2021-10

VLN-/NLS-Lauf # 9 aus der Sicht eines Betroffenen!

Es gibt Leser, die finden meine generelle Kritik an den aktuellen VLN-/NLS-Veranstaltungen „etwas überzogen“. Das drückte sich auch z.B. in der Bewertung des Inhaltes meiner Geschichte über den Lauf # 9 der Nürburgring-Langstreckenserie, des „PAGID Racing 45. DMV Münsterlandpokal“, am 9. Oktober 2019 aus, die durchaus schon mal deutlich gegen „4“ tendierte, bevor sie sich – über die Vielzahl von Bewertungen – inzwischen bei „4,8“ eingependelt hat.

  • Es gibt schließlich auch Leser, die aus welchen Gründen auch immer, Kritik nicht mögen! - Alles ist gut?

Motor-KRITIK hat gerade die „Bewertung“ dieses Laufes durch einen Teilnehmer erreicht, der sich natürlich im Detail – aus eigenem Erleben – zu diesem VLN-/NLS-Lauf äußern kann. Ich möchte daraus nur satzweise zitieren, weil so die Kritik – nicht unbedingt nur an dieser Veranstaltung der Serie, sondern an der Serie grundsätzlich – auch deutlich wird.

  • So wird sie vielleicht auch eher gelesen, da so auch das Lesen weniger Zeit beansprucht! - Hoffentlich wird das auch verstanden und an „richtiger Stelle“ darauf richtig reagiert!

Um die Besonderheit der Darstellung zu betonen, habe ich sie in den sieben Regenbogen-Farben gestaltet, die – hoffentlich nicht nur von mir – irgendwie als positiv empfunden werden!

„Die ‚Generation Playstation‘ hat schon seit ein paar Jahren Einzug in den Nürburgring VLN Sport (‚Breitensport‘) gehalten. Aber es war am Wochenende einmal mehr von vielen kleineren Teams und Fahrern zu hören, dass die Herren ‚Profi Wochenende #Paydriver“‘ keinen Respekt mehr auf der Nordschleife haben.“

„Trotz nur 118 Teilnehmer waren mindesten 25 Fahrzeuge so schwer verunfallt, dass sie aus eigener Kraft ohne Schleppwagen nicht in Box gekommen wären, weil irgendwelche Radträger oder Karosserieteile in großen Massen fehlten.“

„Dazu kommt, dass sich die Verantwortlichen rund um die Veranstaltergemeinschaft so aufstellt, dass man den Eindruck hat, man schafft sich selber ab. Das war eine der am schlechtesten organisierten VLN Rennen, die ich je erlebt habe.“

„Wenn die Strecke nicht so schön wäre, die Marshalls nicht so einen tollen Job machen würden , der eine oder andere Helfer, Streckensprecher oder Clubausrichter so nett wären, bräuchte man dieses Prollgehabe und die Machtspielchen schon lange nicht mehr.“

„Darüber hinaus kommt noch dazu dass seit nunmehr einem Jahr während der kompletten Veranstaltung permanent Leitplanken repariert werden oder die kaputten GT3 Autos über die Strecke bis in die Box gebracht werden, was dazu führt , dass ein reguläres Rennen nicht mehr zugelassen wird.“

„ 115 Fahrzeuge im Rennen und bis Runde 10 keine freie Runde, da sollten sich die Herren mal fragen ob, das noch normal ist.“

„Wenn ich nicht 14 Tage vorher in Belgien an einem Rennen teilgenommen hätte und selbst erleben durfte wie schön Motorsport ist und auch mit Leidenschaft für den Teilnehmer ausgerichtet wird und auch vom Veranstalter in der Belcar betrieben wurde, würde ich sagen: Es gibt den echten Motorsport nicht mehr.“

„Doch es gibt ihn, nur nicht mehr im Geld- und Geltungswahn der Veranstalter mit ihren Profi-Rennauslegungen, ihrer (…) so benannten Breitensportserie VLN.“

„Wahrscheinlich sind anschließende Touristenfahrten den Verantwortlichen viel wichtiger als normale Autorennen.“

„Danke auch an den Rennleiter, der Fragen ungern beantwortet und dir das Gefühl nach so einem schweren Unfall gibt, eher ein lästiger Gast zu sein.“

„Ich habe aktuell nicht das Gefühl, dass die VLN Organisation merkt, dass man ohne Teilnehmer keine Rennen veranstalten kann.“

  • ENDE der Teilnehmer-Kritik! -Muss ich mich jetzt dafür entschuldigen, dass meine „Motor-KRITIK“ so zahm war?

Aber kann meine Darstellung hier in Motor-KRITIK wirklich – auch über die Saison 2021 betrachtet - so falsch sein, wenn sich einer der Teilnehmer in der oben dargestellten Art zum letzten Lauf einer „Breitensportserie“ – die sie einmal sein sollte (!) - so äußert?

Motor-KRITIK liegt übrigens die Äußerung des Teilnehmers im Original (eine e-Mail an Motor-KRITIK) schriftlich vor. - Es wurden nur Tippfehler korrigiert oder durch entsprechende Zeichenzuordnung die Lesbarkeit der Darstellung erleichtert. - Die ganz persönlichen Erlebnisse wurden ausgeblendet!

MK/Wilhelm Hahne
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Beispiel NLS 9: Motorsport mit Alibi-Funktion?

Im Vordergrund aller geschäftlichen Bemühungen muss immer – so fordert auch das Finanzamt – immer die Absicht stehen, damit Geld zu verdienen. Auch am Nürburgring meint man es ernst damit. Man möchte auch den Motorsport zu einem „Goldesel“ machen. Wenn das schon nicht so schnell möglich ist, so muss der in einigen Fällen dann als Alibi dienen, in dessen „Schatten“ man dann abkassieren kann. Das fällt vor allen Dingen jenen Mitarbeitern leicht, die keinen Bezug zum Motorsport und dessen System entwickelt, die auch nicht verstanden haben, wie inzwischen der  „moderne Motorsport“ funktioniert. Eigentlich sollte man schon für „feine Unterschiede“ ein Gefühl haben. Das kann sich aber nur mit „Erfahrung über die Zeit“ in einer „Branche“ wie den Motorsport entwickeln. - Dumme Frage: Wer hat am Nürburgring schon Erfahrung im Motorsport? - Außerdem scheint es im Moment in allen Branchen – auch Sportarten – nur einen „Heiligen“ zu geben: Das ist der Euro! - Das ist also nicht nur im Motorsport der Fall, sondern auch z.B. in der Politik, die inzwischen mehr und mehr zu einem „Selbstbedienungsladen“ verkommt, aber auch in der Automobilindustrie, wo nicht nur der „Diesel-Skandal“ mit dem bandenmäßigen Verhalten aller Beteiligten als – negatives – Beispiel dienen kann. - Aber bleiben wir doch einfach mal beim…

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Touri-Fahrten: Chaos ohne Lehren daraus zu ziehen?

Es hat während der „Touristenfahrten“ auf der Nürburgring-Nordschleife am 4. Oktober einen schweren Verkehrsunfall gegeben, der nicht nur einen Toten forderte, sondern auch neben –   hoffentlich auszukurierenden Verletzungen bei einigen in den Unfall verwickelten Personen - auch bei mehr als zehn – zufällig - Unfallbeteiligten einen erheblichen Sachschaden hinterließ. - Wie vieles im Leben lässt sich das Ausmaß des Unfalls durch „eine Verkettung einiger unglücklichen Zufälle“ erklären. Er hat aber eine Basis, so dass ein solcher – oder ähnlicher Unfall – eigentlich zu erwarten war. Wie klar das auch z.B. bei der Polizei war, geht daraus hervor, das der Unfallbericht nicht – ich habe in meiner Geschichte vom 5. Oktober darauf hingewiesen – von der PI Adenau, die den Unfall aufnahm, nicht von der Polizeidirektion Mayen, die sonst „normalerweise“ informiert, sondern vom Polizeipräsidium Koblenz veröffentlicht wurde. - Nun hat es am vergangenen Sonntag wieder eine Reihe von Unfällen – darunter durchaus „böse“ – auf der Nürburgring-Nordschleife während der „Touristenfahrten“ gegeben. Bei der Schwere z.B. dreier Überschläge, darf man von einer Einschaltung der Polizei ausgehen. Man muss aber eine „sensible“ Behandlung dieses Themas registrieren. - Von der veranstaltenden Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG und der Polizei zum Beispiel. - Weil diese Unfälle nicht „in die politische Landschaft“ passen? Sie gefährden offensichtlich das Bild, dass man (alle Beteiligten?) von der „guten Situation“ am Nürburgring insgesamt – darzustellen versucht. - Darum möchte Motor-KRITIK hier auch zu der erneuten Unfall-Serie, die inzwischen offenbar als Normalität empfunden – oder jedenfalls so dargestellt wird - nach ein paar Schilderungen von persönlichen Eindrücken zu den Vorfällen am Sonntag als notwendige Zusammenfassung die Frage stellen:

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Doppel-Pack: Gute deutsch-russische Zusammenarbeit!

Nachdem der Massencrash während des „Touristenverkehrs“ am Nürburgring schon die Medien beschäftigt, weil so auch die Kehrseite einer wirtschaftlich interessanten Lösung verdeutlicht werden kann, muss man natürlich in der Geschäftsführung des verantwortlichen Veranstalters „gegen halten“. Das funktioniert auch – so weit ich das beobachten kann – eigentlich gut, da man „oben am Ring“ das politische Mainz – samt „Weisungsempfänger“ – in der Grundeinstellung hinter sich weiß. Das ist auch besonders den Öffentlich-Rechtlichen klar, die mit ihren gerne vorgenommenen Gebührenerhöhungen von der Politik abhängig sind und schon mal unter diesem Druck „automatisch“ wie „Weisungsempfänger“ reagieren. Darum habe ich z.B. die Berichterstattung im SWR aufmerksam verfolgt, die im Hörfunk mehr von „dpa“ bestimmt war, aber beim Fernsehen am Dienstagabend mit einer Eigen-Berichterstattung glänzte. Da habe ich z.T. bei der Erstausstrahlung fast ungläubig zugehört und -geschaut, so dass ich dann – Stunden danach – noch einmal einen Blick in die „Mediathek“ geworfen habe, um meinen ersten Eindruck bestätigt oder widerlegt zu bekommen. - Das Ergebnis war beeindruckend und spricht für eine klare Haltung in Strategie und Umsetzung beim Veranstalter der „Touristenfahrten“. - Nicht aber für eine gute und dann aber auch zeitaufwändige (und teure!)  journalistische Recherche! - Es wurde verbreitet, was den Veranstalter der „Touristenfahrten“ scheinbar entlastet. In der „Mediathek“ musste man als interessierter Zuschauer dann sogar – aus „rechtlichen Gründen“ (?) - auf das Bild verzichten. Das alles ist zwar aus Sicht eines aufmerksamen Beobachters „ziemlich einfach gestrickt“ (mit „Luftmaschen“), es wird aber dabei helfen, eine breite Öffentlichkeit - vielleicht – „ruhiger zu stellen“. - Ausgenommen: Die  „heimischen Intim-Kenner“ der Realität. - Trotzdem bleibt festzuhalten:

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Toter am Nürburgring: „Super-GAU“ im Kerngeschäft!

Für den Besitzer, bzw. seine Pächterfirma am Nürburgring, bedeuten die „Touristenfahrten“ das Kerngeschäft. Da nimmt man dann jeden Euro mit. Am Montag, dem 4. Oktober war man zwar mit einer Track-Day-Veranstaltung bis 17 Uhr auf GP-Kurs und Nordschleife ausgebucht, aber weil viele „Touristenfahrer“ schon vor der Nordschleifen-Einfahrt „mit den Hufen scharrten“, hat man dann noch mal um 17:30 Uhr die Pforten für „Touristenfahrten“ geöffnet.

Nun sind die aktuellen „Touristenfahrten“ nicht mit denen von vor Jahrzehnten zu vergleichen. Heute ist  der Altersdurchschnitt der Fahrer bedeutend jünger, deren Ausrüstung – oft auch der Automobile – anders als die der „Touristenfahrer“ z.B. in den 70ern. - Auch da war ich mit meinen Testobjekten – Automobilen und Motorrädern – mitten dabei. Auch die Industrie testete damals im „Touristenverkehr“. - Kein Problem! - Heute wäre das nicht mehr möglich!

Seit vielen Jahren fahre ich nicht mehr über die Nürburgring-Nordschleife, weil es mir bei den „Touristenfahrten“ zu gefährlich geworden ist. Aus „Touristenfahrten“ sind inzwischen „Terroristenfahrten“ geworden. So werden sie von der einheimischen Bevölkerung nicht nur benannt, sondern auch als solche empfunden. - Sie werden auch vom Veranstalter in einer „modernen Art“ beworben:

„Der Nürburgring, die Grüne Hölle. Erlebe die legendäre Kultstrecke aus Deinem eigenen Visier. Hautnah.“

Visier? - Besteht etwa Helmpflicht? - Nein! - Man ist aber bei dem „Touristenfahrten“ aktuell oft entsprechend ausgestattet unterwegs. Während sich in früheren Jahren „Sportfahrer“ vor ihren schnelleren Runden erst einmal „warm fuhren“, ist man jetzt sofort „flat“ unterwegs. Die Rundenpreise sind auch heute deutlich höher. Da möchte man schon von den ersten Metern an etwas von seinen Euro haben! - Gib Gas – Ich will Spaß!

Damals in den 80ern nur der Titel eines deutschen Spielfilms, wird das heute am Nürburgring in die  Realität umgesetzt. Das führt zu Unfällen, die eigentlich vermeidbar wären! - Man verlangt selbst von routinierten Berufs-Rennfahrern vor dem Befahren der Nürburgring-Nordschleife heute eine besondere Ausbildung, weil es sich – angeblich – um eine besonders schwierige Rennstrecke handelt. Fahranfänger dürfen die bei den „Touristenfahrer“ ohne jede Anleitung befahren.

  • An einem Montag genügt es, dafür - Runde für Runde - 25 Euro zu zahlen!

Während der „Touristenfahrten“ gilt die Straßenverkehrsordnung. Sagt der Veranstalter. Aber das Verhalten der Touristenfahrer wird nicht überwacht. Auch die Polizei kommt nur, wenn sie gerufen wird. Von Seiten der Politik wird dieses Thema ga-a-a-anz vorsichtig behandelt. Schließlich ist man froh, dass man das Thema Nürburgring – irgendwie – „vom Hals hat“. - So wird Vieles „unter der Decke gehalten“!

Nun hat es gestern aber bei den „Touristenfahrten“ nicht nur Leitplankenschäden und bei den Automobilen verbogenes Blech gegeben, sondern auch einen Toten und eine Reihe von Verletzten. Bei einem Massen-Crash, offenbar ausgelöst durch einen Betriebsmittelverlust. Normalerweise wird so etwas unauffällig abgehandelt mit: „Unfall bei Posten 125.“

Mir war die Schwere des Unfalls klar, als ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene durch’s Dorf in Richtung Nürburgring über die B 258 fuhr und später dann mit den gleichen optischen und akustischen Signalen in Richtung Mayen (Krankenhaus) zurück fuhr. - Und man hörte einen Hubschrauber. - Sonst gab es keine Informationen, weil zur gleichen Zeit zufällig im Internet Chaos herrschte. - Das war erst um 1:26 Uhr – also am 5. Oktober - behoben.

Um 20:48 Uhr – am 4. Oktober -  wurde aber schon die Polizei-Meldung zum Unfall unter „Blaulicht“, einem Presseportal, das einem Unternehmen der „dpa“ zugerechnet werden muss, veröffentlicht. Die Meldung kam nicht von der Polizei-Inspektion Adenau oder der Polizei-Direktion Mayen, sondern direkt vom Polizeipräsidium Koblenz. Und praktisch alle danach erschienenen Presseinformationen, auch die erste - erschienen um 22.20 Uhr auf den Internetseiten von „Die Rheinpfalz“ - hatten eine entsprechende „dpa“-Meldung als Basis.

Ich habe heute am Vormittag die Staatsanwaltschaft am Nürburgring wahrgenommen, habe den Polizeihubschrauber registriert, der die Unfallstelle von oben fotografisch festgehalten hat, habe gehört, dass nun ein Gutachter eingeschaltet ist und weiß darum, dass ich ab sofort keine Detail-Informationen mehr zum Unfall erhalte – da ein „schwebendes Verfahren!

  • Seit 12 Uhr – heute Mittag – ist die Nordschleife aber wieder zum Befahren frei gegeben! 

Damit meine Leser, die mich bei dieser Berichterstattung sehr unterstützt haben, auch von mir – von Motor-KRITIK – eine Information erhalten, die sie sonst nirgendwo finden können, füge ich hier zum Abschluss dieser Geschichte ein Stück Ausschnitt-Foto ein, das einen Eindruck von dem vermittelt, was man gar nicht mit Worten schildern kann.

Wie es dazu kommen konnte, werden wir wahrscheinlich nie „ungeschminkt“ erfahren. Weil es wahrscheinlich nicht erwünscht ist! - Und Lehren wird man aus diesem schrecklichen Unfall wohl auch kaum ziehen. - Aber man wird sicherlich viele „schöne Worte“ finden!

Der Rubel muss schließlich rollen!

MK/Wilhelm Hahne
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„Stern“-Spaltung: Strategisch klug oder nur dumm?

Es kommt für die Betrachter immer auf die Position an, aus der sie die Entwicklung zu einer  Entscheidung erst beobachten, dann betrachten und schließlich bewerten. Dieser Eindruck entsteht bei Motor-KRITIK, wenn man die Reaktion der Öffentlichkeit beobachtet, die sich auch in der Berichterstattung der Medien wider spiegelt. Die Aktionäre haben z.B. auf der gerade erfolgten (virtuell durchgeführten) außerordentlichen Hauptversammlung des Daimler-Konzerns zu 99,9 Prozent der Zerlegung des Konzerns zugestimmt. Aus Motor-KRITIK-Sicht ist die Zustimmungs-Quote in diesem Fall „normal“, denn sie ist aus meiner persönlichen Sicht eigentlich ein Stück „Bauernfängerei“. Andere sehen das anders, weil ihre Position eine andere ist! - Wer weiß denn schon, ob nicht die Weiterführung einer – wieder aus meiner Sicht - „dummen“ Idee, nicht auch das Erreichen einer vertraglich vereinbarten Bonus-Zusage für den neuen Vorstandsvorsitzenden – oder wen sonst auch immer – eine Voraussetzung ist. - Aber eine breite Öffentlichkeit wird diese „Zerlegung“ des „Erfinders des Automobils“ wohl auch kaum als negativ empfinden, weil sie ihr sehr gut verkauft wird. - Zunächst in kleinen „Appetit-Happen“ über eine lange Vorlaufzeit! - Aktuell dann „unterfüttert“ mit schnell erscheinenden, von Entscheidern zur Trennung vorbereiteten Pressemeldungen, die dann – in unserem digitalen Zeitalter – auch schnell und ungeprüft via Nachrichtenagenturen von den Medien auf ihre Internetseiten durchgeleitet werden. - Gut gemacht! - Aber als Journalist mit einiger Branchenerfahrung muss man sich – wenn man jahrzehntelang speziell die Entwicklung in der Automobilbranche verfolgt hat – schon die Frage stellen:

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Jochen Mass wurde 75: Hat er alles richtig gemacht?

Wer auf mehr als 28.000 Tage seines Lebens zurück blicken kann, hat in seinem Leben offensichtlich kaum etwas falsch gemacht. Diese „Bewertung“ kann vor allen Dingen dann getroffen werden, wenn das Geburtstagskind den wichtigen „mittleren Teil“ seine Lebens als Rennfahrer verbracht hat und heute in einer schönen Gegend Frankreichs wohnt. Das war in jener Zeit, als er beruflich diesen Sport ausübte – wie man so schön sagt – „saugefährlich“. Jochen Mass hat in der damaligen Zeit einige seiner Freunde mit zu Grabe tragen müssen!

  • Es war eine andere Zeit im Motorsport, in der sich auch Menschen zu einer anderen Art Persönlichkeit entwickeln konnten, als das heute der Fall ist.    

Jochen war einer jener Fahrer, der um seine Grenzen wusste, aber auch die der Physik respektierte, deren Grenzen sich nun mal nicht verschieben lassen. Ich kannte ihn aus der Anfangszeit im Motorsport, als er noch mit einem Alfa Romeo bei Berg- und Flugplatzrennen unterwegs war. Ab und an sind wir die gleichen Rennen gefahren. Jochen war eigentlich – aus meiner Sicht – ein ganz normaler Motorsport-Fan, der Spaß daran hatte, die Grenzen dieses Sports abzutasten und zu erfahren. - Ein sehr talentierter Fan!

Jochen ist dann mit Glück – und den richtigen Sponsoren – in der Formel 1 gelandet, hat aber auch da niemals „F1-Allüren“ an den Tag gelegt. - Jochen ist immer Jochen geblieben! - Ein Mensch, der nicht nur Spaß am Motorsport hatte, sondern dann auch – fast zufällig – sein Geld damit verdiente.

Eigentlich hatte er mal Seemann – und da natürlich Kapitän – werden wollen. So war es sicherlich „normal“, dass er – als es ihm wirtschaftlich gut ging – auch eine eigene Segel-Yacht hatte. Er hat den Motorsport immer als „die schönste Nebensache der Welt“ empfunden und ihr den Anteil in seinem Leben zugestanden, der ihr auch zu kam.

Ich bin später als Journalist mit ihm zusammen getroffen. Wir haben uns offen ausgetauscht. Ich habe meine Meinung zu Fahrern und Funktionären – oder Automobilen und Menschen – die wir beide kannten, überprüfen können. Wir haben unsere Meinungen geäußert, argumentiert und abgeglichen. Das wäre heute mit „modernen Rennfahrern“ nicht mehr möglich!

Die sind – überwiegend – vom Marketing bestimmt, haben eigentlich keine eigene Meinung - bzw. äußern sie nicht öffentlich – sind „Aushängeschilder“ von Teams, Firmen und Sponsoren.

Natürlich hat auch Jochen Mass schon mal Kompromisse machen müssen, aber im direkten Kontakt – so von Mensch zu Mensch – ist er immer der Jochen geblieben, wie ich ihn mal kennen gelernt hatte. Und wenn ein Journalist – den er gut kannte (!) - eine gute Idee hatte, dann hat er die mit umgesetzt. - So ist das Foto, stehend auf der Sitzbank seiner Kawasaki entstanden. Oder die Foto-Sequenz, bei der er sich in eine Deutschland-Fahne wickelt. - Eine Idee – wie das Kawa-Foto – des Fotografen Wolfgang Drehsen!

Als ich für ein Motor-Magazin gedanklich auf der Suche nach einer etwas ausgefallenen Geschichte war, habe ich ihn gefragt, ob er mir seine AC Cobra mal leihen könne, damit ich den Lesern dieses Magazins mal davon ein paar Eindrücke vermitteln könne, weil man die sonst nur mit dem Kauf eines solchen Ausnahme-Automobils gewinnen kann. - Er hat mir dann „seine Cobra“ mal für eine Woche überlassen.

Ich erinnere mich auch , dass er mal morgens zu Testfahrten mit Porsche am Nürburgring zu spät erschien. Jacky Ickx und er waren die Fahrer. Im Plan stand, dass er in der ersten Phase zum Einsatz kam. Aber er war an diesem Morgen spät dran, kam im letzten Moment mit seiner Kawasaki vom Hotel angebraust. Ickx hatte schon im Porsche Platz genommen. Jochen wollte aber seinen Teil der Arbeit – wie vorgesehen – erfüllen. Da ist Jacky wieder ausgesteigen, Jochen hat mir den Zündschlüssel seiner Kawa mit den Worten in die Hand gedrückt, „...wenn mal was ist“ und ist in seine erste Nordschleifenrunde gestartet.

Wir hatten uns Wochen zuvor mal darüber unterhalten, dass man am Nürburgring niemals die erste Runde schnell fahren sollte. Jochen war meiner Meinung, dass man – wenn man sicher und schnell die Nordschleife umrunden möchte - das erst in der dritten Runde tun solle.

In diesem Fall – das Porsche-Team baute noch den Funkmast auf – kam Jochen aus seiner ersten Runde nicht „pünktlich“ zurück. - Ich hatte meine Stoppuhr mitlaufen lassen. Da habe ich das Porsche-Team kurz informiert, mich auf Jochens Kawa geschwungen und habe ihn dann in der „Bergwerk-Kurve“ gefunden.

Er stand – unverletzt - inmitten der „Schrottteile“ seines Porsche-Sportwagens, den er hier in der „Bergwerk“-Kurve zerlegt hatte. In seiner ersten Runde! - Wir haben dann auf das Porsche-Team gewartet, dass einige Minuten nach mir am Unfallort eintraf. Jochen hat dann gesagt:

„Aber ich fahre die Kawa zurück! - Du kannst hinten drauf Platz nehmen!“

Ich kann nicht sagen, dass ich mich wohl gefühlt habe, obwohl ich Jochen kannte. Schließlich hatte er gerade vorher auch vergessen, worüber wir Wochen vorher noch gesprochen hatten.

Aber wenn ich nun heute – einen Tag nach seinem 75. Geburtstag – das Leben von Jochen Mass noch mal so Revue passieren lasse, dann sind mir primär nicht seine vielen Erfolge präsent, sondern mehr jene Momente, an denen es „noch mal gut gegangen ist“. Das waren schon einige.

Aber Jochen hat wohl in seinem Leben – so weit das möglich war – alles richtig gemacht!

Lieber Jochen! - Nachträglich herzlichen Glückwunsch zu deinem 75. Geburtstag!

Wilhelm Hahne

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