„Herrschaftszeiten“ im deutschen Motorsport?

Man(n) interessiert sich heute nur noch oberflächlich für etwas. Das ist meine Feststellung. Obwohl man z.B. schon an bestimmten Sportarten besonders interessiert ist. Aber alles sollte schon „eine schöne heile Welt sein“, um deren „Schönheit“ sich andere kümmern! - Ich kann ja – auf den Motorsport bezogen - die Fahrer verstehen, die einfach nur fahren und Spaß haben möchten. Ich verstehe auch die Fans, die als Zuschauer die sportlichen Kämpfe im Motorsport genießen wollen. Und den Sound. - Aber bitte keine Probleme! - Keiner interessiert sich wirklich für Hintergründe, für‘s Reglement zum Beispiel. - Dafür gibt‘s ja die Fachleute! - Aber beim Fußball, da weiß der Fan schon was ein Abseits ist. - Ein „Abseits“ im Motorsport scheint ihn dagegen nicht zu interessieren. - Alles viel zu kompliziert? - Da muss man zustimmen, weil sich im Reglement inzwischen selbst die Veranstalter kaum noch auskennen. - Und der DMSB? - Da ist alles toll, modern organisiert. Ein Qualitätsmanagement! - Da muss man dann selbst Tage warten, wenn man dringend eine Lizenz benötigt, alle Unterlagen hat, in Frankfurt vorbei fährt und dann hören muss: Bitte warten! - Mitnehmen? - Ja, wo sind wir denn? - Der DMSB ist eine Behörde! - Darum fährt z.B. ein Mike Rockenfeller in diesem Jahr mit einer Schweizer Lizenz. Er hätte sonst das 24h-Rennen im Januar 2018 in Daytona ausfallen lassen müssen. - Zum Glück hat er auch einen Wohnsitz in der Schweiz. Da war ein Lizenz-Erhalt dann kein Problem! - „Jo, i kann diar helfa!“ - Aber selber machen sich die Funktionäre des deutschen Motorsports alles passend. - Wer kontrolliert da schon? - Untereinander ist man sich einig! - Eine Krähe hackt doch der anderen kein Auge aus! - Darum will Motor-KRITIK jetzt vor dem 24h-Rennen noch ein paar Sätze zu dem Zustand schreiben, den man auch so hinterfragen könnte:

„Herrschaftszeiten“ im deutschen Motorsport?

Eine Ausschreibung zu einem Rennen, erst recht zu einer Rennserie, die sollte eigentlich schon rechtzeitig vor der Saison vorliegen, damit sich die Teams und Fahrer auf die darin enthaltenen Anforderungen – auch die technischen (!) - einstellen können.

Es ist doch kein Zustand, dass z.B. die Ausschreibung für die „VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 2018“, die in diesem Jahr in neun Läufen am Nürburgring ausgetragen wird, mit Stand 14. Februar 2018, erst am 20.März 2018 (lt. aktueller VLN-Internetseite) mit der Genehmigungs-Nr. 822/18 des DMSB veröffentlicht wird.

  • Das war vier Tage vor dem ersten Rennen!

Da wird dann auch sofort das Bulletin Nr. 1 fällig, das mit 27. Februar 2018 datiert, vom DMSB genehmigt wurde. - Was sonst? - Eingereicht vom „Head of Sport“ der Basis-Rennserie des deutschen Motorsports, Michael Bork. (Das Bulletin Nr. 1 ist tatsächlich so unterzeichnet!)

Damit wird dann ein Teil des Technischen Reglements der gerade erst vom DMSB genehmigten Ausschreibung bis nach dem 24h-Rennen ausgesetzt. - Darum kann dieses Reglement dann auch erst nach diesem „Himmelfahrts“-Termin richtig für Ärger sorgen.  Besonders in einer der gut besetzten V-Klassen!

Aber wer interessiert sich schon für eine – verglichen mit den GT3-Teams – scheinbar finanzschwache Minderheit! - Obwohl aus dieser „Minderheit“ der Gesamtsieger der VLN Langstreckenmeisterschaft 2018 kommen könnte. - Die GT3 sind real eigentlich nur „der Schaum auf dem Bier“ dieser Veranstaltungsserie! - Und es wird in diesem Jahr bei der VLN „immer weniger Schaum geben“!

Man ist auch nicht erstaunt, wenn die „Anlage 1 2018“ zur bis nach dem 24h-Rennen „amputierten“ VLN-Ausschreibung, die „Anlage 01 Technisches Reglement TCR“, zwar mit „deutscher Fahne“ als die deutschsprachige Version gekennzeichnet ist. aber wie selbstverständlich findet man hier nur Ausführungen in englischer Sprache. - Bei einem „Head of Sport“ in einer deutschen Motorsport-Serie mit dem Status „National A inkl. NSAFP“ eigentlich normal! - Oder?

Von den Problemen, die sich der Veranstalter des 24h-Stunden-Rennens selber geschaffen hat, war hier in Motor-KRITIK schon die Rede. Da der Hinweis von Motor-KRITIK berechtigt war, hat der ADAC Nordrhein auch mit dem die Ausschreibung zum 24h-Rennen ergänzenden Bulletin 4D - mit Unterstützung des DMSB - beigedreht. - Der hat die Änderungen schnell genehmigt.

Nach Kenntnis von Motor-KRITIK wird damit erstmals in einer Veranstaltung ein Rennen mit dem unterschiedlichen Status „International“ und „National“, also praktisch in zwei Wertungen ausgetragen. - Wie das die Verantwortlichen Funktionäre in die Praxis umsetzen wollen, bleibt im Moment noch ihr Geheimnis.

    • Man darf auf den Ausdruck der Ergebnisse gespannt sein!

Was aus dem Rennergebnis des 24h-Quali-Rennens wird, wo entsprechend dem Status „International“ der Veranstaltung nicht startberechtigte Fahrzeuge von den Technischen Kommissaren abgenommen wurden, ist bis heute ungeklärt, da sich – bisher – niemand der eigentlich Verantwortlichen dazu geäußert hat.

Da „Druck von außen“ aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit nicht zu erwarten ist, wird man in Köln und Frankfurt versuchen, diese Situation auszusitzen. - Wäre das nicht auch ein „ILN“-Thema?

Aufgrund des Wochenendes und der dann noch zusätzlichen „Lücke durch Brückentage“ waren wir bei Motor-KRITIK leider nicht in der Lage sofort zu klären, warum in diesem Bulletin 4D, das auf diesen Internetseiten auch veröffentlicht wurde, plötzlich nicht nur die „VLN-Produktionswagen“ unter dem Status „National A (NEAFP) starten müssen, sondern auch – Zitat:

  • „Gruppe 24h-Spezial gemäß Kapitel II, sowie Anlage 1 dieser Ausschreibung, inkl. Hybrid mild
  • Klasse SP-X gemäß Anlage 2 dieser Ausschreibung
  • Gruppe AT gemäß Kapitel III, sowie Anlage 1 dieser Ausschreibung“

Erstaunlich auch, dass sich bis heute zu diesem Thema keine Leser bei Motor-KRITIK gemeldet haben. Ist das gar nicht aufgefallen? - Weil es wohl  auch gar nicht interessiert. - Noch nicht einmal die so genannten Fach-Journalisten und -Medien! - Aber es hat das Interesse von Motor-KRITIK geweckt.

Es gibt für diese unauffällige „Abwertung“ dieser Klassen eigentlich nur den Grund, dass es diese Klassen „international“ überhaupt nicht gibt. Das sind – sozusagen - „nationale Eigengewächse“, die von einem Ortsklub aus der Provinz, dem ADAC Nordrhein, in einem gewissen Eigeninteresse geschaffen wurden. Darum hat man die jetzt schnell, weil man wegen der „VLN-Produktionswagen“ sowieso aufgrund des Motor-KRITIK-Hinweises eine Änderung vornehmen musste, diese „international unbekannten Klassen“ noch in Bulletin 4D unter “national“mit eingefügt. - Sozusagen „international verschwinden lassen“. - Fast unauffällig!

Und der DMSB hat‘s genehmig! - Was auch sonst? -  Wobei mir auffällt, dass hier auch mal die Unterschrift eines DMSB-Mitarbeiters zu finden ist, der mir sonst in Verbindung mit DMSB-Genehmigungen noch nicht aufgefallen war.

Man muss nämlich wissen: Das 24-Stunden-Rennen gehört neben der DTM eigentlich zu den Veranstaltungen, die beim DMSB als „Chefsache“ behandelt werden und deren Bearbeitung bisher nur einem „Chef“ des DMSB vorbehalten waren. - Der tritt allerdings in diesen aktuellen Fällen, in denen man wohl in Frankfurt mit „geschlossenen Augen“ Genehmigungen erteilt hatte, nicht mehr offiziell in Erscheinung.

Wenn diese „ nationalen Fehltritte“ des DMSB der FIA in Paris bekannt werden, wird sich erweisen, wie belastbar die Freundschaft Hans-Joachim Stuck/Jean Todt ist. - Schließlich möchte dieser Franzose nicht wie ein anderer auf St. Helena enden!

Aber schon die Abläufe der in den letzten Jahren des 24h-Rennens ausgetragenen FIA-Läufe haben am Beispiel der an diesem langen Rennwochenende auch ausgetragenen Weltmeisterschaftsläufe deutlich gemacht (die FIA-Status genießen!), dass die Herren aus Paris z.B. das vom DMSB national vorgeschriebene Nordschleifen-Permit nicht ernst nehmen, geradezu als „nationalen Klimbim“ abgetan haben. - Für Teilnehmer an FIA-Serien war – und ist - sie nicht erforderlich!

Dieses „Permit“ ist auch in der Praxis ohne jeden Wert! - Kostet nur eine Menge! - Ist für bestimmte Leute ein Geschäft! Darum wurde es auch eingeführt. In der Realität ist es ohne jeden Sinn, aber „verkauft sich“ unter dem Aspekt „Sicherheit“ gegenüber einer auf diesem Gebiet auch naiven Öffentlichkeit (Woher soll man‘s auch wissen?) sehr gut!

Abgesehen davon, dass der DMSB gar nicht berechtigt war, dieses „Nordschleifen-Permit“ einzuführen. - Wie Motor-KRITIK schon versucht hat, mit der Veröffentlichung einer gutachterlichen Bewertung zu beweisen.

Es ist schade, dass sich in Deutschland nur wenige Motorsportler ernsthaft um die Details im Motorsport bemühen. Bemühungen sind sonst nur da auszumachen, wo sie Geld bringen.

Wenn aktuell z.B. die „ILN“ (Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring) unter neuer Leitung (Herr Rosorius, Mitarbeiter bei „Black Facon“!) darauf hinweist, dass die „gelben Mülltonnen“ am Rande der Rennstrecke die Fahrer an einigen Stellen der Nordschleife verunsichern könnten (in Verbindung mit Code 60?), so ist das sicher nicht scherzhaft gemeint, macht aber deutlich, auf welchem Niveau heute von Seiten der Teams und Fahrer Kritik geübt wird.

Nur niemandem wehe tun! Mein leidet zwar, klagt auch hinter vorgehaltener Hand. Aber man verhält sich pragmatisch!

Aber es zeichnet sich ein Umschwung ab. - Der DMSB hat mit der Art seiner „Verwaltung“ des Motorsports inzwischen eigentlich jede Gruppe/Sparte verärgert. Auch die, die im Rallye-Sport aktiv ist.

Am 24.Mai 2018, um 10 Uhr, wird im Landgericht Frankfurt ein Urteil gesprochen, an dessen Verkündung man in Raum I des Gebäude E teilnehmen kann. Es geht dabei um die Genehmigung für eine neue Rallye-Serie des Basis-Motorsports mit neuen – eigenen – technischen Bestimmungen. - Wobei Motor-KRITIK interessieren würden, ob oder welche Lizenz hier gefragt ist.

Hier könnte der DMSB – nach allem was bisher wahrzunehmen war – eine Niederlage erleiden. Es wäre nicht die erste Niederlage des DMSB, der eigentlich nur ein normaler eingetragener Verein ist. - Bei dem Urteil geht es um die Zukunft des Rallye-Breitensports!

In der Vergangenheit hatte sich auch schon mal eine Firma aus dem Kart-Sektor gegen den DMSB gerichtlich durchgesetzt.

Man sollte nicht übersehen: Es geht in allen Sparten um die Zukunft des Motorsports in Deutschland. - Das scheint bisher kaum ein Veranstalter, ein Team, ein Fahrer – auch kaum ein Fan -  begriffen zu haben.

Die Motorsportwelt in Deutschland leidet schon seit Jahren unter den „Herrschaftszeiten“!

Ist nun ein Ende abzusehen?

Nicht nur am Beispiel des 24h-Rennens am Nürburgring, dem „Status-Splitting“ der Veranstaltung, wird deutlich, dass die „Herren des Motorsports“ deutlich überzogen haben.

Ist damit das Ende der „Herrschaftszeiten“ eingeläutet?

MK/Wilhelm Hahne
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