„Ich hoffe, wir können eine gute Show bieten!“

Um das - praktisch vorab – klar zu stellen: Ich möchte zur Abwicklung des 50. 24h-Rennens, dem Jubiläums-Rennen am Nürburgring, kein Buch schreiben, sondern nachstehend nur ein paar – vielleicht nachdenklich machende – Anmerkungen zur eigentlichen Veranstaltung machen. Als Tim Heinemann bei NITRO hoffte, was hier zum Titel der Motor-KRITIK-Geschichte wurde, hatte er für seine Person eigentlich schon diesen Anspruch erfüllt. Was dann – wie ich erklären möchte – auch ein bezeichnendes Licht auf die meist hochgelobte – und überteuerte (!) GT3-Konkiurrenz wirft. - Auch andere Dinge waren am Nürburgring sicherlich überteuert. Es fehlten auch einige „Show-Einlagen“. Aber überall war die Hoffnung zu spüren:

„Ich hoffe, wir können eine gute Show bieten!“

 „SIM-Tim“ (Heinemann) hatte seine Hoffnung zum Zeitpunkt seiner Aussage bereits umgesetzt. Er hatte im Top-Qualifying seine KTM X-Bow GT2, in der Klasse SP-X gemeldet, gut im Vorderfeld der GT3 platziert und startete so schon in der 1. Startgruppe von Platz 20. Seine Zeit: 8,13,095 min!

Damit hatte Tim Heinemann  eigentlich nicht nur die „BoP“ ein wenig bloßgestellt, sondern auch die GT3-Konkurrenz!  Die „BoP“ bremst das Fahrzeug gegenüber der eigentlichen Serienausführung (Audi 2,5 l-Fünfzylindermotor) um rund 75 PS auf 525 PS ein und schreibt eine Erhöhung des Mindestgewichts um 237 Kilogramm (!) auf 1.285 kg vor. Das geschieht wohl, um das Ansehen der teuren und hubraumgroßen Sechs-, Acht-, Zehn- und 12-Zylinder GT3 nicht zu gefährden, deren Mindestgewicht auch um 1.300 kg liegt.

  • Tim Heinemann ist trotzdem gelungen, was in seiner Wertigkeit vom „normalen – uninformierten - Zuschauer“ kaum begriffen werden kann, weil ihm solche Details vorenthalten werden!

Im Rennen lief dann allerdings einiges schief, was aber die fahrerische Leistung dieses Mannes nicht schmälert, der bei NITRO nicht versäumte darauf hinzuweisen, dass er aus der SIM-Racer-Szene kommt. Was aber nichts beweist! Andere junge Fahrtalente könnten z.B. sicherlich darauf aufmerksam machen, dass sie aus der LEGO-Szene kommen oder jeden Morgen ein NUTELLA-Brot essen. Wenn man sie denn bitten würde, mal ihr motorsportliches Talent zu erklären.

  • Fahrtalente gibt es in allen „Szenen“! - Nur werden nicht alle „entdeckt“!

Im Falle der KTM X-Bow GTX, wie das Fahrzeug in den „BoP“-Vorschriften bezeichnet wird, wurde das Serienfahrzeug durch – aus meiner Sicht – „irre Auflagen“ eigentlich allein schon durch die Gewichtsvorschrift zu einem gefährlichen Sportinstrument, denn alle Fahrwerkteile sind für eine Gewichtsbelastung von 1.048 Kilogramm ausgelegt. Durch die „BoP“-Mehrbelastung des Fahrwerks um fast 23 Prozent (!) des Seriengewichts, das sich bei den auf der Nordschleife auftretenden Querbeschleunigungen noch potenziert, beschwört der Veranstalter mit Zustimmung des DMSB eine Unfallgefahr herauf, die aus meiner persönlichen Sicht unverantwortlich ist!

Und wenn die Nürburgring 1927 GmbH als Besitzer der Tankstellenanlage beim Rennen pro Liter Super-Plus deutlich mehr als drei Euro kassiert, so dient das sicherlich weniger der Sportförderung, sondern primär dem Umsetzen von Profitdenken eines Rennstreckenbesitzers, der hier seine Monopol-Situation schamlos ausnutzt. (Ausnutzen lässt?) Wie wenig man sich dabei wohlfühlt, ist der Tatsache zu entnehmen, dass er an allen Tanksäulen die Preisanzeige überklebt hatte.

Weil zufällig die letzte in diesem 24h-.Rennen ausgesprochene Strafe den letzten Tankvorgang (15:32 Uhr) des Gesamtsiegers betrifft, indem dabei auf einen

„Verstoß gegen Artikel 19.1 Sportliches Reglement der Veranstaltung (Ausschreibung“

hingewiesen wird, was dann zu einer Zeitstrafe von 32 sec für den Teilnehmer und einer Geldstrafe für den Bewerber von 5.000 € führte, sei hier aus der Ausschreibung kurz der betreffende Abschnitt zitiert:

„19.1.4
Mit Ausnahme von Turbofahrzeugen müssen sämtliche Fahrzeuge den Motor beim Boxenstopp/Tanken abstellen. Für Fahrzeuge mit Turbo Motoren wird dies dringend empfohlen.“

Da der Audi V10-Motor ein Saugmotor ist, war das Wettbewerbsfahrzeug mit der Start-Nr. 15 sicherlich davon betroffen. Ab wo steht, dass das Fahrzeug vor Abschluss des Tankvorgangs nicht wieder gestartet werden darf? Zumal das Betanken von Fahrzeugen mit Turbomotor mit laufendem Motor zugelassen ist!

Ich persönlich verstehe darum nicht, wenn es in der offiziellen Begründung der Sportkommissare heißt:

„Die Sportkommissare sehen es nach der Anhörung als bewiesen an, dass der Boxenstopp nicht in allen Teilen in Übereinstimmung mit den dafür vom Veranstalter in der Ausschreibung erlassenen Bestimmungen erfolgte.“

Wenn der Veranstalter der Meinung ist, dass man Saugmotoren nicht vor Abschluss des Tankvorgangs starten darf, warum hat er das dann nicht in der Ausschreibung geschrieben? Und wenn er in der Formulierung einen Fehler gemacht hat: Warum hat der DMSB diesen Fehler vor Genehmigung der Ausschreibung nicht korrigiert?

  • Motor-KRITIK-Meinung: Eine Ausschreibung ist in allen Teilen zwar ernst – aber auch wörtlich zu nehmen!

So aber sieht diese Entscheidung mehr wie eine Unterstützung des DMSB aus, der diese 5.000 Euro wohl dringend braucht!

Es wäre sicherlich mehr zur Durchführung dieses „Event“ über vier Wochentage zu sagen, bei der  die Zuschauer z.B. auf die angekündigten zwei Läufe zur FIA WTCR verzichten mussten, ohne dass eine Minderung des Eintrittspreises erfolgte. 230.000 Zuschauer an allen vier Tagen? - Ehrlicher wäre gewesen, wenn man die Zahl der verkauften Eintrittskarten vermeldet hätte.

Über die Anmerkung der NITRO-Kommentatoren, dass am „Brünnchen“ allein 25.000 Zuschauer standen, dass die 230.000 Zuschauer insgesamt 7 Tonnen Pommes Frittes und 80.000 Bratwürstchen verzehrten hat mich eher amüsiert. Es waren wohl überwiegend Veganer vor Ort, die sich dann auch hoffentlich „nachhaltig“ verhalten haben. - Oder sucht man nach einem Grund, für 2023 das Mitbringen von Proviant und Getränken zu verbessern?

MK/Wilhelm Hahne

PS: Wie viel Fahrzeuge unter strahlend blauem Himmel in der Startaufstellung zu finden waren, dass ein Audi vor zwei Mercedes siegte und die CD des Veranstalters (wohl schon älter) beim Abspielen der deutschen Nationalhymne zur Siegerehrung hängen blieb, mögen meine Leser den aktuellen Tageszeitungen entnehmen. - Übrigens: Wie ernst der Veranstalter seine eigene Ausschreibung nimmt, war auch der Tatsache zu entnehmen, dass die ersten Drei in der Gesamtwertung am Ende des Rennens keine Ehrenrunde drehten!

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