatz. Viele der Aktionszenen wurden mit ferngesteuerten 1:4-Modellen gedreht. Alles perfekt gemacht. Alles wirkt wie echt. Was war denn nun die Miniatur, was der Nachbau? - Wo ist der Unterschied zwischen Gaul und Gauly?

Alles Show. - Im Film aber nicht wirklich alles. Noch vor Drehende konnte BMW dann tatsächlich noch drei BMW Z 8-Prototypen liefern, die man dann für die Detailaufnahmen, die 007 am Steuer des Z 8 zeigten, gebrauchte. Und ein perfekter Schnitt sorgt dann dafür, dass die Mischung aus Miniatur, Nachbau und Protoyp den Eindruck erweckte, als sei James Bond, 007, wirklich mit einem BMW Z 8 im Film unterwegs gewesen.
BMW hat es so vermeldet. die Presse hat diese "Wahrheit" verbreitet. Und in vielen "ersten Fahrberichten" über den neuen BMW Z 8 wurde der Leser daran erinnert, dass schließlich auch James Bond... - Zur Sicherheit wurden die Z 8-Replicas von BMW in den Shredder geworfen. Weil die Wahrheit doch Wahrheit bleiben muss. Wie im Film.

Und BMW hat die Wahrheit genutzt. Selbst seriöse Analysten und Beratungsunternehmen sind auf den "kleinen Scherz" von BMW hereingefallen. Man kann schließlich nicht immer auf den 1. April warten. Für BMW scheint in letzter Zeit oft 1. April zu sein. BMW hat immer einen Gaul zur Hand, der die Scherze unters Volk bringt. Oder auch schon mal eine Einstweilige Verfügung. Obwohl dadurch 1. April-Meldungen auch nicht zur Wahrheit werden. Aber man kann doch so tun, wie man es auch in dem Film "Die Welt ist nicht genug" tat. Und die Welt hat es geglaubt. - Also wird es die Wahrheit gewesen sein.

Schließlich ist auch in der letzten Ausgabe des "manager magazin" zu lesen: "In einem Punkt sind sich immerhin alle BMW-Tester einig: Die Z8-Manöver von James Bond haben der Marke geldwerte Sympathiegewinne beschert." Wobei dort dargestellt wird, das nun ein so ehrenwertes Beratungsunternehmen wie Interbrand den reinen Markenwert von BMW (ganz ohne alles andere, ganz nackt) auf 11,3 Milliarden Dollar schätzt.
Ein Wert der mit Hilfe des kleinen Schwindels um James Bond erreicht wurde. Stellt "manager magazin" fest. Und wofür braucht man einen hohen Markenwert? - Weil Quandt BMW niemals verkaufen würde. - Da wiehert das Pferd und der Gauly freut sich.

Und James Bond greift zum Martini. - Aber zur 1,5 Liter-Flasche. Weil es ihn schüttelt. - Und er ist gar nicht gerührt.

MK/Wilhelm Hahne

Für unsere Filmfreunde  – aktuell in 2022 – noch ein paar ergänzende Informationen: „Die Welt ist nicht genug“ (Laufzeit 2 Std. 8 min.) mit Pierce Brosman in der Hauptrolle, war der 19 Film der EON in einer Reihe von 007-Filmen die von 1962 (1. Film) bis 2021 (25. Film) reicht. Im ersten „007“ war der Hauptdarsteller im Bentley unterwegs. In der Mehrheit kamen Sportwagen der Marke Aston Martin zum Einsatz. Aber schon in „Der Morgen stirbt nie“, der 18. Produktion,  gab es einen BMW 750iL und eine BMW R1200C zu sehen. - Wie dann der BMW Z 8 im nächsten Film entstand, haben Sie gerade gelesen. - Regisseur dieses Films war übrigens Michael David Apted, der am 7. Januar 2021 in Los Angeles, 79jührig, gestorben ist. - Damit die Produktionskosten für „Die Welt ist nicht genug“ nicht unterschlagen werden: 135 Millionen Dollar!

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